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Pflaumenwickler Leimring: So schützen Sie Ihre Zwetschgen effektiv vor Maden
April 13, 2026 Patricia Titz

Pflaumenwickler Leimring: So schützen Sie Ihre Zwetschgen effektiv vor Maden

Nichts trübt die Freude an der sommerlichen Obsternte so sehr wie die Entdeckung kleiner, rötlicher Maden im Inneren einer saftigen Zwetschge. Der Pflaumenwickler (Cydia funebrana) ist der Hauptverantwortliche für dieses Ärgernis im Haus- und Kleingarten. Viele Hobbygärtner greifen instinktiv zum klassischen Leimring, um ihre Bäume zu schützen. Doch hilft der Pflaumenwickler Leimring wirklich gegen den fliegenden Falter, oder gibt es effektivere mechanische Barrieren? In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Biologie des Schädlings, den korrekten Einsatz von Fangbändern und warum die Kombination aus Hygiene und biologischer Kontrolle der Schlüssel zu einer madenfreien Ernte ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schadbild: Vorzeitiger Fruchtfall, bläuliche Verfärbung und klebrige Gummitropfen am Einbohrloch [1, 4].
  • Leimring vs. Wellpappe: Leimringe helfen primär gegen den Kleinen Frostspanner; gegen Pflaumenwickler-Larven sind Wellpappe-Gürtel effektiver [4, 9].
  • Zeitpunkt: Mechanische Fangbänder müssen ab August am Stamm angebracht werden [2, 4].
  • Biologische Hilfe: Trichogramma-Schlupfwespen und Pheromonfallen unterstützen die Bekämpfung [3, 7].
  • Hygiene: Das konsequente Aufsammeln von Fallobst reduziert den Befallsdruck im Folgejahr massiv [4, 10].

Der Pflaumenwickler: Ein Porträt des Schädlings

Um den Pflaumenwickler effektiv zu bekämpfen, muss man seinen Lebenszyklus verstehen. Der Falter selbst ist eher unscheinbar: Er misst in Ruhestellung etwa 0,8 cm und besitzt matt bräunlich-graue Vorderflügel [10]. Die eigentliche Gefahr geht jedoch von den Larven aus, die im Volksmund oft als "Pflaumenmaden" bezeichnet werden. Diese sind anfangs hell und färben sich später rötlich mit einem dunkelbraunen Kopf [5, 10].

Zwei Generationen pro Jahr

In unseren Breitengraden bildet der Pflaumenwickler in der Regel zwei Generationen aus. Die erste Generation erscheint im Mai und Juni. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an die jungen Früchte ab [1, 8]. Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich in die Frucht ein, was oft zu einem vorzeitigen Fruchtfall im Juni führt. Dieser erste Schaden wird von Gärtnern häufig übersehen oder mit dem natürlichen Fruchtfall verwechselt [3].

Die zweite Generation, die ab Juli und August auftritt, ist weitaus schädlicher. Die Falter legen ihre Eier auf die bereits reifenden Früchte. Die Larven fressen das Fruchtfleisch rund um den Kern und füllen die Höhlung mit dunklen Kotkrümeln [1, 4]. Da diese Früchte oft bis zur Ernte am Baum hängen bleiben, landet der Schädling direkt im Erntekorb.

Warnung: Verwechslungsgefahr!

Nicht jedes Loch in der Pflaume stammt vom Wickler. Die Pflaumensägewespe verursacht ebenfalls Fruchtfall, hinterlässt aber ein größeres, schwarzes Loch und die Früchte riechen oft unangenehm nach Wanzen [1, 11]. Hier helfen Leimringe oder Wellpappe-Gürtel nicht, da die Sägewespe im Boden überwintert.

Aufgeschnittene Pflaume zeigt die rötliche Larve des Pflaumenwicklers und dunkle Kotkrümel am Kern
Die rötliche Larve der zweiten Generation richtet kurz vor der Ernte den größten Schaden an und landet oft unbemerkt im Erntekorb.

Pflaumenwickler Leimring: Mythos und mechanische Realität

Immer wieder liest man die Empfehlung, einen Leimring gegen den Pflaumenwickler anzubringen. Hier ist jedoch eine fachliche Differenzierung notwendig. Ein klassischer Leimring dient dazu, flügellose Insekten daran zu hindern, den Stamm emporzukriechen. Dies ist besonders effektiv gegen die Weibchen des Kleinen Frostspanners, die im Herbst am Stamm hochkriechen, um ihre Eier abzulegen [9].

Warum der Leimring allein oft nicht reicht

Da der Pflaumenwickler-Falter fliegen kann, wird ein Leimring im Frühjahr die Eiablage in der Krone nicht verhindern können. Dennoch hat die mechanische Barriere am Stamm ihre Berechtigung, wenn sie als Wellpappe-Gürtel konzipiert ist. Die erwachsenen Larven der zweiten Generation verlassen im Spätsommer die Früchte, um sich ein Winterquartier zu suchen. Sie kriechen am Stamm entlang nach unten oder seilen sich ab und suchen in Rindenritzen nach einem Platz für ihren Kokon [4, 10].

Profi-Tipp: Der Wellpappe-Trick

Anstatt eines klebrigen Leimrings verwenden Sie von August bis September Gürtel aus Wellpappe. Diese gaukeln den Larven ein ideales Winterquartier vor. Die Tiere kriechen in die Wellen der Pappe und verpuppen sich dort. Ende September nehmen Sie den Gürtel ab und vernichten ihn samt der darin befindlichen Larven [2, 4]. Dies reduziert die Population für das nächste Jahr signifikant.

Wellpappe-Gürtel als mechanische Barriere am Stamm eines Pflaumenbaums befestigt
Ein Gürtel aus Wellpappe ist oft effektiver als ein klassischer Leimring, da er den abwandernden Larven ein ideales Winterquartier vorgaukelt.

Biologische Bekämpfung und Monitoring

Neben mechanischen Barrieren wie dem modifizierten "Pflaumenwickler Leimring" (Wellpappe) bietet die moderne Agrarwissenschaft hochwirksame biologische Methoden an. Diese sind besonders im ökologischen Obstbau unverzichtbar [8].

Pheromonfallen zur Überwachung

Pheromonfallen locken mit weiblichen Sexuallockstoffen die männlichen Falter an. Im Kleingarten dienen sie primär dem Monitoring: Sobald die ersten Falter in der Falle kleben, weiß der Gärtner, dass die Flugzeit und damit die Eiablage begonnen hat [2, 7]. Eine alleinige Bekämpfung durch Pheromonfallen ist auf kleinen Flächen meist nicht ausreichend, da bereits begattete Weibchen von außen zufliegen können [4].

Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen

Eine der effektivsten Methoden ist die Freilassung von Eiparasiten der Gattung Trichogramma. Diese winzigen Erzwespen parasitieren die Eier des Pflaumenwicklers und töten den Schädling ab, bevor die Larve überhaupt schlüpfen kann [7]. Studien zeigen, dass bei korrektem Timing Wirkungsgrade von über 80 % erzielt werden können [7]. Die Ausbringung erfolgt meist über kleine Kärtchen, die in die Baumkrone gehängt werden, sobald die Pheromonfallen einen verstärkten Falterflug anzeigen [3].

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Mechanischer Schutz im August

Wenn Sie die Population des Pflaumenwicklers in Ihrem Garten nachhaltig senken wollen, folgen Sie diesem Plan für die mechanische Stammreinigung:

  1. Vorbereitung: Reinigen Sie den Stamm im Juli grob von loser Borke, damit die Larven keine alternativen Verstecke unter der Rinde finden [10].
  2. Anbringen der Wellpappe: Wickeln Sie Anfang August einen ca. 15-20 cm breiten Streifen Wellpappe (Wellen nach innen) in etwa 1 Meter Höhe fest um den Stamm [4].
  3. Fixierung: Nutzen Sie Bindedraht oder Schnur, um den Gürtel eng anzulegen. Ein Leimring kann zusätzlich oberhalb angebracht werden, um Ameisen fernzuhalten, die Nützlinge stören könnten.
  4. Kontrolle und Entsorgung: Entfernen Sie den Wellpappe-Gürtel Ende September. Achten Sie darauf, dass keine Kokons am Stamm hängen bleiben. Entsorgen Sie die Pappe über den Restmüll (nicht auf den Kompost!) [2].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hilft ein Leimring gegen die Maden in der Pflaume?

Ein Leimring verhindert nicht, dass der Falter seine Eier in die Krone legt. Er kann jedoch einen Teil der Larven abfangen, die am Stamm abwandern. Wesentlich effektiver ist hier jedoch die Verwendung von Wellpappe-Gürteln ab August [4].

Wann ist der beste Zeitpunkt für Bekämpfungsmaßnahmen?

Das Monitoring mit Pheromonfallen beginnt im Mai. Die mechanische Bekämpfung am Stamm (Wellpappe) startet im August, um die überwinternde Generation abzufangen [2, 10].

Kann ich befallene Früchte auf den Kompost werfen?

Nein! Die Larven können im Kompost überleben und sich dort verpuppen. Befallenes Fallobst sollte tief vergraben, über den Hausmüll entsorgt oder in Wasser eingeweicht werden, um die Larven abzutöten [4, 5].

Gibt es resistente Pflaumensorten?

Es gibt keine vollkommen resistenten Sorten, aber frühe Sorten wie 'Ersinger' entgehen oft dem starken Befall der zweiten Generation. Späte Sorten sind generell gefährdeter [1, 7].

Was sind die bläulichen Tropfen an meinen Pflaumen?

Dabei handelt es sich um den sogenannten "Gummifluss". Der Baum reagiert auf die Verletzung durch die Einbohrung der Larve mit der Ausscheidung von Harz, das an der Luft zu farblosen oder bläulichen Tropfen erstarrt [4, 10].

Fazit

Der Kampf gegen den Pflaumenwickler erfordert Geduld und ein kombiniertes Vorgehen. Während der klassische Leimring im Frühjahr gegen den Falter machtlos ist, erweist sich die mechanische Barriere in Form von Wellpappe-Gürteln im Spätsommer als wertvolles Werkzeug, um den Befallsdruck für das Folgejahr zu senken. Kombinieren Sie diese Maßnahme mit strenger Gartenhygiene – dem täglichen Aufsammeln von Fallobst – und dem Einsatz von Nützlingen wie Trichogramma-Schlupfwespen. So sichern Sie sich langfristig eine reiche und madenfreie Ernte Ihrer geliebten Zwetschgen und Pflaumen. Fangen Sie am besten noch heute damit an, Ihre Bäume regelmäßig zu kontrollieren!

Quellenverzeichnis und wissenschaftliche Belege

  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Zwetschgen/Pflaumen Krankheiten und Schädlinge.
  2. Agroscope Schweiz: Pflaumenwickler – Verwirrungstechnik als Basis einer wirksamen Bekämpfungsstrategie (06/2021).
  3. Landwirtschaftskammer NRW: Pflanzenschutz-Spezial Haus- und Kleingarten Nr. 4.
  4. Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ): Hinweise zur Pflanzengesundheit: Pflaumenwickler.
  5. Univ.-Doz. Dr. Gerhard Bedlan: Pflaumenwickler - Schadbild und Ursachen (2020).
  6. Schildberger et al.: Beobachtungen über das Auftreten von Pfirsichwickler und Pfirsichmotte (2005).
  7. W. M. Rost & S. A. Hassan: Massenzucht und Anwendung von Trichogramma zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers (1993).
  8. Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL): Regulierung des Kleinen Fruchtwicklers im ökologischen Obstbau.
  9. LALLF Mecklenburg-Vorpommern: Kleiner Frostspanner (Operophthera brumata) - Bekämpfungsmöglichkeiten.
  10. Agroscope Merkblatt Nr. 148: Pflaumenwickler – Grapholita funebrana (2022).
  11. LfL Bayern: Pflaumensägewespen (Hoplocampa flava und H. minuta).

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