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Schimmel Messgerät und Detektor: Der Ratgeber für Profis und Laien
April 13, 2026 Philipp Silbernagel

Schimmel Messgerät und Detektor: Der Ratgeber für Profis und Laien

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Wer Schimmel in der Wohnung vermutet, steht oft vor einem Rätsel: Ein muffiger Geruch liegt in der Luft, doch die Wände wirken trocken. Hier stoßen menschliche Sinne an ihre Grenzen. Um eine fundierte Entscheidung über Sanierungsmaßnahmen oder Mietminderungen treffen zu können, ist objektive Messtechnik unerlässlich. Doch nicht jedes Gerät, das als Schimmel-Detektor beworben wird, hält, was es verspricht. Dieser Ratgeber führt Sie tief in die Welt der bauphysikalischen und mikrobiologischen Messtechnik ein, basierend auf den Standards des Umweltbundesamtes (UBA), des Robert Koch-Instituts (RKI) und der WTA-Merkblätter.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hygrometer & Datenlogger: Unverzichtbar zur Identifikation von Ursachen (Lüftungsverhalten vs. Baumängel) [1, 4].
  • Aktive Luftkeimsammlung: Die einzige Methode für quantitative Aussagen über die Sporenbelastung nach DIN ISO 16000 [1, 5].
  • Sedimentationsplatten: Kostengünstig für Laien, aber laut UBA nicht für quantitative Analysen geeignet [1, 6].
  • MVOC-Messung: Spezialverfahren zur Detektion verdeckter Schimmelschäden hinter Verkleidungen [1, 3].
  • Biohygrothermische Modelle: Software wie WUFI-Bio ermöglicht die rechnerische Prognose des Wachstumsrisikos [4].
Schimmelgefahr an der Wandoberfläche
Schimmelgefahr an der Wandoberfläche

Bauphysikalische Sensorik: Die Detektion der Ursachen

Bevor mikrobiologische Proben genommen werden, muss das Mikroklima analysiert werden. Schimmel ist primär ein Feuchtigkeitsproblem [1]. Ein Schimmel Messgerät im bauphysikalischen Sinne misst daher meist nicht den Pilz selbst, sondern die Bedingungen, die ihn ermöglichen.

Datenlogger für Langzeitmessungen

Ein einfaches Hygrometer liefert nur eine Momentaufnahme. Für eine fundierte Ursachenanalyse fordern Experten eine mindestens einwöchige Langzeitmessung der relativen Luftfeuchte und Temperatur mittels elektronischer Sensoren [3]. Nur so lässt sich das Zusammenspiel von Außenklima, Heizintervallen und Feuchteproduktion (z. B. durch Kochen oder Duschen) verstehen. Moderne Datenlogger speichern stündliche Werte, die später in Isoplethensysteme übertragen werden können, um das Wachstumsrisiko nach dem LIM-Konzept (Lowest Isopleth for Mould) zu bewerten [4].

Oberflächen-Hygrometer und Infrarot-Thermografie

Entscheidend für das Schimmelrisiko ist nicht die Feuchte in der Raummitte, sondern direkt an der Wandoberfläche. Infrarot-Thermometer detektieren Wärmebrücken, an denen die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt sinkt [1, 4]. Sinkt die Temperatur beispielsweise bei 20 °C Raumtemperatur und 50 % Luftfeuchte an einer Wandecke auf unter 12,6 °C, entsteht dort Kondensat – der ideale Nährboden für Sporen [1].

Profi-Tipp: Die 80%-Regel

Schimmelpilze benötigen kein flüssiges Wasser. Viele Arten keimen bereits bei einer permanenten Oberflächenfeuchte von 80 % (entspricht einer Wasseraktivität aw von 0,8) [1, 4]. Ein Detektor, der erst bei 100 % Feuchte Alarm schlägt, ist für die Prävention ungeeignet.

Mikrobiologische Detektionsverfahren: Sporen sichtbar machen

Wenn die Ursache unklar ist oder gesundheitliche Beschwerden vorliegen, muss die biologische Belastung direkt gemessen werden. Hierbei unterscheidet man zwischen kultivierungsabhängigen und -unabhängigen Verfahren.

Aktive Luftkeimsammlung (Impaktion/Filtration)

Nach DIN ISO 16000-18 wird ein definiertes Luftvolumen (meist 50 bis 100 Liter) durch ein Messgerät gesaugt, wobei die Sporen auf einem Nährmedium abgeschieden werden [1, 5]. Dieses Verfahren ist der Goldstandard für die quantitative Bewertung. Es erlaubt den Vergleich zwischen Innen- und Außenluft. Eine Innenraumquelle ist wahrscheinlich, wenn die Konzentration im Raum das Zweifache der Außenluft übersteigt oder untypische Arten (Feuchteindikatoren) wie Aspergillus versicolor oder Stachybotrys chartarum dominieren [1, 3].

Sedimentationsplatten (Passivsammler)

Bei dieser Methode werden offene Petrischalen für ca. zwei Stunden aufgestellt. Sporen sinken durch die Schwerkraft auf den Agar [6]. Das Umweltbundesamt weist jedoch darauf hin, dass dieses Verfahren keine reproduzierbaren quantitativen Ergebnisse liefert, da kleine, leichte Sporen (z. B. von Aspergillus-Arten) schlechter sedimentieren als große [1]. Es dient lediglich als grobe Orientierungshilfe für Laien.

Messverfahren im direkten Vergleich
Messverfahren im direkten Vergleich

Detektion verdeckter Schäden: Wenn der Schimmel sich versteckt

Oft wächst Schimmel unsichtbar hinter Gipskartonwänden, Fußleisten oder in der Dämmschicht von Estrichen. Hier versagen optische Kontrollen und oft auch einfache Luftmessungen.

MVOC-Detektoren (Gaschromatographie)

Mikrobielle flüchtige organische Verbindungen (MVOC) sind Stoffwechselprodukte, die den typischen Schimmelgeruch verursachen. Spezialisierte Messgeräte reichern diese Gase auf Adsorptionsröhrchen an, die im Labor mittels GC/MS analysiert werden [1, 3]. Bestimmte Verbindungen wie 3-Methylfuran oder Geosmin sind hochspezifische Indikatoren für einen verdeckten Befall [3].

Schimmelspürhunde

Ein biologischer Detektor: Gut ausgebildete Hunde können MVOC-Konzentrationen riechen, die unter der Nachweisgrenze technischer Geräte liegen [1]. Sie sind besonders effizient bei der Lokalisierung der exakten Schadensstelle, ersetzen aber laut UBA keine abschließende mikrobiologische Bestätigung durch Bauteilöffnungen [1].

Warnung vor Schnelltests

Verfahren wie die Messung von ATP (Adenosintriphosphat) oder Enzymaktivitäten werden oft als „Schnell-Detektoren“ beworben. Diese Methoden sind jedoch im Innenraum nicht ausreichend validiert und können durch Hausstaub oder Bakterien zu falsch-positiven Ergebnissen führen [1].

Schimmel-Prognose per Software
Schimmel-Prognose per Software

Rechnerische Prognosemodelle: Die Zukunft der Detektion

Anstatt nur den Ist-Zustand zu messen, ermöglichen biohygrothermische Modelle wie WUFI-Bio eine Vorhersage des Schimmelrisikos. Hierbei werden die gemessenen Klimadaten (Temperatur und Feuchte) einer „virtuellen Spore“ ausgesetzt. Die Software berechnet den Feuchtehaushalt im Inneren der Spore und prognostiziert, ob und wann eine Keimung erfolgt [4]. Dies ist besonders wertvoll bei der Planung von Innendämmungen oder dem Einbau neuer, dichter Fenster in Altbauten [4].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welches Schimmel Messgerät ist für Mieter am sinnvollsten?

Für Mieter ist ein digitaler Datenlogger zur Aufzeichnung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit am sinnvollsten, um das korrekte Lüftungsverhalten gegenüber dem Vermieter nachzuweisen.

Kann ein Detektor giftigen von ungiftigem Schimmel unterscheiden?

Nein, elektronische Detektoren messen nur Gase oder Feuchte. Eine Differenzierung der Spezies (z. B. toxischer Stachybotrys) ist nur durch eine mikroskopische Analyse im Fachlabor möglich.

Wie genau sind Schimmel-Schnelltests aus dem Baumarkt?

Diese Tests basieren meist auf Sedimentation. Sie zeigen zwar an, ob Sporen vorhanden sind (was fast immer der Fall ist), erlauben aber keine verlässliche Aussage über die Konzentration oder die Gefährdung.

Fazit

Die Wahl des richtigen Schimmel Messgeräts hängt von der Fragestellung ab. Während einfache Hygrometer zur Prävention genügen, erfordert der Nachweis einer Gesundheitsgefährdung oder die Suche nach verdeckten Quellen professionelle Luftkeimsammler und MVOC-Analysen. Verlassen Sie sich nicht auf subjektive Eindrücke oder billige Schnelltests, wenn es um Ihre Gesundheit und den Wert Ihrer Immobilie geht. Im Zweifelsfall sollte immer ein nach DIN ISO 17025 akkreditiertes Labor hinzugezogen werden [3].

Quellenverzeichnis

  1. Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017).
  2. Robert Koch-Institut (RKI): Schimmelpilzbelastung in Innenräumen – Befunderhebung und Bewertung (2007).
  3. LGA Baden-Württemberg: Schimmelpilze in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement (2004).
  4. WTA Merkblatt E-6-3: Rechnerische Prognose des Schimmelpilzwachstumsrisikos (2023).
  5. DIN ISO 16000-19: Probenahmestrategie für Schimmelpilze.
  6. Silberkraft XXL Raumluft Schimmeltest: Gebrauchsanweisung und methodische Erläuterung.

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