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Kellerasseln Haltung: Der ultimative Guide für das Terrarium
April 28, 2026 Patricia Titz

Kellerasseln Haltung: Der ultimative Guide für das Terrarium

Wer an Haustiere denkt, hat meist Hunde, Katzen oder vielleicht noch Reptilien im Kopf. Doch in der Terraristik erfreut sich ein ganz besonderer, oft unterschätzter Pflegling wachsender Beliebtheit: die Kellerassel (Porcellio scaber). Die Kellerasseln Haltung ist nicht nur extrem einsteigerfreundlich, sondern bietet auch tiefe Einblicke in ein faszinierendes Ökosystem im Miniaturformat. Ob als fleißige "Bodenpolizei" (Clean-up Crew) in bioaktiven Terrarien oder als eigenständige Beobachtungstiere – diese kleinen Krebstiere haben erstaunliche biologische Anpassungen entwickelt, die ihre Pflege zu einem spannenden Hobby machen. In diesem umfassenden Guide erfährst du alles, was du für die artgerechte Haltung, Fütterung und Zucht von Kellerasseln wissen musst.

Das Wichtigste auf einen Blick: Kellerasseln Haltung

  • Systematik: Kellerasseln sind keine Insekten, sondern landlebende Krebstiere (Isopoda) [1].
  • Feuchtigkeit: Da sie über Kiemen atmen und keine schützende Wachsschicht besitzen, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit (70-90 %) essenziell [6].
  • Ernährung: Als Destruenten fressen sie totes Pflanzenmaterial, weißfaules Holz, Laub und benötigen zwingend eine Kalkquelle (z.B. Sepiaschale) [2].
  • Sozialverhalten: Asseln sind Gruppentiere. Sie aggregieren (rotten sich zusammen), um Wasserverlust zu minimieren [3].
  • Temperatur: Zimmertemperatur (18-22 °C) ist ideal. Zusätzliche Beleuchtung oder Heizung wird nicht benötigt.

Warum Kellerasseln als Haustiere? (Faszination Isopoda)

Viele Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass Kellerasseln (Porcellio scaber) gar keine Insekten sind. Sie gehören zur Ordnung der Isopoda (Gleichfüßer) und sind damit Höhere Krebse (Crustacea), die den evolutionären Schritt aus dem Meer an Land erfolgreich gemeistert haben [7]. Die Kellerasseln Haltung boomt derzeit aus zwei Hauptgründen:

  1. Bioaktive Terrarien: In Terrarien mit Reptilien, Amphibien oder Schnecken fungieren Kellerasseln als Gesundheitspolizei. Sie fressen Kot, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile und wandeln diese in wertvollen Humus um. Sie verhindern so Schimmelbildung und Milbenbefall.
  2. Faszinierende Biologie: Asseln weisen einzigartige Anpassungen an das Landleben auf. Von einem ausgeklügelten Wasserleitungssystem auf ihrem Panzer bis hin zu einer Bauchtasche, die als "Aquarium" für den Nachwuchs dient – die Beobachtung dieser Tiere ist hochgradig spannend [1].
Aufbau eines idealen Terrariums für Kellerasseln.
Aufbau eines idealen Terrariums für Kellerasseln.

Das perfekte Terrarium für die Kellerasseln Haltung einrichten

Die Ansprüche von Kellerasseln an ihr Zuhause sind überschaubar, aber spezifisch. Ein einfaches Glas- oder Kunststoffterrarium (oft "Braplast-Dosen" genannt) reicht völlig aus. Für eine Startgruppe von 20 bis 30 Tieren ist eine Grundfläche von 20 x 20 cm bis 30 x 20 cm ideal. Wichtiger als die Höhe ist die Bodenfläche, da Asseln bodenbewohnend (terrestrisch) sind.

1. Das Bodensubstrat: Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich

Bei der Kellerasseln Haltung ist das Substrat nicht nur der Bodenbelag, sondern gleichzeitig die Hauptnahrungsquelle. Eine Schichthöhe von 5 bis 10 cm ist empfehlenswert. Das ideale Assel-Substrat (oft als "Flake Soil" bezeichnet) besteht aus:

  • Laubwaldhumus: Die Basis bildet ungedüngte Erde aus dem Laubwald oder spezieller Terrarienhumus.
  • Weißfaules Holz: Von Pilzen zersetztes, weiches Holz (meist Eiche oder Buche) ist essenziell für die Verdauung der Tiere.
  • Zersetztes Laub: Buchen- und Eichenlaub dient als Versteck und Dauerfutter.
  • Kalk: Zerkleinerte Sepiaschale, Algenkalk oder Futterkalk muss zwingend untergemischt werden. Asseln benötigen extrem viel Calcium für den Aufbau ihres Exoskeletts [2].
Tipp für das Substrat: Verzichte vollständig auf Kokoshumus (Kokosfaser). Dieser hat keinerlei Nährwert für die Asseln und kann bei versehentlichem Verzehr zu Verdauungsproblemen führen. Setze stattdessen auf organisch reichhaltige, natürliche Walderde.

2. Versteckmöglichkeiten und Struktur

Kellerasseln sind stark thigmotaktisch. Das bedeutet, sie suchen aktiv den physischen Kontakt zu Oberflächen und quetschen sich gerne in enge Spalten [3]. Biete ihnen daher reichlich Rindenstücke (Korkrinde eignet sich hervorragend, da sie nicht schimmelt), flache Steine und dicke Laubschichten an. Unter diesen Verstecken sammeln sich die Tiere tagsüber an.

Klima und Umweltbedingungen: Warum Feuchtigkeit über Leben und Tod entscheidet

Der wichtigste Aspekt der Kellerasseln Haltung ist das Feuchtigkeitsmanagement. Um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir einen Blick auf die Anatomie der Tiere werfen. Im Gegensatz zu Insekten besitzen Asseln keine isolierende Wachsschicht (Cuticula) auf ihrem Panzer. Sie sind daher extrem anfällig für Austrocknung (Desikkation) [5].

Atmung über Kiemen und Tracheenlungen

Obwohl sie an Land leben, atmen Kellerasseln primär über Kiemen, die an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) sitzen. Diese Kiemen müssen permanent von einem feinen Wasserfilm umgeben sein, um Sauerstoff aus der Luft aufnehmen zu können. Zusätzlich haben Kellerasseln sogenannte "Tracheenlungen" entwickelt, die als weiße Flecken an der Bauchseite erkennbar sind und die Luftatmung unterstützen [7].

Das Feuchtigkeitsgefälle (Moisture Gradient)

Um den Tieren die Möglichkeit zur Thermoregulation und Feuchtigkeitskontrolle zu geben, darf das Terrarium niemals komplett nass sein. Richte ein Feuchtigkeitsgefälle ein:

  • Die feuchte Seite (ca. 1/3 des Terrariums): Hier wird das Substrat regelmäßig gesprüht. Es sollte feucht, aber nicht tropfnass (keine Staunässe!) sein. Hierhin ziehen sich die Asseln zur Häutung und zur Befeuchtung ihrer Kiemen zurück.
  • Die trockene Seite (ca. 2/3 des Terrariums): Hier bleibt das Substrat oberflächlich trocken. Dies verhindert die Ausbreitung von Schimmel und Milben und bietet den Tieren eine Ausweichmöglichkeit.
Achtung: Staunässe ist tödlich! Während Trockenheit die Kiemen austrocknet, führt Staunässe am Boden des Terrariums unweigerlich zum Ersticken der Tiere und zu bakteriellen Infektionen. Achte auf eine gute Belüftung (Lüftungsflächen aus Gaze) in deiner Box.
Der prozentuale Speiseplan der Kellerassel im Überblick.
Der prozentuale Speiseplan der Kellerassel im Überblick.

Ernährung: Was fressen Kellerasseln?

Kellerasseln sind omnivore Detritivoren (Alles- und Abfallfresser). In der Natur ernähren sie sich hauptsächlich von abgestorbenem Pflanzenmaterial. In der Terrarienhaltung sollte ihr Speiseplan wie folgt aussehen:

  • Grundnahrungsmittel (immer verfügbar): Herbstlaub (Buche, Eiche, Haselnuss) und weißfaules Holz. Dies macht 80 % ihrer Ernährung aus.
  • Gemüse: Zucchini, Süßkartoffel, Karotte oder Kürbis. (Achtung: Immer ungespritzt/Bio und Reste nach 2 Tagen entfernen, um Schimmel zu vermeiden).
  • Proteine: Asseln benötigen Proteine für Wachstum und Fortpflanzung. Ein Mangel an Proteinen kann zu Kannibalismus führen. Biete 1-2 Mal pro Woche Fischflocken, getrocknete Bachflohkrebse (Gammarus), Seidenraupen oder spezielles Asselfutter an.
  • Calcium: Wie bereits erwähnt, ist Calcium überlebenswichtig. Sepiaschale, zerdrückte Eierschalen oder Futterkalk müssen immer im Terrarium liegen.

Das Geheimnis der Koprophagie

Ein faszinierendes, wenn auch für uns Menschen etwas unappetitliches Verhalten der Kellerasseln ist die Koprophagie – das Fressen des eigenen Kots. Dies ist kein Zeichen von Nahrungsmangel! Asseln besitzen in ihrem Verdauungstrakt endosymbiotische Bakterien (wie Candidatus Rhabdochlamydia porcellionis), die ihnen helfen, schwer verdauliche Zellulose aufzuspalten [8]. Durch das mehrfache Verdauen der Nahrung maximieren sie die Nährstoffausbeute und nehmen wichtige Mikroorganismen wieder auf [2]. Für die Haltung bedeutet das: Das Terrarium sollte niemals klinisch rein geputzt werden. Ein gewisser Anteil an Asselkot (Frass) im Substrat ist gesund und wichtig, besonders für Jungtiere!

Fortpflanzung und Zucht im Terrarium

Die Zucht von Kellerasseln ist bei guten Haltungsbedingungen ein Selbstläufer. Die Fortpflanzungsbiologie der Isopoden ist ein weiteres Relikt aus ihrer maritimen Vergangenheit. Asseln legen keine Eier in den Boden. Stattdessen trägt das Weibchen die befruchteten Eier in einer speziellen Bauchtasche, dem Marsupium, mit sich herum [1].

In dieser flüssigkeitsgefüllten Tasche entwickeln sich die Eier wie in einem winzigen, tragbaren Aquarium [7]. Nach einigen Wochen schlüpfen die voll entwickelten, aber winzigen Jungtiere (Mancae). Interessanterweise sehen diese Mancae den adulten Tieren schon sehr ähnlich, besitzen aber zunächst nur sechs Laufbeinpaare. Das siebte Beinpaar entwickelt sich erst nach der ersten Häutung [1].

Wachstum durch Häutung: Da der Chitinpanzer nicht mitwächst, müssen sich Kellerasseln regelmäßig häuten (bis zur Geschlechtsreife ca. 14 Mal). Die Häutung findet in zwei Phasen statt: Zuerst wird die hintere Körperhälfte abgeworfen, ein bis zwei Tage später die vordere. Die abgeworfene Haut (Exuvie) wird meist sofort wieder aufgefressen, um das wertvolle Calcium zurückzugewinnen [1].

Sozialverhalten: Warum man Kellerasseln in Gruppen halten muss

Wer mit der Kellerasseln Haltung beginnt, sollte niemals nur zwei oder drei Tiere kaufen. Asseln sind hochgradig soziale Tiere, die eine starke Tendenz zur Aggregation (Gruppenbildung) zeigen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass dieses Zusammenrotten nicht nur zufällig an Futterplätzen passiert, sondern ein aktiver Schutzmechanismus ist [4].

Durch das enge Zusammenkuscheln unter Rindenstücken reduzieren die Asseln die Oberfläche, die der Luft ausgesetzt ist, und minimieren so drastisch ihren Wasserverlust (Allee-Effekt) [3]. Zudem kommunizieren sie über Pheromone, die sie über ihren Kot abgeben, um Artgenossen sichere und feuchte Verstecke zu signalisieren. Eine Startgruppe sollte daher aus mindestens 15 bis 20 Tieren bestehen, damit sie ihr natürliches Sozialverhalten ausleben können und sich sicher fühlen.

Anatomie des Wasserleitungssystems einer Kellerassel.
Anatomie des Wasserleitungssystems einer Kellerassel.

Das geniale Wasserleitungssystem der Kellerassel

Ein absolutes Highlight der Biologie von Porcellio scaber, das jeden Terrarianer faszinieren dürfte, ist ihr Wasserleitungssystem. Asseln scheiden flüssigen Urin aus, der giftiges Ammoniak enthält. Anstatt diesen einfach abzugeben, leiten sie das Sekret über ein spezielles Rinnensystem (gebildet durch Schuppenreihen des Außenskeletts) an der Bauchseite entlang zu den Kiemen [1].

Auf diesem Weg verdunstet das giftige Ammoniak. Das verbleibende, nun gereinigte Wasser wird mit Sauerstoff angereichert und befeuchtet die Kiemen. Überschüssiges Wasser kann sogar vom Körper wieder aufgenommen werden [7]. Dieses in der Natur einmalige Recycling-System ist der Grund, warum Kellerasseln auch in etwas trockeneren Kellern überleben können – im Terrarium entbindet es uns aber nicht von der Pflicht, für eine feuchte Ecke zu sorgen!

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Kellerasseln Haltung

Wie alt werden Kellerasseln im Terrarium?

Bei guter Pflege und optimalen Bedingungen können Kellerasseln (Porcellio scaber) im Terrarium ein Alter von 2 bis 3 Jahren erreichen. Einige Quellen berichten sogar von bis zu 5 Jahren Lebensdauer.

Können Kellerasseln beißen?

Nein, Kellerasseln können Menschen nicht beißen. Ihre Mundwerkzeuge sind ausschließlich für das Zerkleinern von weichem, verrottendem Pflanzenmaterial und Aas ausgelegt und können die menschliche Haut nicht durchdringen.

Brauchen Kellerasseln eine spezielle Beleuchtung?

Nein. Kellerasseln sind nachtaktiv und weisen eine negative Phototaxis auf, das heißt, sie fliehen vor Licht. Eine spezielle Terrarienbeleuchtung oder UV-Lampen sind nicht nötig; normales Tageslicht im Raum reicht für ihren Tag-Nacht-Rhythmus völlig aus.

Wie oft häuten sich Kellerasseln?

Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife häuten sich Kellerasseln etwa 14 Mal. Auch als adulte Tiere häuten sie sich weiterhin regelmäßig, um zu wachsen und beschädigte Gliedmaßen zu regenerieren.

Sind Kellerasseln Insekten?

Nein, Kellerasseln gehören zur Klasse der Höheren Krebse (Crustacea) und dort zur Ordnung der Asseln (Isopoda). Sie sind die einzigen Krebstiere, die sich dauerhaft und vollständig an ein Leben an Land angepasst haben.

Fazit: Ein faszinierendes Stück Natur für Zuhause

Die Kellerasseln Haltung ist weit mehr als nur das Halten von "Ungeziefer" in einer Plastikbox. Es ist die Pflege von hochspezialisierten Krebstieren, die mit erstaunlichen biologischen Tricks das Landleben erobert haben. Wenn du auf das richtige Feuchtigkeitsgefälle achtest, ausreichend Laub, weißfaules Holz und Calcium zur Verfügung stellst, wirst du mit einer aktiven, sich stetig vermehrenden Kolonie belohnt. Egal ob als nützliche Putzkolonne im bioaktiven Terrarium oder als spannendes Beobachtungsobjekt für Groß und Klein – Kellerasseln sind pflegeleichte und überaus faszinierende Haustiere.

Wissenschaftliche Quellen & Referenzen

  1. Lange, J.: Die Kellerassel - Porcellio scaber. Ökologischer Lehrgarten, Pädagogische Hochschule Karlsruhe.
  2. Paoletti, M.G. & Hassall, M. (1999): Woodlice (Isopoda: Oniscidea): their potential for assessing sustainability and use as bioindicators. Agriculture, Ecosystems and Environment 74, 157–165.
  3. Devigne, C., Broly, P., Deneubourg, J.-L. (2011): Individual Preferences and Social Interactions Determine the Aggregation of Woodlice. PLoS ONE 6(2): e17389.
  4. Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J.-L., Devigne, C. (2012): Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys 176: 133–144.
  5. Csonka, D., Halasy, K., Buczkó, K., Hornung, E. (2018): Morphological traits – desiccation resistance – habitat characteristics: a possible key for distribution in woodlice. ZooKeys 801: 481–499.
  6. Umweltbundesamt (UBA): Kellerassel - Aussehen und Vorkommen.
  7. Preisfeld, G.: Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Bergische Universität Wuppertal.
  8. Animal Diversity Web (ADW): Porcellio scaber (Common rough woodlouse). University of Michigan.

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