Schimmel in den eigenen vier Wänden ist ein Thema, das bei vielen Mietern und Hausbesitzern sofort Alarmglocken schrillen lässt. Nicht nur der modrige Geruch und die unschönen schwarzen Flecken an der Tapete stören das Wohngefühl massiv, sondern vor allem die unsichtbare Gefahr in der Atemluft bereitet Sorgen. Die Sporen und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können gravierende gesundheitliche Folgen haben, von allergischen Reaktionen bis hin zu toxischen Wirkungen. Doch bevor man kopflos Wände aufreißt oder aggressive Chemikalien versprüht, steht ein entscheidender Schritt an: Die präzise Messung und Analyse. Ein Schimmel Messgerät oder professionelle Testverfahren sind der Schlüssel, um das Ausmaß des Befalls objektiv zu bewerten, die Ursachen zu finden und die richtigen Sanierungsschritte einzuleiten. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die verschiedenen Messmethoden, die Interpretation von Laborergebnissen und die rechtlichen Konsequenzen bei Mietmängeln.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gesundheitsrisiko: Schimmelpilze können Allergien, Infektionen und toxische Reaktionen auslösen. Besonders gefährdet sind Immunsupprimierte und Allergiker.
- Messmethoden: Es gibt Schnelltests für Oberflächen (Abklatsch), passive Luftsammler (Sedimentation) und aktive Luftkeimmessungen für präzise Ergebnisse.
- Wachstumsbedingungen: Feuchtigkeit ist der Schlüsselfaktor. Bereits ab 80 % relativer Luftfeuchte an der Materialoberfläche kann Wachstum beginnen.
- Rechtliches: Schimmelbefall kann zu erheblichen Mietminderungen führen, je nach Schweregrad zwischen 10 % und 100 %.
- Bewertung: Ein bloßer quantitativer Nachweis reicht oft nicht aus; die Identifizierung der Schimmelpilzart (Spezies) ist für die Risikoeinschätzung essenziell.
Warum Schimmel messen? Die gesundheitliche Relevanz
Die Notwendigkeit, Schimmel zu messen, ergibt sich primär aus dem potenziellen Gesundheitsrisiko. Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil unserer Umwelt, doch im Innenraum können sie durch Anreicherung in der Luft zum Problem werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: allergene, toxische und infektiöse Wirkungen[1].
Am häufigsten treten allergische Reaktionen auf. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5 % der Bevölkerung in Deutschland eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze aufweisen, wobei die Tendenz steigend ist. Zu den Symptomen gehören allergischer Schnupfen, Bindehautentzündungen und Asthma bronchiale[1]. Besonders relevant ist hierbei, dass auch abgestorbene Pilzbestandteile noch allergen wirken können, weshalb eine reine Abtötung des Schimmels ohne Entfernung der Biomasse oft nicht ausreicht.
Neben Allergien können Schimmelpilze toxische Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine, produzieren. Diese können über die Atemluft aufgenommen werden. Ein bekanntes Beispiel ist das Toxin des Stachybotrys chartarum, welches auch bei geringer Sporenbelastung toxische Wirkungen entfalten kann und daher als besonders problematisch eingestuft wird[1]. Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) sind zwar seltener und betreffen meist immungeschwächte Personen, können aber schwerwiegend verlaufen. Der Pilz Aspergillus fumigatus gilt hierbei als wichtigster Erreger und ist in die Risikogruppe 2 eingestuft[2].
Warnung: Risikogruppen beachten
Personen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. nach Transplantationen oder Chemotherapie) sowie Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen sollten sich keinesfalls in sanierten Bereichen aufhalten oder selbst Sanierungsarbeiten durchführen. Für sie besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Pilze der Risikogruppe 2 und 3, wie Aspergillus fumigatus oder Cladophialophora bantiana[2].
Messmethoden: Wie finde ich den Schimmel?
Um Schimmel im Haus nachzuweisen, stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die Wahl der Methode hängt von der Fragestellung ab: Geht es um eine erste Orientierung, die Bestätigung eines sichtbaren Befalls oder die Suche nach verdeckten Quellen?
1. Materialproben und Oberflächenkontakt
Wenn ein Befall sichtbar ist, kann eine Materialprobe oder eine Kontaktprobe (Abklatsch) Aufschluss über die Art des Pilzes geben. Bei der Materialprobe wird ein Stück Tapete, Putz oder Holz entnommen und im Labor kultiviert. Dies ermöglicht eine quantitative Bestimmung der koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Gramm Material[1].
Eine einfachere Methode für Oberflächen ist der Klebefilmabriss. Hierbei wird ein transparenter Klebestreifen auf die befallene Stelle gedrückt und anschließend mikroskopisch untersucht. Der Vorteil: Man erfasst auch nicht mehr keimfähige Sporen und kann unterscheiden, ob es sich um einen aktiven Befall mit Myzelbildung oder nur um "Anflugsporen" (Sedimentation aus der Luft) handelt[1].
2. Luftmessungen: Aktiv vs. Passiv
Die Untersuchung der Raumluft ist zentral, um die Exposition der Bewohner abzuschätzen.
Sedimentationsplatten (Passiv): Hierbei werden Nährböden (Petrischalen) für eine bestimmte Zeit offen im Raum aufgestellt. Sporen sinken durch die Schwerkraft auf den Nährboden. Diese Methode ist kostengünstig und einfach durchzuführen ("Do-it-yourself"). Sie liefert jedoch keine exakten quantitativen Ergebnisse (KBE pro m³ Luft), da das Ergebnis stark von der Luftbewegung und der Größe der Sporen abhängt. Schwere Sporen sedimentieren schneller als sehr kleine, leichte Sporen wie die von Aspergillus oder Penicillium, wodurch das Ergebnis verzerrt werden kann[1][5].
Luftkeimsammlung (Aktiv): Dies ist der Goldstandard für quantitative Aussagen. Ein definiertes Luftvolumen (z.B. 100 Liter) wird aktiv auf einen Nährboden gesaugt. Dies ermöglicht die Berechnung der Konzentration in KBE/m³. Wichtig ist hierbei immer eine parallele Außenluftmessung als Referenz, da die Innenraumbelastung im Verhältnis zur Außenluft bewertet werden muss[1].
3. MVOC-Messung (Die Nase der Wissenschaft)
Schimmelpilze produzieren flüchtige organische Verbindungen (Microbial Volatile Organic Compounds - MVOC), die oft für den typischen "muffigen" Geruch verantwortlich sind. Zu diesen Stoffen gehören unter anderem 3-Methylfuran, Geosmin oder 1-Octen-3-ol[1]. Eine MVOC-Messung kann helfen, verdeckte Schäden (z.B. hinter Wandverkleidungen oder im Fußbodenaufbau) zu detektieren, die optisch nicht sichtbar sind. Allerdings ist die gesundheitliche Bewertung dieser Stoffe noch schwierig und die Methode erfordert viel Erfahrung bei der Interpretation.
4. Hausstaubuntersuchung
Da Staub als Langzeitspeicher fungiert, kann eine Staubprobe Hinweise auf eine zurückliegende oder chronische Belastung geben. Hierbei wird Staub gesiebt oder direkt kultiviert. Problematisch ist jedoch die Inhomogenität des Staubs und die Tatsache, dass Sporen auch von draußen eingetragen werden können[1].
Praxis-Tipp: Die Referenzmessung
Egal welches Luftmessverfahren Sie wählen: Eine isolierte Messung im Innenraum ist oft wertlos. Um zu beurteilen, ob eine Quelle im Innenraum vorliegt, muss immer die Außenluft zum gleichen Zeitpunkt als Referenz gemessen werden. Sind die Werte innen deutlich höher als außen oder finden sich innen Arten, die außen nicht vorkommen (z.B. Aspergillus versicolor), spricht dies stark für einen Feuchteschaden im Haus[1].
Wachstumsvoraussetzungen: Physik verstehen
Um Schimmel dauerhaft zu vermeiden oder zu entfernen, muss man verstehen, was er zum Leben braucht. Neben Nährstoffen (die in fast jedem Hausstaub oder auf Tapeten vorhanden sind) und Temperatur ist vor allem eines entscheidend: Wasser.
Hierbei ist nicht nur flüssiges Wasser gemeint, sondern die sogenannte Wasseraktivität (aw-Wert) an der Materialoberfläche. Dieser Wert entspricht der relativen Luftfeuchte im Porenraum des Materials. Ab einer relativen Luftfeuchte von ca. 70 % bis 80 % auf der Oberfläche (aw-Wert 0,7 - 0,8) können die meisten Schimmelpilze wachsen[3]. Manche Arten, die als "xerophil" (trockenliebend) bezeichnet werden, wie Aspergillus restrictus oder Wallemia sebi, wachsen sogar schon ab einer relativen Feuchte von ca. 70 %[3].
Das Isoplethenmodell hilft Experten vorherzusagen, wann Schimmel wächst. Es zeigt die Abhängigkeit von Temperatur und Feuchte. So wachsen Pilze bei optimalen Temperaturen (meist 25–30 °C) schneller und benötigen weniger Feuchtigkeit als bei kühlen Temperaturen. Dennoch ist Schimmelwachstum in einem weiten Temperaturbereich von 0 °C bis über 50 °C möglich[3]. Dies erklärt, warum Schimmel auch im Kühlschrank oder an kalten Außenwänden im Winter gedeiht.
Substratklassen und Anfälligkeit
Nicht jedes Material schimmelt gleich schnell. Man unterscheidet verschiedene Substratgruppen:
- Substratgruppe 0 (Optimal): Nährmedien im Labor.
- Substratgruppe I (Biologisch verwertbar): Tapeten, Gipskarton, verschmutzte Oberflächen. Hier wächst Schimmel sehr leicht.
- Substratgruppe II (Porenarme/Mineralische Stoffe): Beton, Ziegel, Putz (sofern sauber). Hier ist das Wachstum gehemmt und erfordert höhere Feuchte[3].
Daher ist Sauberkeit im Haushalt auch eine Form der Schimmelprävention, da Staub auf ansonsten resistenten Oberflächen (wie Fliesen) als Nährboden dienen kann.
Rechtliche Folgen: Mietminderung bei Schimmel
Wird Schimmelbefall nachgewiesen und ist dieser nicht durch falsches Lüftungsverhalten des Mieters verursacht, sondern durch bauliche Mängel, haben Mieter das Recht auf Mietminderung. Die Höhe der Minderung hängt stark vom Einzelfall und der Beeinträchtigung der Wohnqualität ab. Hier einige Beispiele aus der Rechtsprechung:
- 100 % Minderung: Bei erheblicher gesundheitlicher Gefährdung (z.B. toxischer Schimmelbefall), der zur Unbewohnbarkeit führt, kann die Miete komplett entfallen (AG Charlottenburg, Urteil v. 09.07.2007)[4].
- 80 % Minderung: Bei erheblicher Durchfeuchtung von Küche, Wohn- und Schlafzimmer, die einen Aufenthalt kaum möglich macht (LG Berlin, GE 1991, 625)[4].
- 50 % Minderung: Bei fast vollständigem Schimmelbefall des Wohnzimmers inkl. erheblicher Belastung der Raumluft (LG Hamburg, Urteil v. 31.01.2008)[4].
- 20 % Minderung: Bei kleinflächigem Schimmel an Wänden in allen Räumen (AG Königs Wusterhausen, Urteil vom 11.05.2007)[4].
- 10 % Minderung: Bei Schimmelbefall im Badezimmer (AG Schöneberg, Urteil vom 10.04.2008)[4].
Wichtig: Selbst wenn den Mieter eine Mitschuld trifft, kann eine Mietminderung gerechtfertigt sein, wenn auch bauliche Mängel vorliegen. Ein Gericht urteilte beispielsweise auf 14 % Minderung, da der Schimmel zu 65 % auf bauliche Mängel zurückzuführen war[4].
Bewertung der Ergebnisse: Wann wird es gefährlich?
Nach der Messung steht die Interpretation. Ein Laborbericht liefert Zahlen, aber was bedeuten sie? Es gibt keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte für Schimmelsporen in Innenräumen, jedoch Orientierungshilfen und Ampelschemata.
Hintergrundbelastung (Grün): Die Konzentration im Innenraum entspricht etwa der Außenluft oder liegt darunter. Die Artenzusammensetzung ist ähnlich. Dies ist der Normalzustand[1].
Auffälligkeit (Gelb/Rot): Die Konzentration innen ist deutlich höher als außen (z.B. > 500 KBE/m³ Differenz bei bestimmten Arten) oder es treten "Indikatororganismen" auf. Pilze wie Stachybotrys chartarum, Chaetomium spp. oder Aspergillus versicolor deuten stark auf einen Feuchteschaden hin, da sie in der normalen Außenluft kaum vorkommen[1].
Das Umweltbundesamt und das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg haben Leitfäden entwickelt, die eine Bewertung in Kategorien ermöglichen. Kategorie 1 bedeutet Normalzustand, Kategorie 2 weist auf geringe bis mittlere Schäden hin, und Kategorie 3 signalisiert einen großen Schaden, der sofortige Sanierung und Ursachenbeseitigung erfordert[1].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich Schimmel einfach überstreichen?
Nein. Das Überstreichen beseitigt nicht die Ursache (Feuchtigkeit) und tötet den Pilz oft nicht tiefgründig ab. Zudem können auch abgetötete Sporen unter der Farbe weiterhin Allergene freisetzen. Schimmelpilze auf porösen Materialien wie Tapeten oder Gipskarton müssen vollständig entfernt werden (Rückbau)[1].
Ist jeder schwarze Fleck gefährlicher Schimmel?
Nicht zwingend. Es gibt viele dunkle Schimmelarten (z.B. Cladosporium oder Alternaria), die häufig vorkommen. Der gefürchtete "Schwarze Schimmel" (oft Stachybotrys gemeint) ist seltener, produziert aber starke Toxine. Eine optische Unterscheidung ist für Laien unmöglich; nur eine Laboranalyse bringt Klarheit. Auch Bakterien (Actinomyceten) können schwarze Beläge bilden[1].
Reicht Lüften aus, um Schimmel zu verhindern?
Lüften ist die wichtigste Präventionsmaßnahme, um die relative Luftfeuchte zu senken. Wenn jedoch bauliche Mängel vorliegen (Wärmebrücken, undichte Dächer, aufsteigende Feuchte), reicht Lüften allein oft nicht aus. Die Oberflächentemperatur der Wände darf nicht so weit absinken, dass der Taupunkt erreicht wird oder die kritische Grenze von 80 % relativer Feuchte an der Wand überschritten wird[3].
Wie schnell wächst Schimmel nach einem Wasserschaden?
Sehr schnell. Je nach Temperatur und Material kann die Auskeimung von Sporen bereits innerhalb weniger Tage (z.B. 3-5 Tage) beginnen. Sichtbares Myzelwachstum folgt kurz darauf. Schnelles Handeln und Trocknen ist essenziell[3].
Sind Schnelltests aus dem Baumarkt zuverlässig?
Die meisten Schnelltests basieren auf dem Sedimentationsverfahren (offene Petrischale). Sie geben einen groben Hinweis ("Ja, es sind Sporen da"), sind aber wissenschaftlich ungenau ("semi-quantitativ"). Sie können eine professionelle Luftkeimmessung mit Pumpe nicht ersetzen, eignen sich aber als kostengünstiger erster Indikator für den Hausgebrauch[5].
Fazit
Schimmel im Innenraum ist mehr als ein ästhetisches Problem – es ist ein hygienischer Missstand mit potenziellem Gesundheitsrisiko. Die Messung von Schimmelpilzen ist der erste Schritt zur Lösung. Während einfache Sedimentationstests für eine erste Einschätzung hilfreich sein können, erfordert eine fundierte Bewertung oft komplexere Verfahren wie Luftkeimmessungen oder Materialanalysen. Entscheidend ist nicht nur die Anzahl der Sporen, sondern vor allem die Identifizierung der Spezies, da von Arten wie Stachybotrys oder Aspergillus fumigatus besondere Gefahren ausgehen. Sollten Sie Schimmel entdecken, handeln Sie zügig: Bestimmen Sie das Ausmaß, finden Sie die Feuchtigkeitsquelle und ziehen Sie bei größeren Schäden Fachleute hinzu.
Quellen und Referenzen
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, "Schimmelpilze in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement", Dezember 2004.
- Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), "TRBA 460: Einstufung von Pilzen in Risikogruppen", Ausgabe Juli 2016 (Stand 2023).
- Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA), "Merkblatt E-6-3: Rechnerische Prognose des Schimmelpilzwachstumsrisikos", Dezember 2023.
- Mietminderungstabelle Schimmel, Sammlung diverser Gerichtsurteile (AG Charlottenburg, LG Berlin, LG Hamburg u.a.), Stand unbekannt (basierend auf PDF-Kontext).
- Silberkraft, Produktinformation und Anleitung zum "Schimmeltest Raumluft", basierend auf Sedimentationsverfahren.

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