Wenn es in dunklen, feuchten Kellerecken oder unter Blumentöpfen raschelt, ist die Kellerassel (Porcellio scaber) meist nicht weit. Oft fälschlicherweise für Insekten gehalten, gehören diese faszinierenden Überlebenskünstler tatsächlich zu den Krebstieren (Crustacea) und haben den evolutionären Sprung aus dem Meer an die Landmassen unserer Erde erfolgreich gemeistert [2]. Doch um in terrestrischen Ökosystemen zu überleben, mussten sie nicht nur ihre Atmung anpassen, sondern auch eine hochspezialisierte Ernährungsweise entwickeln. Wer sich fragt, was Kellerasseln fressen, stößt schnell auf eine komplexe Welt der Zersetzung, Symbiose und Nährstoffrückgewinnung. Sie sind weitaus mehr als nur anspruchslose Resteverwerter; sie sind hochgradig spezialisierte Destruenten, die eine Schlüsselrolle in unserem Ökosystem spielen.
Das Wichtigste auf einen Blick: Was fressen Kellerasseln?
- Detritus als Hauptspeise: Abgestorbenes, organisches Material wie faulendes Laub und morsches Holz bilden die Basis ihrer Ernährung [1].
- Mikroben und Pilze: Kellerasseln fressen bevorzugt Material, das bereits von Pilzen und Bakterien besiedelt ist, da diese die Nährstoffe aufschlüsseln [3, 4].
- Koprophagie (Kotfressen): Sie fressen ihren eigenen Kot, um lebenswichtiges Kupfer für ihr Blut (Hämocyanin) und essenzielle Darmbakterien zurückzugewinnen [3].
- Tierische Kost: Gelegentlich stehen auch Aas, Insektenpuppen oder sogar schwächere Artgenossen (Kannibalismus) auf dem Speiseplan [4].
- Zelluloseverdauung: Dank endosymbiotischer Bakterien in ihrem Mitteldarmdrüsen-System können sie schwer verdauliche Pflanzenfasern verwerten [3].
Die Basisdiät: Abgestorbene Pflanzen und Detritus
Kellerasseln sind in erster Linie Detritivoren (Zersetzer) und Saprophagen (Fresser von faulendem Material) [3]. Ihre primäre Nahrungsquelle in der Natur ist abgestorbenes Pflanzenmaterial. Dazu gehören herabgefallenes Laub, verrottende Äste, Rinde und abgestorbene Wurzeln. Frische, grüne Pflanzenteile werden von Kellerasseln in der Regel verschmäht, es sei denn, es steht absolut keine andere Nahrungsquelle zur Verfügung.
Der Grund für diese Präferenz liegt in der Beschaffenheit des Pflanzenmaterials. Frische Blätter enthalten Abwehrstoffe (wie Tannine und Phenole) und bestehen aus schwer aufspaltbarer Zellulose und Lignin. Erst wenn ein Blatt zu Boden fällt und der natürliche Verrottungsprozess einsetzt, wird es für die Kellerassel schmackhaft. Dieser Prozess, auch als "Weathering" (Verwitterung) bezeichnet, weicht die harten Strukturen auf und wäscht wasserlösliche Giftstoffe aus [4].
💡 Wussten Sie schon?
Kellerasseln leisten als Humusbildner einen unschätzbaren Beitrag für unsere Böden. Durch das Fressen und Ausscheiden von Pflanzenabfällen sorgen sie dafür, dass organische Masse rasch verrottet und Nährstoffe für lebende Pflanzen wieder verfügbar gemacht werden [1, 2].
Pilze und Bakterien: Die heimlichen Delikatessen
Wenn wir beobachten, wie eine Kellerassel an einem morschen Stück Holz nagt, frisst sie streng genommen nicht nur das Holz. Kellerasseln sind stark mykophag (pilzfressend) und fressen gezielt mikrobielle Matten [3, 4]. Das abgestorbene organische Material dient Pilzen und Bakterien als Nährboden. Diese Mikroorganismen zersetzen das Lignin und die Zellulose des Holzes und reichern es mit ihren eigenen, proteinreichen Zellen an.
Für die Kellerassel ist ein von Pilzmyzel durchzogenes Blatt wesentlich nahrhafter als ein steriles, totes Blatt. Die Mikroorganismen fungieren quasi als "Vorkocher", die das harte Pflanzenmaterial aufschließen und dessen Verdaulichkeit (Palatabilität) drastisch erhöhen [4]. Die Asseln nehmen beim Fressen des Holzes unweigerlich riesige Mengen an Pilzsporen, Hyphen und Bakterien auf, die einen essenziellen Teil ihrer Protein- und Vitaminversorgung ausmachen.

Koprophagie: Warum Kellerasseln ihren eigenen Kot fressen
Eines der faszinierendsten und für den Menschen oft befremdlichsten Ernährungsverhalten der Kellerassel ist die Koprophagie – das Fressen der eigenen Exkremente [3, 4]. Was auf den ersten Blick unhygienisch wirkt, ist eine hochgradig effiziente, evolutionäre Überlebensstrategie, die gleich mehrere lebenswichtige Funktionen erfüllt:
1. Rückgewinnung von Kupfer für das Krebstier-Blut
Anders als Säugetiere, die Eisen in ihrem roten Blutfarbstoff Hämoglobin nutzen, um Sauerstoff zu transportieren, verwenden Krebstiere wie die Kellerassel Hämocyanin. Dieses Protein basiert auf Kupfer und verleiht dem Blut der Asseln eine bläuliche Färbung [3]. Da Kupfer in terrestrischen Lebensräumen oft ein Mangelelement ist, können es sich die Asseln nicht leisten, dieses wertvolle Metall mit dem Kot auszuscheiden. Durch das erneute Fressen des Kots wird das Kupfer im Körper recycelt und die Hämocyanin-Produktion aufrechterhalten.
2. Erhalt der Darmflora
Der Verdauungstrakt der Kellerassel ist ein komplexes Ökosystem. Um die zähe Zellulose aus dem Pflanzenmaterial aufzuspalten, sind sie auf symbiotische Bakterien angewiesen. Wenn die Assel Kot ausscheidet, verliert sie einen Teil dieser wichtigen Mikroben. Durch die Koprophagie impft sie ihren Verdauungstrakt immer wieder neu mit diesen essenziellen Helfern [3]. Besonders für Jungtiere (Laven und Mancae) ist das Fressen des Kots der erwachsenen Tiere überlebenswichtig, um überhaupt erst eine funktionierende Darmflora aufzubauen [4].
3. Mehrfache Nährstoffausbeute
Pflanzliches Material ist schwer verdaulich. Bei der ersten Passage durch den Darm werden oft nicht alle Nährstoffe gelöst. Der ausgeschiedene Kot wird in der feuchten Umgebung schnell wieder von Pilzen und Bakterien besiedelt, die ihn weiter aufschlüsseln. Frisst die Assel diesen Kot später erneut, kann sie Nährstoffe extrahieren, die beim ersten Mal unzugänglich waren [2].

Die innere Fabrik: Endosymbionten und das Hepatopankreas
Um zu verstehen, wie Kellerasseln fressen und verdauen, muss man einen Blick in ihr Inneres werfen. Das wichtigste Verdauungsorgan der Asseln ist das Hepatopankreas (die Mitteldarmdrüse). Dieses Organ übernimmt Funktionen, die bei Wirbeltieren von Leber und Bauchspeicheldrüse ausgeführt werden.
Im Hepatopankreas der Kellerassel leben endosymbiotische Bakterien, wie beispielsweise Candidatus Rhabdochlamydia porcellionis [3]. Diese intrazellulären Bakterien sind darauf spezialisiert, die harten Zellulosefasern des gefressenen Holzes und Laubs in verwertbare Zucker aufzuspalten. Ohne diese mikroskopisch kleinen Untermieter würden die Asseln trotz vollem Magen verhungern, da sie selbst nicht über die notwendigen Enzyme (Zellulasen) verfügen, um Holzfasern effizient zu knacken.
Tierische Kost: Aasfresser und Gelegenheitsräuber
Obwohl Kellerasseln primär Pflanzenfresser (Herbivoren/Detritivoren) sind, verschmähen sie auch tierische Proteine nicht. Sie sind opportunistische Allesfresser (Omnivoren). Wenn sie in ihrem Lebensraum auf tote Insekten, Würmer oder andere verendete Kleintiere stoßen, betätigen sie sich als Aasfresser (Nekrophagen) [3].
In bestimmten Situationen können Kellerasseln sogar räuberisches Verhalten an den Tag legen. Wissenschaftliche Beobachtungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Rollassel (Armadillidium vulgare) in kalifornischen Zitrusplantagen aktiv die Puppen von Fruchtfliegen (Drosophila) frisst [4]. Auch Kannibalismus ist unter Kellerasseln dokumentiert [4]. Bei hoher Populationsdichte oder extremem Nahrungsmangel können verletzte, frisch gehäutete (und damit weiche) oder tote Artgenossen gefressen werden, um den Protein- und Kalziumbedarf zu decken.

Schadstoffspeicher: Wenn Asseln Schwermetalle fressen
Eine bemerkenswerte Eigenschaft der Kellerasseln ist ihre Fähigkeit, mit kontaminierter Nahrung umzugehen. Da sie den Boden und das darauf liegende Laub fressen, nehmen sie unweigerlich auch Umweltgifte auf. Wissenschaftler nutzen Kellerasseln daher oft als Bioindikatoren (Testorganismen) für die Bodenqualität [2, 4].
Kellerasseln haben eine Toleranzstrategie entwickelt: Anstatt Schwermetalle wie Kupfer, Zink, Blei oder Cadmium mühsam auszuscheiden, immobilisieren und speichern sie diese in speziellen Vesikeln (Lysosomen) in ihrem Hepatopankreas [4]. Etwa 90 % aller Metallionen, die in einer Assel vorkommen, werden dort sicher eingelagert [2]. Diese Speicherung schützt die Assel vor einer Vergiftung, führt aber dazu, dass sich die Schwermetalle in ihrem Körper anreichern (Bioakkumulation). Wenn die Assel dann von Vögeln, Spitzmäusen oder Spinnen (wie dem Asseljäger Dysdera crocata) gefressen wird [3, 4], gelangen diese Schadstoffe in höhere Stufen der Nahrungskette.
Was fressen Kellerasseln im Haus und im Keller?
Wenn sich Kellerasseln in menschliche Behausungen verirren, suchen sie in erster Linie nach Feuchtigkeit, da sie keine schützende Wachsschicht auf ihrem Panzer haben und schnell austrocknen [1, 2]. Finden sie einen feuchten Keller, passen sie ihren Speiseplan an die dortigen Gegebenheiten an.
Im Haus fressen Kellerasseln:
- Eingelagertes Gemüse: Angeschimmelte Kartoffeln, Äpfel oder Wurzelgemüse, das im Keller lagert, wird gerne angeknabbert.
- Papier und Pappe: Da Papier aus Zellulose besteht, können Asseln feuchte, weiche Pappkartons oder altes Zeitungspapier fressen und verdauen.
- Schimmelpilze: Feuchte Wände, an denen sich leichter Schimmelrasen bildet, bieten den Asseln eine hervorragende Nahrungsquelle.
- Pflanzenreste: Abgestorbene Blätter von überwinternden Kübelpflanzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was fressen Kellerasseln am liebsten?
Am liebsten fressen Kellerasseln abgestorbenes, feuchtes Pflanzenmaterial wie Herbstlaub und morsches Holz, das bereits von Pilzen und Bakterien zersetzt wird. Diese Mikroorganismen machen die Nahrung für die Asseln leichter verdaulich und proteinreicher.
Fressen Kellerasseln frische Pflanzen und Wurzeln?
In der Regel meiden Kellerasseln frische, grüne Pflanzen, da diese schwer verdaulich sind und Abwehrstoffe enthalten. Nur bei extremem Nahrungsmangel oder in Gewächshäusern können sie gelegentlich an zarten Keimlingen oder feinen Wurzeln fressen.
Warum fressen Kellerasseln ihren eigenen Kot?
Das Fressen des eigenen Kots (Koprophagie) dient der Rückgewinnung von lebenswichtigem Kupfer, das sie für ihren blauen Blutfarbstoff (Hämocyanin) benötigen. Zudem nehmen sie so essenzielle Darmbakterien wieder auf, die für die Zelluloseverdauung zwingend erforderlich sind.
Fressen Kellerasseln auch Fleisch oder Insekten?
Ja, Kellerasseln sind opportunistische Allesfresser. Sie fressen gelegentlich Aas (tote Insekten oder Würmer) und können in seltenen Fällen sogar Insektenpuppen erbeuten. Bei Nahrungsmangel ist auch Kannibalismus an frisch gehäuteten Artgenossen möglich.
Sind Kellerasseln nützlich für den Kompost?
Absolut. Kellerasseln gehören zu den wichtigsten Destruenten (Zersetzern) im Garten. Sie zerkleinern Pflanzenabfälle, verdauen sie mehrfach und scheiden sie als nährstoffreichen Humus wieder aus, der den Pflanzen als natürlicher Dünger dient.
Fazit: Meister der Verwertung
Die Frage "Was fressen Kellerasseln?" offenbart ein hochkomplexes ökologisches Netzwerk. Weit entfernt davon, bloße Schädlinge zu sein, sind diese landlebenden Krebstiere unverzichtbare Motoren des Nährstoffkreislaufs. Durch ihre Vorliebe für Detritus, Pilze und Bakterien, gepaart mit faszinierenden Strategien wie der Koprophagie und der Symbiose mit darmbewohnenden Bakterien, verwandeln sie tote Materie in fruchtbaren Humus. Wenn Sie also das nächste Mal eine Kellerassel in Ihrem Garten oder Kompost entdecken, betrachten Sie sie als das, was sie wirklich ist: eine winzige, aber hocheffiziente Recycling-Fabrik der Natur.
Wissenschaftliche Quellen
- Umweltbundesamt: Kellerassel - Aussehen und Vorkommen. Informationen zur Biologie und Humusbildung der Landasseln (Oniscoidea).
- Preisfeld, G. (Bergische Universität Wuppertal): Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Wissenschaftskommunikation zur Ökologie, Bioakkumulation und Anatomie der Isopoda.
- Animal Diversity Web (ADW): Porcellio scaber (Common rough woodlouse). Detaillierte Daten zu Nahrungsverhalten (Detritivor, Mykophag, Koprophag) und Endosymbionten (Candidatus Rhabdochlamydia porcellionis).
- Paoletti, M. G., & Hassall, M. (1999). Woodlice (Isopoda: Oniscidea): their potential for assessing sustainability and use as bioindicators. Agriculture, Ecosystems & Environment, 74(1-3), 157-165.
- Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J. L., & Devigne, C. (2012). Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys, (176), 133.