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Lexikon-Eintrag

Schwarzer Punktschimmel Epicoccum nigrum

Schwarzer Punktschimmel

Taxonomie

Reich Pilze (Fungi)
Stamm Ascomycota (Ascomycota)
Klasse Dothideomycetes (Dothideomycetes)
Ordnung Pleosporales (Pleosporales)
Familie Didymellaceae
Gattung Epicoccum
Art Epicoccum nigrum
Wissenschaftlicher Name Epicoccum nigrum Link
Akzeptierter Name

Einleitung

*Epicoccum nigrum* (Synonym: *Epicoccum purpurascens*) ist ein weltweit verbreiteter Schlauchpilz aus der Familie der Didymellaceae, der taxonomisch zu den dematiaceen Hyphomyceten gezählt wird. Er besiedelt als Saprophyt organisches Material oder lebt als Endophyt in Pflanzen, wobei er oft antagonistische Eigenschaften gegen Phytopathogene zeigt und als Nützling im biologischen Pflanzenschutz diskutiert wird. Während der Pilz selten als schwaches Pflanzenpathogen auftritt, ist er für den Menschen primär als relevanter Auslöser von Inhalationsallergien wie Asthma von Bedeutung.[1]

Fakten (kompakt)

- Die Konidien sind kugelig bis birnenförmig geformt, besitzen eine trichterförmige Basis und weisen einen Durchmesser von 15 bis 25 µm auf. - Zu den spezifischen Sekundärmetaboliten zählt das fluoreszierende Pigment Epicocconon, das aufgrund seiner proteinbindenden Eigenschaften in der Biotechnologie Anwendung findet. - Der Pilz synthetisiert Prodigiosin, eine Verbindung, die für ihre krebshemmenden und antifungalen Wirkungen bekannt ist. - Die globale Sensibilisierungsrate gegenüber *Epicoccum nigrum* wird auf 5 bis 7 % geschätzt. - Asthma-Exazerbationen, die durch diesen Pilz ausgelöst werden, treten statistisch gesehen besonders häufig bei männlichen Patienten auf. - Das Hauptallergen Epi p 1 wurde als Serinprotease mit einer Molekülmasse von 33,5 kDa identifiziert. - Es bestehen spezifische allergene Kreuzreaktionen zu anderen Schimmelpilzen, insbesondere zu *Aspergillus fumigatus*. - *Epicoccum nigrum* ist als Organismus der Risikogruppe 1 (RG-1) klassifiziert, da keine opportunistischen Infektionen etabliert sind.[6] - Historische Synonyme umfassen neben *E. purpurascens* auch *Phoma epicoccina* (1970) und *Toruloidea tobaica* (1906). - Die Produktion des Pflanzenwachstumshormons Indol-3-essigsäure (IAA) erfolgt in spezifischen Konzentrationen von 21 bis 41 mg/L.[6] - Ernst Friedrich Gustav Kunze und Diederich Franz Leonhard von Schlechtendal beschrieben das Synonym *E. purpurascens* im Jahr 1824 im Werk *Flora Berolinensis*.[6]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Epicoccum nigrum*, wobei die Erstbeschreibung durch den deutschen Botaniker Heinrich Friedrich Link im Jahr 1816 im *Magazin der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin* publiziert wurde.[2][1] Link etablierte die Spezies dabei als Typusart der Gattung *Epicoccum*.[2] Ein historisch weit verbreitetes Synonym ist *Epicoccum purpurascens*, das ursprünglich 1818 von Christian Gottfried Ehrenberg beschrieben wurde.[2][1] Aufgrund überlappender morphologischer Merkmale wurde dieses Taxon später mit *E. nigrum* synonymisiert.[2] Zu den weiteren Synonymen zählen *Toruloidea tobaica* sowie *Phoma epicoccina*, deren anomorphe Stadien nicht von *E. nigrum* unterscheidbar sind. Historisch wurde der Pilz aufgrund seiner asexuellen Morphologie und der dunkelwandigen Strukturen den Dematiaceae (Deuteromycetes) zugeordnet.[2] Aktuelle phylogenetische Einordnungen platzieren die Art in den Stamm Ascomycota, Ordnung Pleosporales und die Familie Didymellaceae.[2][1] Obwohl *E. nigrum* den Schlauchpilzen zugeordnet wird, ist kein Teleomorph (sexuelles Stadium) bekannt, weshalb er als rein anamorpher Organismus gilt.[2] Molekulare Studien der ITS-Regionen und β-Tubulin-Gene offenbarten genetische Distanzen innerhalb der Art, die zur Abgrenzung gegenüber verwandten Linien wie *Epicoccum sorghi* (ehemals *Phoma sorghina*) führten.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Kolonien von *Epicoccum nigrum* wachsen auf Standardnährmedien wie Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) rasch und erreichen bei 25 °C innerhalb von 7 bis 10 Tagen einen Durchmesser von 6 bis 7 cm. Die Oberflächenstruktur erscheint durch das reichhaltige Luftmyzel filzig, wildlederartig oder wollig. Die Färbung variiert stark mit dem Alter der Kultur und beginnt oft mit leuchtend gelben bis orangen Tönen, die später in Rotbraun, Grünbraun oder Schwarz übergehen. Die Unterseite der Kolonie (Reverse) ist meist dunkler pigmentiert, von Orange bis Tiefschwarz, wobei häufig gelbe bis orange-braune Pigmente in den Agar diffundieren. Mikroskopisch zeigen sich septierte, verzweigte Hyphen von blassbrauner bis olivbrauner Farbe mit einer Breite von 2 bis 5 μm. Die Konidiophoren sind kurz (10–30 μm), stehen aufrecht und aggregieren oft zu dichten, polsterartigen Massen, den sogenannten Sporodochien. Die asexuellen Sporen (Konidien) sind kugelig bis birnenförmig (pyriform) und messen 15 bis 25 μm im Durchmesser. Diese mehrzelligen, muriformen Konidien besitzen eine warzige (verrucose) Oberfläche und eine charakteristische trichterförmige Basis mit breiter Anheftungsnarbe. Im reifen Zustand sind die Konidien dunkelbraun bis schwarz pigmentiert, was den Sporodochien ihr makroskopisch schwarzes Aussehen verleiht. Es ist kein Sexualstadium (Teleomorphe) bekannt, weshalb die Art als rein anamorpher Pilz klassifiziert wird. Morphologisch ist *Epicoccum nigrum* kaum von *Epicoccum purpurascens* zu unterscheiden, weshalb letzterer Name heute als Synonym gilt. Verwechslungsgefahr besteht zudem mit der Anamorphe von *Phoma epicoccina*, die mikroskopisch identische Merkmale aufweist.[1] Molekularbiologische Untersuchungen der ITS-Regionen zeigen jedoch, dass morphologisch als *E. nigrum* identifizierte Isolate genetisch divers sind und teilweise enger mit *Epicoccum sorghi* (ehemals *Phoma sorghina*) verwandt sein können.[3]

Beschreibung

Epicoccum nigrum ist ein kosmopolitisch verbreiteter, dematiaceer Hyphomycet aus der Ordnung der Pleosporales, der sich primär durch eine saprophytische und endophytische Lebensweise auszeichnet. Der Pilz besiedelt weltweit diverse Habitate, darunter Böden, verrottendes Pflanzenmaterial wie Laub und Rinde sowie landwirtschaftliche Substrate wie Getreide. Ein markantes Merkmal der Art ist die Bildung von wildlederartigen bis flaumigen Kolonien, die durch die Produktion von Carotinoiden und Polyketiden intensiv gelb bis orange-braun gefärbt sind. Im weiteren Entwicklungsverlauf verdunkeln sich diese Kolonien oft rötlich-braun bis schwarz, was durch die Reifung der Sporenlager und Pigmente bedingt ist.[1] Mikroskopisch lässt sich *E. nigrum* eindeutig durch seine charakteristischen Sporodochien identifizieren, die als polsterförmige Aggregate aus kurzen, unspezialisierten Konidiophoren erscheinen. Die daran gebildeten Konidien sind dunkel pigmentiert, kugelig bis birnenförmig und weisen eine warzige (verrucose), dickwandige Oberflächenstruktur auf, die als muriform (vielfach septiert) beschrieben wird. Diese Sporen messen typischerweise 15 bis 25 µm im Durchmesser und besitzen eine trichterförmige Basis mit einer breiten Ansatznarbe.[1] Da für *E. nigrum* keine sexuelle Hauptfruchtform (Teleomorphe) bekannt ist, verläuft der Lebenszyklus rein anamorph über diese asexuellen Sporen. Physiologisch ist der Pilz mesophil mit einem Wachstumsoptimum zwischen 23 und 28 °C, toleriert jedoch eine breite Temperaturspanne sowie hohe Salzkonzentrationen und pH-Schwankungen. Eine besondere ökologische Anpassung ist die Fähigkeit zur Synthese vielfältiger Sekundärmetabolite, darunter das antimikrobielle Flavipin und das fluoreszierende Epicocconon. Diese Stoffwechselprodukte ermöglichen es dem Pilz, als Antagonist gegenüber anderen Mikroorganismen aufzutreten und effektiv mit Pflanzenpathogenen wie *Fusarium* um Nährstoffe zu konkurrieren. Als Endophyt dringt er asymptomatisch in Pflanzengewebe ein und kann durch die Produktion von Indol-3-essigsäure (IAA) das Wurzelwachstum des Wirtes stimulieren.[1] Die Art besitzt zudem biotechnologisches Potenzial zur Bioremediation, da bestimmte Stämme Schwermetalle wie Cadmium und Blei im Boden immobilisieren können.[3] Taxonomisch wurde die Spezies 1816 von Heinrich Friedrich Link erstbeschrieben und gilt als Typusart der Gattung, wobei das lange gebräuchliche Synonym *Epicoccum purpurascens* heute als konspezifisch angesehen wird.[1] Molekulargenetische Analysen der ITS- und Beta-Tubulin-Sequenzen haben jedoch gezeigt, dass unter dem Namen *E. nigrum* genetisch distinkte Linien existieren, was zu Abgrenzungen gegenüber Arten wie *Epicoccum sorghi* führte.[3] Für den Menschen ist der Pilz als aerobiologischer Faktor relevant, da die inhalierbaren Sporen das Allergen Epi p 1 enthalten und Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können.[1]

Verhalten

Als saprophytischer und endophytischer Pilz zeigt *Epicoccum nigrum* flexible Besiedlungsstrategien, indem er sowohl totes organisches Material zersetzt als auch lebendes Pflanzengewebe asymptomatisch besiedelt.[1] In der Interaktion mit anderen Arten zeigt der Pilz ein ausgeprägtes antagonistisches Verhalten gegenüber Pflanzenpathogenen wie *Fusarium* und *Botrytis*, wobei er Mechanismen wie Nährstoffkonkurrenz und Mykoparasitismus einsetzt.[3][1] Zur chemischen Abwehr von Konkurrenten synthetisiert er antimikrobielle Sekundärmetabolite wie Flavipin, welche zelluläre Prozesse bei konkurrierenden Pilzen hemmen.[1] Innerhalb von Wirtspflanzen fördert *E. nigrum* aktiv das Wachstum durch die Produktion von Phytohormonen wie Indol-3-Essigsäure (IAA) und die Hochregulierung von pflanzlichen Immungenen.[1][3] Um sich in nährstoffarmen Umgebungen zu behaupten, bildet der Pilz Siderophore, die als Eisen-Chelatoren die Nährstoffaufnahme in eisenlimitierten Habitaten sichern. Bei hohem Salzgehalt passt sich der Organismus morphologisch durch eine Verdickung der Zellwände an, was das Überleben in marinen Substraten ermöglicht. Die Verbreitung erfolgt über Sporodochien, die eine effiziente Abgabe der Konidien in die Luftströmung ermöglichen, wobei die Sporenkonzentration saisonale Spitzenwerte im Herbst erreicht.[1] Zudem besitzt der Pilz die Fähigkeit, Schwermetalle wie Cadmium und Blei im Boden zu tolerieren und durch Adsorption zu immobilisieren, was ihn für die Bioremediation nutzbar macht.[3]

Ökologie

Epicoccum nigrum fungiert primär als Saprophyt, der durch den Abbau organischer Substanz in Böden und Pflanzenresten wesentlich zum Nährstoffkreislauf beiträgt.[1] Als ubiquitärer Endophyt besiedelt der Pilz zudem diverse Pflanzengewebe, wobei er das Wachstum von Wirten wie Zuckerrohr oder Rutenhirse durch die Produktion von Indol-3-essigsäure (IAA) und die Hochregulierung von Immungenen fördert.[2][3] Das Habitatsspektrum ist breit gefächert und umfasst neben terrestrischen Substraten wie Getreide, Rinde und Blattflächen (Phyllosphäre) auch Süßwasser- und marine Sedimente. Hinsichtlich des Mikroklimas zeigt die Art eine hohe Toleranz gegenüber Umweltstress und wächst sowohl bei Temperaturen von -3 bis 45 °C als auch unter hohen Salzkonzentrationen, präferiert jedoch mesophile Bedingungen zwischen 23 und 28 °C.[1] In der Biozönose tritt *E. nigrum* als starker Konkurrent gegenüber Phytopathogenen wie *Fusarium graminearum* oder *Botrytis cinerea* auf, deren Wachstum er durch Nährstoffkonkurrenz, Mykoparasitismus und die Sekretion antimikrobieller Metabolite wie Flavipin hemmt.[1] Gelegentlich ist der Pilz an Krankheitskomplexen beteiligt, etwa gemeinsam mit *Ustilaginoidea virens* bei der Reis-Scheinbrandkrankheit, oder tritt als schwacher Wundparasit auf. Die ökologische Nische erstreckt sich auch auf anthropogen belastete Standorte, da die Biomasse Schwermetalle wie Thorium, Cadmium und Blei adsorbieren und somit zur Bioremediation beitragen kann.[1][3] Zudem besiedelt der Pilz Innenräume und synthetische Materialien, wo er als Bestandteil von Hausstaub und auf Textilien nachgewiesen wird.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Epicoccum nigrum wird überwiegend als ubiquitärer Saprophyt und Nützling klassifiziert, tritt jedoch gelegentlich als Schwächeparasit an Pflanzen oder Kontaminant in Innenräumen auf. Als Materialschädling verursacht der Pilz durch den Abbau organischer und synthetischer Substrate Schäden an Papier, Textilien und Gemälden, die oft von schwer entfernbaren Verfärbungen begleitet sind.[1] Im medizinischen Kontext ist die Art ein relevantes Inhalationsallergen, dessen Sporen Asthma, allergische Rhinitis und Hypersensitivitätspneumonitis auslösen können.[1][5] Das Hauptallergen Epi p 1 zeigt dabei signifikante Kreuzreaktionen mit *Alternaria alternata*, was die Diagnose bei polysensibilisierten Patienten erschwert.[2] Weltweit weisen etwa 5 bis 7 % der Bevölkerung eine Sensibilisierung auf, wobei die Belastung in landwirtschaftlichen Gebieten und im Herbst am höchsten ist.[1] Invasive Infektionen (Phaeohyphomykosen) sind sehr selten und beschränken sich meist auf immunkompromittierte Personen, bei denen kutane oder systemische Befälle auftreten können.[5][4] Ein Befall ist makroskopisch an den charakteristischen, zunächst gelb-orangen und später dunkelbraunen bis schwarzen, filzigen Kolonien erkennbar. Zur Prävention in Innenräumen ist die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit und die Entfernung von organischem Staub essenziell, da der Pilz mesophile Bedingungen bevorzugt.[1] In der Landwirtschaft überwiegt die Bedeutung als biologisches Bekämpfungsmittel (Biocontrol), da *E. nigrum* antagonistisch gegen Phytopathogene wie *Fusarium* und *Botrytis* wirkt.[1] Feldversuche zeigten, dass Behandlungen mit dem Pilz den Befall durch *Monilinia* spp. an Steinobst vergleichbar effektiv wie chemische Fungizide reduzieren können.[2] Zusätzlich wird der Pilz biotechnologisch zur Bioremediation eingesetzt, da bestimmte Stämme Schwermetalle wie Cadmium und Blei in kontaminierten Böden immobilisieren können.[3] Klinische Infektionen werden therapeutisch meist durch chirurgische Maßnahmen und die Gabe von Antimykotika wie Voriconazol oder Amphotericin B behandelt.[4]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Epicoccum nigrum* liegt primär in seinem Potenzial als Nützling für den biologischen Pflanzenschutz und die Biotechnologie. In der Landwirtschaft wird der Pilz erfolgreich als Antagonist gegen Phytopathogene eingesetzt; so reduzierten Formulierungen in Feldversuchen den Befall durch *Monilinia fructicola* an Steinobst auf ein Niveau, das mit chemischen Fungiziden vergleichbar ist. Endophytische Stämme zeigten zudem eine hohe Wirksamkeit im Getreideanbau, wo sie den Gelbrost bei Weizen um bis zu 87,5 % verringerten.[2] Darüber hinaus fördert *E. nigrum* das Wachstum von Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Rutenhirse (*Panicum virgatum*), was zu Biomassesteigerungen von 25 bis 33 % führen kann. Industriell wird der Pilz zur Produktion natürlicher Pigmente, insbesondere Carotinoide, kultiviert, die als stabile und ungiftige Alternativen zu synthetischen Lebensmittelfarbstoffen dienen.[1][3] Patentierte Verfahren nutzen spezifische Stämme zudem für die Bioremediation, um Böden von Schwermetallen wie Cadmium und Blei zu reinigen.[3] Im Bereich der Nanotechnologie ermöglicht der Organismus die grüne Biosynthese von Silbernanopartikeln für antimikrobielle Anwendungen.[4] Negative wirtschaftliche Auswirkungen entstehen im Sektor des kulturellen Erbes, wo *E. nigrum* als Kontaminant auftritt und Materialien wie Leinwände, Textilien und Papier durch Abbauprozesse schädigt. In der Agrarwirtschaft ist er gelegentlich als schwacher Erreger oder Sekundärinfektion an Krankheitskomplexen wie dem Falschen Reisbrand beteiligt, verursacht jedoch selten Totalverluste.[1] Gesundheitsökonomisch relevant ist die Verbreitung der Sporen als Aeroallergen, da weltweit etwa 5–7 % der Bevölkerung sensibilisiert sind, was entsprechende Behandlungskosten für Asthma und allergische Rhinitis nach sich zieht.[1][5]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von *Epicoccum nigrum* erfolgt strikt asexuell (anamorph), da bisher kein teleomorphes Sexualstadium nachgewiesen wurde. Der Entwicklungszyklus beginnt mit der Keimung der Konidien, aus denen septierte, verzweigte und olivbraune Hyphen hervorgehen. Diese vegetativen Strukturen verdichten sich zu polsterartigen Sporodochien, auf denen die charakteristischen, mehrzelligen und warzigen Konidien (Muriformsporen) gebildet werden. Das Wachstum verläuft rasant, wobei Kolonien auf Standardnährmedien bei 25 °C innerhalb von 7 bis 10 Tagen einen Durchmesser von 6 bis 7 cm erreichen. Physiologisch ist der Pilz mesophil mit einem Temperaturoptimum zwischen 23 und 28 °C, toleriert jedoch eine weite Spanne von -3 bis 45 °C.[1] Hinsichtlich des pH-Wertes bevorzugt *E. nigrum* saure Bedingungen im Bereich von 3 bis 4,5, zeigt aber auch in basischen Milieus Wachstum. Ernährungsbiologisch fungiert die Art primär als Saprophyt, der Lignozellulose in abgestorbenem Pflanzenmaterial und Boden zersetzt.[1] Alternativ etabliert sich *E. nigrum* als Endophyt in Wirtspflanzen wie Zuckerrohr, Weizen oder Rutenhirse, ohne pathogene Symptome zu verursachen. In dieser symbiotischen Phase fördert der Pilz das Wurzelwachstum und die pflanzliche Immunität, unter anderem durch die Produktion von Indol-3-essigsäure.[3] Der Sekundärstoffwechsel umfasst die Synthese antimikrobieller Substanzen wie Flavipin sowie fluoreszierender Pigmente wie Epicocconon.[4] Diese Pigmente, oft Carotinoide und Polyketide, sind für die variable Koloniefärbung von Gelb bis Schwarz verantwortlich. Eine hohe osmotische Toleranz ermöglicht dem Pilz das Überleben in salinen Habitaten, unterstützt durch morphologische Anpassungen wie Zellwandverdickungen.[1] Ökologisch tritt *E. nigrum* als Antagonist auf, der durch Nährstoffkonkurrenz und Mykoparasitismus das Wachstum von Phytopathogenen wie *Fusarium* und *Botrytis* hemmt.[1] Spezialisierte Stämme wie FZT214 zeigen zudem die Fähigkeit zur Bioakkumulation von Schwermetallen wie Cadmium, was sie für die Bioremediation belasteter Böden nutzbar macht.[3]

Vorkommen & Lebensraum

Epicoccum nigrum ist als kosmopolitischer Pilz weltweit verbreitet und wurde auf allen Kontinenten, einschließlich Nord- und Südamerika, Europa, Asien, Afrika sowie Australien nachgewiesen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über diverse Klimazonen, wobei die Art eine hohe Toleranz gegenüber Umweltstress zeigt und selbst in antarktischen Böden sowie oligotrophen Polarregionen vorkommt. Neben terrestrischen Habitaten besiedelt der Pilz auch aquatische Umgebungen wie Süßwasser und marine Sedimente, da er an hohe Salzgehalte angepasst ist. Der primäre natürliche Lebensraum umfasst den Erdboden sowie zersetzendes organisches Material, insbesondere Pflanzenreste wie Laub, Stängel und Rinde. Als Saprophyt und Endophyt ist *Epicoccum nigrum* häufig auf der Phylloplane (Blattoberfläche) lebender Pflanzen zu finden, wobei er trockene Bedingungen bevorzugt.[1] Zu den typischen Wirtspflanzen zählen landwirtschaftliche Kulturen wie Weizen, Gerste, Mais, Hafer und Sorghum, deren Körner und Blätter oft während der Reife besiedelt werden.[1][2] Auch in Wurzeln und Geweben von Zuckerrohr und Kartoffeln tritt die Art endophytisch auf, ohne dabei das Wachstum der Wirtspflanze negativ zu beeinträchtigen.[2] In Waldökosystemen trägt der Pilz durch die Besiedlung von Totholz wesentlich zur Zersetzung von Lignocellulose bei. Innerhalb menschlicher Siedlungsbereiche ist *Epicoccum nigrum* regelmäßig im Hausstaub sowie auf Materialien wie Textilien, Papier und bemalten Oberflächen nachweisbar. Die Sporen sind ubiquitär in der Luft vorhanden, wobei in städtischen oder verschmutzten Gebieten Konzentrationen von bis zu 1.000 Sporen pro Kubikmeter erreicht werden können. In gemäßigten Klimazonen zeigen Beobachtungsdaten saisonale Spitzenwerte der Sporenflugdichte, die meist im Sommer oder Herbst mit dem Verfall von Vegetation korrelieren.[1]

Saisonalität & Aktivität

Epicoccum nigrum ist ein mesophiler Pilz, dessen optimales Wachstum bei Temperaturen zwischen 23 und 28 °C stattfindet. Die Art zeigt eine hohe Toleranz gegenüber thermischen Schwankungen und kann in einem Bereich von -3 bis 45 °C überleben. Psychrotrophe Stämme sind sogar in der Lage, bei kühleren Temperaturen um 12 °C zu wachsen. In gemäßigten Klimazonen erreichen die Konzentrationen luftgetragener Sporen saisonal bedingt meist im Spätsommer und Herbst ihre Höchstwerte. Dieser Anstieg korreliert stark mit warmen, feuchten Wetterbedingungen sowie der Verfügbarkeit von verrottendem Pflanzenmaterial als Substrat. In landwirtschaftlichen oder städtischen Umgebungen können die Sporenkonzentrationen während dieser Hochphasen bis zu 1.000 Sporen pro Kubikmeter betragen. Der Lebenszyklus ist durch ein schnelles Koloniewachstum gekennzeichnet, wobei auf Nährmedien innerhalb von 7 bis 10 Tagen Durchmesser von 6 bis 7 cm erreicht werden. Aufgrund dieser raschen Entwicklung kann der Pilz unter günstigen Bedingungen mehrere Wachstumszyklen innerhalb einer Saison durchlaufen. Die Fortpflanzung erfolgt bei Epicoccum nigrum ausschließlich asexuell über die Bildung von Sporodochien und Konidien. Ein sexuelles Stadium (Teleomorphe) ist für diese Art bisher nicht bekannt. Als widerstandsfähiger Saprophyt überdauert der Pilz auch unter extremen Bedingungen und wurde in antarktischen Böden nachgewiesen.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    24.05.2025

  • Potsdam, Kieskutenberg, 14473 Potsdam, Deutschland

    15.03.2025

  • 德国

    07.09.2024

  • Deutschland

    27.07.2024

  • Deutschland

    01.05.2023

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-112358974-B Biological Erteilt

Pflanzenendophytischer Pilz Epicoccum nigrum FZT214 und dessen Anwendung

(2020)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Der Stamm FZT214 wird zur Foerderung der Samenkeimung und des Pflanzenwachstums eingesetzt. Besonders relevant ist seine Faehigkeit, Schwermetalle wie Cadmium im Boden zu tolerieren und anzureichern. Dies macht ihn nutzbar fuer die Bioremediation belasteter Boeden.

WO-2018149864-A1 Chemical Unbekannt

Kleinmolekulare Therapeutika zur Behandlung von metachromatischer Leukodystrophie

University of Bonn Rheinische Friedrich Wilhelms (2018)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Es werden Verbindungen beschrieben, die aus Epicoccum nigrum isoliert wurden und als Inhibitoren der Sulfotransferase wirken. Diese sollen die Ansammlung von Sulfatiden im Nervensystem verhindern. Der Pilz dient hier als Quelle fuer pharmazeutische Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen.

CN-106591156-B Biological Erteilt

Ein Stamm von Epicoccum nigrum FXZ2 und seine Anwendung

(2017)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Der Stamm FXZ2 wird zur Sanierung von mit Blei und Cadmium belasteten Boeden verwendet. Er besitzt eine hohe Adsorptionskapazitaet fuer diese Schwermetalle und foerdert das Pflanzenwachstum unter Stress. Die Anwendung erfolgt zur In-situ-Immobilisierung von Schadstoffen.

CN-108004150-B Biological Erteilt

Epicoccum nigrum LS10H und dessen Anwendung

(2017)

Relevanz: 5/10

Zusammenfassung

Dieses Patent schuetzt den Stamm LS10H, der sich durch schnelles Wachstum und die Produktion natuerlicher Pigmente auszeichnet. Er wird zur Gewinnung von rosenroten Farbstoffen und Carotinoiden mittels Fermentation genutzt. Der Fokus liegt auf der industriellen Farbstoffproduktion.

CN-107118972-B Biological Erteilt

Endophytischer Pilz der Kanadischen Goldrute zur Pektinproduktion

(2017)

Relevanz: 5/10

Zusammenfassung

Der Stamm Epicoccum nigrum L1, isoliert aus der Kanadischen Goldrute, wird zur Produktion von Pektin mittels Fluessigfermentation genutzt. Das Patent stellt eine neue mikrobielle Methode zur Gewinnung dieses Polysaccharids vor. Der Fokus liegt auf der biotechnologischen Produktion.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/2617206
  2. https://italianmicrofungi.org/pleosporales/didymellaceae/epicoccum/epicoccum-nigrum.html
  3. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0014828
  4. https://researchers.mq.edu.au/en/publications/epicocconone-a-novel-fluorescent-compound-from-the-fungus-epicocc
  5. https://journals.lww.com/ijaa/fulltext/2023/37010/fungal_sensitization_and_its_impact_on_asthma.4.aspx
  6. Literaturzusammenfassung: Epicoccum nigrum (Basierend auf taxonomischen und mykologischen Primärdaten)