Wer plötzlich eine große Anzahl der kleinen, grauen Krebstiere im Keller, im Gewächshaus oder unter Blumentöpfen entdeckt, sucht oft instinktiv nach einer biologischen und umweltschonenden Lösung. Der Einsatz von Gift ist in Wohnräumen oder im naturnahen Garten meist keine Option, weshalb die Suche nach gezielten Nützlingen gegen Kellerasseln naheliegt. Doch welche natürlichen Gegenspieler haben diese urzeitlichen Überlebenskünstler eigentlich? Und ist eine Bekämpfung aus ökologischer Sicht überhaupt sinnvoll? In diesem tiefgreifenden Ratgeber beleuchten wir die natürlichen Feinde der Kellerassel, von spezialisierten Spinnen bis hin zu parasitären Fadenwürmern, und klären auf, warum ein Perspektivenwechsel oft die beste Lösung für das "Assel-Problem" ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Spezialisierte Jäger: Der Große Asseljäger (Dysdera crocata) ist eine Spinnenart, die sich fast ausschließlich von Kellerasseln ernährt.
- Garten-Nützlinge: Igel, Spitzmäuse, Kröten, Laufkäfer und Vögel sind natürliche Fressfeinde und regulieren die Population im Freiland.
- Parasiten: Bestimmte Nematoden (Fadenwürmer) und parasitäre Fliegen (Melanophora roralis) befallen Kellerasseln in der Natur.
- Der ökologische Twist: Kellerasseln (Porcellio scaber) sind selbst extrem wichtige Nützlinge (Destruenten), die totes Pflanzenmaterial in wertvollen Humus umwandeln.
- Ursachenbekämpfung: Asseln atmen über Kiemen und benötigen hohe Luftfeuchtigkeit. Trockenheit ist das effektivste Mittel gegen eine Massenvermehrung im Haus.

Welche natürlichen Feinde (Nützlinge) fressen Kellerasseln?
Obwohl Kellerasseln durch ihren Chitinpanzer gut geschützt sind und sich bei Gefahr flach an den Boden drücken (oder sich, wie ihre Verwandten die Rollasseln, einrollen), stehen sie auf dem Speiseplan zahlreicher Räuber. Wer ein natürliches Gleichgewicht im Garten oder Gewächshaus fördert, etabliert automatisch ein Heer von Nützlingen, die die Asselpopulation in Schach halten [3].
Der spezialisierte Jäger: Der Große Asseljäger (Dysdera crocata)
Unter den Nützlingen gegen Kellerasseln nimmt der Große Asseljäger (Dysdera crocata) eine absolute Sonderstellung ein. Diese nachtaktive Webspinne baut keine Fangnetze, sondern jagt aktiv am Boden. Ihr gesamter Körperbau ist auf das Erbeuten von Asseln perfektioniert. Sie besitzt extrem stark verlängerte und kräftige Kieferklauen (Cheliceren), die in der Lage sind, den harten, kalkhaltigen Rückenpanzer der Kellerasseln mühelos zu durchdringen [3]. Wer diese rötlich-braune Spinne in seinem Keller oder Garten findet, sollte sie unbedingt gewähren lassen – sie ist der effektivste, natürlichste und am stärksten spezialisierte Nützling gegen eine Asselplage.
Vögel, Igel und Spitzmäuse im naturnahen Garten
Im Freiland übernehmen größere Wirbeltiere die Rolle der Regulatoren. Kellerasseln sind eine willkommene, protein- und kalziumreiche Nahrungsquelle. Besonders Spitzmäuse, die einen enorm hohen Stoffwechsel haben, vertilgen große Mengen an Insekten und Krebstieren, darunter auch Asseln [3]. Ebenso suchen Igel und verschiedene Vogelarten (wie Amseln oder Rotkehlchen) in den frühen Morgenstunden oder in der Dämmerung gezielt unter Laub und Totholz nach den kleinen Krebstieren. Ein igel- und vogelfreundlicher Garten ist daher die beste Prävention gegen eine Überpopulation von Asseln an Hauswänden oder Terrassen.
Hundertfüßer, Laufkäfer und Weberknechte
Auf der Makroebene des Bodens wimmelt es von weiteren Nützlingen. Raubaktive Hundertfüßer (Chilopoda) jagen in denselben feuchten, dunklen Mikrohabitaten wie die Kellerasseln und erbeuten diese regelmäßig [3]. Auch große Laufkäfer und Weberknechte verschmähen eine unvorsichtige Assel nicht. Diese Bodenfauna bildet ein komplexes Nahrungsnetz, das Ausbrüche einzelner Arten auf natürliche Weise eindämmt.
Praxis-Tipp: Lebensräume für Nützlinge schaffen
Um Nützlinge gegen Kellerasseln im Garten anzusiedeln, sollten Sie Totholzhaufen, unaufgeräumte Laub-Ecken und dichte Heckenstrukturen zulassen. Diese dienen Igeln, Laufkäfern und Spinnen als Rückzugsort. Ein steriler, aufgeräumter Garten bietet den natürlichen Feinden der Assel keinen Lebensraum.
Biologische Schädlingsbekämpfung: Nematoden und parasitäre Fliegen
Neben den klassischen Fressfeinden gibt es auch mikroskopisch kleine oder hochspezialisierte Organismen, die Kellerasseln befallen. In der professionellen biologischen Schädlingsbekämpfung (z.B. gegen Trauermücken oder Dickmaulrüssler) werden oft Nematoden eingesetzt. Doch wie sieht das bei Asseln aus?
Fadenwürmer (Nematoden) als natürliche Gegenspieler
In der Natur werden Kellerasseln tatsächlich von bestimmten Fadenwürmern (Nematoden) parasitiert, wie beispielsweise Capillaria annulata oder Thaumamermis cosgrovei [3]. Diese dringen in den Wirt ein und töten ihn letztendlich ab. Wichtig für die Praxis: Im kommerziellen Handel erhältliche Nematoden-Präparate (wie Steinernema feltiae), die üblicherweise gegen Trauermücken gegossen werden, sind nicht spezifisch auf den dicken Chitinpanzer und die Biologie der Landasseln ausgelegt. Ein gezielter Kauf von Nematoden speziell gegen Kellerasseln ist im Heimanwenderbereich derzeit nicht üblich und oft wirkungslos, da die natürlichen Assel-Nematoden nicht massenhaft gezüchtet werden.
Parasitäre Asselfliegen (Melanophora roralis)
Ein faszinierender, natürlicher Feind der Kellerassel ist die parasitäre Fliege Melanophora roralis. Diese Fliegenart legt ihre Eier gezielt auf oder in die Nähe von Kellerasseln. Die schlüpfenden Maden dringen in die Assel ein und fressen sie von innen heraus auf, was unweigerlich zum Tod des Wirtes während der Verpuppungsphase der Fliege führt [3]. Auch Viren (wie das Iridovirus Typ 31, das die Asseln bläulich färbt) und Bakterien (wie Wolbachia) regulieren die Bestände in der Natur [3].

Der Perspektivenwechsel: Sind Kellerasseln nicht selbst Nützlinge?
Wer intensiv nach Nützlingen gegen Kellerasseln sucht, übersieht oft eine grundlegende biologische Tatsache: Die Kellerassel (Porcellio scaber) ist selbst einer der wichtigsten Nützlinge in unserem Ökosystem! Biologen und Ökologen raten dringend davon ab, diese Tiere im Freiland oder auf dem Kompost zu bekämpfen [1, 2].
Meister der Kompostierung und Humusbildung
Kellerasseln gehören zu den sogenannten Destruenten (Zersetzern). Sie ernähren sich primär von abgestorbener organischer Substanz, wie morschem Holz, Falllaub und Pilzgeflechten [1]. Durch ihre Verdauungstätigkeit zerkleinern sie das Material und machen die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen und Mikroorganismen wieder verfügbar. Ohne Landasseln würde unser Komposthaufen weitaus langsamer zu wertvoller Erde verrotten. Sie sind essenzielle Humusbildner [1].
Ein Krebs an Land: Faszinierende Biologie
Kellerasseln sind keine Insekten, sondern gehören zu den Höheren Krebsen (Isopoda), die den Sprung vom Meer ans Land geschafft haben [2]. Diese evolutionäre Meisterleistung bringt einige Besonderheiten mit sich, die erklären, warum sie sich oft in unseren Kellern aufhalten:
- Kiemenatmung: Asseln atmen primär über Kiemen an ihren Hinterleibsbeinen. Um an Land nicht zu ersticken, müssen diese Kiemen stets von einem feuchten Film überzogen sein [1, 2].
- Fehlende Wachsschicht: Anders als Insekten haben Asseln keine isolierende Wachsschicht auf ihrem Panzer. Sie trocknen extrem schnell aus und sind daher zwingend auf dunkle, feuchte Orte angewiesen [1].
- Geniales Wasserleitsystem: Um Wasser zu sparen, scheiden Asseln ihren stickstoffhaltigen Abfall nicht als flüssigen Urin aus, sondern leiten ein ammoniakhaltiges Sekret über spezielle Rinnen am Körper zu den Kiemen. Der Ammoniak verdunstet, das Wasser befeuchtet die Kiemen und wird teilweise wieder aufgenommen [2].
Achtung: Bioindikatoren für Schwermetalle
Wussten Sie, dass Kellerasseln in der Wissenschaft als Bioindikatoren genutzt werden? Sie speichern Schwermetalle (wie Blei, Cadmium oder Zink) aus dem Boden in ihrem Körper ab, ohne daran zu sterben [2]. Eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln würde dieses sensible System stören und die Schadstoffe unkontrolliert in die Umwelt abgeben.

Wann ein Eingreifen sinnvoll ist (und wie man es ökologisch löst)
Auch wenn Kellerasseln nützlich sind, möchte man sie ungern in Massen im Vorratskeller, in der Speisekammer oder im Wohnbereich haben. Wenn sie in Innenräumen zur Plage werden, liegt das fast immer an einem Feuchtigkeitsproblem. Da Asseln ohne hohe Luftfeuchtigkeit nicht überleben können, ist die effektivste "Bekämpfung" der Entzug ihrer Lebensgrundlage.
Ursachenbekämpfung statt Nützlingseinsatz
Anstatt Nützlinge im Haus auszusetzen (was bei Spinnen oder Nematoden im Wohnbereich ohnehin oft unerwünscht ist), sollten Sie folgende Schritte unternehmen:
- Lüften und Trocknen: Senken Sie die Luftfeuchtigkeit im Keller durch gezieltes Stoßlüften oder den Einsatz von Luftentfeuchtern. Bei trockener Luft sterben Asseln schnell ab oder wandern ab [1].
- Nahrungsquellen entfernen: Lagern Sie Kartoffeln, Äpfel oder anderes Gemüse in verschlossenen Kisten. Entfernen Sie morsches Holz oder feuchte Pappkartons vom Boden.
- Abdichten: Verschließen Sie Risse im Mauerwerk, undichte Kellerfenster und Türspalten, durch die die Krebstiere von außen eindringen können.
- Umsiedeln: Fangen Sie verirrte Tiere mit einem Kehrblech oder einer aufgestellten, feuchten halben Kartoffel (als Köder) ein und setzen Sie sie im Garten auf dem Kompost aus [1]. Dort können sie ihrer nützlichen Arbeit nachgehen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welcher Nützling hilft am besten gegen Kellerasseln?
Der effektivste natürliche Feind ist der Große Asseljäger (Dysdera crocata), eine Spinnenart, deren Kieferklauen speziell dafür gebaut sind, den harten Panzer der Asseln zu durchdringen. Im Garten helfen zudem Igel, Spitzmäuse und Laufkäfer.
Kann man Nematoden gegen Kellerasseln einsetzen?
In der Natur werden Asseln zwar von bestimmten Nematoden (Fadenwürmern) parasitiert, die im Handel erhältlichen Standard-Nematoden (z.B. gegen Trauermücken) wirken jedoch bei dem harten Chitinpanzer der erwachsenen Kellerasseln meist nicht zuverlässig.
Sind Kellerasseln Schädlinge oder Nützlinge?
Kellerasseln sind eindeutig Nützlinge. Als sogenannte Destruenten zersetzen sie abgestorbenes Pflanzenmaterial und morsches Holz und wandeln dieses in wertvollen, nährstoffreichen Humus um. Sie sollten daher im Garten geschützt werden.
Fressen Spinnen Kellerasseln?
Ja, viele bodenjagende Spinnen fressen Kellerasseln. Besonders spezialisiert ist die Asseljäger-Spinne, aber auch andere größere Webspinnen und Wolfsspinnen erbeuten die kleinen Krebstiere, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Wie werde ich Kellerasseln im Haus biologisch los?
Die beste biologische Methode ist der Entzug von Feuchtigkeit. Da Asseln über Kiemen atmen, vertrocknen sie in trockenen Räumen schnell. Lüften Sie den Keller gut, entfernen Sie feuchte Kartons und siedeln Sie gefundene Tiere auf den Kompost um.
Fazit
Die Suche nach Nützlingen gegen Kellerasseln führt uns zu einer faszinierenden Erkenntnis: Die Natur hat mit spezialisierten Spinnen wie dem Großen Asseljäger, mit Igeln, Vögeln und sogar parasitären Fliegen ein perfektes Gleichgewicht geschaffen [3]. Doch bevor wir versuchen, diese Krebstiere aktiv zu bekämpfen, sollten wir uns bewusst machen, dass Kellerasseln selbst unverzichtbare Nützlinge für unseren Boden sind [1, 2]. Anstatt sie als Schädlinge zu betrachten, sollten wir ihre Arbeit auf dem Komposthaufen schätzen. Wenn sie sich ins Haus verirren, reicht meist schon eine Reduzierung der Luftfeuchtigkeit aus, um sie auf natürliche Weise zum Rückzug zu bewegen. Fangen Sie die kleinen Helfer einfach ein und geben Sie ihnen im Garten ein neues, feuchtes Zuhause – die Natur wird es Ihnen danken!
Quellenverzeichnis
- Umweltbundesamt: Kellerassel - Aussehen und Vorkommen. (Informationen zur Biologie, Feuchtigkeitsbedarf und Humusbildung).
- Bergische Universität Wuppertal / Prof. Dr. Gela Preisfeld: Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. (Wissenschaftliche Details zur Kiemenatmung, Wasserleitsystem und ökologischen Bedeutung als Destruenten).
- Animal Diversity Web: Porcellio scaber (Common rough woodlouse). (Detaillierte Auflistung natürlicher Feinde, Prädatoren wie Dysdera crocata und Parasiten).