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Lexikon-Eintrag

Braunbrust- oder Westigel Erinaceus europaeus

Braunbrust- oder Westigel
Mittleres Risiko Kann beißen Krankheitsüberträger Physische Gefahr

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Chordatiere (Chordata)
Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Erinaceomorpha (Erinaceomorpha)
Familie Erinaceidae
Gattung Erinaceus
Art Erinaceus europaeus
Wissenschaftlicher Name Erinaceus europaeus Linnaeus, 1758
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Braunbrust-** oder **Westigel** (*Erinaceus europaeus*) ist ein nachtaktives Säugetier aus der Familie der Igel (Erinaceidae), das in Europa von offenen Landschaften bis hin zu Parkanlagen verbreitet ist. Bekannt für sein Stachelkleid aus bis zu 7000 Keratinstacheln, gilt der opportunistische Insektenfresser als Nützling, der unter anderem Schnecken und Würmer vertilgt.[1][2] Die Art ist gesetzlich geschützt, wird jedoch aufgrund von Bestandsrückgängen auf der Roten Liste mittlerweile als potenziell gefährdet geführt.[1][3]

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Zuletzt am 25.06.2026
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Name & Einordnung

Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) wurde im Jahr 1758 von Carl von Linné in der 10. Auflage seiner *Systema Naturae* wissenschaftlich erstbeschrieben. Als Grundlage für diese Beschreibung dienten Exemplare aus Schweden. Der wissenschaftliche Gattungsname *Erinaceus* entstammt dem Lateinischen (von *ericius*) und referenziert das stachelige Erscheinungsbild, während das Epitheton *europaeus* das primäre Verbreitungsgebiet kennzeichnet.[2] Im deutschsprachigen Raum wird die Art spezifisch als Braunbrustigel oder Westigel bezeichnet, was sie namentlich von verwandten Arten abgrenzt.[1] Systematisch wird die Spezies der Familie der Igel (Erinaceidae) und der Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla) zugeordnet, womit sie in einer Verwandtschaftsgruppe mit Spitzmäusen und Maulwürfen steht. Innerhalb der Gattung *Erinaceus* grenzt sich *Erinaceus europaeus* taxonomisch vom Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*) ab, wobei Hybridisierungszonen bekannt sind.[2] In der wissenschaftlichen Literatur werden bis zu neun Unterarten (beispielsweise *E. e. europaeus* in Mitteleuropa und *E. e. occidentalis* im Westen) diskutiert, deren Validität aufgrund klinaler Variationen jedoch teilweise debattiert wird.[2] Der englische Trivialname „hedgehog“ (Mittelenglisch *heyghoge*, um 1450) leitet sich etymologisch vom bevorzugten Habitat in Hecken („hedge“) und der schweineartigen Schnauze („hog“) ab.[3] In der angewandten Schädlingskunde wird der Igel als geschützte Art und Nützling klassifiziert.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) ist ein kompaktes Säugetier mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 30 cm und einem kurzen, 1 bis 4 cm langen Schwanz.[2][1] Das Körpergewicht adulter Tiere liegt typischerweise zwischen 500 und 1500 g, kann jedoch vor dem Winterschlaf durch Fettreserven bis zu 2000 g erreichen.[2][3] Das auffälligste Merkmal ist das dorsale Stachelkleid, das aus 5000 bis 7000 spitzen, 20 bis 30 mm langen Keratinstacheln besteht. Diese Stacheln weisen eine Bänderung in Creme, Braun und Schwarz auf, wobei die Spitzen meist hell sind, was dem Tier ein gesprenkeltes Erscheinungsbild verleiht.[2] Im Gegensatz zur stacheligen Oberseite sind Gesicht, Kehle, Brust und Bauch mit einem groben, grau bis graubraunen Fell bedeckt.[1][3] Der Kopf zeichnet sich durch eine kurze, spitze Schnauze, kleine schwarze Augen und rundliche, etwa 27 bis 28 mm große Ohren aus. Die kurzen, kräftigen Gliedmaßen besitzen jeweils fünf Zehen mit nicht einziehbaren Krallen, die zum Graben geeignet sind.[2] Ein Sexualdimorphismus ist nur gering ausgeprägt, wobei Männchen durchschnittlich etwas größer und schwerer sind als Weibchen. Neugeborene wiegen zwischen 12 und 20 g, sind zunächst blind und gehörlos und besitzen weiche, weiße Erststacheln.[2][3] Diese härten innerhalb von 24 bis 36 Stunden aus, bevor später die pigmentierten Sekundärstacheln durchbrechen. Farblich treten selten leuzistische „blonde“ Individuen oder Albinos mit weißen Stacheln und roten Augen auf.[2] Zur Unterscheidung von ähnlichen Arten wie dem Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*) dient primär die bräunliche Färbung der Brust, die dem Braunbrustigel seinen deutschen Namen gibt.[2][1]

Beschreibung

Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) ist ein kleiner, nachtaktiver Insektenfresser aus der Ordnung Eulipotyphla, der durch seinen kompakten Körperbau und das charakteristische Stachelkleid definiert wird. Ein adultes Tier trägt auf der Dorsalseite und den Flanken etwa 5.000 bis 7.000 Stacheln, die aus Keratin bestehen und creme-, braun- sowie schwarzgebändert sind.[2][1] Im Gegensatz zu den Stacheln von Stachelschweinen sind diese Strukturen solide, besitzen keine Widerhaken und lösen sich bei Berührung nicht ab.[2] Die Bauchseite, das Gesicht, die Kehle und die Brust sind hingegen mit einem groben, grau- bis graubraunen Fell bedeckt. Ausgewachsene Exemplare erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 30 cm bei einer kurzen Schwanzlänge von 1 bis 4 cm. Das Körpergewicht variiert saisonal stark zwischen 500 und 1.500 g, wobei sich Tiere vor dem Winterschlaf signifikante Fettreserven anfressen können.[2][1] Eine zentrale anatomische Anpassung ist der *Musculus orbicularis panniculi*, ein Ringmuskel, der es dem Igel ermöglicht, sich bei Gefahr innerhalb von Sekunden zu einer festen Kugel zusammenzurollen. In diesem Zustand sind die ungeschützten Gliedmaßen und der weiche Unterbauch verborgen, während die Stacheln eine effektive Abwehrbarriere bilden.[2] Der Schädel verfügt über einen verlängerten Rüssel, der zusammen mit dem exzellenten Geruchssinn zum Aufspüren von Wirbellosen im Boden dient.[2][1] Das Gebiss ist primitiv und mit weit auseinanderstehenden Schneidezähnen funktionell an die insektenbasierte Ernährung angepasst. Die kurzen, kräftigen Gliedmaßen enden in fünf Zehen mit nicht einziehbaren Krallen, die das Graben erleichtern.[2] Hinsichtlich des Sexualdimorphismus sind Männchen durchschnittlich etwas schwerer und größer als Weibchen, was jedoch im Feld kaum zu unterscheiden ist. Jungtiere kommen blind und taub mit einem Gewicht von 12 bis 20 g zur Welt und besitzen zunächst weiche, weiße Stacheln.[2][1] Diese Erststacheln härten innerhalb von 36 Stunden aus und werden im Verlauf der Entwicklung durch pigmentierte Sekundärstacheln ergänzt.[2] Die Jungtiere verlassen das Nest erstmals nach etwa 25 Tagen und sind nach sechs Wochen selbstständig.[1] Farblich dominieren in der Population braune Töne, wobei selten leuzistische Individuen auftreten, die helle Stacheln bei dunklen Augen aufweisen.[2] Historisch wurde die Art 1758 von Carl Linnaeus in seiner *Systema Naturae* auf Basis schwedischer Exemplare wissenschaftlich erstbeschrieben.[2][3] Abgegrenzt wird die Art im südlichen und östlichen Verbreitungsgebiet vom Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*), der sich unter anderem durch eine hellere Brustfärbung unterscheidet.[2]

Verhalten

Die Fortbewegung von *Erinaceus europaeus* erfolgt quadrupedal in einem schlurfenden, zögerlichen Gang, wobei die Tiere häufig innehalten, um die Umgebung olfaktorisch zu prüfen. Während der nächtlichen Nahrungssuche legen sie durchschnittlich 0,5 bis 2 km zurück und erreichen dabei Geschwindigkeiten von 0,12 bis 0,25 km/h. Die Tiere sind fähig, niedrige Hindernisse bis zu 1,5 m Höhe zu überklettern und schwimmend Gewässer zu durchqueren.[3] Außerhalb der Paarungszeit lebt der Braunbrustigel als strikter Einzelgänger und ist überwiegend nachtaktiv.[1][2] Bei Gefahr kontrahiert der Igel spezialisierte Muskeln (Panniculus), um sich innerhalb von 1 bis 2 Sekunden zu einer festen Kugel zusammenzurollen und die weiche Unterseite zu schützen.[3] Diese Verteidigungsstrategie nutzt die 5000 bis 7000 Keratinstacheln als passiven Schutzschild gegen Fressfeinde.[3][2] Ein besonderes Verhalten ist das „Selbstbespeicheln“, bei dem nach dem Bekauen neuer Substanzen schaumiger Speichel auf das Stachelkleid übertragen wird.[3] In den Wintermonaten von Oktober bis April zieht sich die Art in ausgepolsterte Nester zurück, wobei die Körpertemperatur auf 5 °C sinkt. Während dieses Winterschlafs reduziert sich der Puls von 300 auf 20 bis 60 Schläge und die Atmung auf etwa einen Atemzug pro Minute.[1] Das Paarungsverhalten ist durch aggressives Konkurrenzverhalten der Männchen und ein charakteristisches, schnaufendes Umkreisen der Weibchen gekennzeichnet.[2]

Ökologie

Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) nimmt als opportunistischer Insektenfresser eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz ein, indem er Populationen von Wirbellosen wie Käfern, Regenwürmern und Nacktschnecken reguliert.[2][5] Analysen zeigen, dass Käfer in bis zu 94 % und Regenwürmer in 43 % der Nahrungsproben vorkommen können, ergänzt durch gelegentliche Aufnahme von Aas oder pflanzlichem Material.[5] Der bedeutendste natürliche Fressfeind ist der Europäische Dachs (*Meles meles*), dessen Präsenz die Igelpopulationen durch Prädation und Nahrungskonkurrenz lokal stark begrenzen kann. Gegenüber anderen Prädatoren wie Rotfüchsen (*Vulpes vulpes*) oder Uhus (*Bubo bubo*) bietet das Stachelkleid meist effektiven Schutz, sodass die Prädationsrate durch diese Arten geringer ausfällt.[6] Ökologisch ist der Westigel eng an strukturreiche Habitate gebunden, wobei er offene Landschaften, Parkanlagen und lichte Wälder gegenüber dichten Nadelwäldern oder ariden Zonen bevorzugt.[1][3] Für die Anlage von Nestern benötigt die Art spezifische Mikrohabitate mit dichter Bodenvegetation, Totholz oder Laubschichten, die Schutz vor Witterung und Feinden bieten. Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur drastisch auf bis zu 5 °C ab, was eine physiologische Anpassung an saisonale Nahrungsknappheit darstellt.[1] Die Art fungiert als Wirt für zahlreiche Parasiten, darunter der spezifische Igelfloh (*Archaeopsylla erinacei*) sowie Lungenwürmer (*Crenosoma striatum*), die die Mortalität in Populationen beeinflussen können.[3] Zudem ist *Erinaceus europaeus* ein Reservoir für zoonotische Erreger wie *Salmonella* oder zeckenübertragene Bakterien wie *Borrelia*.[7] In Regionen, in denen die Art eingeführt wurde, wie Neuseeland oder Inseln vor Schottland, wirkt sie als invasiver Prädator, der Bestände bodenbrütender Vögel durch Eierraub dezimiert.[5]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der *Erinaceus europaeus* wird in seinem nativen Verbreitungsgebiet primär als Nützling und geschützte Art klassifiziert, während er in eingeführten Regionen als invasiver Schädling auftreten kann. Als opportunistischer Insektenfresser vertilgt ein Individuum bis zu 85 Gramm Wirbellose pro Nacht, wodurch er Populationen von Nacktschnecken (*Arion* spp.) und landwirtschaftlichen Schädlingen natürlich reguliert. In Neuseeland und auf schottischen Inseln hingegen verursacht die Art signifikante ökologische Schäden durch Prädation an Eiern und Küken bodenbrütender Vögel sowie an endemischen Wirbellosen. Aus medizinischer Sicht ist der Igel als Reservoir für Zoonosen relevant, darunter *Salmonella Typhimurium*, Methicillin-resistente *Staphylococcus aureus* (MRSA) und der auf Menschen übertragbare Hautpilz *Trichophyton erinacei*. Zudem weisen Igel oft einen starken Befall mit Zecken (*Ixodes* spp.) auf, die Vektoren für Borreliose und FSME sein können. Aufgrund des Schutzstatus (IUCN: Near Threatened) sind Bekämpfungsmaßnahmen im nativen Raum verboten; stattdessen liegt der Fokus auf Schutzkonzepten wie der Schaffung von 13 × 13 cm großen Durchlässen in Zäunen zur Habitatvernetzung. Mechanische Gefahrenquellen wie Mähroboter oder Fadenmäher sollten zur Vermeidung schwerer Verletzungen nachts nicht betrieben werden. Ein Monitoring der Bestände erfolgt zerstörungsfrei mittels Spurentunneln oder Wildkameras, um Anwesenheit und Dichte zu erfassen. In Invasionsgebieten werden zur Bestandsregulierung Lebendfallen eingesetzt, gefolgt von Umsiedlung oder letaler Entnahme zum Schutz bedrohter Vogelarten.[3]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung des Braunbrustigels (*Erinaceus europaeus*) wird in seinem nativen Verbreitungsgebiet überwiegend positiv bewertet, da die Art als Nützling in der biologischen Schädlingsbekämpfung fungiert. Als opportunistischer Insektenfresser vertilgt ein Igel während seiner Aktivitätsphasen bis zu 85 Gramm Wirbellose pro Nacht, wobei Nacktschnecken (*Arion* spp.), Gehäuseschnecken und Käferlarven einen signifikanten Teil der Nahrung ausmachen. Durch diesen Fraßdruck auf potenzielle Agrar- und Gartenschädlinge erbringt die Art eine ökologische Dienstleistung, die den Einsatz kostenintensiver chemischer Pflanzenschutzmittel reduzieren kann. Historisch wurden Igel in ländlichen Regionen Europas vereinzelt als Nahrungsquelle oder für volksmedizinische Zwecke genutzt, eine kommerzielle Verwertung findet heute jedoch nicht mehr statt. Gegensätzliche wirtschaftliche Auswirkungen zeigen sich in Gebieten, in die der Igel durch den Menschen eingeschleppt wurde, wie etwa in Neuseeland oder auf den schottischen Hebriden-Inseln. Dort verursacht die Art als invasiver Prädator massive Schäden an Kolonien bodenbrütender Vögel, was kostenintensive staatliche Bekämpfungs- und Umsiedlungsprogramme notwendig macht. So wurden beispielsweise auf den Uist-Inseln erhebliche finanzielle Mittel, unter anderem fast 100.000 Pfund durch die schottische Regierung, für Fallenfang und Management bereitgestellt, um die Biodiversität zu schützen. Im nativen Habitat gelten negative Einflüsse, wie der gelegentliche Verzehr von nützlichen Regenwürmern, im Vergleich zum Nutzen als vernachlässigbar.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzungszeit von *Erinaceus europaeus* erstreckt sich von Juni bis Oktober, wobei die Hauptwurfzeit im August liegt.[1] Das Paarungsverhalten ist promisk und oft durch ein ausdauerndes Umkreisen des Weibchens durch das Männchen gekennzeichnet.[3] Nach einer Tragzeit von 30 bis 35 Tagen bringt das Weibchen in der Regel einmal jährlich einen Wurf von durchschnittlich vier bis fünf Jungtieren zur Welt. Die Neugeborenen wiegen 15 bis 20 g, sind zunächst blind und gehörlos und besitzen weiche weiße Stacheln, die innerhalb von 24 bis 36 Stunden aushärten.[1][3] Nach etwa 14 Tagen öffnen sich Augen und Ohren, ab dem 25. Tag verlassen die Jungtiere das Nest und sind nach sechs Wochen selbstständig. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von 6 bis 12 Monaten ein, meist im ersten Jahr nach der Überwinterung. Während in Gefangenschaft ein Alter von bis zu zehn Jahren möglich ist, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in der Wildnis bei zwei bis vier Jahren, wobei maximal sieben Jahre erreicht werden. Als opportunistischer Omnivore ernährt sich der Igel primär von Insekten wie Käfern und Raupen sowie von Regenwürmern und Schnecken. Physiologisch ist die Art an saisonale Kälte durch einen Winterschlaf von Oktober bis April angepasst, bei dem die Körpertemperatur auf 5 °C sinkt. Während dieser Torpor-Phase reduziert sich die Herzfrequenz von 300 auf 20 bis 60 Schläge pro Minute und die Atmung verlangsamt sich auf einen Atemzug pro Minute.[1][3] Zu den bedeutendsten natürlichen Fressfeinden zählt der Europäische Dachs (*Meles meles*), der in der Lage ist, den eingerollten Igel zu überwältigen. Hohe Mortalitätsraten, insbesondere bei Jungtieren im ersten Winter, werden zudem durch Parasitenbefall wie den Lungenwurm *Crenosoma striatum* oder Nahrungsmangel begünstigt.[3]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Braunbrustigels (*Erinaceus europaeus*) erstreckt sich über die gemäßigten Zonen Europas von den Britischen Inseln und Irland im Westen bis zum Ural und Kaukasus im Osten. Im Norden umfasst das Areal Skandinavien bis nach Finnland, während die südliche Verbreitungsgrenze durch Norditalien und den nördlichen Balkan verläuft. In weiten Teilen des Mittelmeerraums sowie südlich des Tejo auf der Iberischen Halbinsel fehlt die Art weitgehend und wird dort durch den Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*) ersetzt. Natürliche Vorkommen existieren zudem auf Inseln der Nord- und Ostsee, wohingegen die Art auf Island fehlt.[2] Durch anthropogene Einschleppung im 19. Jahrhundert etablierten sich invasive Populationen in Neuseeland. Auch auf den schottischen Äußeren Hebriden, wie South Uist, wurde der Igel in den 1970er Jahren angesiedelt.[2] Der typische Lebensraum umfasst offene Landschaften, Parkanlagen sowie lichte Wälder.[1] *Erinaceus europaeus* bevorzugt dabei feuchte Grasländer, Laubwälder und landwirtschaftliche Randstrukturen wie Hecken gegenüber dichten Forsten oder ariden Zonen. Die vertikale Verbreitung reicht im Allgemeinen von Küstenniederungen bis in Höhenlagen von etwa 1.000 Metern. Als Kulturfolger nutzt der Igel zudem menschlich überformte Landschaften wie vorstädtische Gärten, sofern Nahrungsressourcen verfügbar sind.[2] Als Ruhestätten dienen unter anderem selbst gegrabene Erdbaue, deren Eingänge durch Vegetation verborgen sind.[1]

Saisonalität & Aktivität

Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in geschützten Verstecken, wobei er außerhalb der Paarungszeit als Einzelgänger lebt.[1][2] Die aktive Phase im Jahresverlauf erstreckt sich vom Frühjahr bis zum Herbst, während die Tiere in den Monaten Oktober bis April überwintern.[1][3] Auslöser für den Winterschlaf sind sinkende Umgebungstemperaturen sowie das schwindende Nahrungsangebot.[3] Während dieser Ruhephase sinkt die Körpertemperatur auf bis zu 5 °C ab und die Herzfrequenz reduziert sich drastisch von etwa 300 auf 20 bis 60 Schläge pro Minute.[1] Der Winterschlaf dauert etwa vier bis sechs Monate, wird jedoch periodisch durch kurze Aufwachphasen unterbrochen, die unter anderem dem Wechsel des Nestes dienen können.[3] Die Paarungszeit beginnt im April (IV) und dauert bis in den September (IX) an. Die eigentliche Fortpflanzungszeit liegt zwischen Juni und Oktober, wobei die Hauptwurfzeit auf den August fällt. In der Regel bringt das Weibchen einen Wurf pro Jahr hervor, in wärmeren Gebieten sind jedoch auch zwei Würfe möglich.[1] Die Jungtiere verlassen ab dem 25. Lebenstag das Nest und sind nach etwa sechs Wochen selbstständig.[1] Ergänzend zeigen Daten zum öffentlichen Suchinteresse saisonale Spitzenwerte im März und Juni, was zeitlich mit dem Erwachen aus dem Winterschlaf und der Fortpflanzungsaktivität zusammenfällt.[4]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Niedersachsen, Deutschland

    17.01.2026

  • Dreis, Rhineland-Palatinate, Deutschland

    02.01.2026

  • Baden-Württemberg, Deutschland

    27.12.2025

  • Baden-Württemberg, Deutschland

    27.12.2025

  • Steinfurt, DE-NW, Deutschland

    26.12.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_08_01_04_01/print
  2. https://animaldiversity.org/accounts/Erinaceus_europaeus/
  3. https://www.hedgehogstreet.org/near-threatened/
  4. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  5. https://newzealandecology.org/nzje/3374_/pdf
  6. https://zslpublications.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-7998.2006.00078.x
  7. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-023-06081-9