Wenn es in dunklen Ecken, im Keller oder unter Blumentöpfen plötzlich wuselt, ist der Schreck oft groß. Kellerasseln (Porcellio scaber) verirren sich häufig in menschliche Behausungen. Doch bevor Sie zu chemischen Keulen greifen, sollten Sie wissen: Die kleinen Krabbeltiere sind völlig harmlos, übertragen keine Krankheiten und richten an der Bausubstanz keinen Schaden an. Wer sich fragt, was hilft gegen Kellerasseln, findet die Antwort nicht im Baumarktregal für Insektizide, sondern in der faszinierenden Biologie dieser Tiere. Wenn wir verstehen, wie sie atmen, was sie anlockt und warum sie zwingend auf Feuchtigkeit angewiesen sind, lässt sich ein Befall ganz natürlich und nachhaltig lösen.
Das Wichtigste auf einen Blick: Was hilft gegen Kellerasseln?
- Feuchtigkeit entziehen: Kellerasseln atmen über Kiemen. Trockene Räume sind für sie lebensfeindlich. Richtiges Lüften ist die wichtigste Maßnahme.
- Natürliche Fallen nutzen: Ausgehöhlte Kartoffeln, feuchte Tücher oder umgedrehte Blumentöpfe locken die Tiere an, sodass sie leicht nach draußen getragen werden können.
- Nahrungsquellen entfernen: Lagern Sie Kartoffeln, Äpfel und organisches Material verschlossen und fegen Sie Laub vor Kellerfenstern weg.
- Keine Insektizide: Asseln sind nützliche Krebstiere und wichtige Humusbildner. Chemische Gifte sind unnötig und schaden der Umwelt.

Die biologische Schwachstelle: Warum Feuchtigkeit der Schlüssel ist
Um die Frage "Was hilft gegen Kellerasseln?" wirklich nachhaltig zu beantworten, müssen wir einen Blick auf die Evolution werfen. Kellerasseln gehören nicht zu den Insekten, sondern zum Unterstamm der Krebstiere (Crustacea) und dort zur Ordnung der Asseln (Isopoda) [2]. Sie sind vor rund 160 Millionen Jahren aus dem Meer an Land gekrochen. Diesen Landgang haben sie zwar erfolgreich gemeistert, aber sie tragen ihr aquatisches Erbe bis heute mit sich herum.
Kiemenatmung an Land
Im Gegensatz zu Insekten besitzen Kellerasseln keine schützende Wachsschicht (Cuticula) auf ihrem Panzer, die sie vor dem Austrocknen bewahrt [6]. Schlimmer noch: Sie atmen primär über Kiemen, die an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) sitzen [7]. Damit diese Kiemen Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können, müssen sie permanent von einem feuchten Film überzogen sein. Trocknet dieser Film aus, erstickt die Assel. Zwar haben heimische Kellerasseln zusätzlich sogenannte Tracheenlungen entwickelt, um Sauerstoff direkt aus der Luft aufzunehmen, doch auch diese bewahren sie nicht vor dem tödlichen Wasserverlust in trockener Umgebung [7].
Wussten Sie schon? Das Wasserleitungssystem der Asseln
Kellerasseln haben ein in der Natur einmaliges Wasserleitungssystem entwickelt. Eine Drüse am Kopf sondert ein harnähnliches Sekret ab, das über spezielle Rinnen am Körper zu den Kiemen fließt. Der im Sekret enthaltene Ammoniak verdunstet, und das gereinigte Wasser befeuchtet die Kiemen. Überschüssiges Wasser fließt zum After und wird wieder in den Körper aufgenommen [1, 7]. Dieses System zeigt, wie extrem die Tiere auf ein feuchtes Mikroklima angewiesen sind.

Was hilft gegen Kellerasseln im Haus? Die 4 besten Sofortmaßnahmen
Wenn Sie Kellerasseln im Haus haben, ist das fast immer ein Indikator für zwei Dinge: Eine hohe Luftfeuchtigkeit und ein leicht zugängliches Nahrungsangebot. Die folgenden Maßnahmen setzen genau hier an.
1. Richtig lüften und heizen (Feuchtigkeitsentzug)
Da Kellerasseln bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von unter 70 % schnell austrocknen und sterben [5], ist der Entzug von Feuchtigkeit die mit Abstand effektivste Methode. Was hilft gegen Kellerasseln im Keller? Stoßlüften! Lüften Sie Kellerräume vor allem an kühlen, trockenen Tagen oder in den frühen Morgenstunden. Vermeiden Sie es, an schwülwarmen Sommertagen zu lüften, da die warme Außenluft an den kühlen Kellerwänden kondensiert und die Feuchtigkeit im Raum sogar noch erhöht.
- Stellen Sie Möbel einige Zentimeter von der Wand ab, damit die Luft zirkulieren kann.
- Prüfen Sie Wasserleitungen und Wände auf undichte Stellen oder aufsteigende Feuchtigkeit.
- Nutzen Sie bei extrem feuchten Kellern vorübergehend einen elektrischen Luftentfeuchter.
2. Natürliche Fallen aufstellen (Lebendfang)
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kellerasseln ein starkes Aggregationsverhalten zeigen. Sie rotten sich zusammen, um den Wasserverlust der Gruppe zu minimieren [3, 4]. Zudem zeigen sie eine ausgeprägte Thigmotaxis (sie suchen den physischen Kontakt zu Oberflächen und verkriechen sich in engen Spalten) und eine negative Phototaxis (sie fliehen vor Licht) [3]. Dieses Verhalten können Sie sich zunutze machen, um die Tiere zu fangen, ohne sie zu töten.
Tipp: Die Kartoffelfalle
Höhlen Sie eine große Kartoffel oder eine Möhre aus und legen Sie diese mit der Öffnung nach unten in die betroffene Ecke. Die Asseln werden von der Feuchtigkeit, der Dunkelheit und der Nahrungsquelle magisch angezogen. Am nächsten Morgen können Sie die Kartoffel samt der darin versammelten Asseln einfach aufnehmen und auf dem Kompost im Garten entsorgen.
Alternativ funktionieren auch feuchte, aufgerollte Handtücher oder ein umgedrehter Blumentopf aus Ton, unter den Sie etwas feuchtes Laub oder Holzwolle legen. Die Asseln werden diese künstlichen Verstecke über Nacht aufsuchen.
3. Nahrungsquellen beseitigen
Kellerasseln sind Saprophagen und Detritivoren. Das bedeutet, sie ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenem organischem Material [8]. Dazu gehören morsches Holz, faulendes Laub, aber auch eingelagertes Obst und Gemüse. Wenn Sie sich fragen, was hilft gegen Kellerasseln in der Vorratskammer, ist die Antwort simpel: Entziehen Sie ihnen die Nahrung.
- Lagern Sie Kartoffeln, Äpfel und Wurzelgemüse in dicht schließenden Kisten oder hängen Sie diese in Netzen auf.
- Entfernen Sie alte Pappkartons, feuchtes Zeitungspapier und morsches Holz aus dem Keller.
- Leeren Sie Mülleimer für organische Abfälle regelmäßig und halten Sie diese verschlossen.
4. Einschlupfmöglichkeiten abdichten
Oft wandern die Tiere von außen ein, besonders im Herbst, wenn es draußen kälter wird und sie frostfreie Überwinterungsplätze suchen. Kontrollieren Sie die Lichtschächte Ihrer Kellerfenster. Sammelt sich hier feuchtes Herbstlaub, ist das ein Paradies für Asseln. Von dort ist der Weg durch undichte Fensterfugen ins Haus nicht weit. Dichten Sie Risse im Mauerwerk ab, versehen Sie Kellerfenster mit feinen Fliegengittern und bringen Sie an Außentüren Bürstendichtungen an.
Hausmittel gegen Kellerasseln: Was funktioniert wirklich?
Im Internet kursieren unzählige Tipps zu Hausmitteln. Doch nicht alles, was gegen Insekten hilft, wirkt auch bei Krebstieren. Hier ist eine ehrliche Einschätzung, was hilft gegen Kellerasseln und was eher ins Reich der Mythen gehört.
Gesteinsmehl und Diatomeenerde (Kieselgur)
Diese feinen Pulver wirken rein mechanisch. Wenn Asseln darüberlaufen, verletzen die mikroskopisch kleinen, scharfkantigen Partikel die weichen Stellen ihres Panzers. Zudem entzieht das Pulver der Umgebung und den Tieren Feuchtigkeit. Die Asseln trocknen aus. Anwendung: In feine Ritzen und entlang der Laufwege streuen. Achtung: Sobald das Pulver selbst feucht wird (was in Kellern oft der Fall ist), verliert es seine Wirkung.
Backpulver
Oft als Wundermittel gegen Ameisen gepriesen, wird Backpulver auch gegen Asseln empfohlen. Die Idee: Die Tiere fressen es und verenden. In der Praxis ist dies bei Kellerasseln jedoch wenig effektiv. Sie meiden das Pulver meistens, anstatt es zu fressen. Als Barriere ausgestreut, kann es sie kurzfristig umleiten, löst aber das Grundproblem nicht.
Starke Gerüche: Salbei, Zimt und Essig
Asseln orientieren sich stark über chemische Reize und Pheromone [3, 8]. Starke Gerüche können ihre Orientierung stören. Das Auslegen von frischen Salbeiblättern, das Streuen von Zimtpulver oder das Wischen der Böden mit Essigwasser kann eine abschreckende (repellente) Wirkung haben. Dies ist eine gute Begleitmaßnahme, um die Tiere von bestimmten Bereichen (z.B. Vorratsregalen) fernzuhalten, vertreibt sie aber nicht dauerhaft aus einem feuchten Raum.

Warum Sie auf chemische Insektizide verzichten sollten
Der Griff zum Insektenspray ist bei Kellerasseln nicht nur übertrieben, sondern oft auch wirkungslos und umweltschädlich. Da Asseln Krebstiere sind, wirken viele spezifische Insektizide bei ihnen schlechter. Zudem bekämpfen Sie mit Gift nur das Symptom, nicht die Ursache. Solange der Raum feucht bleibt, werden neue Asseln einwandern.
Viel wichtiger ist jedoch die ökologische Rolle der Tiere. Draußen im Garten sind Kellerasseln absolute Nützlinge. Sie sind die Gesundheitspolizei des Bodens. Sie fressen abgestorbenes Pflanzenmaterial, Pilze und Aas und zersetzen diese in wertvollen Humus [6, 8]. Ohne Destruenten wie die Kellerassel würden unsere Wälder und Gärten im eigenen Abfall ersticken. Zudem dienen sie als wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Igel, Spitzmäuse und spezialisierte Spinnen wie den Sechsäugigen Waldweberknecht (Dysdera crocata) [8].
Wissenschaftlicher Fakt: Asseln als Bioindikatoren
Wussten Sie, dass Kellerasseln in der Wissenschaft als Bioindikatoren genutzt werden? Sie können Schwermetalle wie Kupfer, Zink, Blei und Cadmium in speziellen Bläschen in ihrer Mitteldarmdrüse (Hepatopankreas) speichern und unschädlich machen [2, 7]. Forscher untersuchen Asseln, um die Schwermetallbelastung von Böden in Industriegebieten zu messen. Ein Grund mehr, diese faszinierenden Tiere schonend nach draußen zu befördern, anstatt sie zu vergiften.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Kellerasseln gefährlich oder übertragen sie Krankheiten?
Nein, Kellerasseln sind für Menschen und Haustiere völlig ungefährlich. Sie beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Sie sind lediglich ein optischer Störfaktor in Wohnräumen.
Was fressen Kellerasseln?
Kellerasseln ernähren sich von abgestorbener organischer Substanz. Dazu gehören faulendes Holz, totes Laub, Pilze, aber auch gelagertes Gemüse wie Kartoffeln oder Äpfel. Im Garten sind sie wichtige Humusbildner.
Warum sterben Kellerasseln in der Wohnung oft so schnell?
Kellerasseln atmen über Kiemen und besitzen keinen Verdunstungsschutz auf ihrem Panzer. In normalen, beheizten Wohnräumen ist die Luftfeuchtigkeit für sie zu gering. Sie vertrocknen meist innerhalb weniger Stunden bis Tage.
Darf man Kellerasseln einfach einsaugen?
Das Einsaugen mit dem Staubsauger ist möglich, tötet die Tiere jedoch meist qualvoll. Da sie nützliche Tiere sind, ist es besser, sie mit einer Kartoffelfalle oder einem Kehrblech einzusammeln und im Garten auszusetzen.
Was hilft gegen Kellerasseln auf der Terrasse?
Auf der Terrasse sollten Sie Versteckmöglichkeiten reduzieren. Kehren Sie altes Laub weg, vermeiden Sie Staunässe unter Blumentöpfen (z.B. durch Füßchen unter den Töpfen) und lagern Sie Kaminholz nicht direkt an der Hauswand.
Fazit: Trockenheit ist die beste Verteidigung
Wer sich fragt, was hilft gegen Kellerasseln, muss nicht in Panik verfallen. Die Anwesenheit der kleinen Krebstiere ist ein klarer Indikator für ein Feuchtigkeitsproblem. Anstatt die Symptome mit Gift zu bekämpfen, sollten Sie die Ursache beheben: Lüften Sie richtig, dichten Sie Fugen ab und entfernen Sie organische Abfälle aus dem Keller. Nutzen Sie das natürliche Verhalten der Tiere (Thigmotaxis und Feuchtigkeitsliebe), um sie mit einfachen Hausmitteln wie der Kartoffelfalle lebend zu fangen. Tragen Sie die Asseln nach draußen auf den Kompost – dort verrichten sie als unermüdliche Humusbildner ein wertvolles Werk für unser Ökosystem.
Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
- Lange, J. (o.J.): Die Kellerassel (Porcellio scaber). Ökologischer Lehrgarten, Pädagogische Hochschule Karlsruhe.
- Paoletti, M. G., & Hassall, M. (1999): Woodlice (Isopoda: Oniscidea): their potential for assessing sustainability and use as bioindicators. Agriculture, Ecosystems and Environment 74, 157–165.
- Devigne, C., Broly, P., & Deneubourg, J.-L. (2011): Individual Preferences and Social Interactions Determine the Aggregation of Woodlice. PLoS ONE 6(2): e17389.
- Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J.-L., & Devigne, C. (2012): Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys 176: 133–144.
- Csonka, D., Halasy, K., Buczkó, K., & Hornung, E. (2018): Morphological traits – desiccation resistance – habitat characteristics: a possible key for distribution in woodlice. ZooKeys 801: 481–499.
- Umweltbundesamt (UBA): Kellerassel - Aussehen und Vorkommen. Abgerufen von umweltbundesamt.de.
- Preisfeld, G. (2025): Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Bergische Universität Wuppertal.
- Riggio, C. (o.J.): Porcellio scaber (Common rough woodlouse). Animal Diversity Web, University of Michigan.