Sie betreten den dunklen Keller, schalten das Licht ein und sehen sie flüchten: kleine, graue, gepanzerte Tierchen, die hastig unter Kisten und in Ritzen verschwinden. Kellerasseln (Porcellio scaber) sind in vielen Haushalten ein vertrauter, wenn auch oft unwillkommener Anblick. Obwohl sie völlig harmlos sind, keine Krankheiten übertragen und keine Bausubstanz zerstören, empfinden viele Menschen ihre Anwesenheit in den eigenen vier Wänden als störend. Der Griff zur chemischen Keule ist jedoch absolut unnötig und ökologisch bedenklich. Es gibt zahlreiche hochwirksame Hausmittel gegen Kellerasseln, die sich die faszinierende Biologie dieser Tiere zunutze machen, um sie sanft, aber bestimmt nach draußen zu befördern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Feuchtigkeitsentzug ist der Schlüssel: Kellerasseln atmen über Kiemen und besitzen keine schützende Wachsschicht. Trockene Räume sind für sie lebensfeindlich.
- Natürliche Duftstoffe: Ätherische Öle, Salbei und Zimt stören die feinen Chemorezeptoren der Asseln und wirken als natürliche Repellents.
- Lebendfallen bauen: Mit ausgehöhlten Kartoffeln oder feuchtem Zeitungspapier lassen sich die nachtaktiven Tiere bündeln und morgens nach draußen tragen.
- Ökologischer Nutzen: Kellerasseln sind keine Schädlinge, sondern wichtige Destruenten (Humusbildner). Sie sollten idealerweise lebend auf den Kompost umgesiedelt werden.
- Prävention: Risse im Mauerwerk abdichten und organische Abfälle (wie gelagertes Obst oder Laub) aus bodennahen Bereichen entfernen.

Warum Hausmittel? Die Biologie der Kellerassel verstehen
Um zu verstehen, warum bestimmte Hausmittel gegen Kellerasseln so hervorragend funktionieren, müssen wir einen kurzen Blick auf die erstaunliche Biologie dieser Tiere werfen. Was viele nicht wissen: Kellerasseln sind keine Insekten, sondern gehören zur Klasse der Höheren Krebse (Malacostraca) und dort zur Ordnung der Asseln (Isopoda) [2]. Sie haben vor etwa 160 Millionen Jahren den Schritt aus dem Meer an Land gewagt, sind aber in vielerlei Hinsicht noch immer Geschöpfe des Wassers.
Die Achillesferse: Atmung und Panzer
Im Gegensatz zu Insekten fehlt den Landasseln eine isolierende Wachsschicht (Kutikula) auf ihrem Chitinpanzer [1]. Das macht sie extrem anfällig für Austrocknung (Desikkation). Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Überlebensfähigkeit von Asseln direkt mit der Dicke ihres Panzers und der relativen Luftfeuchtigkeit zusammenhängt [4]. Bei einer Luftfeuchtigkeit von unter 50 Prozent verlieren sie rapide an Körperwasser und sterben.
Zudem atmen Kellerasseln primär über Kiemen, die an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) sitzen [2]. Diese Kiemen müssen zwingend feucht gehalten werden, damit der Sauerstoffaustausch funktioniert. Die Tiere haben dafür ein faszinierendes Wasserleitsystem entwickelt, bei dem sie sogar ihren eigenen, ammoniakhaltigen Urin nutzen, um die Kiemen zu befeuchten [2]. Diese starke Abhängigkeit von Feuchtigkeit ist der wichtigste Hebel für jedes Hausmittel gegen Kellerasseln.
Feuchtigkeitsentzug: Das effektivste "Hausmittel" gegen Kellerasseln
Da wir nun wissen, dass Kellerasseln ohne hohe Luftfeuchtigkeit nicht überleben können, ist die nachhaltigste Methode zu ihrer Vertreibung die Regulierung des Raumklimas. Wenn Sie den Keller oder das Erdgeschoss trockenlegen, verschwinden die Asseln von ganz allein, da sie aktiv nach feuchteren Habitaten suchen (negative Phototaxis und Feuchtigkeitspräferenz) [3].
Richtiges Lüften (Stoßlüften)
Besonders in Kellerräumen wird oft falsch gelüftet. Wenn Sie im Sommer an heißen, schwülen Tagen die Kellerfenster dauerhaft gekippt lassen, strömt warme, feuchte Luft in den kühlen Keller. Dort kondensiert die Feuchtigkeit an den kalten Wänden – ein Paradies für Kellerasseln. Lüften Sie stattdessen nur in den frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden, wenn die Außenluft kühl und trocken ist. Erzeugen Sie für 10 bis 15 Minuten einen starken Durchzug.
Salz und Kieselgel als natürliche Luftentfeuchter
Wenn bauliche Gegebenheiten ein optimales Lüften erschweren, können Sie auf einfache Hausmittel zur Luftentfeuchtung zurückgreifen:
- Schüsseln mit grobem Salz: Stellen Sie mehrere flache Schalen mit herkömmlichem Speisesalz oder Katzenstreu in den betroffenen Räumen auf. Das Salz bindet die Feuchtigkeit aus der Raumluft. Sobald das Salz klumpig oder nass ist, können Sie es im Backofen (bei Restwärme) trocknen und wiederverwenden.
- Silica-Gel (Kieselgel): Die kleinen Päckchen, die oft neuen Schuhen oder Elektronikgeräten beiliegen, sind hervorragende Feuchtigkeitsabsorber. Sammeln Sie diese und legen Sie sie in die Ecken, in denen sich die Asseln bevorzugt aufhalten.

Gerüche und ätherische Öle zur Vertreibung
Kellerasseln orientieren sich in ihrer dunklen Umgebung stark über ihren Geruchs- und Tastsinn. Sie besitzen zwei Paar Antennen, von denen das kürzere Paar als hochempfindlicher Chemorezeptor fungiert [3]. Starke, ätherische Gerüche überreizen diese Rezeptoren und zwingen die Tiere zur Flucht. Dies macht bestimmte Düfte zu einem exzellenten Hausmittel gegen Kellerasseln.
Salbei: Der natürliche Assel-Schreck
Der intensive Geruch von Salbei ist für Kellerasseln äußerst unangenehm. Sie können frische oder getrocknete Salbeiblätter großzügig an den Stellen auslegen, an denen die Tiere ins Haus eindringen (z. B. an Kellerfenstern, Türspalten oder Fugen). Alternativ können Sie einen starken Salbeitee kochen, ihn abkühlen lassen und mit einer Sprühflasche auf die betroffenen Flächen und Laufwege sprühen.
Zimt, Nelken und Teebaumöl
Ähnlich wie bei Ameisen wirken auch bei Asseln stark riechende Gewürze und Öle als Barriere:
- Zimtpulver: Streuen Sie eine dünne Linie Zimtpulver vor Türschwellen. Die Asseln werden diese Duftbarriere in der Regel nicht überqueren.
- Teebaumöl-Spray: Mischen Sie 10 bis 15 Tropfen reines Teebaumöl mit 500 ml Wasser und einem Spritzer Spülmittel (als Emulgator). Sprühen Sie diese Mischung in dunkle Ecken und Ritzen. Der Geruch hält mehrere Tage an und vertreibt die Krebstiere zuverlässig.
- Lavendel und Pfefferminze: Auch diese ätherischen Öle können, auf Wattepads getropft und in den Raumecken platziert, eine abschreckende Wirkung erzielen.

Mechanische Barrieren und natürliche Lebendfallen
Wenn Sie bereits eine größere Population von Kellerasseln im Haus haben, reicht das Vertreiben durch Gerüche oft nicht aus. Hier kommen Lebendfallen ins Spiel. Diese Hausmittel gegen Kellerasseln nutzen zwei spezifische Verhaltensweisen der Tiere aus: ihre negative Phototaxis (die Flucht vor Licht) und ihre Thigmokinesis (das Bedürfnis, Körperkontakt zu Objekten oder Artgenossen zu haben, um die Verdunstungsoberfläche zu verringern) [3, 4].
Die Kartoffelfalle: Ein bewährter Klassiker
Kellerasseln ernähren sich primär von abgestorbener organischer Substanz, verschmähen aber auch frisches, feuchtes Gemüse nicht [1]. Eine ausgehöhlte Kartoffel ist der perfekte Köder.
- Nehmen Sie eine große, rohe Kartoffel und halbieren Sie diese.
- Höhlen Sie beide Hälften mit einem Löffel leicht aus, sodass eine kleine Höhle entsteht.
- Schneiden Sie eine kleine Kerbe in den Rand, die als "Eingangstor" dient.
- Legen Sie die Kartoffelhälften mit der hohlen Seite nach unten abends in den betroffenen Raum.
- Die Asseln werden von der Feuchtigkeit und der Nahrungsquelle angelockt und sammeln sich in der dunklen Höhle.
- Sammeln Sie die Kartoffeln am nächsten Morgen mitsamt den Asseln ein und entsorgen Sie diese auf dem Komposthaufen im Garten.
Die Feuchttuch- oder Zeitungsfalle
Diese Methode nutzt den extremen Feuchtigkeitsbedarf der Tiere. Nehmen Sie ein altes Handtuch, einen Lappen oder mehrere Lagen Zeitungspapier. Feuchten Sie das Material gut an (es sollte nicht tropfen, aber deutlich klamm sein) und legen Sie es abends auf den Kellerboden. Die nachtaktiven Asseln werden dieses künstliche, feuchte Mikroklima als idealen Unterschlupf für den Tag ansehen. Am Morgen können Sie das Handtuch oder die Zeitung einfach zusammenrollen und die Tiere im Freien ausschütteln.
Trocknende Pulver: Kieselgur und Backpulver
Wenn Lebendfallen und Gerüche nicht den gewünschten Erfolg bringen, gibt es Hausmittel, die letal (tödlich) wirken. Da Kellerasseln Nützlinge sind, sollten diese Methoden nur als letztes Mittel bei einer massiven Plage im Wohnbereich angewendet werden.
Kieselgur (Diatomeenerde)
Kieselgur besteht aus den mikroskopisch kleinen Schalen fossiler Kieselalgen. Für uns Menschen fühlt es sich an wie feines Mehl, für Insekten und Krebstiere mit Chitinpanzer ist es jedoch wie feines Glas. Wenn die Asseln über das Pulver laufen, verletzen die scharfen Kanten der Kieselalgen die empfindliche Außenhaut der Tiere. Zudem wirkt Kieselgur extrem hygroskopisch (wasseranziehend). Es saugt die Feuchtigkeit aus dem Körper der Asseln, was innerhalb kurzer Zeit zum Tod durch Austrocknung führt. Streuen Sie das Pulver in feine Ritzen und entlang der Fußleisten.
Backpulver und Natron
Ein weiteres bekanntes Hausmittel gegen Kellerasseln ist herkömmliches Backpulver oder Natron. Es kann entweder trocken ausgestreut oder als Barriere genutzt werden. Auch hier ist die Wirkung primär austrocknend. Wenn die Tiere das Pulver bei der Körperpflege aufnehmen, verändert es zudem den pH-Wert in ihrem Verdauungstrakt, was ebenfalls letal wirkt. Oft wird empfohlen, Backpulver mit etwas Puderzucker zu mischen, um die Tiere anzulocken.
Natürliche Feinde fördern
Ein gesundes Ökosystem reguliert sich oft von selbst. Wenn Sie rund um Ihr Haus und im Garten natürliche Feinde der Kellerassel fördern, verringert sich der Populationsdruck auf Ihr Haus automatisch. Zu den wichtigsten Fressfeinden der Kellerassel gehören:
- Spinnen: Insbesondere der Große Asseljäger (Dysdera crocata) hat sich, wie der Name schon sagt, auf diese Krebstiere spezialisiert [3]. Seine kräftigen Kieferklauen können den harten Chitinpanzer der Asseln mühelos durchdringen.
- Vögel, Igel und Kröten: Diese Tiere suchen in der Dämmerung und nachts gezielt nach proteinreicher Nahrung. Ein naturnaher Garten mit Hecken, Totholzhaufen und unaufgeräumten Ecken bietet diesen Nützlingen Lebensraum, die wiederum die Asselpopulation in Schach halten.
- Hundertfüßer und Laufkäfer: Auch diese räuberischen Bodenbewohner verschmähen eine Kellerassel nicht [3].
Prävention: So bleiben Keller und Haus asselfrei
Das beste Hausmittel gegen Kellerasseln ist die Prävention. Wenn Sie den Tieren keinen Grund geben, Ihr Haus zu betreten, müssen Sie sie später auch nicht vertreiben.
Nahrungsquellen entfernen
Kellerasseln sind Destruenten. Sie ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, faulendem Holz und gelagertem Gemüse [1]. Überprüfen Sie Ihre Kellerräume:
- Lagern Sie Kartoffeln, Äpfel oder anderes Obst und Gemüse niemals direkt auf dem feuchten Kellerboden. Nutzen Sie Regale oder hängende Netze.
- Entfernen Sie alte Pappkartons und Zeitungsstapel vom Boden. Pappe zieht Feuchtigkeit an und weicht auf – ein gefundenes Fressen und ein idealer Unterschlupf für Asseln.
- Vermeiden Sie es, Kaminholz direkt im Haus oder im feuchten Keller zu lagern. Holen Sie immer nur die Menge ins Haus, die Sie zeitnah verfeuern.
Zugangswege blockieren
Kellerasseln sind flach gebaut und passen durch die kleinsten Ritzen. Dichten Sie Risse im Mauerwerk, undichte Fugen an Kellerfenstern und Spalten unter Außentüren mit Silikon, Acryl oder speziellen Bürstendichtungen ab. Achten Sie auch darauf, dass Laub und Pflanzenreste im Herbst nicht direkt an der Hauswand oder in den Lichtschächten der Kellerfenster liegen bleiben. Diese feuchten Laubhaufen sind die perfekten "Wartezimmer" für Asseln, bevor sie durch winzige Spalten ins wärmere Haus eindringen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das beste Hausmittel gegen Kellerasseln?
Das effektivste und nachhaltigste Hausmittel ist der Feuchtigkeitsentzug durch richtiges Lüften und Heizen. Zur direkten Entfernung eignen sich Lebendfallen aus ausgehöhlten Kartoffeln oder feuchtem Zeitungspapier am besten, um die Tiere einzusammeln und nach draußen zu bringen.
Welcher Geruch vertreibt Kellerasseln?
Kellerasseln reagieren sehr empfindlich auf starke, ätherische Gerüche. Besonders bewährt haben sich Salbei, Zimt, Teebaumöl, Lavendel und Pfefferminze. Diese können als getrocknete Kräuter, Pulver oder als Spray (mit Wasser verdünnte Öle) angewendet werden.
Sind Kellerasseln schädlich für das Haus oder die Gesundheit?
Nein, absolut nicht. Kellerasseln übertragen keine Krankheiten auf Menschen oder Haustiere und zerstören auch keine intakte Bausubstanz oder Möbel. Sie sind lediglich ein optischer Störfaktor und ein Indikator dafür, dass ein Raum zu feucht ist.
Hilft Backpulver gegen Kellerasseln?
Ja, Backpulver wirkt gegen Kellerasseln, da es den Tieren Feuchtigkeit entzieht und bei Aufnahme letal (tödlich) wirkt. Da Asseln jedoch nützliche Humusbildner sind, sollten Lebendfallen und Umsiedlung immer die erste Wahl sein.
Warum habe ich plötzlich so viele Kellerasseln im Haus?
Ein plötzliches Auftreten deutet meist auf eine erhöhte Luftfeuchtigkeit hin (z. B. durch falsches Lüften im Sommer, einen unentdeckten Wasserschaden oder feuchtes Wetter). Auch direkt am Haus gelagertes Laub oder Kaminholz können die Tiere anlocken.
Fazit: Sanfte Vertreibung statt chemischer Keule
Kellerasseln sind faszinierende Überlebenskünstler aus einer längst vergangenen Zeit, die sich perfekt an das Leben an Land angepasst haben – solange es feucht genug ist. Genau dieses Wissen ist Ihre stärkste Waffe. Mit gezieltem Feuchtigkeitsentzug, dem Einsatz von stark riechenden Hausmitteln wie Salbei oder Teebaumöl und dem Aufstellen von simplen Lebendfallen (Kartoffel-Trick) bekommen Sie das Problem schnell und vor allem ökologisch unbedenklich in den Griff. Denken Sie daran: Die kleinen Krebstiere sind im Garten wertvolle Helfer bei der Humusbildung. Tragen Sie sie nach draußen, dichten Sie Ritzen ab und achten Sie auf ein trockenes Raumklima – so bleibt Ihr Haus dauerhaft asselfrei.
Wissenschaftliche Quellen
- Umweltbundesamt: Kellerassel (Aussehen und Vorkommen). Informationen zur Biologie und ökologischen Rolle von Porcellio scaber.
- Preisfeld, G. (2025): Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Bergische Universität Wuppertal. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Atmung (Kiemen und Tracheenlungen) und zum Wasserleitsystem der Landasseln.
- Animal Diversity Web: Porcellio scaber. Detaillierte Verhaltensbiologie, inkl. Thigmokinesis, negativer Phototaxis und natürlichen Fressfeinden (z.B. Dysdera crocata).
- Csonka, D. et al. (2018): Morphological traits – desiccation resistance – habitat characteristics: a possible key for distribution in woodlice (Isopoda, Oniscidea). ZooKeys 801: 481–499. Studie zur Austrocknungsresistenz und Kutikuladicke von Asseln.