Wenn die Nächte im Juni wärmer werden und ein tiefes Brummen die Abenddämmerung erfüllt, sind sie wieder da: Junikäfer. Doch während viele Gartenbesitzer das Spektakel der schwärmenden Käfer fasziniert beobachten, stellt sich schnell die bange Frage nach dem Zustand der mühsam gepflegten Pflanzen. Was fressen Junikäfer eigentlich genau? Die Antwort ist zweigeteilt, denn das Insekt durchläuft eine radikale Wandlung von der unterirdisch lebenden Larve zum fliegenden Käfer. Während die erwachsenen Tiere (Imagines) sich meist mit einem „Snack“ an Baumkronen begnügen, sind es vor allem die Larven – die sogenannten Engerlinge –, die im Verborgenen für kahle Stellen im Rasen und welkende Pflanzen sorgen können. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Ernährungsgewohnheiten von Amphimallon solstitiale, welche Pflanzen besonders gefährdet sind und wie Sie Ihren Garten biologisch schützen können.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erwachsene Käfer: Fressen Blätter von Laubbäumen (Eiche, Buche, Birke), Pollen und Nektar [2][5].
- Larven (Engerlinge): Ernähren sich von Pflanzenwurzeln (Rasen, Gemüse, Getreide) und organischem Material im Boden [1][3].
- Hauptschadzeit: Die Larven fressen über 2 bis 3 Jahre im Boden, bevor sie sich verpuppen [2][4].
- Gefährdete Pflanzen: Besonders Rasenflächen, Kartoffeln, Rüben und junge Obstbäume [11][15].
- Biologischer Schutz: Einsatz von entomopathogenen Nematoden (z. B. Heterorhabditis bacteriophora) ist hocheffektiv [1][34].

Taxonomie und Identifikation: Wer frisst da eigentlich?
Bevor wir klären, was auf dem Speiseplan steht, müssen wir den Täter identifizieren. Der Gerippte Brachkäfer (Amphimallon solstitiale), wie der Junikäfer wissenschaftlich heißt, gehört zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) [3]. Er wird oft mit dem größeren Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) verwechselt, ist aber mit 14 bis 20 mm deutlich kleiner und hat eine charakteristische Rippenstruktur auf den Flügeldecken [11][12].
Sein Name „solstitiale“ leitet sich von der Sommersonnenwende (Solstitium) ab, da die Hauptflugzeit Ende Juni beginnt [2]. Die Kenntnis über seine Biologie ist entscheidend, da das Fressverhalten eng an den photoperiodischen Zyklus und die Bodentemperatur gekoppelt ist [4][27]. Während der Käfer im adulten Stadium nur wenige Wochen lebt, verbringt er als Larve den Großteil seiner Zeit unter der Erde – und genau dort findet der folgenschwerste Fraß statt.
Was fressen erwachsene Junikäfer?
Sobald die Junikäfer in der Abenddämmerung aus dem Boden schlüpfen, beginnt ihre kurze Phase als Fluginsekt. Im Gegensatz zu ihren Larven verursachen die adulten Käfer meist nur geringe Schäden. Ihr Fressverhalten ist eher als „Reifungsfraß“ zu verstehen, der ihnen die nötige Energie für die Paarung liefert [11].
Laubgehölze als Hauptnahrungsquelle
Erwachsene Junikäfer sind primär Laubfresser. Sie bevorzugen die zarten Blätter an den Spitzen hoher Bäume. Zu ihren Favoriten zählen:
- Eichen (Quercus spp.): Besonders junge Triebe werden gerne angefressen [11].
- Buchen (Fagus spp.): Hier findet man oft Schwärme in den Baumkronen [29].
- Birken (Betula spp.): Die weichen Blätter der Birke sind eine beliebte Energiequelle [1].
- Ahorn (Acer spp.) und Obstbäume: Auch Kirsch- oder Apfelbäume können Ziel des Fraßes werden [11][24].
Pollen, Nektar und Blüten
Neben Blättern nehmen die Käfer auch flüssige oder weiche Nahrung auf. Es wurde beobachtet, dass sie Pollen und Nektar von verschiedenen Pflanzen konsumieren, was ihnen eine schnelle Zuckerzufuhr ermöglicht [28]. In manchen Fällen fressen sie auch an Blütenblättern von Ziersträuchern, was jedoch selten zu einem Totalverlust der Blüte führt [11].

Die Nahrung der Engerlinge: Die Gefahr unter dem Rasen
Das eigentliche Problem für Gärtner und Landwirte sind die Larven. Diese C-förmigen, weißlichen Grubs leben 2 bis 3 Jahre im Boden und sind extrem gefräßig [15][16]. Ihr gesamter Körperbau ist darauf ausgelegt, sich durch das Erdreich zu graben und Wurzeln zu raspeln [18].
Wurzelfraß an Gräsern und Nutzpflanzen
Engerlinge des Junikäfers sind Generalisten, haben aber klare Vorlieben. Sie fressen die feinen Haarwurzeln ebenso wie dickere Hauptwurzeln. Dies führt dazu, dass die Pflanzen kein Wasser und keine Nährstoffe mehr aufnehmen können [11]. Besonders betroffen sind:
- Rasenflächen: Die Larven fressen die Graswurzeln direkt unter der Grasnarbe ab. Die Folge: Der Rasen wird gelb, löst sich vom Untergrund und lässt sich wie ein Teppich aufrollen [1][14].
- Gemüse: Kartoffeln, Rüben und Leguminosen stehen hoch im Kurs. Hier fressen die Larven oft tiefe Löcher in die Knollen [11][44].
- Getreide: In der Landwirtschaft können Engerlinge ganze Bestände von Getreide durch Wurzelfraß vernichten [11].
- Zierpflanzen: Auch die Wurzeln von Stauden und jungen Heckenpflanzen werden nicht verschont [37].
Organisches Material und Humus
Wenn keine lebenden Wurzeln verfügbar sind, können die Larven auch auf totes organisches Material im Boden ausweichen. Sie zersetzen Humus und Pflanzenteile, was zwar zur Bodenbelüftung beiträgt, aber ihre Population im Garten stabilisiert, bis wieder frische Wurzeln wachsen [2][32].

Der Fresszyklus: Wann ist der Hunger am größten?
Die Intensität der Nahrungsaufnahme variiert stark je nach Entwicklungsstadium der Larve. Das vierte Larvenstadium (L4) gilt als das gefräßigste und widerstandsfähigste Stadium [1][34].
Im ersten Jahr nach der Eiablage (meist im August/September) sind die Larven noch klein (ca. 1 cm) und fressen nur feine Wurzeln. Nach der ersten Überwinterung steigen sie im Frühjahr wieder in die oberen Bodenschichten auf und beginnen mit dem intensiven Fraß [16][21]. Besonders im zweiten und dritten Jahr ihrer Entwicklung verursachen sie die massivsten Schäden, bevor sie sich im Frühjahr des dritten oder vierten Jahres verpuppen [2][25].
Wer frisst den Junikäfer? Natürliche Feinde
In einem funktionierenden Ökosystem wird die Population der Junikäfer durch zahlreiche Fressfeinde reguliert. Diese Tiere sind oft die besten Helfer im Kampf gegen die Engerlinge:
- Vögel: Amseln, Dohlen, Krähen und Wiedehopfe suchen gezielt nach Engerlingen im Boden oder fangen die Käfer im Flug [1][38][39].
- Säugetiere: Maulwürfe, Igel und Spitzmäuse graben nach den Larven. Auch wenn Maulwurfshügel im Rasen ärgerlich sind, ist der Maulwurf ein effektiver Engerlingsjäger [1][39].
- Insekten: Laufkäfer wie Poecilus cupreus jagen die Larven im Ackerboden [37].
- Mikroorganismen: Pilze wie Metarhizium flavoviride und Bakterien wie Paenibacillus popilliae infizieren die Larven und führen zur sogenannten „Milchkrankheit“ [40][41].
Biologische Bekämpfung: Nematoden als Lösung
Wenn der Fraßdruck zu hoch wird, bietet die moderne Forschung hocheffektive biologische Lösungen. Die Verwendung von entomopathogenen Nematoden hat sich als nachhaltigste Methode erwiesen [1][7].
Besonders die Art Heterorhabditis bacteriophora erzielt beeindruckende Ergebnisse. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer dringen in die Larven ein und setzen symbiotische Bakterien (Photorhabdus spp.) frei, die den Engerling innerhalb von 48 bis 72 Stunden abtöten [1]. Studien zeigen, dass bei einer Konzentration von 3500 Nematoden pro Milliliter und einer Temperatur von 25°C eine Mortalitätsrate von bis zu 82 % erreicht werden kann [1][34].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was fressen erwachsene Junikäfer am liebsten?
Erwachsene Junikäfer fressen vor allem die Blätter von Laubbäumen wie Eiche, Buche und Birke sowie Pollen und Nektar.
Welchen Schaden richten die Larven (Engerlinge) an?
Die Larven fressen Pflanzenwurzeln unter der Erde, was zu gelbem Rasen, welkenden Pflanzen und Ernteausfällen bei Kartoffeln oder Getreide führt.
Fressen Junikäfer auch Nadelbäume?
Nein, Junikäfer bevorzugen fast ausschließlich Laubbäume. Nadelbäume wie Fichten oder Kiefern werden von ihnen in der Regel gemieden.
Sind Junikäfer für Menschen oder Haustiere gefährlich?
Nein, Junikäfer sind völlig harmlos. Sie können weder stechen noch beißen und übertragen keine Krankheiten auf Menschen oder Tiere.
Wie kann ich verhindern, dass Engerlinge meinen Rasen fressen?
Die effektivste Methode ist die Ausbringung von Nematoden im Spätsommer sowie das regelmäßige Vertikutieren und Belüften des Bodens.
Fazit
Die Frage „Was fressen Junikäfer?“ lässt sich klar beantworten: Während die erwachsenen Käfer als harmlose Blattfresser in den Baumkronen thronen, sind ihre Larven ernstzunehmende Wurzelschädlinge. Der Schlüssel zu einem gesunden Garten liegt nicht in der Bekämpfung der fliegenden Käfer, sondern in der Kontrolle der Engerlingspopulation im Boden. Durch die Förderung natürlicher Feinde wie Vögel und Igel sowie den gezielten Einsatz von biologischen Helfern wie Nematoden lässt sich das Gleichgewicht im Garten bewahren, ohne zur chemischen Keule greifen zu müssen.
Beobachten Sie Ihren Rasen im Spätsommer genau auf gelbe Stellen und handeln Sie frühzeitig, um den Hunger der Engerlinge zu stoppen. So bleibt Ihr Garten auch im nächsten Jahr eine grüne Oase.
Quellen und weiterführende Informationen
- Mikaia, N. (2024). Control of Pest Insect of June Beetle (Amphimallon solstitialis), with Entomopathogenic Nematodes. IJISRT, Vol 9, Issue 12.
- Reichholf, J. H. (2022). Der Junikäfer Amphimallon solstitiale in südostbayerischen Gärten. NachrBl. bayer. Ent. 71.
- Grokipedia. Amphimallon solstitiale - Taxonomy and Ecology.
- Boyes, D. et al. (2024). The genome sequence of the Summer Chafer, Amphimallon solstitiale. Wellcome Open Research.
- Stiftung Naturschutz Berlin (2022). Auf Käferpirsch: Gerippter Brachkäfer (Junikäfer).
- Atlas of Forest Pests. Amphimallon solstitiale / Summer chafer. forestpests.eu.
- Plantura Magazin. Summer chafer: detection, prevention & treatment.
- e-nema GmbH. Summer chafer control with nematodes.
- Agroscope. Biological control of white grubs. admin.ch.