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Was fressen Maikäfer? Alles über die Nahrung von Käfer und Larve
April 13, 2026 Patricia Titz

Was fressen Maikäfer? Alles über die Nahrung von Käfer und Larve

Wenn im Mai das charakteristische Brummen durch die Abenddämmerung schallt, wissen Naturfreunde und Gärtner gleichermaßen: Die Maikäfer sind zurück. Doch während die einen den Anblick der behäbigen Käfer als nostalgisches Frühlingszeichen genießen, blicken Forstwirte und Landwirte oft mit Sorge auf die Bäume und Felder. Die zentrale Frage, die dabei immer wieder auftaucht, lautet: Was fressen Maikäfer eigentlich genau? Die Antwort ist komplexer, als man zunächst vermuten mag, denn der Speiseplan unterscheidet sich fundamental zwischen dem ausgewachsenen Käfer und seinem unterirdisch lebenden Larvenstadium, dem Engerling. In diesem umfassenden Ratgeber beleuchten wir die Ernährungsgewohnheiten dieser faszinierenden Insekten, analysieren die Schäden an Wirtspflanzen und geben wertvolle Tipps zum Schutz Ihrer Grünanlagen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Adulte Käfer: Fressen vor allem Blätter von Laubbäumen (Eiche, Buche, Ahorn) und Obstbäumen [1][2].
  • Engerlinge (Larven): Leben im Boden und fressen Wurzeln von Gräsern, Kräutern und jungen Bäumen [1][9].
  • Wirtspflanzen: Besonders beliebt sind Eichen (Quercus sp.) und Lärchen (Larix sp.) in Alpentälern [1].
  • Schadbild: Während Blattfraß oft durch den "Johannistrieb" kompensiert wird, kann Wurzelfraß zum Absterben ganzer Bestände führen [1][4].
  • Zyklus: Die Entwicklung vom Ei zum Käfer dauert meist 3 bis 4 Jahre, in denen fast durchgehend gefressen wird [1][5].
Lebensweise und Tiefenwanderung von Maikäfer-Engerlingen im Boden
Lebensweise und Tiefenwanderung von Maikäfer-Engerlingen im Boden

Die Nahrung der erwachsenen Maikäfer: Der Reifungsfraß

Sobald die Bodentemperatur im Frühjahr (meist Ende April oder Anfang Mai) ansteigt, graben sich die fertigen Käfer aus der Erde [2]. Ihr erster Weg führt sie direkt zu den nächstgelegenen Nahrungsquellen. Dieser Zeitraum wird als Reifungsfraß bezeichnet, da die Käfer die Energie aus den Blättern benötigen, um ihre Geschlechtsorgane voll auszubilden und sich zu paaren [1][9].

Bevorzugte Baumarten und Laubgehölze

Maikäfer sind bei ihrer Nahrungswahl nicht extrem wählerisch, zeigen aber deutliche Präferenzen. Besonders der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) haben es auf weiche, frische Blätter abgesehen. Zu den Hauptnahrungsquellen gehören:

  • Eichen (Quercus sp.): Die absolute Leibspeise. In Massenjahren können Eichenwälder binnen weniger Tage kahlgefressen werden [1][3].
  • Buchen (Fagus silvatica): Ebenfalls sehr häufig betroffen, besonders an Waldrändern [1].
  • Ahorn und Haselnuss: Diese dienen oft als Ausweichnahrung, wenn Eichen nicht verfügbar sind [2].
  • Obstbäume: Kirschen, Pflaumen und Äpfel werden besonders vom Feldmaikäfer geschätzt [2][9].
  • Lärchen (Larix sp.): Eine Besonderheit in Alpentälern, wo Maikäfer auch Nadelgehölze angehen [1].

Interessanterweise orientieren sich die Käfer beim Anflug nach der Silhouette der Bäume gegen den Abendhimmel. Deshalb sind vor allem exponierte Bäume auf Kuppen, Kreten oder an Waldrändern zuerst betroffen [1]. Ein Phänomen, das oft beobachtet wird, ist das leise "Rieseln" in betroffenen Wäldern – es handelt sich dabei um die Kotkügelchen tausender Käfer, die gleichzeitig in den Baumkronen fressen [3].

Tipp: Der Johannistrieb

Keine Panik bei Kahlfraß! Die meisten gesunden Laubbäume besitzen die Fähigkeit zur Regeneration. Ab Mitte Juni bilden sie den sogenannten "Johannistrieb" – neue Ersatztriebe, die den Baum im Sommer wieder begrünen [1][3]. Ein Zuwachsverlust bleibt jedoch oft bestehen.

Was fressen Maikäfer-Engerlinge? Die Gefahr im Verborgenen

Während der Fraß der Käfer in den Baumkronen weithin sichtbar ist, findet die eigentliche Zerstörung oft lautlos unter der Erde statt. Die Larven der Maikäfer, die Engerlinge, verbringen je nach Region drei bis fünf Jahre im Boden, bevor sie sich verpuppen [1][5]. Ihr Hunger ist enorm und ihr Speiseplan ändert sich mit zunehmendem Alter.

Das erste Larvenstadium (L1)

Frisch geschlüpfte Engerlinge sind noch relativ klein und schwach. In den ersten Wochen nach dem Schlupf (ca. 4-6 Wochen nach der Eiablage) ernähren sie sich primär von organischem Material (Humus) im Boden und von feinen Graswurzeln [2][5]. In diesem Stadium sind die Schäden an Kulturpflanzen meist noch vernachlässigbar.

Das zweite und dritte Stadium (L2 & L3)

Ab dem zweiten Lebensjahr werden die Engerlinge zu ernsthaften Schädlingen. Sie entwickeln kräftige Beißwerkzeuge (Mandibeln), mit denen sie selbst dickere Wurzeln mühelos durchtrennen können [7]. Sie fressen nun an:

  • Wurzeln von Kulturpflanzen: Kartoffeln, Zuckerrüben, Erdbeeren und Getreide sind besonders gefährdet [6][9].
  • Jungbäumen: In forstlichen Pflanzgärten und Baumschulen können Engerlinge die Feinwurzeln junger Eichen oder Buchen komplett abfressen, was zum schnellen Vertrocknen der Pflanzen führt [1][4].
  • Rasenflächen: Auf Golfplätzen oder im heimischen Garten führen abgefressene Graswurzeln zu großflächigen braunen Stellen, da das Gras keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann [2].

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Engerlinge im Boden sehr mobil sind. Sie können sich bis zu 30 cm pro Tag durch das Erdreich bewegen, um frische Wurzeln zu finden [10]. Dabei bevorzugen sie lockere, mittelschwer bewachsene Böden mit hoher Wärmerückstrahlung für die Eiablage [2].

Anatomie und Verdauungssystem eines Maikäfers
Anatomie und Verdauungssystem eines Maikäfers

Biologische Besonderheiten: Wie fressen sie?

Die Anatomie des Maikäfers ist perfekt auf seine Ernährung angepasst. Die Mundwerkzeuge sind kauend-beißend konstruiert. Mit den Oberkiefern (Mandibeln) werden Blattteile abgetrennt und anschließend durch die Unterkiefer und die Unterlippe zerkleinert [7].

Ein faszinierendes Detail der Engerlings-Biologie ist ihre Verdauung. Da Wurzeln und Holzfasern schwer verdauliche Cellulose enthalten, beherbergen die Larven in ihrem Enddarm spezielle symbiotische Bakterien. Diese Mikroorganismen helfen dabei, die harten Pflanzenfasern aufzuspalten und für den Engerling nutzbar zu machen [10]. Um diese Bakterienflora initial aufzubauen, fressen junge Larven oft den Kot der Elterntiere [10].

Maikäfer und Engerlinge als Teil der Nahrungskette
Maikäfer und Engerlinge als Teil der Nahrungskette

Wer frisst den Maikäfer? Natürliche Gegenspieler

In einem funktionierenden Ökosystem wird der Bestand der Maikäfer durch zahlreiche Fressfeinde reguliert. Da Maikäfer und Engerlinge sehr proteinreich sind, stehen sie bei vielen Tieren hoch im Kurs [3].

  • Vögel: Krähen, Möwen, Stare und Wiedehopfe picken Engerlinge aus frisch gepflügten Äckern. Greifvögel wie der Baumfalke oder der Mäusebussard jagen die fliegenden Käfer [2][3].
  • Säugetiere: Wildschweine sind bekannt dafür, den Waldboden regelrecht zu "durchpflügen", um an die fetten Engerlinge zu gelangen. Auch Dachse, Igel, Maulwürfe und Spitzmäuse fressen die Larven in großen Mengen [2][3][4].
  • Fledermäuse: Der Große Abendsegler und das Große Mausohr jagen Maikäfer während ihres Schwärmflugs in der Dämmerung. Eine einzige Fledermaus kann pro Nacht 40 bis 60 Käfer verzehren [3].
  • Insektenpathogene Pilze: Der Pilz Beauveria brongniartii infiziert die Engerlinge im Boden und tötet sie ab. Dies ist eine der effektivsten biologischen Bekämpfungsmethoden [1][2][9].

Warnung vor Verwechslungen

Nicht jeder Engerling ist ein Schädling! Die Larven des Rosenkäfers (Cetonia aurata) sehen denen des Maikäfers sehr ähnlich, leben aber fast ausschließlich in Komposthaufen und fressen dort nur totes Pflanzenmaterial. Sie sind nützliche Humusbildner und sollten unbedingt geschont werden [2]. Ein einfacher Test: Legen Sie die Larve auf eine glatte Fläche. Maikäfer-Engerlinge krümmen sich und liegen auf der Seite, während Rosenkäfer-Larven auf dem Rücken davonkriechen [1][9].

Schutzmaßnahmen: Wie man Fraßschäden verhindert

Wenn Sie wissen, was Maikäfer fressen, können Sie gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen. Besonders in sogenannten "Flugjahren" ist Vorsicht geboten.

Mechanische und biologische Methoden

  1. Bodenbearbeitung: Regelmäßiges Hacken und Fräsen des Bodens im Spätsommer (Juli bis September) zerstört viele Engerlinge mechanisch oder bringt sie an die Oberfläche, wo sie von Vögeln gefressen werden [6][9].
  2. Netze: Im Gartenbau können engmaschige Netze über Kulturen gespannt werden. Dies verhindert, dass Weibchen zur Eiablage in den Boden eindringen können [2][9].
  3. Laufenten und Hühner: Geflügel ist ein hervorragender biologischer Helfer. Besonders während der Eiablagezeit vertilgen sie große Mengen an Käfern [4].
  4. Nematoden: Spezielle Fadenwürmer (Heterorhabditis bacteriophora) können gegen die Larven des Gartenlaubkäfers eingesetzt werden, wirken beim Maikäfer im Wald jedoch oft weniger effizient [2][4].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Fressen Maikäfer auch Nadelbäume?

Ja, insbesondere in Alpentälern gehen Maikäfer auch an die Lärche (Larix sp.). Die meisten anderen Nadelbaumarten werden jedoch gemieden [1].

Sind Maikäfer für Menschen gefährlich?

Nein, Maikäfer sind völlig harmlos für den Menschen. Sie können weder beißen noch stechen. Ihre einzige "Gefahr" besteht in ihrem Appetit auf Laub- und Nutzpflanzen [7].

Was fressen Maikäfer im Winter?

Im Winter fressen Maikäfer nichts. Die Engerlinge ziehen sich in tiefere, frostfreie Bodenschichten (bis zu 60-100 cm) zurück und halten eine Winterruhe [5][9].

Kann man Maikäfer essen?

Historisch gesehen ja. In Notzeiten wurde oft Maikäfersuppe oder Maikäfer-Bouillon zubereitet. Auch kandierte Maikäfer waren früher als Nachtisch bekannt [3][4].

Warum fressen Engerlinge Wurzeln?

Wurzeln bieten den Larven eine energiereiche Nahrungsquelle mit Wasser und Nährstoffen, die sie für ihr mehrjähriges Wachstum im Boden benötigen [5][10].

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Maikäfer sind faszinierende Insekten mit einem sehr spezifischen Hunger. Während die erwachsenen Käfer als "Blattfresser" vor allem Eichen und Obstbäume bevorzugen, sind es die Engerlinge, die als "Wurzelfresser" im Verborgenen den größten ökonomischen Schaden anrichten können [1][2]. Ein gesundes Gleichgewicht im Garten, das natürliche Feinde wie Vögel, Igel und Fledermäuse fördert, ist der beste Schutz gegen eine Überpopulation. Sollten Sie dennoch einen starken Befall feststellen, helfen mechanische Bodenbearbeitung und biologische Mittel wie der Beauveria-Pilz, Ihre Pflanzen zu retten. Genießen Sie das Brummen im Mai, aber behalten Sie Ihre Wurzeln im Auge!

Quellenverzeichnis

  1. Merkblatt: Maikäfer, Feldmaikäfer und Waldmaikäfer (Melolontha sp.), WSL/Forstschutz.
  2. HSWT: Maikäfer und Engerlinge - Biologie, Wirtspflanzen und Bekämpfung.
  3. NABU: Die Maikäfer sind wieder da - Hintergrundinformationen zur Massenvermehrung.
  4. Wald und Holz NRW: Infomeldung Nr. 5/2015 - Maikäfer in Eichenkulturen.
  5. Landratsamt Karlsruhe: Der Wald-Maikäfer - Auftreten und Vermehrung.
  6. M. Fröschle (1994): Der Feldmaikäfer in Baden-Württemberg, Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd.
  7. Lehrmaterial: Typische Insektenmerkmale des Maikäfers - Bauplan und Atmung.
  8. J. H. Reichholf (2020): Der Feldmaikäfer in Südostbayern - Populationsdynamik.
  9. AGES Österreich: Schaderreger von A bis Z - Maikäfer/Engerlinge.
  10. Animal Diversity Web (ADW): Melolontha melolontha (common European cockchafer) - Ecology and Diet.

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