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Können Maikäfer beißen? Die Wahrheit über die Mundwerkzeuge der Brummer
April 13, 2026 Patricia Titz

Können Maikäfer beißen? Die Wahrheit über die Mundwerkzeuge der Brummer

Sobald die Abende im Mai milder werden, kehrt ein vertrautes Geräusch in unsere Gärten und Wälder zurück: das tiefe, schwere Brummen der Maikäfer. Doch während viele die Rückkehr der Käfer als Frühlingsboten feiern, löst das plötzliche Auftauchen der bis zu drei Zentimeter großen Insekten bei anderen Unbehagen aus. Besonders die Frage, ob diese kräftigen Brummer den Menschen gefährlich werden können, steht oft im Raum. Können Maikäfer beißen oder gar stechen? In diesem umfassenden Ratgeber klären wir auf, wie die Mundwerkzeuge der Käfer beschaffen sind, warum sie sich manchmal auf unserer Haut festkrallen und wie man sich im Umgang mit ihnen verhält.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Keine Gefahr: Maikäfer können Menschen nicht beißen oder stechen; sie besitzen keinen Giftstachel [9, 10].
  • Mundwerkzeuge: Ihre Beißwerkzeuge (Mandibeln) sind ausschließlich auf das Zerkleinern von Blättern spezialisiert [7, 10].
  • Krallen-Gefühl: Das vermeintliche Beißen auf der Haut ist meist das Festhalten mit ihren scharfen Fußkrallen [9].
  • Friedliche Natur: Die Käfer sind völlig harmlos und zeigen keinerlei aggressives Verhalten gegenüber Menschen [10].
  • Ökologische Rolle: Als Engerlinge im Boden und Käfer in der Luft sind sie wichtiger Teil des Ökosystems [3, 5].
Anatomie von Maikäfer-Mundwerkzeugen und Fußkrallen im Vergleich.
Anatomie von Maikäfer-Mundwerkzeugen und Fußkrallen im Vergleich.

Anatomie der Mundwerkzeuge: Werkzeuge zum Fressen, nicht zum Kämpfen

Um zu verstehen, ob ein Maikäfer beißen kann, muss man einen Blick auf seine Anatomie werfen. Maikäfer gehören zur Ordnung der Käfer (Coleoptera) und besitzen kauend-beißende Mundwerkzeuge [7]. Diese bestehen im Wesentlichen aus den Oberkiefern (Mandibeln), den Unterkiefern (Maxillen) und der Unterlippe [7].

Spezialisierung auf Laubwerk

Die Mandibeln des Maikäfers sind kräftig und darauf ausgelegt, Pflanzenteile abzutrennen und zu zerreiben [7]. Während ihres Reifungsfraßes im Mai konzentrieren sich die Käfer vor allem auf das frische Grün von Laubbäumen wie Eichen, Buchen, Ahorn und Obstbäumen [1, 10]. Sie nutzen ihre Beißwerkzeuge, um Blattstücke präzise herauszutrennen. Obwohl diese Werkzeuge stark genug sind, um zähes Eichenlaub zu bewältigen, fehlt den Käfern die anatomische Struktur und der Instinkt, die menschliche Haut zu durchdringen [10].

Wussten Sie schon?

Ein ausgewachsener Maikäfer besitzt Augen, die aus rund 5.500 Einzelaugen zusammengesetzt sind [7]. Diese helfen ihm, Silhouetten von Bäumen am Horizont zu erkennen, auf die er gezielt zufliegt [1, 2].

Können Maikäfer beißen? Die Entwarnung für den Menschen

Die kurze Antwort lautet: Nein, Maikäfer beißen keine Menschen. Es gibt mehrere Gründe, warum dieses Gerücht dennoch hartnäckig besteht. Wenn ein Maikäfer auf einem Menschen landet, fühlt sich das oft kratzig oder sogar leicht schmerzhaft an. Dies liegt jedoch nicht an einem Biss, sondern an den Beinen des Käfers.

Das Missverständnis mit den Krallen

Maikäfer besitzen drei Beinpaare, die an den Enden mit scharfen Krallen und Haftläppchen ausgestattet sind [7, 10]. Diese Krallen sind lebensnotwendig, damit sich der Käfer bei Wind und Wetter an glatten Blättern oder Rinden festhalten kann [9]. Landet der Käfer auf der menschlichen Haut oder verfängt er sich in der Kleidung, versucht er instinktiv, sich festzuhalten. Das Pieksen dieser Krallen wird von vielen Menschen fälschlicherweise als Biss oder Stich interpretiert [9].

Kein Verteidigungsinstinkt

Im Gegensatz zu Wespen oder Hornissen haben Maikäfer keinen Verteidigungsinstinkt, der Angriffe auf größere Lebewesen beinhaltet. Bei Gefahr lassen sie sich eher fallen und stellen sich tot, anstatt anzugreifen [1, 9]. Sie sind reine Pflanzenfresser und betrachten Menschen weder als Beute noch als Bedrohung, die man beißen müsste.

Vergleich von Feldmaikäfer und Waldmaikäfer
Vergleich von Feldmaikäfer und Waldmaikäfer

Die verschiedenen Arten: Feldmaikäfer vs. Waldmaikäfer

In Mitteleuropa begegnen uns hauptsächlich zwei Arten: der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) [1, 10]. Beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich, unterscheiden sich aber in feinen Details ihrer Anatomie und Lebensweise.

Unterscheidungsmerkmale am Hinterleib

Das sicherste Merkmal zur Unterscheidung ist das sogenannte Pygidium, das Hinterleibsende. Beim Feldmaikäfer ist dieser Fortsatz lang und schmal ausgezogen, während er beim Waldmaikäfer kürzer ist und an der Spitze eine knotige Verdickung aufweist [1, 2]. Beide Arten sind etwa 20 bis 30 mm lang, behaart und besitzen die charakteristischen braunen Flügeldecken [2, 10].

Lebensraum und Vorlieben

Der Feldmaikäfer bevorzugt offene Landschaften, Wiesen und landwirtschaftliche Kulturen [1, 10]. Der Waldmaikäfer hingegen ist, wie der Name sagt, eher im Wald anzutreffen und bevorzugt sandige Böden [2, 5]. In Bezug auf die Frage, ob sie beißen können, sind beide Arten absolut identisch: Sie sind für den Menschen völlig harmlos.

Lebenszyklus des Maikäfers im Bodenquerschnitt
Lebenszyklus des Maikäfers im Bodenquerschnitt

Der Lebenszyklus: Warum sie nur alle paar Jahre massenhaft auftreten

Das Phänomen der "Maikäferjahre" fasziniert Forscher seit Jahrhunderten. Die Käfer entwickeln sich in einem mehrjährigen Zyklus, der meist drei bis vier Jahre dauert [1, 5, 10]. In kühleren Regionen kann die Entwicklung sogar bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen [2, 10].

Vom Ei zum Engerling

Nach der Begattung graben sich die Weibchen etwa 20 bis 25 cm tief in den Boden ein, um dort ihre Eier abzulegen [5, 10]. Pro Gelege werden etwa 20 bis 30 Eier platziert [5]. Nach etwa vier bis sechs Wochen schlüpfen die Larven, die weithin als Engerlinge bekannt sind [2, 10].

Das Leben im Untergrund

Engerlinge verbringen den Großteil ihres Lebens unter der Erde. Im ersten Jahr ernähren sie sich noch von Humus und feinen Graswurzeln [2, 5]. Mit zunehmendem Alter (L2- und L3-Stadium) werden sie gefräßiger und machen sich über die Wurzeln von Bäumen und Nutzpflanzen her [5, 10]. Hier können sie beträchtliche Schäden anrichten, besonders in Baumschulen oder jungen Forstkulturen [1, 4].

Profi-Tipp: Engerlinge unterscheiden

Nicht jeder Engerling ist ein Schädling! Maikäfer-Engerlinge bewegen sich in gekrümmter Haltung seitlich fort. Rosenkäfer-Engerlinge hingegen kriechen auf dem Rücken, während Junikäfer-Engerlinge sich auf dem Bauch fortbewegen [1]. Rosenkäfer-Larven sind nützliche Kompostbewohner und sollten geschont werden [2].

Gefährdung und Schutz: Warum wir die Brummer brauchen

In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Maikäfer durch den massiven Einsatz von Insektiziden wie DDT fast ausgerottet [3, 9]. Heute haben sich die Bestände in vielen Regionen erholt, was jedoch oft zu Konflikten mit der Land- und Forstwirtschaft führt [4, 6].

Natürliche Feinde und Ökosystem

Maikäfer sind eine unverzichtbare Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten. Vögel wie der Wiedehopf, der Turmfalke und verschiedene Eulenarten jagen die Käfer während der Flugzeit [3, 4]. Auch Säugetiere wie Dachse, Wildschweine, Igel und Fledermäuse profitieren von dem enormen Eiweißangebot [3, 4, 9]. Ein massives Vergiften der Käfer würde diese Nahrungskette empfindlich stören [3].

Sanfte Bekämpfungsmethoden

Anstatt zur chemischen Keule zu greifen, setzen moderne Forstbetriebe auf biologische Maßnahmen. Ein Beispiel ist der Einsatz des Pilzes Beauveria brongniartii, der die Engerlinge im Boden infiziert und abtötet, ohne andere Insekten zu schädigen [2, 10]. Auch das Absammeln der Käfer in den frühen Morgenstunden, wenn sie noch klamm und unbeweglich sind, ist eine bewährte, wenn auch mühsame Methode [4, 10].

Historisches: Als Maikäfer noch auf dem Speiseplan standen

Es mag heute befremdlich klingen, aber Maikäfer wurden früher nicht nur bekämpft, sondern auch gegessen. In Notzeiten, aber auch als Delikatesse, war die Maikäfersuppe weit verbreitet [4, 9].

Das Rezept der Vorfahren

In alten Kochbüchern finden sich Anleitungen, bei denen den Käfern Flügeldecken und Beine entfernt wurden, bevor sie in Butter geröstet und mit Hühnerbrühe aufgekocht wurden [9]. Geschmacklich soll die Suppe an Krebssuppe erinnert haben [9]. Auch kandierte Maikäfer waren in Konditoreien als Nachtisch zu finden [9]. Heute ist diese Tradition glücklicherweise verschwunden, und wir können die Käfer lieber bei ihrem brummenden Flug beobachten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Maikäfer beißen oder stechen?

Nein, Maikäfer können weder beißen noch stechen. Sie besitzen keinen Stachel und ihre Mundwerkzeuge sind nur zum Kauen von Blättern geeignet.

Warum fühlt es sich so an, als ob ein Maikäfer beißt?

Das Gefühl entsteht durch die scharfen Krallen an ihren Beinen, mit denen sie sich auf der Haut festhalten. Das kann wie ein kleiner Piks wirken.

Sind Maikäfer giftig für Haustiere?

Maikäfer sind nicht giftig. Wenn Hunde oder Katzen sie fressen, ist das meist harmlos, kann aber aufgrund des harten Chitinpanzers zu leichten Magenverstimmungen führen.

Was fressen Maikäfer am liebsten?

Erwachsene Käfer fressen bevorzugt Laub von Eichen, Buchen und Obstbäumen. Die Larven (Engerlinge) fressen Wurzeln im Boden.

Wann fliegen Maikäfer?

Die Hauptflugzeit liegt im Mai, meist in der Abenddämmerung bei milden Temperaturen. In warmen Jahren beginnt der Flug schon Ende April.

Fazit

Maikäfer sind faszinierende Insekten, die zu Unrecht einen Ruf als "Beißer" haben. Ihre Anatomie ist rein auf das Überleben in der Natur und das Fressen von Laub spezialisiert. Für uns Menschen sind sie völlig harmlos und stellen keine Gefahr dar. Wenn Sie das nächste Mal einen dieser braunen Brummer auf Ihrer Schulter entdecken, bewahren Sie Ruhe: Er möchte sich lediglich festhalten und wird bald wieder seinen Weg zu den nächsten Baumkronen finden. Schützen wir diese wichtigen Glieder unserer Nahrungskette, damit das charakteristische Brummen auch in Zukunft Teil unserer Frühlingsabende bleibt.

Quellen

  1. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL): Maikäfer, Feldmaikäfer und Waldmaikäfer.
  2. Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT): Maikäfer und Engerlinge - Biologie und Bedeutung.
  3. NABU Landesverband Hessen: Hintergrundpapier zur Bekämpfung des Waldmaikäfers.
  4. Wald und Holz NRW: Infomeldung Nr. 5 / 2015 - Maikäfer-Phänomen und Monitoring.
  5. Landratsamt Karlsruhe, Forstamt: Der Wald-Maikäfer in der Region Hardtwald.
  6. Landesanstalt für Pflanzenschutz Stuttgart: Der Feldmaikäfer in Baden-Württemberg (M. Fröschle, 1994).
  7. Schulbuch-Material: Bauplan und Atmungssystem des Maikäfers.
  8. Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Braunau: Der Feldmaikäfer in Südostbayern (J. Reichholf, 2020).
  9. NABU Deutschland: Die Maikäfer sind wieder da - Artenporträt.
  10. AGES Österreich: Fachinformationen zu Maikäfern und Engerlingen.

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