Zu Inhalt springen
Kostenloser Versand ab 29€
Versand 1-2 Tage
4.44 · 245.512+ Kunden
Spinne bestimmen: Der ultimative Guide zur Identifikation heimischer Arten
April 13, 2026 Patricia Titz

Spinne bestimmen: Der ultimative Guide zur Identifikation heimischer Arten

Unsere Videos zum Thema Spinnen

Spinnen im Haus? 🕷️ So einfach kannst du Spinnen aus deiner Wohnung fernhalten! 🏡
Spinnen im Haus? 🕷️ So einfach kannst du Spinne...

Ob im Keller, im Garten oder beim Wandern in den Alpen – Spinnen begegnen uns überall. Doch während viele Menschen instinktiv mit Scheu reagieren, verbirgt sich hinter der Gruppe der Arachniden eine faszinierende Vielfalt an Formen, Farben und Jagdstrategien. Eine Spinne bestimmen zu können, ist nicht nur für Experten von Bedeutung, sondern hilft auch dabei, die ökologische Qualität eines Lebensraums einzuschätzen und unnötige Ängste abzubauen. In Deutschland kommen nahezu 1.000 Spinnenarten vor [2], was die Identifikation für Laien oft zur Herausforderung macht. Dieser Guide führt Sie durch die wichtigsten Merkmale und wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bestimmung unserer heimischen Achtbeiner.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Augenanordnung: Das wichtigste Merkmal zur Bestimmung der Familie (z. B. Wolfspinnen vs. Springspinnen).
  • Lebensraum: Viele Arten sind hochspezialisiert auf Biotope wie Auen, Heiden oder alpine Rasen [1][3][5].
  • Körperbau: Merkmale wie die Form des Vorderkörpers (Cephalothorax) und die Zeichnung des Hinterleibs (Opisthosoma) sind entscheidend.
  • Netztyp: Radnetze, Baldachinnetze oder gar kein Netz geben direkte Hinweise auf die Art.
  • Häufigkeit: In Deutschland sind aktuell etwa 711 Arten allein in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt dokumentiert [2].

Grundlagen der Spinnenbestimmung: Worauf muss man achten?

Um eine Spinne erfolgreich zu bestimmen, reicht ein flüchtiger Blick meist nicht aus. Die wissenschaftliche Arachnologie nutzt eine Kombination aus morphologischen Merkmalen und ökologischen Daten. Da viele Spinnen nur wenige Millimeter groß sind – die kleinsten rezenten Arten erreichen gerade einmal 0,4 bis 0,5 mm [2] – ist eine Lupe oder ein Makrofoto oft unerlässlich.

Die Augen als Schlüsselmerkmal

Eines der sichersten Merkmale zur Unterscheidung der Spinnenfamilien ist die Anordnung der meist acht Augen. Während Wolfspinnen (Lycosidae) zwei sehr große, nach vorne gerichtete Augen besitzen, haben Springspinnen (Salticidae) ein markantes „Vierer-Gesicht“ mit zwei riesigen zentralen Augen, die ihnen ein exzellentes räumliches Sehvermögen verleihen. Bei der Bestimmung im Feld ist die Augenstellung oft das erste Indiz, um die Suche auf eine bestimmte Familie einzugrenzen.

Körperbau und Zeichnung

Der Körper einer Spinne gliedert sich in den Vorderkörper (Cephalothorax) und den Hinterleib (Opisthosoma). Die Form des Cephalothorax kann sehr spezifisch sein. Ein Beispiel ist die Speispinne (Scytodes thoracica), die einen auffällig hochgewölbten Vorderkörper besitzt, in dem sich ihre spezialisierten Leimdrüsen befinden [2]. Auch Zeichnungen wie das charakteristische weiße Kreuz der Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) oder die dunklen Längsstreifen auf dem Vorderkörper vieler Wolfspinnen sind wichtige Bestimmungshilfen [5].

Tipp für Einsteiger: Fotografieren Sie die Spinne immer von oben (Dorsalansicht) und von vorne (Frontalansicht). So erfassen Sie sowohl die Hinterleibszeichnung als auch die Augenstellung, was die spätere Bestimmung am Computer erheblich erleichtert.

Lebensräume als Bestimmungshilfe

Oft verrät uns der Fundort bereits, um welche Art es sich handeln könnte. Spinnen sind hervorragende Bioindikatoren, da viele Arten extrem eng an spezifische Umweltbedingungen gebunden sind [6].

Spinnen in Haus und Garten (Synanthrope Arten)

In menschlicher Nähe finden wir sogenannte synanthrope Arten. Die Hauswinkelspinne (Tegenaria spp.) ist ein klassischer Bewohner von Kellern und Ecken. Eine Besonderheit ist die bereits erwähnte Speispinne (Scytodes thoracica), die in Deutschland fast ausschließlich in Gebäuden vorkommt [2]. Sie jagt nachts, indem sie ihre Beute mit einem klebrigen Sekret bespuckt und so fixiert.

Waldspinnen: Buche vs. Fichte

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Baumartenzusammensetzung einen massiven Einfluss auf die Spinnenfauna hat. In naturnahen Buchenbeständen finden sich oft signifikant höhere Artenzahlen als in Fichtenforsten [4]. Typische Waldarten sind die Trichterspinnen Coelotes terrestris und Coelotes inermis, die in der Bodenstreu leben und wichtige Prädatoren für Käfer darstellen [4].

Spezialisten der Auen und Ufer

An Flussläufen wie der Etsch in Südtirol lassen sich hochspezialisierte Arten finden. Die Flussufer-Riesenwolfspinne (Arctosa cinerea) ist eine Leitform für unbewachsene Schotterbänke [1]. Sie ist perfekt an das Leben in dynamischen Wassersystemen angepasst, wird jedoch durch Flussbegradigungen zunehmend verdrängt. Auch die Zwergspinne Oedothorax retusus ist eine Charakterart sandiger Auwaldböden [1].

Alpine Spinnenfauna

In den Hochalpen, etwa auf der Alpe Einödsberg, dominieren Wolfspinnen der Gattung Pardosa. Arten wie Pardosa oreophila oder Pardosa riparia erreichen hier enorme Individuendichten [5]. Diese Tiere sind extrem laufaktiv und nutzen die kurzen sommerlichen Aktivitätsphasen nach der Schneeschmelze zur Fortpflanzung. Interessanterweise scheint eine extensive Beweidung mit Rindern die Artenvielfalt dieser Gemeinschaften eher zu fördern, da sie ein Mosaik aus verschiedenen Kleinsthabitaten schafft [5].

Wichtige Spinnenfamilien im Überblick

Um die Suche beim Spinne bestimmen einzugrenzen, hilft die Kenntnis der großen Familien.

Wolfspinnen (Lycosidae)

Wolfspinnen bauen keine Fangnetze, sondern jagen am Boden. Sie sind oft braun oder grau gemustert. Ein markantes Merkmal ist die Brutpflege: Die Weibchen tragen ihren Eikokon an den Spinnwarzen geheftet mit sich herum und nehmen die geschlüpften Jungtiere später auf den Rücken [5]. In Heidelandschaften wie der Kleinraschützer Heide sind Arten wie Alopecosa schmidti oder Zelotes longipes typische Vertreter [3].

Baldachinspinnen und Zwergspinnen (Linyphiidae)

Dies ist die artenreichste Familie in Mitteleuropa. Sie bauen horizontale Deckennetze (Baldachine). Viele Arten sind winzig (Zwergspinnen) und nur schwer voneinander zu unterscheiden. Sie nutzen oft das „Ballooning“ – das Fliegen an einem Seidenfaden –, um neue Lebensräume zu besiedeln [6]. In landwirtschaftlich genutzten Wiesen sind sie oft die dominierende Gruppe [6].

Radnetzspinnen (Araneidae)

Diese Familie ist für die klassischen, kreisförmigen Netze bekannt. Neben der Gartenkreuzspinne gehört auch die seltene Sumpfkreuzspinne (Araneus alsine) dazu, die durch ihre auffällig rötliche Färbung besticht, aber aufgrund von Lebensraumverlusten stark gefährdet ist [2].

Warnung: Auch wenn die meisten heimischen Spinnen für den Menschen völlig harmlos sind, gibt es expansive Arten wie den Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), dessen Biss schmerzhaft sein kann. Er besiedelt zunehmend offene Graslandschaften in Norddeutschland [2].

Methoden der wissenschaftlichen Erfassung

Wer professionell Spinnen bestimmen möchte, nutzt oft standardisierte Fangmethoden. Die gängigste Methode ist die Barberfalle (Bodenfalle). Dabei handelt es sich um in den Boden eingelassene Becher, die mit einer Fixierlösung gefüllt sind [1][5]. Diese Fallen erfassen vor allem die laufaktiven Arten am Boden. Für Arten in der Vegetation werden Klopfschirme oder Streifnetze verwendet [1]. In Wäldern kommen zudem Stammeklektoren zum Einsatz, um die spezialisierte Fauna der Baumrinde zu untersuchen [4].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Spinne ist in Deutschland am häufigsten?

Das lässt sich pauschal schwer sagen, da es vom Habitat abhängt. In Gärten ist die Gartenkreuzspinne sehr präsent, während auf landwirtschaftlichen Flächen Zwergspinnen wie Oedothorax-Arten die höchsten Individuenzahlen erreichen [6].

Sind Hausspinnen gefährlich?

Nein, die in deutschen Häusern vorkommenden Arten wie die Zitterspinne oder die Hauswinkelspinne sind für Menschen völlig harmlos. Ihre Kieferklauen sind meist zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen.

Wie erkenne ich eine Wolfspinne?

Wolfspinnen erkennt man an ihrem flinken Lauf am Boden, dem Verzicht auf Fangnetze und der markanten Augenstellung (zwei große Augen oben auf dem Kopf). Oft tragen die Weibchen einen runden Eikokon mit sich [5].

Was ist die seltenste Spinne in Deutschland?

Es gibt viele Arten, die auf der Roten Liste stehen. Dazu gehören Spezialisten wie die Flussufer-Riesenwolfspinne (Arctosa cinerea) oder die Sumpfkreuzspinne [1][2].

Können Spinnen fliegen?

Nicht im klassischen Sinne, aber viele kleine Arten nutzen das sogenannte "Ballooning". Sie lassen einen Faden in den Wind gleiten und werden so über weite Strecken durch die Luft transportiert [6].

Fazit

Das Spinne bestimmen ist eine faszinierende Möglichkeit, die Natur vor der eigenen Haustür besser kennenzulernen. Ob es die winzige Zwergspinne im Rasen oder die imposante Wolfspinne im Gebirge ist – jede Art erfüllt eine wichtige Funktion im Ökosystem als Schädlingsbekämpfer und Nahrungsquelle für Vögel. Durch den Schutz vielfältiger Lebensräume, von extensiven Mähwiesen bis hin zu naturnahen Flussauen, sichern wir das Überleben dieser nützlichen Achtbeiner. Nutzen Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang eine Bestimmungs-App oder ein Handbuch und tauchen Sie ein in die Welt der Arachniden!

Quellenverzeichnis

  1. Steinberger, K.-H. (2004): Die Spinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) der Etsch-Auen in Südtirol (Italien). Gredleriana Vol. 4.
  2. Kielhorn, K.-H. (2015): Webspinnen (Arachnida: Araneae) – Bestandssituation in Sachsen-Anhalt. Landesamt für Umweltschutz.
  3. Reimann, A. (2014/2015): Webspinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) aus der Kleinraschützer Heide bei Großenhain. Sächsische Entomologische Zeitschrift 8.
  4. Engel, K. (2001): Vergleich der Webspinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) in 6 Buchen- und Fichtenbeständen Bayerns. Arachnol. Mitt. 21.
  5. Höfer, H. et al. (2010): Artenvielfalt und Diversität der Spinnen auf einem beweideten Allgäuer Grasberg (Alpe Einödsberg). Andrias 18.
  6. Bach, A. et al. (2025): From lawns to meadows: spiders (Arachnida: Araneae) as indicators to measure urban grassland restoration success. Urban Ecosystems.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

Weiterführende Artikel zum Thema

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!
Aus 300+ Bewertungen
Alle Produkte