Fakten (kompakt)
- *Cossus cossus*, auch bekannt als Weidenbohrer, ist eine große Art holzbohrender Schmetterlinge aus der Familie der Holzbohrer (Cossidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). - Die Art wurde erstmals 1758 von Carl Linnaeus als *Phalaena cossus* beschrieben. - Die Falter haben eine Flügelspannweite von 75–100 mm und graubraune Flügel. - Die [Raupen](/pages/lexikon/raupen) sind robust, rosa bis rötlich und bis zu 100 mm lang mit einem schwarzen Kopf. - Die Larven bohren sich in Baumstämme. - Der Weidenbohrer hat einen univoltinen Lebenszyklus, der 2–4 Jahre dauert. - Die Weibchen legen Gruppen von 12–70 ovalen, hellbraunen Eiern in Rindenspalten an den unteren Stämmen von Wirtsbäumen. - Die Eier schlüpfen nach etwa 14 Tagen. - Die Larven fressen zunächst im Phloem, bevor sie tiefer in das Holz eindringen. - Sie erzeugen bis zu 100 cm lange und 15 mm breite Gänge. - Die Larven überwintern mehrmals. - Durch den fermentierenden Saft entsteht ein charakteristischer essigartiger Geruch. - Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon im Holz oder im Boden. - Der Name „Ziegenmotte“ leitet sich von dem ziegenfellartigen Geruch ab, der von den Larven abgegeben wird.[1] - *C. cossus* ist in gemäßigten Regionen beheimatet. - Die Art ist in Europa, Asien und Teilen Nordafrikas weit verbreitet. - Der Weidenbohrer befällt eine Vielzahl von Laubbäumen, darunter Pappeln (*Populus* spp.), Weiden (*Salix* spp.) und Eichen (*Quercus* spp.). - Er befällt auch Erlen (*Alnus* spp.) und Obstbäume wie Äpfel (*Malus* spp.) und [Birnen](/pages/lexikon/nashi-birne) (*Pyrus* spp.). - Als polyphager Schädling stellt er eine erhebliche Bedrohung für die Forstwirtschaft und Obstplantagen dar. - Er schwächt die Baumstruktur, reduziert die Holzqualität und kann die Wirtspflanzen durch ausgedehnte Bohrschäden abtöten.[1] - Es gibt mehrere Unterarten, wie z. B. *C. c. cossus* und *C. c. albescens*, die regionale Unterschiede widerspiegeln.[1] - (Z)-5-Dodecenylacetat ist ein Lockstoff für männliche Weidenbohrer und kann zur Überwachung oder zum Massenfang eingesetzt werden.[26]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Cossus cossus* (Linnaeus, 1758), wobei sie taxonomisch der Familie der Cossidae zugeordnet wird.[1] Die Erstbeschreibung erfolgte durch Carl von Linné im Jahr 1758 in der 10. Auflage der *Systema Naturae* unter dem ursprünglichen Basionym *Phalaena (Bombyx) cossus*. Als Typuslokalität für die Art wurde Europa angegeben.[1] Der Gattungs- und Artname *Cossus* leitet sich aus dem Lateinischen ab und bezeichnete bereits in der *Naturalis historia* von Plinius dem Älteren (ca. 77 n. Chr.) eine unter Baumrinde lebende Larve, die in der römischen Küche als Delikatesse geschätzt wurde.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Weidenbohrer“ etabliert, was auf die bevorzugten Wirtspflanzen hinweist.[2] International, insbesondere im Englischen, ist die Art als „goat moth“ bekannt, ein Name, der auf den intensiven, an Ziegen erinnernden Geruch der Larven zurückzuführen ist. Historische taxonomische Revisionen führten zu diversen Synonymen, darunter *Onychia cossus* (Germar, 1810), *Cossus variolosa* (Hübner, 1823) sowie *Bombyx unguiculatus* (Fabricius, 1793). Innerhalb des weiten paläarktischen Verbreitungsgebiets werden mehrere Unterarten unterschieden, wie etwa die Nominatform *Cossus cossus cossus* in Europa oder *Cossus cossus albescens* auf der Iberischen Halbinsel. Während einige Formen wie *Cossus cossus chinensis* (Ost-Asien) weiterhin meist als Subspezies geführt werden, wurden andere Taxa aufgrund molekularer Untersuchungen teilweise in den Artrang erhoben.[1]
Der Weidenbohrer (*Cossus cossus*) ist ein großer, robust gebauter Falter mit einer Flügelspannweite von 68 bis 100 mm. Der Körper ist dicht beschuppt, wobei der Thorax samtig braun-grau erscheint und sich durch einen charakteristischen schwarzen Querstreifen auszeichnet. Die Vorderflügel weisen eine graubraune Grundfärbung auf, die von feinen, dunklen Querlinien und wellenförmigen weißen Flecken durchzogen ist, was eine effektive Tarnung auf Baumrinde bietet. Im Kontrast dazu sind die Hinterflügel heller graubraun gefärbt und besitzen dunklere Ränder sowie kaum weitere Zeichnungselemente. Adulte Tiere verfügen über keinen funktionsfähigen Rüssel; die Antennen sind bei Männchen gefiedert (pektinat), während sie bei Weibchen einfacher strukturiert sind. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich zudem in der Körpergröße, wobei die Männchen etwas kleiner als die Weibchen bleiben. Die ovalen, rötlich-braunen bis hellbraunen Eier sind etwa 1,7 mm lang und werden in Gelegen abgelegt. Die zylindrischen, robusten Larven erreichen eine Körperlänge von 7 bis 10 cm und weisen eine runzelige Hautstruktur auf. Frisch geschlüpfte [Raupen](/pages/lexikon/raupen) sind rosa gefärbt, während ältere Stadien eine fleischfarbene bis rötlich-braune Färbung mit gelblichen Seiten und einem dunkelroten Rückenstreifen annehmen. Der Kopf der Larve ist braun bis schwarz und mit kräftigen Mandibeln ausgestattet, die das Bohren im Holz ermöglichen. Die 4,5 bis 6 cm lange Puppe ist gedrungen, rotbraun bis dunkelbraun gefärbt und auf der Bauchseite abgeflacht. Charakteristisch für die Puppe sind ein scharfer, vorspringender Schnabel am Kopf sowie Dornen an den Abdominalsegmenten.[1] Innerhalb des Verbreitungsgebiets variiert das Aussehen je nach Unterart, wobei beispielsweise *C. c. albescens* blassere Flügelzeichnungen aufweist und *C. c. uralicus* kleiner ist und weniger Flecken besitzt.[1]
Der Weidenbohrer (*Cossus cossus*) ist eine große, massige Schmetterlingsart aus der Familie der Holzbohrer (Cossidae), die vor allem durch ihre langlebigen, im Holz lebenden Larvenstadien charakterisiert ist. Adulte Tiere erreichen eine beachtliche Flügelspannweite von 68 bis 96 mm, wobei die graubraunen Vorderflügel mit feinen, welligen dunklen Querlinien eine effektive Tarnung auf der Rinde von Wirtsbäumen bieten. Der Körper ist kräftig und dicht beschuppt, wobei der Thorax durch einen samtigen, braun-grauen Ton mit einem markanten schwarzen Querstreifen auffällt.[1] Im Gegensatz zu vielen anderen Nachtfaltern besitzen die Imagines keinen funktionsfähigen Rüssel und nehmen während ihrer kurzen Lebensdauer von wenigen Wochen keine Nahrung zu sich, sondern zehren von larvalen Fettreserven. Ein Geschlechtsdimorphismus zeigt sich vor allem an den Antennen: Männchen verfügen über stark gekämmte Fühler zur Detektion von Sexualpheromonen wie (Z)-5-Dodecenylacetat, während Weibchen schlichtere Antennenstrukturen aufweisen. Die Larvenentwicklung ist das dominierende Stadium im Lebenszyklus und erstreckt sich univoltin über zwei bis vier Jahre. Frisch geschlüpfte [Raupen](/pages/lexikon/raupen) sind rosafarben und fressen zunächst im Phloem unter der Rinde, bevor sie sich in tiefere Holzschichten vorarbeiten. Ältere Larvenstadien sind robust, fleischig und rötlich-braun gefärbt, mit gelblichen Seiten, einem dunkelroten Rückenstreifen sowie einem schwarzen Kopf.[1][2] Mit ihren kräftigen Mandibeln legen sie bis zu einen Meter lange und 15 mm breite Fraßgänge im Kernholz an, was die strukturelle Integrität der Bäume erheblich schwächen kann. Ein unverwechselbares Merkmal der Larven ist der intensive, an Ziegen erinnernde Geruch, der durch fermentierenden Baumsaft und spezielle Sekrete entsteht und der Art den englischen Namen "Goat Moth" einbrachte.[1] Die Verpuppung findet in einem Kokon aus Seide und Holzspänen statt, oft in Bodennähe oder im Boden selbst, wobei die Puppe einen harten Kopfvorsprung zum Durchbrechen der Hülle besitzt.[1][2] Historisch wurde die Art von Carl von Linné 1758 als *Phalaena cossus* erstbeschrieben, wobei der Gattungsname auf den römischen Begriff für essbare Holzlarven zurückgeht, die Plinius der Ältere als Delikatesse erwähnte. Taxonomisch wird die Art in mehrere Unterarten unterteilt, wie etwa *Cossus cossus albescens* auf der Iberischen Halbinsel, die sich durch blassere Flügelzeichnungen von der Nominatform unterscheidet. Im natürlichen Habitat besiedelt der Weidenbohrer bevorzugt feuchte Laubwälder, Flussufer und Auenlandschaften, wo Weiden und Pappeln dominieren, ist aber auch in Obstplantagen anzutreffen.[1]
Die Imagines von *Cossus cossus* sind nachtaktiv und zeigen ein kräftiges, zielgerichtetes Flugverhalten, werden jedoch im Vergleich zu anderen Nachtfaltern seltener von Lichtquellen angezogen.[1] Die Weibchen beginnen etwa 1,5 bis 2 Stunden nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Lockverhalten (Calling), um Männchen mittels Sexualpheromonen anzuziehen.[5] Diese chemische Signalkomponente besteht primär aus einer Mischung von (Z)-7-Tetradecenylacetat und (Z)-5-Tetradecenylacetat, welche von den Männchen über deren speziell angepasste, gefiederte Antennen detektiert wird.[5][2] Die Larven leben als solitäre Bohrer und legen im Phloem und Splintholz der Wirtsbäume individuelle, bis zu 100 cm lange Gangsysteme an. Ein charakteristisches Merkmal ist der intensive, essig- oder ziegenartige Geruch, der von den Larven und ihrem Bohrmehl ausgeht und möglicherweise als chemische Abwehr gegen Fressfeinde fungiert. Durch den aus den Bohrlöchern austretenden, gärenden Saft schaffen die Larven ökologische Nischen, die andere [Insekten](/pages/lexikon/insekten) wie Schmetterlinge zur Nahrungsaufnahme anlocken. Trotz ihrer verborgenen Lebensweise im Holz interagieren die Larven mit Prädatoren wie Spechten oder Parasitoiden wie der Schlupfwespe *Lissonota setosa*, die ihre Eier gezielt in die Fraßgänge legt. Eine wesentliche Verhaltensanpassung der Adulttiere ist die vollständige Nahrungsverweigerung, da sie keinen funktionsfähigen Rüssel besitzen und für ihre kurze Lebensspanne ausschließlich von den larvalen Fettreserven zehren.[1]
Der Weidenbohrer (*Cossus cossus*) besiedelt vorwiegend Laubwälder, Flussufer und Feuchtgebiete, wobei eine starke Präferenz für Ökosysteme mit hoher Luftfeuchtigkeit und Gewässernähe besteht. Diese feuchten Bedingungen sind essenziell für die mehrjährige Larvalentwicklung, die in den Stämmen verschiedener Laubbäume wie Weiden (*Salix* spp.) und Pappeln (*Populus* spp.) stattfindet.[3][2] Die Larven agieren als primäre Holzzersetzer, indem sie durch ihre Fraßaktivität und die Produktion von Bohrmehl (Frass) den Nährstoffkreislauf in absterbendem Holz beschleunigen. Um das schwer verdauliche Lignozellulose-Substrat zu verwerten, nutzt die Art eine symbiotische Beziehung mit der Darmmikrobiota, insbesondere Bakterien wie *Bacillus circulans*, welche für den Holzabbau notwendige Cellulase-Enzyme produzieren. Die durch den Befall entstehenden Wunden und austretenden, fermentierenden Baumsäfte schaffen ökologische Mikrohabitate, die andere [Insekten](/pages/lexikon/insekten), darunter verschiedene Schmetterlingsarten, als Nahrungsquelle anlocken. Im Nahrungsnetz stellen die großen Larven eine wichtige Biomasse für Prädatoren dar und werden gezielt von Spechten, die die Fraßgänge aufhacken, sowie von kleinen Säugetieren erbeutet.[5] Zu den spezialisierten natürlichen Feinden zählt die Schlupfwespe *Lissonota setosa*, die als Parasitoid ihre Eier in die Larven innerhalb der Fraßgänge ablegt. Als Verteidigungsmechanismus gegen Fressfeinde sondern die Larven einen intensiven, an Ziegen erinnernden Geruch ab, der vermutlich als chemische Abschreckung dient.[1][5]
Der Weidenbohrer (*Cossus cossus*) wird als bedeutender physiologischer Schädling in der Forstwirtschaft sowie im Obst- und Weinbau klassifiziert, da er ein breites Spektrum an Laubbäumen wie Weiden, Pappeln, Äpfel und [Birnen](/pages/lexikon/nashi-birne) befällt.[1] Das hohe Schadpotenzial resultiert aus der Tätigkeit der Larven, die bis zu 100 cm lange und 15–20 mm breite Fraßgänge tief in das Phloem und Kernholz treiben.[1][2] Diese Aushöhlungen schwächen die statische Struktur des Baumes massiv, was häufig zu Windbruch, einer reduzierten Holzqualität oder dem vollständigen Absterben der Wirtspflanze führt.[1][3] Ein charakteristisches Befallsanzeichen ist der intensive, essigartige Geruch nach fermentierendem Saft, der von den befallenen Stellen ausgeht und oft als Ziegengeruch beschrieben wird. Visuell lässt sich ein Befall frühzeitig durch Ansammlungen von grobem Bohrmehl (Frass) an der Stammbasis sowie durch Saftfluss aus den etwa 2 cm großen Ausbohrlöchern erkennen.[1] Zur Überwachung (Monitoring) der Populationsdichte werden Pheromonfallen eingesetzt, die synthetische Sexuallockstoffe wie (Z)-5-Dodecenylacetat oder spezifische Acetat-Mischungen enthalten, um männliche Falter anzuziehen. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) gewinnt die Verwirrungsmethode (Mating Disruption) an Bedeutung, bei der die Atmosphäre mit Pheromonen gesättigt wird, um die Paarung der Falter effektiv zu unterbinden.[2] Hygienische Präventionsmaßnahmen konzentrieren sich auf die konsequente Entfernung und Vernichtung stark befallener Bäume, um Infektionsherde für umliegende Bestände zu eliminieren. Biologische Bekämpfungsstrategien nutzen entomopathogene [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) oder Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis*, die gezielt gegen die frühen Larvenstadien eingesetzt werden. Chemische Maßnahmen wie Stamminjektionen sind verfügbar, zeigen jedoch die größte Wirksamkeit, solange die Larven noch oberflächennah fressen und nicht tief in das Kernholz eingedrungen sind.[1] Historisch wurden die Larven als proteinreiche Nahrungsquelle genutzt, spielen jedoch heute unter diesem Aspekt keine Rolle mehr, sondern werden rein als Schadorganismus betrachtet.[6]
Als polyphager Holzschädling verursacht *Cossus cossus* signifikante ökonomische Schäden in der Forstwirtschaft, im Obstbau und im Weinbau. Die Larven treiben bis zu einen Meter lange und 20 Millimeter breite Fraßgänge in das Kernholz, wodurch die strukturelle Integrität der Bäume kompromittiert wird. Dies führt zu einer massiven Wertminderung des Holzes, erhöhtem Windbruchrisiko und oft zum Totalverlust der Wirtspflanzen durch Absterben.[1] Besonders betroffen sind kommerzielle Bestände von Pappeln und Weiden sowie Apfel-, [Birnen](/pages/lexikon/nashi-birne)-, Kirsch- und Olivenbäume, wobei Schadensberichte aus dem Mittelmeerraum bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Zur Bestandsüberwachung und Bekämpfung werden Pheromonfallen eingesetzt, die synthetische Sexuallockstoffe nutzen.[1] Patentierte Verfahren zur Paarungsstörung (Mating Disruption) verwenden spezifische Mischungen aus Acetaten und Alkoholen oder (Z)-5-Dodecenylacetat, um die Fortpflanzung der Falter ohne klassischen Insektizideinsatz zu unterbinden.[2] Ergänzende Maßnahmen umfassen die sanitäre Entfernung befallenen Holzes sowie die Anwendung von *Bacillus thuringiensis* oder entomopathogenen [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) gegen Junglarven. Historisch besaß die Art eine gänzlich andere wirtschaftliche Bedeutung: In der römischen Antike wurden die Larven, teilweise mit Mehl gemästet, als hochpreisige Delikatesse gehandelt. Aufgrund des hohen Protein- und Fettgehalts wird die Art heute in der Forschung als potenzielle nachhaltige Nahrungsquelle diskutiert, spielt jedoch in der modernen Ernährungspraxis kaum noch eine Rolle.[1]