Zu Inhalt springen
Kostenloser Versand ab 29€
Versand 1-2 Tage
4.44 · 245.512+ Kunden
Lexikon-Eintrag

Perueckenstrauch Cotinus coggygria

Perueckenstrauch

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Sapindales (Sapindales)
Familie Anacardiaceae
Gattung Cotinus
Art Cotinus coggygria
Wissenschaftlicher Name Cotinus coggygria Scop.
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Perückenstrauch** (*Cotinus coggygria*), auch als Rauchbaum bekannt, ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae).[1][2] Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von Südeuropa über das gemäßigte Asien bis nach Zentralchina und in den Himalaya. Seinen Namen verdankt das Gehölz den großen, federartigen Rispen mit behaarten Stielen, die während der Fruchtreife einen rauchartigen Effekt erzeugen. Er wird weltweit als Zierpflanze kultiviert und unterscheidet sich vom verwandten Amerikanischen Perückenstrauch (*Cotinus obovatus*) durch seine kleineren Blätter.[1]

Community-Analyse

OpenInsect
9
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silberkrafto.shopmunity
Zuletzt am 22.06.2026
Werde Teil der Community
Lade ein Foto hoch und hilf uns, Arten zu erfassen.

Fakten (kompakt)

- Die ovalen bis verkehrteiförmigen Blätter erreichen eine Länge von 3,8 bis 7,6 cm. - Die Winterhärte der Art entspricht den USDA-Klimazonen 5 bis 8. - Ein Rückschnitt im zeitigen Frühjahr fördert das Wachstum größerer Blätter und eine üppigere Blüte. - Die federartigen Rispen erreichen eine Länge von 15 bis 20 cm. - Historische Synonyme sind neben *Rhus cotinus* auch *Cotinus cinereus*, *Cotinus coriarius* und *Cotinus ellipticus*. - Die Gattung *Cotinus* umfasst etwa sieben akzeptierte Arten, die sich durch aromatisches und harzhaltiges Holz auszeichnen. - Der Pflanzensaft in den Harzkanälen dunkelt bei Kontakt mit der Luft oft nach. - Taxonomisch wird die Art der Klasse Magnoliopsida und dem Stamm Tracheophyta zugeordnet.[8]

Name & Einordnung

Der heute gültige wissenschaftliche Name *Cotinus coggygria* wurde 1771 von Giovanni Antonio Scopoli in dessen Werk *Flora Carniolica* validiert. Die ursprüngliche Erstbeschreibung erfolgte bereits 1753 durch Carl von Linné in *Species Plantarum* unter dem Basionym *Rhus cotinus*, womit er die Art aufgrund oberflächlicher Ähnlichkeiten zunächst der Gattung der Sumache zuordnete.[1] Die taxonomische Abtrennung und Überführung in die eigenständige Gattung *Cotinus* wurde 1754 von Philip Miller etabliert. Der Gattungsname *Cotinus* leitet sich vom altgriechischen Wort *kotinos* (für den Wilden Ölbaum) ab und spielt auf die ledrige, ovale Blattstruktur an. Das Art-Epitheton *coggygria* entstammt dem griechischen *kokkugia*, einem von Theophrast verwendeten Begriff für Gehölze mit rauchartigem Erscheinungsbild, was die fedrigen Fruchtstände der Pflanze beschreibt. Neben dem primären deutschen Trivialnamen Perückenstrauch wird regional auch die Bezeichnung „Rauchbaum“ verwendet, was dem englischen „Smoke tree“ entspricht. Historische internationale Namen wie „Venetian sumach“ (Venezianischer Sumach) oder „Dyer's sumach“ (Färbersumach) verweisen auf die geografische Herkunft und die frühere Nutzung des Holzes zur Farbstoffgewinnung.[2] Zu den weiteren dokumentierten Synonymen zählen *Cotinus cinereus* und *Cotinus coriarius*, die historische Unsicherheiten in der Klassifizierung widerspiegeln.[1] Innerhalb der Familie der Anacardiaceae (Sumachgewächse) wird die Gattung phylogenetisch als Schwestergruppe zu *Pistacia* eingeordnet, wobei sich die Linien im Eozän trennten.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Cotinus coggygria wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum mit einem aufrechten, locker ausgebreiteten und mehrstämmigen Habitus.[3][2] Im Alter bildet die Pflanze eine offene und rundliche Krone aus, wobei die Verzweigung wechselständig erfolgt. Die Wuchshöhe und Breite betragen typischerweise 3 bis 5 Meter, wobei unter optimalen Bedingungen Höhen bis zu 8 Metern erreicht werden können. Die Rinde junger Triebe ist glatt, purpurfarben und oft bereift, während ältere Stämme eine hellgraue bis graubraune, im Alter rissige und schuppige Borke mit vertikalen Graten entwickeln. Die wechselständigen, einfachen Laubblätter sind oval bis verkehrt eiförmig geformt und besitzen einen glatten Rand sowie parallele Adern. Sie erreichen eine Länge und Breite von 3,8 bis 8,9 cm und sitzen auf bis zu 3,8 cm langen Blattstielen. Während die kahle Blattoberseite im Sommer bläulich-grün gefärbt ist, zeigt die Unterseite eine hellere Tönung. Im Herbst verfärbt sich das Laub in leuchtende Gelb-, Orange-, Rot- oder Purpurtöne. Die kleinen, unscheinbaren, gelblich-grünen Blüten erscheinen in großen, endständigen Rispen, die 15 bis 20 cm lang und breit werden. Nach der Blüte verlängern sich die Stiele der sterilen Blüten und bedecken sich mit seidigen Haaren, die von Juni bis September rauchig-rosa bis purpurfarben erscheinen und den charakteristischen Perücken-Effekt erzeugen.[2] Die Art ist polygam oder diözisch, besitzt also sowohl zwittrige als auch eingeschlechtliche Blüten.[3][2] Die Früchte sind kleine, trockene Steinfrüchte, die nierenförmig sind und einen Durchmesser von weniger als 6 mm aufweisen. Diese Steinfrüchte sind netzartig gemustert und reifen im Spätsommer zu einer hell rotbraunen bis schwarzen Färbung heran. Die Samen weisen eine physiologische Dormanz auf und erfordern zur Keimung eine Stratifikation.[2] Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum verwandten *Cotinus obovatus* ist die Blattgröße, da *C. obovatus* deutlich größere, bis zu 13 cm lange Blätter besitzt.[4] Zudem sind die Blätter von *C. coggygria* variabler in der Form und weniger grob strukturiert als die der amerikanischen Schwesterart.[4]

Beschreibung

Der Perückenstrauch (*Cotinus coggygria*) ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Anacardiaceae, der sich durch einen aufrechten, locker-ausladenden und oft mehrstämmigen Wuchs auszeichnet.[3][2] In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, das von Südeuropa über Zentralasien bis nach China reicht, besiedelt die Art vorwiegend trockene, felsige Hänge und offene Wälder.[5][1] Die Pflanze erreicht typischerweise Wuchshöhen von 3 bis 5 Metern und bildet im Alter eine offene, rundliche Krone aus. Ein markantes anatomisches Merkmal ist der dimorphe Blütenstand: Neben fertilen Blüten entwickeln sich zahlreiche sterile Blüten, deren Stiele nach der Blütezeit zu langen, seidigen Haaren auswachsen.[2] Diese fedrigen Strukturen erzeugen im Sommer den namensgebenden, rauchartigen Effekt, der von Juni bis September in Farbtönen von Rosa bis Purpur variiert.[3][2] Im Gegensatz zum nordamerikanischen Verwandten *Cotinus obovatus*, der größere und gröbere Blätter besitzt, zeichnet sich *C. coggygria* durch kleinere, ovale bis verkehrteiförmige Blätter aus, die im Herbst eine intensive Färbung von Gelb über Orange bis Scharlachrot annehmen.[2][4] Die Art ist polygam oder diözisch, wobei die unscheinbaren, gelblich-grünen Blüten reichlich Nektar produzieren und primär durch Insekten wie Bienen und Fliegen bestäubt werden.[6] Aus den befruchteten Blüten entwickeln sich kleine, nierenförmige und trockene Steinfrüchte, deren Verbreitung durch Vögel (Endozoochorie) erfolgt.[4] Der Entwicklungszyklus beginnt mit der Keimung der Samen, die eine physiologische Dormanz aufweisen und in der Natur oft erst nach einer Kälteperiode (Stratifikation) austreiben. Sämlinge wachsen zunächst langsam und durchlaufen eine mehrjährige juvenile Phase, bevor sie die Blühreife erreichen.[2] Vegetativ vermehrt sich der Strauch am Naturstandort auch durch Wurzelsprosse, was zu einer klonalen Ausbreitung führt.[3] Historisch wurde die Art 1753 von Carl von Linné zunächst als *Rhus cotinus* beschrieben, bevor sie taxonomisch als eigenständige Gattung *Cotinus* abgetrennt wurde.[1] Der Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort *kotinos* ab, was ursprünglich den wilden Ölbaum bezeichnete und auf die ledrige Blattstruktur anspielt.[2] Das Holz des Perückenstrauchs enthält das Flavonoid Fisetin und diente historisch unter dem Namen „Junger Fustik“ als bedeutende Quelle für gelbe Farbstoffe in der Textilfärberei.[7][2] Anatomisch ist die Pflanze durch Harzkanäle gekennzeichnet, die einen klaren bis milchigen Saft führen, welcher bei Kontakt Hautreizungen verursachen kann.[3] Diese chemische Abwehr schützt die Pflanze teilweise vor Verbiss durch Herbivoren wie Rehe, verhindert jedoch nicht den Befall durch spezifische Pilzerkrankungen wie die Verticillium-Welke.[2][3]

Verhalten

Das Verhalten von *Cotinus coggygria* ist durch saisonale Zyklen und spezifische ökologische Interaktionen geprägt. Die Art folgt einer festen Phänologie mit einem späten Blattaustrieb im Frühjahr und einer ausgeprägten Ruhephase (Dormanz) im Winter.[2] Die Fortpflanzung erfolgt sowohl sexuell über Samen als auch vegetativ durch die Bildung von Wurzelausläufern, was eine klonale Ausbreitung ermöglicht.[4] Zur Bestäubung lockt der Strauch mittels nektarreicher Blütenscheiben aktiv Insekten wie Bienen und Fliegen an (Entomophilie). Zudem dient die Pflanze als Habitat und Nahrungsquelle für Schmetterlinge und deren Larven.[3] Die Verbreitung der Samen geschieht primär durch Endozoochorie, wobei Vögel die Früchte verzehren und die Samen andernorts ausscheiden.[4] Als Abwehrmechanismus gegen Herbivoren produziert *Cotinus coggygria* einen harzigen Saft, der Urushiol-Verbindungen enthält. Diese chemische Abwehr bewirkt eine hohe Resistenz gegen Wildverbiss durch Hirsche, schützt jedoch nicht vollständig vor saftsaugenden Insekten wie Blattläusen oder Schildläusen.[3] Als Pionierpflanze besiedelt die Art dank ihrer Trockenheitstoleranz rasch offene und gestörte Areale.[2] Symbiotische Beziehungen zu stickstofffixierenden Bakterien sind im Wurzelbereich nur minimal ausgeprägt.[6]

Ökologie

Cotinus coggygria besiedelt als Pionierpflanze offene Wälder, Macchia-Gebüsche und trockene Felshänge, wobei sonnenexponierte Südlagen bevorzugt werden.[2] Die Art ist an Trockenheit angepasst und gedeiht auf gut durchlässigen, oft kalkhaltigen oder steinigen Böden mit neutralem bis alkalischem pH-Wert.[2][3] In natürlichen Beständen ist der Strauch häufig mit trockenheitsresistenten Gehölzen wie *Quercus*- und *Pinus*-Arten vergesellschaftet, darunter *Quercus cerris* und *Pinus nigra*. Die Bestäubung erfolgt entomophil, wobei das reiche Nektarangebot der Blüten Insekten wie Bienen und Fliegen anlockt. Für die Samenverbreitung sind primär Vögel verantwortlich, welche die kleinen Steinfrüchte fressen (Endozoochorie). Ökologisch fungiert die Pflanze als Wirt und Nahrungsquelle für die Larven verschiedener Schmetterlingsarten (Lepidoptera). Obwohl Rehe gelegentlich an Zweigen und Laub äsen, bietet der harzige Saft einen gewissen Schutz gegen starken Verbiss. Zu den natürlichen Antagonisten zählen saftsaugende Insekten wie Blattläuse und Schildläuse, die Stängel und Blätter besiedeln können.[2] Der Perückenstrauch ist anfällig für bodenbürtige Pathogene, insbesondere für die Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*) sowie seltener für den Hallimasch (*Armillaria*).[2][3] Durch die schnelle Besiedlung gestörter Standorte trägt die Art zur frühen Sukzession und Habitatbildung bei.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Cotinus coggygria wird gärtnerisch primär als Zierpflanze und Nährgehölz für Bestäuber klassifiziert, zeigt jedoch in nicht-heimischen Gebieten wie Nordamerika ein geringes invasives Potenzial.[2][4] Gesundheitlich relevant ist der milchige Pflanzensaft, der Urushiol-Verbindungen enthält und bei Hautkontakt Dermatitis auslösen kann.[3] Diese chemische Eigenschaft dient ökologisch als effektiver Fraßschutz gegen Wildverbiss durch Rehe. Das primäre Schadpotenzial für die Pflanze liegt in ihrer Anfälligkeit für bodenbürtige Pilzkrankheiten, insbesondere die Verticillium-Welke, die zu partiellem Aststerben führt.[2] Auf schlecht drainierten Standorten treten zudem Wurzelfäule und Hallimasch (*Armillaria*) auf, während Trockenstress Echten Mehltau, Rost oder Blattflecken begünstigt.[2][3] Ein Befall durch saugende Insekten wie Blattläuse und Schildläuse ist möglich, verursacht jedoch selten bestandsgefährdende Schäden. Zur Früherkennung sollte im Sommer auf plötzlich welkende Einzeläste und verfärbtes Laub geachtet werden, was oft auf Gefäßkrankheiten hindeutet. Präventiv ist die Wahl durchlässiger Böden entscheidend, um Staunässe zu vermeiden, welche pathogene Pilze fördert. Bauliche Maßnahmen umfassen ausreichende Pflanzabstände von 3 bis 4 Metern, um die Luftzirkulation zu gewährleisten. Hygienische Schnittmaßnahmen im späten Winter entfernen infiziertes Holz und vitalisieren den Strauch.[2] Im Bereich der biologischen Bekämpfung zeigen Bakterienstämme wie *Bacillus methylotrophicus* eine signifikante Wirkung gegen Verticillium-Erreger. Integrierte Ansätze gegen Fusarium-Welke kombinieren biologische Wurzelbehandlungen mit *Bacillus subtilis* und gezielte Stamminjektionen chemischer Fungizide wie Prochloraz. Systematische Bodenbehandlungen mit Biopestiziden vor der Pflanzung können das Infektionsrisiko an der Quelle minimieren.[3] Rechtliche Quarantänebestimmungen bestehen nicht, da die Art global auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt wird.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Cotinus coggygria* liegt heute primär im Zierpflanzensektor, wo zahlreiche Sorten wie 'Royal Purple' oder 'Golden Spirit' international gehandelt werden und Auszeichnungen wie den Award of Garden Merit halten.[2] Historisch war das Holz der Art unter dem Namen „Fustikholz“ ein essenzielles Handelsgut für die Färberei, das bis ins 19. Jahrhundert gelbe Farbstoffe für Seide, Wolle und Leder lieferte, bevor synthetische Alternativen den Markt übernahmen. Aktuell beschränkt sich die stoffliche Nutzung auf Nischenmärkte für natürliche Textilfarben sowie die Verwendung ätherischer Öle in der Parfümerie.[2][7] Wirtschaftliche Schäden in Baumschulen und im Landschaftsbau entstehen vor allem durch pilzliche Welkekrankheiten, die zum Absterben ganzer Pflanzen führen können. Insbesondere die Verticillium-Welke verursacht signifikante Qualitätsminderungen durch Aststerben, während auch *Fusarium*-Infektionen und Hallimasch (*Armillaria*) als Bedrohung für den Bestand gelten. Die ökonomische Relevanz dieser Ausfälle spiegelt sich in der Entwicklung patentierter Bekämpfungsverfahren wider, wie etwa der Einsatz von *Bacillus methylotrophicus*, der in Feldversuchen eine Kontrollwirkung von über 66 % gegen die Welke erzielte.[3] Um Totalverluste bei wertvollen Beständen zu verhindern, werden zudem kombinierte Verfahren aus biologischen Mitteln und chemischen Fungizidinjektionen (z. B. Prochloraz) angewendet.[3] Während die Art aufgrund giftiger Säfte weitgehend resistent gegen Wildverbiss ist, können saugende Insekten wie Blattläuse oder Schildläuse den Zierwert mindern, erfordern jedoch selten kostenintensive Bekämpfungsmaßnahmen im Vergleich zu den pathogenen Pilzen.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von *Cotinus coggygria* beginnt mit der Keimung der Samen, die eine physiologische Dormanz aufweisen und zur Brechung dieser Ruhephase Stratifikation sowie Skarifikation benötigen. Nach der Keimung entwickeln sich die Sämlinge langsam und durchlaufen eine mehrjährige juvenile Phase, bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Die phänologische Entwicklung der adulten Pflanze startet im späten Frühjahr, meist Ende April, mit dem Blattaustrieb.[2] Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli, wobei die Pflanze kleine, gelbliche Blüten in großen Rispen bildet, die reich an Nektar und Pollen sind.[2][1] Die Bestäubung erfolgt entomophil, hauptsächlich durch Insekten wie Bienen und Fliegen, die von den nektarreichen Blütenscheiben angezogen werden. Das Paarungssystem ist oft polygam oder diözisch, wobei Mechanismen der Selbstinkompatibilität in einigen Populationen die Fremdbestäubung fördern.[1] Befruchtete Blüten entwickeln sich von August bis Oktober zu kleinen, trockenen Steinfrüchten, während sterile Blütenstiele zu den charakteristischen fedrigen Strukturen auswachsen.[2][1] Die Verbreitung der Diasporen erfolgt primär durch Endozoochorie, indem Vögel die Früchte verzehren und ausscheiden. Vegetativ vermehrt sich der Perückenstrauch durch Wurzelausläufer, was zu einer lokalen, klonalen Ausbreitung führt.[1] Physiologisch zeichnet sich die Art durch eine hohe Trockentoleranz und Kälteresistenz bis etwa -20 °C aus (USDA-Zonen 5–8). *Cotinus coggygria* ist an nährstoffarme Standorte angepasst und gedeiht bevorzugt auf gut durchlässigen, kalkhaltigen Böden, toleriert jedoch pH-Werte von sauer bis alkalisch.[2] Zu den natürlichen Feinden zählen saugende Insekten wie Blattläuse und Schildläuse, während der harzige, leicht toxische Saft viele Herbivoren und Wildverbiss abschreckt.[2][1] Ein wesentlicher Mortalitätsfaktor sind Gefäßkrankheiten wie die Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*), die zum Absterben von Zweigen führen kann. Auch Fusarium-Infektionen stellen eine Bedrohung dar, gegen die kombinierte biologische und chemische Behandlungsstrategien entwickelt wurden.[3] Der jährliche Zyklus endet im Oktober mit einer intensiven Herbstfärbung der Blätter vor dem Eintritt in die winterliche Ruhephase.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Cotinus coggygria* erstreckt sich von Süd- und Mitteleuropa über den Mittelmeerraum und das gemäßigte Asien bis nach Zentralchina und in den Himalaya.[2][5] In Europa umfasst das Areal Länder wie Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich und die Balkanstaaten bis hin zur Ukraine und Südrussland. Biogeographisch weisen die Populationen in Südeuropa und Ostasien eine charakteristische ostasiatisch-tethysche Disjunktion auf. Die Art besiedelt vorwiegend trockene, felsige Hänge, offene Wälder und Macchia-Gebüschformationen, wobei sie südwärts gerichtete Expositionen bevorzugt. *Cotinus coggygria* gedeiht besonders gut auf gut durchlässigen, lehmigen oder felsigen Substraten und ist häufig auf Kalkstein- oder kalkhaltigen Aufschlüssen zu finden. Obwohl die Pflanze neutrale bis alkalische pH-Werte zwischen 6,0 und 7,5 bevorzugt, toleriert sie nährstoffarme, kiesige Böden sowie saure Bedingungen bis zu einem pH-Wert von 3,7. Der Strauch ist an mediterrane bis kontinentale Klimate angepasst und erträgt heiße, trockene Sommer sowie kalte Winter mit Temperaturen bis etwa -20 °C. Die vertikale Verbreitung reicht vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von 2.500 Metern, wobei in Europa Vorkommen bis 1.300 Meter dominieren. In seinen natürlichen Habitaten ist *Cotinus coggygria* oft mit trockenheitsresistenten Gehölzen wie Eichen (*Quercus* spp.) und Kiefern (*Pinus* spp.), speziell *Quercus cerris* und *Pinus nigra*, vergesellschaftet. Als trockenheitstolerante Pionierart kann der Perückenstrauch gestörte Standorte rasch besiedeln.[2] Außerhalb des natürlichen Areals wurde die Art nach Nordamerika und in Teile Australiens eingeführt, wo sie gelegentlich aus der Kultur verwildert. In diesen Einfuhrgebieten, etwa in den USDA-Zonen 5 bis 8, gilt das invasive Potenzial als gering, da die Art einheimische Pflanzen nicht aggressiv verdrängt.[2][3] Aufgrund der weiten Verbreitung und stabiler Bestände wird die Art global als „nicht gefährdet“ (Least Concern) eingestuft.[2]

Saisonalität & Aktivität

Der saisonale Zyklus des laubabwerfenden *Cotinus coggygria* beginnt nach der Winterruhe mit dem Blattaustrieb im späten Frühling, typischerweise Ende April oder im Mai.[2] Die primäre Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli, wobei die Ausbildung der charakteristischen, fedrigen Fruchtstände, die den „Rauch“-Effekt erzeugen, von Juni bis September erfolgt.[3][2] Während dieser reproduktiven Phase ist die Pflanze für die Bestäubung aktiv und zieht Insekten wie Bienen und Fliegen an, die den Nektar nutzen.[4] Die Fruchtreife der kleinen Steinfrüchte schließt sich im Spätsommer und Herbst an, spezifisch zwischen August und Oktober. Ab Oktober sinkt die physiologische Aktivität, begleitet von einer intensiven Herbstfärbung des Laubes in Gelb-, Orange- und Rottönen, bevor der Strauch die Blätter abwirft und in die Winterruhe übergeht. Die Art ist an gemäßigte Klimate angepasst und toleriert Wintertemperaturen bis etwa -20 °C, wobei sie eine Kälteperiode benötigt. Samen weisen eine physiologische Dormanz auf und erfordern zur Keimung eine Stratifikation von etwa 60 Tagen bei 4 °C.[2] Ergänzend zeigen Daten zum öffentlichen Suchinteresse einen deutlichen Höhepunkt im Juni, was zeitlich exakt mit der Hauptblüte und der visuellen Entfaltung der Fruchtstände korreliert.

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    15.11.2025

  • Deutschland

    09.11.2025

  • Deutschland

    24.10.2025

  • Deutschland

    28.09.2025

  • Kunzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland

    20.09.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-113678840-A Chemical Anmeldung

Verfahren zur Vorbeugung und Behandlung der Perückenstrauch-Welke

University of Beijing Forestry (2021)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt eine kombinierte Methode zur Bekämpfung der Fusarium-Welke beim Perückenstrauch. Dabei wird ein biologisches Mittel (Bacillus subtilis) an der Wurzel angewendet und ein chemisches Fungizid (Prochloraz oder Carbendazim) direkt in den Stamm injiziert. Diese Kombination aus biologischer und chemischer Behandlung zeigt eine bessere Wirkung als Einzelmaßnahmen. Das Verfahren zielt spezifisch auf den Schutz der Pflanze vor Pilzkrankheiten ab.

CN-112616854-B Biological Erteilt

Biologisches Mittel zur Vorbeugung und Behandlung der Perückenstrauch-Welke sowie dessen Herstellungs- und Anwendungsverfahren

(2020)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Die Erfindung nutzt einen spezifischen Stamm von Bacillus methylotrophicus (CGMCC NO: 16842) zur Bekämpfung der Verticillium-Welke beim Perückenstrauch. In Feldversuchen zeigte das Mittel eine Kontrollwirkung von über 66%. Es handelt sich um eine rein biologische Bekämpfungsmethode, die spezifisch gegen den Erreger Verticillium dahliae wirkt und eine umweltfreundliche Alternative zu chemischen Mitteln darstellt.

CN-107047262-A Mechanical Unbekannt

Ein Verfahren zur schnellen Vermehrung und Kultivierung von Perückenstrauch-Setzlingen ohne Reagenzglas

Sichuan Gerui Garden Technology Company Ltd. (2017)

Relevanz: 5/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt eine effiziente Methode zur vegetativen Vermehrung von Perückenstrauch-Stecklingen. Die Technik umfasst das Abschnüren der Mutterpflanze, spezielle Substratschichten und eine Nebelbewässerung unter voller Belichtung. Obwohl es keine direkte Schädlingsbekämpfung ist, ist es eine relevante agrartechnische Methode zur Produktion gesunder Pflanzen mit hoher Bewurzelungsrate und geringen Kosten.

CN-105410037-A Biological Unbekannt

Biopestizid-Zusammensetzung zur Bekämpfung der Perückenstrauch-Fäule und deren Anwendung

Qingdao Bairuiji Biotechnology Company Ltd. (2015)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Es wird eine systematische Anwendung von Biopestiziden zur Bekämpfung der Perückenstrauch-Fäule vorgestellt. Das Verfahren umfasst drei Stufen: Bodenbehandlung vor dem Umpflanzen, Wurzelbehandlung bei transplantierten Bäumen und die Behandlung bereits erkrankter Bäume. Ziel ist die vollständige Ausrottung und Prävention der Krankheit an der Quelle, um Welkeerscheinungen zu minimieren und die Überlebensrate der Bäume zu erhöhen. Die Methode betont Umweltverträglichkeit und Sicherheit.

Quellen & Referenzen

  1. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:69498-1
  2. https://www.gbif.org/species/3190522
  3. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/cotinus-coggygria/
  4. https://www.fs.usda.gov/nrs/pubs/jrnl/2008/nrs_2008_pijut_004.pdf
  5. http://www.efloras.org/florataxon.aspx?flora_id=2&taxon_id=10038
  6. https://pfaf.org/user/Plant.aspx?LatinName=Cotinus%20coggygria
  7. https://shepherdtextiles.com/dyeing-with-young-fustic-extract
  8. Literaturzusammenfassung: Cotinus coggygria