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Lexikon-Eintrag

Gewoehnlicher Natternkopf Echium vulgare

Gewoehnlicher Natternkopf

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Boraginales (Boraginales)
Familie Boraginaceae
Gattung Echium
Art Echium vulgare
Wissenschaftlicher Name Echium vulgare L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Gewöhnliche Natternkopf** (*Echium vulgare*) ist eine zweijährige oder kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae), die ursprünglich in Europa sowie West- und Zentralasien beheimatet ist.[1][2] Die Art zeichnet sich durch borstige Stängel sowie einen Farbwechsel der Blüten von Rosa zu Blau aus und dient als Nektarquelle für Insekten, gilt jedoch in Regionen wie Nordamerika und Australien als invasives Unkraut.[2] Aufgrund enthaltener Pyrrolizidinalkaloide ist die Pflanze für Weidetiere giftig und wird in Australien gelegentlich mit dem verwandten Wegerich-Natternkopf (*Echium plantagineum*) verwechselt.[2][3]

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Zuletzt am 23.06.2026
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Fakten (kompakt)

- Jede Blüte produziert bis zu vier hartschalige Nüsschen, die im Boden bis zu drei Jahre keimfähig bleiben. - Die Samen sind widerstandsfähig genug, um die Verdauung durch Weidetiere unbeschadet zu überstehen, was die Ausbreitung auf Weideflächen begünstigt. - Der englische Namensbestandteil „Bugloss“ leitet sich vom griechischen *bous glōssa* („Ochsenzunge“) ab und verweist auf die raue Textur der Blätter, ein Merkmal der Familie Boraginaceae. - Im englischen Sprachraum sind neben „Viper's bugloss“ auch Trivialnamen wie „Blue thistle“ (Blaue Distel), „Blue devil“ (Blauer Teufel) und „Snake flower“ (Schlangenblume) gebräuchlich. - Ein morphologisches Detail der Blüten sind die herausragenden roten Staubblätter, die einen Kontrast zu den blauen Kronblättern bilden.[12] - Taxonomisch werden neben der Nominatform weitere Unterarten wie *Echium vulgare* subsp. *pustulatum* und *Echium vulgare* subsp. *asturicum* unterschieden. - Die Gattung *Echium* umfasst insgesamt 68 Arten, wobei viele davon durch adaptive Radiation auf den makaronesischen Archipelen entstanden sind. - Neben der oralen Toxizität kann der bloße Hautkontakt mit der Pflanze beim Menschen Reizungen verursachen. - Historisch wurde die Pflanze aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Nüsschen mit einem Vipernkopfs traditionell zur Behandlung von Schlangenbissen eingesetzt. - Im Gartenbau wird die Art für die USDA-Winterhärtezonen 4 bis 8 empfohlen.[12]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Echium vulgare* L., wobei die Erstbeschreibung auf Carl von Linné zurückgeht.[2] Systematisch wird die Pflanze der Gattung *Echium* (Natternkopf) innerhalb der Familie der Boraginaceae (Rauhblattgewächse) zugeordnet und steht dort in der Unterfamilie Boraginoideae sowie der Tribus Echieae.[4] Der Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort *echis* für „Viper“ ab, was auf die Ähnlichkeit der Samen mit einem Vipernkopfs oder die gefleckten Stängel, die an Schlangenhaut erinnern, zurückzuführen ist. Das Artepitheton *vulgare* entstammt dem Lateinischen *vulgaris* und bedeutet „gewöhnlich“ oder „weit verbreitet“, was die Häufigkeit der Pflanze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet unterstreicht.[2] Historische Erwähnungen der Art finden sich bereits beim Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert sowie in Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, etwa bei John Gerard. Zu den dokumentierten Synonymen zählen unter anderem *Echium anglicum* Huds., *Echium pustulatum* Sibth. & Sm. sowie *Echium hispanicum* Asso.[4] Innerhalb der Art werden verschiedene Unterarten unterschieden, darunter *E. vulgare* subsp. *pustulatum* und *E. vulgare* subsp. *asturicum*.[4] Im englischen Sprachraum sind Trivialnamen wie „viper's bugloss“ oder „blueweed“ geläufig, wobei der Begriff „bugloss“ (vom griechischen *bous glōssa* für Ochsenzunge) auf die raue Textur der Blätter verweist.[2] In Australien, wo die Pflanze eingeschleppt wurde, ist eine namentliche Abgrenzung zum verwandten *Echium plantagineum* (Paterson's curse) von Bedeutung.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Gewöhnliche Natternkopf (*Echium vulgare*) wächst als zweijährige oder monokarpe ausdauernde krautige Pflanze, die typischerweise Wuchshöhen von 30 bis 80 cm, selten bis zu 90 cm erreicht.[1][2] Die aufrechten, oft verzweigten Stängel sind auffällig mit rauen Borstenhaaren bedeckt, die auf verdickten Basen sitzen.[2] Diese Basen erscheinen als rote, violette oder schwarze Punkte, wodurch der Stängel ein charakteristisches, gesprenkeltes Muster erhält, das an Schlangenhaut erinnert.[2][6] Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine grundständige Rosette aus 5 bis 15 cm langen, verkehrt-lanzettlichen Blättern. Sowohl die Grundblätter als auch die kleineren, sitzenden und schmal-lanzettlichen Stängelblätter sind wechselständig angeordnet und beidseitig steif behaart.[2] Diese Behaarung verleiht den Blättern eine raue Textur, die historisch mit einer Ochsenzunge verglichen wurde.[6] Der Blütenstand entwickelt sich zu dichten, zylindrischen Ähren, die eine Länge von bis zu 40 cm erreichen können und aus zahlreichen Einzelblüten bestehen.[2][1] Die 15 bis 20 mm großen, trichterförmigen Blüten durchlaufen einen Farbwechsel von rosa im Knospenstadium zu einem leuchtenden Blau beim Aufblühen. Dieser Farbwechsel signalisiert Bestäubern das Alter der Blüte und die Reife des Gewebes. Aus der fünfzipfeligen Blütenkrone ragen die Staubblätter deutlich hervor, wobei vier lang und eines kürzer ausgebildet sind.[2] Die oft roten Staubfäden bilden dabei einen visuellen Kontrast zu den blauen Petalen. Das Wurzelsystem besteht aus einer ausgeprägten Pfahlwurzel, die über einen Meter tief in den Boden eindringen kann. Nach der Blüte entwickeln sich Früchte, die in vier hartschalige Teilfrüchte (Klausen) zerfallen.[1] Diese Samen sind etwa 2 bis 3 mm lang, eiförmig und besitzen eine raue, höckerige Oberfläche mit ausgeprägten Kanten.[2][1] Die Form der Samen erinnert an den Kopf einer Viper, was historisch zur Namensgebung der Gattung führte.[6] Zur Unterscheidung von ähnlichen Arten ist relevant, dass *Echium vulgare* in Australien oft mit *Echium plantagineum* verwechselt wird, welches dort jedoch als aggressiveres Unkraut gilt.[3]

Beschreibung

Der Gewöhnliche Natternkopf (*Echium vulgare*) ist eine zweijährige bis kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze, die sich durch ihren aufrechten Wuchs und ihre Anpassungsfähigkeit an trockene Standorte auszeichnet.[1] Als typischer Hemikryptophyt bildet die Art im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette aus, bevor sie im zweiten Jahr den blütentragenden Stängel entwickelt und nach der Samenreife als monokarpische Pflanze abstirbt.[2][4] Charakteristisch für das Erscheinungsbild im Feld sind die steifen, borstigen Haare auf Stängeln und Blättern, die auf verdickten, oft rot bis schwarz gefärbten Basen sitzen und der Pflanze ein gepunktetes, schlangenhautartiges Aussehen verleihen.[7][2] Diese anatomische Besonderheit diente historisch als Namensgeber, da die gefleckten Stängel sowie die Form der Samen an den Kopf einer Viper (*Echis*) erinnern.[1][8] Unterirdisch verankert sich *Echium vulgare* mit einer kräftigen, tiefreichenden Pfahlwurzel, die den Zugriff auf Wasserressourcen in bis zu einem Meter Tiefe ermöglicht und das Überleben auf kargen, kalkhaltigen oder sandigen Böden sichert.[4][6] Die Blätter sind lanzettlich geformt, wobei die grundständigen Blätter deutlich größer sind als die sitzenden Stängelblätter, die nach oben hin an Größe abnehmen.[2] Eine mikroskopische oder genaue Betrachtung der Blüten offenbart fünf verwachsene Kronblätter mit ungleich langen Staubblättern, von denen vier weit aus der Krone ragen und eines kürzer verbleibt.[7] Ein bemerkenswertes physiologisches Merkmal ist der Farbwechsel der Blüten von Rosa im Knospenstadium zu einem leuchtenden Blau während der Anthese, was als Signal für Bestäuber dient und den Reifegrad des Gewebes anzeigt.[7][2] Biologisch nutzt die Pflanze die Vormännlichkeit (Protandrie), bei der die männlichen Staubgefäße vor den weiblichen Narben reifen, um die Fremdbestäubung durch Insekten zu fördern. Trotz dieser Anpassung ist die Art selbstkompatibel, was ihr erlaubt, auch isolierte Populationen durch aggressive Selbstaussaat zu erhalten.[2] Die Samen präsentieren sich als harte, eiförmige Nüsschen mit einer rauen, höckrigen Oberfläche, die ihre Langlebigkeit im Boden von bis zu drei oder sogar zehn Jahren begünstigt.[4] Chemisch ist die Pflanze durch den Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden definiert, die sie vor den meisten Herbivoren schützen, aber für Weidetiere leberschädigend wirken können. Im Vergleich zu verwandten Arten wie *Echium plantagineum* gilt *Echium vulgare* in einigen eingeführten Gebieten als weniger aggressives Weideunkraut, teilt jedoch die grundlegenden invasiven Eigenschaften in gestörten Habitaten. Historische Beschreibungen, die bis zu Dioscorides zurückreichen, betonten oft die vermeintliche Heilwirkung gegen Schlangenbisse, basierend auf der Signaturenlehre.[7]

Verhalten

Das Verhalten von *Echium vulgare* ist primär durch physiologische Anpassungen zur Abwehr und Fortpflanzung geprägt. Zur Verteidigung gegen Herbivoren nutzt die Pflanze steife, stechende Haare an Stängeln und Blättern, die Säugetiere wie Kaninchen effektiv vom Fressen abhalten.[1][2] Ergänzend setzt die Art auf chemische Abwehr durch die Synthese von Pyrrolizidinalkaloiden, die für viele Weidetiere toxisch sind.[2][9] Einige spezialisierte Insektenarten zeigen jedoch eine Anpassung, indem sie diese Alkaloide aufnehmen und für ihre eigene chemische Verteidigung sequestrieren, anstatt geschädigt zu werden.[9] Zur Kommunikation mit Bestäubern nutzt *Echium vulgare* visuelle Signale, indem die Blütenfarbe während der Reifung von Rosa im Knospenstadium zu einem leuchtenden Blau wechselt.[1] Dieser Farbwechsel indiziert das Blütenalter und die Verfügbarkeit von Nektar, was die Attraktivität für Bienen und Falter in den produktivsten Phasen erhöht.[1][2] Um Selbstbefruchtung zu minimieren, zeigt die Pflanze Protandrie, ein zeitliches Verhalten, bei dem die männlichen Organe vor den weiblichen reifen. Im Wurzelbereich geht die Art symbiotische Interaktionen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, um die Nährstoffaufnahme, insbesondere von Phosphor, in nährstoffarmen Böden zu optimieren.[7] Für die Ausbreitung nutzt *Echium vulgare* passives Verhalten, indem die rauhen Oberflächen der Klausenfrüchte im Fell von Tieren haften bleiben und so transportiert werden.[7][2]

Ökologie

Der Gewöhnliche Natternkopf (*Echium vulgare*) besiedelt bevorzugt gut durchlässige, nährstoffarme Substrate wie sandige, kiesige oder kalkhaltige Böden.[1][2] Die Art ist an vollsonnige Standorte angepasst und toleriert keine Beschattung, weist jedoch aufgrund ihrer bis zu einem Meter tiefreichenden Pfahlwurzel eine hohe Trockenheitstoleranz auf.[4][1] Als Pionierpflanze findet man sie häufig in offenen, gestörten Lebensräumen wie Dünen, Steinbrüchen, Straßenrändern und überweideten Flächen. Im Ökosystem fungiert *Echium vulgare* als bedeutende Nektar- und Pollenquelle für eine Vielzahl von Insekten, insbesondere für Honigbienen (*Apis mellifera*), Hummeln (*Bombus* spp.) und Solitärbienen wie die Mauerbiene *Hoplitis anthocopoides*. Die Blüten bieten eine hohe Belohnung mit einem durchschnittlichen Gesamtzuckergehalt von 0,20 mg pro Blüte, was auch Schmetterlinge und Nachtfalter anzieht. Diese Attraktivität für Bestäuber nutzen Räuber wie Krabbenspinnen, die auf den Blütenständen ihrer Beute auflauern.[2] Der Fraßdruck durch Säugetiere ist gering, da steife, stechende Haare sowie toxische Pyrrolizidinalkaloide als chemische Abwehr gegen Herbivoren wirken.[8][2] Die Samen (Klausen) dienen Vögeln als Nahrungsquelle und werden durch diese sowie durch Anhaftung an Tierfellen verbreitet. *Echium vulgare* geht eine Symbiose mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, welche die Nährstoffaufnahme, insbesondere von Phosphor, in mageren Böden verbessern.[1] In eingeführten Verbreitungsgebieten kann die Art durch aggressive Selbstaussaat heimische Vegetation in Grasländern verdrängen und dichte Bestände bilden.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die ökologische und ökonomische Bedeutung von *Echium vulgare* ist ambivalent: Während die Pflanze im nativen Verbreitungsgebiet und in Gärten als wertvolle Nektarquelle für Bestäuber geschätzt wird, gilt sie in eingeführten Regionen wie Nordamerika und Australien als invasives Unkraut.[1][2] In der Landwirtschaft verursacht die Art Schäden, indem sie in Weiden und Grasland einheimische Vegetation verdrängt und die Futterqualität durch aggressive Ausbreitung mindert.[2][4] Ein erhebliches Gesundheitsrisiko für Weidetiere, insbesondere Pferde und Rinder, geht von den enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) aus, die bei chronischer Aufnahme zu irreversiblen Leberschäden (Hepatotoxizität) und zum Tod führen können.[2][9] Für den Menschen besteht die primäre Gefahr im direkten Kontakt, da die steifen, borstigen Haare der Pflanze Hautreizungen und Kontaktdermatitis auslösen können.[7] Ein Befall lässt sich im ersten Jahr an den basalen Blattrosetten und im zweiten Jahr an den bis zu 90 cm hohen, gefleckten Blütenständen erkennen. Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf die Verhinderung der Samenbildung, da eine einzelne Pflanze bis zu 2.000 Samen produzieren kann, die im Boden mehrere Jahre keimfähig bleiben.[2][1] Zur mechanischen Bekämpfung eignet sich das Ausgraben der tiefen Pfahlwurzel, wobei aufgrund der hautreizenden Eigenschaften zwingend Schutzhandschuhe getragen werden sollten. Ein Mähen der Bestände ist nur effektiv, wenn es vor der Samenreife erfolgt, um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden.[2] In der integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) werden auf landwirtschaftlichen Flächen zudem Herbizide oder konkurrierende Weidemanagement-Strategien eingesetzt, um die Population zu unterdrücken.[10][2] Rechtlich ist *Echium vulgare* in einigen Jurisdiktionen, wie etwa im US-Bundesstaat Washington (Class B noxious weed), als schädliches Unkraut klassifiziert, was Bekämpfungspflichten nach sich zieht.[2][11] Da es kein spezifisches Antidot für eine Vergiftung durch Pyrrolizidinalkaloid gibt, beschränkt sich die veterinärmedizinische Behandlung auf unterstützende Maßnahmen und die sofortige Entfernung der Pflanze aus dem Futterangebot.[7][8]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Echium vulgare* ist ambivalent und umfasst sowohl Schäden in der Landwirtschaft als auch Nutzen in der Imkerei und im Zierpflanzenbau. In Weideregionen, insbesondere in Nordamerika und Australien, verursacht die Art ökonomische Verluste durch die Verdrängung wertvoller Futtergräser und die Minderung der Futterqualität.[1][2] Aufgrund enthaltener Pyrrolizidinalkaloide ist die Pflanze für Nutztiere wie Pferde und Rinder hepatotoxisch, was zu chronischen Leberschäden, Gewichtsverlust und Todesfällen führen kann.[2][8] Ein dokumentierter historischer Schadensfall aus Spanien belegt den Verlust von zehn Kampfstieren aus einer Herde, die auf stark mit Natternkopf bewachsenen Flächen weideten. In den USA ist die Art in Bundesstaaten wie Washington und Idaho als schädliches Unkraut („noxious weed“) klassifiziert, was Landwirte zu kostenintensiven mechanischen oder chemischen Bekämpfungsmaßnahmen verpflichtet.[2] Die Samen können bis zu drei Jahre im Boden überdauern und durch Vieh verbreitet werden, was eine langfristige Bewirtschaftung der betroffenen Flächen erschwert.[1][2] Positiv wirkt sich die Art auf die Imkerei aus, da sie eine bedeutende Nektarquelle mit hohem Zuckergehalt darstellt und die Produktion von mildem Honig ermöglicht.[2] Allerdings können die toxischen Alkaloide über den Pollen in den Honig gelangen, was aufgrund lebensmittelrechtlicher Grenzwerte zu potenziellen Vermarktungsrisiken führt.[9] Historisch wurde aus der Pfahlwurzel ein roter Farbstoff für Textilien gewonnen, der heute jedoch keine kommerzielle Relevanz mehr besitzt.[7] Im Gartenbau wird die Art sowie Sorten wie 'Blue Bedder' als Zierpflanze für pflegeleichte Wildblumenbeete gehandelt.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Echium vulgare ist eine meist zweijährige, monokarpe Pflanze, die im ersten Jahr eine basale Blattrosette ausbildet und im zweiten Jahr zur Blüte gelangt, bevor sie nach der Samenproduktion abstirbt.[1][2] In milderen Klimazonen kann sie vereinzelt auch als kurzlebige Staude auftreten.[1] Eine kräftige Pfahlwurzel, die über einen Meter tief in den Boden reichen kann, sichert die Wasserversorgung und verleiht der Art eine hohe Trockenstresstoleranz.[4][2] Die Blütezeit erstreckt sich auf der Nordhalbkugel von Mai bis September, wobei die Blütenfarbe während der Reifung von Rosa zu einem leuchtenden Blau wechselt, was Bestäubern das Blütenalter signalisiert. Die Bestäubung erfolgt primär durch Insekten (Entomophilie), wobei Vormännlichkeit (Protandrie) die Selbstbestäubung weitgehend verhindert, obwohl die Pflanze physiologisch selbstkompatibel ist. Eine einzelne Pflanze kann zwischen 500 und 2.000 Samen produzieren, die sich aus je vier hartschaligen Klausen pro Blüte zusammensetzen. Die Verbreitung dieser Samen erfolgt über kurze Distanzen durch den Wind oder durch Anhaftung an Tierfellen, begünstigt durch die raue, höckrige Oberfläche der Klausen.[1][2] Für die Keimung benötigen die Samen Licht sowie Temperaturen zwischen 10 und 20 °C, wobei eine Kältestratifikation die Keimrate oft erhöht.[1] Im Boden bleiben die Samen über längere Zeiträume lebensfähig, wobei die Viabilität meist bis zu drei Jahre, in Einzelfällen bis zu zehn Jahre betragen kann. Der Gewöhnliche Natternkopf bevorzugt gut durchlässige, nährstoffarme Substrate wie sandige oder kiesige Böden, oft auf kalkhaltigem Untergrund, und meidet Staunässe.[1][2] Die Wurzeln gehen eine Symbiose mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, welche die Phosphoraufnahme verbessern; eine Stickstofffixierung findet hingegen nicht statt.[1] Gegen Fraßfeinde schützt sich die Pflanze durch steife Borstenhaare sowie toxische Pyrrolizidinalkaloide, weshalb sie von Säugetieren meist gemieden wird. Diese Abwehrstoffe reichern sich besonders stark in den Samen und Blütenorganen an, wobei Konzentrationen von bis zu 1.340 mg/kg in oberirdischen Teilen gemessen wurden.[9] Physiologisch ist die Art an gemäßigte Klimazonen (USDA-Zonen 4–8) angepasst und benötigt volle Sonneneinstrahlung für ein optimales Wachstum.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Echium vulgare* umfasst Süd- und Westeuropa sowie Teile Nordafrikas, wobei es sich nordwärts bis nach Skandinavien und ostwärts über den Ural bis in das gemäßigte Asien erstreckt. Als Neophyt hat sich die Art weltweit etabliert und kommt heute in weiten Teilen Nordamerikas, im südlichen Südamerika, in Australien sowie Neuseeland vor.[4][2] Die historische Einschleppung nach Nordamerika wird auf das frühe 19. Jahrhundert datiert, wobei erste Herbarbelege aus Virginia im Jahr 1842 stammen. Vermutlich gelangte die Pflanze als Ziergewächs oder durch verunreinigten Schiffsballast und Heu in neue Gebiete.[2] *Echium vulgare* besiedelt bevorzugt vollsonnige Standorte mit gut durchlässigen, trockenen bis mäßig feuchten Böden.[1] Besonders gut gedeiht die Art auf nährstoffarmen, kalkhaltigen Substraten sowie auf sandigen, kiesigen oder steinigen Untergründen.[2][1] Zu den typischen natürlichen Lebensräumen zählen Trockenrasen, Heiden und Küstendünen.[2] Aufgrund ihrer Anpassung an gestörte Flächen findet man die Pflanze häufig als Pionier an Straßenrändern, auf Brachflächen, in Steinbrüchen und auf überweideten Weiden. Die vertikale Verbreitung reicht von der Meereshöhe bis in Gebirgslagen von etwa 1.500 Metern.[1] In vielen Einfuhrgebieten, wie dem Westen der USA oder Australien, tritt der Gewöhnliche Natternkopf als invasives Unkraut auf, das heimische Pflanzengesellschaften verdrängen kann.[2] Die Art ist an gemäßigte Klimazonen angepasst und toleriert nach der Etablierung durch ihre tiefe Pfahlwurzel ausgeprägte Trockenperioden.[2][1]

Saisonalität & Aktivität

Der Lebenszyklus von *Echium vulgare* ist überwiegend zweijährig, wobei die Pflanze im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette bildet, die überwintert. Im zweiten Jahr folgt das Längenwachstum des Stängels, woraufhin die Art als monokarpe Pflanze nach der einmaligen Samenreife abstirbt. In milderen Klimazonen kann sie vereinzelt auch als kurzlebige Staude persistieren. Die Blütezeit erstreckt sich auf der Nordhalbkugel von Mai bis September, wobei die Blüten einen Farbwechsel von Rosa zu Blau vollziehen, der Insekten das Alter der Blüte anzeigt. Für die Keimung benötigen die Samen Licht sowie kühle Temperaturen im Bereich von 10 bis 20 °C. Eine Kältestratifikation begünstigt diesen Prozess, wobei die hartschaligen Nüsschen im Boden bis zu drei Jahre oder länger lebensfähig bleiben.[1] Das öffentliche Suchinteresse an der Pflanze korreliert stark mit der phänologischen Entwicklung und erreicht im Juli seinen jährlichen Höchstwert.[5]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Sontheim (Schwab), 87776 Sontheim, Deutschland

    16.01.2026

  • Deutschland

    06.01.2026

  • Esbeck, Schule, 38364 Schöningen, Deutschland

    01.01.2026

  • Wahlstorf, 19386 Gehlsbach, Deutschland

    01.01.2026

  • Bezirk Spandau, Deutschland

    16.12.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/echium-vulgare/
  2. https://www.missouribotanicalgarden.org/PlantFinder/PlantFinderDetails.aspx?taxonid=277970
  3. https://weeds.org.au/profiles/vipers-bugloss-common/
  4. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:115950-1
  5. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  6. http://www.plantgenera.org/taxonomy.php?id_taxon=1563
  7. https://mdc.mo.gov/discover-nature/field-guide/vipers-bugloss
  8. https://poisonousplants.cvmbs.colostate.edu/plant/38
  9. https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.2903/j.efsa.2011.2406
  10. https://ag.purdue.edu/btny/purdueweedscience/wp-content/uploads/2021/01/WS-9.pdf
  11. https://tsusinvasives.org/home/database/echium-vulgare
  12. Literaturzusammenfassung: Echium vulgare