Der Siebenschläfer (*Glis glis*) ist die einzige rezente Art der Gattung *Glis* innerhalb der Familie der Bilche (Gliridae). Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem Basionym *Sciurus glis*, da er das Tier ursprünglich aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten den Hörnchen zuordnete.[2][1] Spätere systematische Revisionen etablierten die eigenständige, monotypische Gattung *Glis*, um die Art von anderen Bilchen abzugrenzen. Der wissenschaftliche Name ist ein Tautonym, bei dem Gattungs- und Artname identisch sind und sich vom lateinischen Begriff *glis* (Plural *glīrēs*) ableiten, der bereits in der römischen Antike für diesen Nager verwendet wurde. Historisch wurde die Art in der Literatur auch unter dem heute veralteten Synonym *Myoxus* geführt. Der deutsche Trivialname „Siebenschläfer“ nimmt, ähnlich wie die englische Bezeichnung „dormouse“ (vom Altfranzösischen *dormeuse*), Bezug auf den ausgedehnten Winterschlaf, der sieben Monate oder länger andauern kann. Internationale Bezeichnungen wie das englische „edible dormouse“ verweisen zudem auf die historische Nutzung als Speisetier in der römischen Küche. Phylogenetisch nimmt *Glis glis* eine basale Position innerhalb der Unterfamilie Glirinae ein.[2]
Der Siebenschläfer (*Glis glis*) ist der größte Vertreter der Bilche und zeichnet sich durch einen kompakten, eichhörnchenartigen Körperbau mit buschigem Schwanz aus. Adulte Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 14 bis 19 cm, wobei der Schwanz weitere 11 bis 15 cm misst und damit etwa zwei Drittel der Körperlänge einnimmt. Das Körpergewicht variiert saisonal stark und liegt zwischen 70 und über 300 g, da die Tiere vor dem Winterschlaf ihre Masse durch Fettreserven oft verdoppeln. Das dichte, weiche Fell ist oberseits überwiegend aschgrau bis bräunlich gefärbt und weist mitunter einen silbrigen Glanz auf. Im Kontrast dazu ist die Unterseite weiß bis gelblich-weiß gefärbt, was eine klare Abgrenzung zur dorsalen Färbung bildet. Ein charakteristisches Merkmal sind die großen, schwarz umrandeten Augen, die von einer dunklen Maske eingefasst sind. Die Ohren sind rundlich und ragen deutlich aus dem Pelz hervor.[3][2] Der Schwanz ist dicht behaart und zweifarbig, wobei er auf der Oberseite dunkler erscheint als auf der Unterseite. Die Tiere besitzen kurze Beine mit großen Füßen, die an die kletternde Lebensweise angepasst sind. Der robuste Schädel verfügt über einen breiten Jochbogen und ein Gebiss mit 20 Zähnen gemäß der Zahnformel I 1/1, C 0/0, P 1/1, M 3/3. Von Eichhörnchen (*Sciurus*) unterscheidet sich *Glis glis* morphologisch unter anderem durch das Fehlen von Backentaschen. Gegenüber anderen Schläferarten grenzt er sich primär durch seine deutlich größere Körperdimension ab. Neugeborene sind zunächst nackt und wiegen etwa 4,8 g, bevor sie ein graues Haarkleid entwickeln.[2] Die Jungtiere sind bei der Geburt blind und öffnen ihre Augen erst nach 21 bis 23 Tagen.[3][2] Das vollständige Fell ist bei den Juvenilen etwa ab dem 30. Lebenstag ausgebildet.[2]
Der Siebenschläfer (*Glis glis*) ist der größte rezente Vertreter der Bilche (Gliridae) und zeichnet sich durch einen robusten, eichhörnchenartigen Habitus aus, der perfekt an eine kletternde Lebensweise in Laubwäldern angepasst ist.[3][2] Im Gegensatz zu echten Hörnchen fehlen ihm jedoch die Backentaschen, und er zeigt eine strikt nachtaktive Lebensweise, wobei er den Tag in Baumhöhlen oder Nestern verbringt.[2] Das dichte, weiche Fell, typischerweise aschgrau mit einem silbrigen Schimmer und einer klaren Abgrenzung zur weißen Unterseite, bietet effektive Isolation, während der buschige Schwanz als wichtiges Balancierorgan beim Klettern im Geäst dient. Ein charakteristisches Merkmal ist die dunkle, maskenartige Umrandung der großen, rein schwarzen Augen, die in Kombination mit einer hohen Dichte an Stäbchen-Photorezeptoren ein hervorragendes Nachtsehen (skotopisches Sehen) gewährleistet.[3][2] Der kräftige Schädel und spezialisierte Strukturen des Innenohrs ermöglichen zudem die Wahrnehmung hochfrequenter Töne, was die Orientierung und Feindvermeidung im dichten Laubwerk erleichtert.[2] Eine physiologische Besonderheit ist der extreme Winterschlaf, der bis zu acht Monate andauern kann, wobei der Stoffwechsel auf 1–2 % des Grundumsatzes absinkt, um nahrungsarme Perioden zu überbrücken.[3][2] Diese obligatorische Ruhephase ist so prägend, dass sich der Trivialname direkt auf das lange Schlafen bezieht, wobei die Tiere ihre Körpermasse vor dem Winterschlaf durch intensive Mastaufnahme oft verdoppeln.[2] Die Entwicklung der Jungtiere verläuft über deutliche Stadien: Zunächst als nackte „pink pups“ (ca. 4,8 g) geboren, entwickeln sie sich zu „grey pups“ und öffnen nach 21 bis 23 Tagen die Augen.[3][2] Als Nesthocker sind sie in den ersten Wochen vollständig auf die Mutter angewiesen, bevor sie mit einem Gewicht von etwa 41 bis 70 g entwöhnt werden. Historisch wurde die Art aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten von Linnaeus zunächst den Eichhörnchen (*Sciurus*) zugeordnet, stellt jedoch heute die einzige rezente Art der Gattung *Glis* dar. Der Beiname „edible“ (essbar) sowie der wissenschaftliche Name gehen auf die römische Antike zurück, in der die Tiere in speziellen Terrakottabehältern, sogenannten *Gliraria*, als Delikatesse gemästet wurden.[2]
Der Siebenschläfer (*Glis glis*) ist ein ausgezeichneter Kletterer, der an eine arboreale Lebensweise in Laubmischwäldern angepasst ist und sich vorwiegend im Kronendach bewegt.[3][2] Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei sie den Tag schlafend in Verstecken verbringen und Aktivitätsspitzen oft um Mitternacht zeigen.[3][1] Grundsätzlich verhält sich die Art solitär; erwachsene Individuen gehen der Nahrungssuche und dem Ruhen meist alleine nach, wobei etwa 87 % der Tiere in Nistkästen einzeln angetroffen werden. Gelegentlich kommt es zu gemeinschaftlichem Nisten, bei dem sich meist eng verwandte Weibchen einen Schlafplatz teilen, um durch gegenseitiges Wärmen Energie zu sparen. Zur Aufrechterhaltung individueller Distanzen setzen die Tiere defensives Verhalten ein, das durch Duftmarkierungen und Vokalisierungen unterstützt wird. Männchen verhalten sich während der Paarungszeit territorial, während Weibchen ihren Nachwuchs nach der Entwöhnung aus dem Nest vertreiben können. *Glis glis* verfügt über ein ausgeprägtes Hör- und Riechvermögen und nutzt hochfrequente Laute zur Orientierung im dichten Geäst.[1] Eine zentrale Verhaltensanpassung ist der extrem lange Winterschlaf, der oft sieben bis acht Monate andauert und neben der Energieeinsparung auch der Vermeidung von Fressfeinden dient. Die Nester werden aus Gras, Moos und Laub in dichtem Zweigwerk, Baumhöhlen oder Nistkästen angelegt. Die Art gilt zudem als standorttreu und nutzt bekannte Reviere über längere Zeiträume.[3]
Der Siebenschläfer bevorzugt reife Laub- und Mischwälder mit einer Dominanz von Rotbuche (*Fagus sylvatica*) und Eiche (*Quercus* spp.), wobei eine dichte Kronenvernetzung für die arboreale Fortbewegung essenziell ist. Als vorwiegend herbivorer Samenräuber verzehrt er große Mengen energiereicher Mastfrüchte, was die Verjüngungsdynamik der Wälder durch den Verbrauch von Samen beeinflussen kann.[3][4] Das Nahrungsspektrum wird opportunistisch durch Insekten, Schnecken sowie Eier und Nestlinge von Vögeln wie dem Feldsperling (*Passer montanus*) ergänzt.[3] Zu den natürlichen Fressfeinden zählen nachtaktive Greifvögel wie Waldkauz (*Strix aluco*) und Schleiereule (*Tyto alba*) sowie Säugetiere wie der Rotfuchs (*Vulpes vulpes*) und gelegentlich die Kreuzotter (*Vipera berus*).[1][2] Um dem Prädationsdruck zu entgehen, nutzt *Glis glis* Baumhöhlen und dichte Vegetation als Ruheplätze und reduziert seine Aktivität bei hoher Prädatorendichte.[3] In Bezug auf Nistplätze tritt die Art als starker interspezifischer Konkurrent auf und verdrängt häufig kleinere Arten wie die Haselmaus (*Muscardinus avellanarius*) oder Höhlenbrüter wie Schnäpper aus Baumhöhlen und Nistkästen.[3][1] Ökologisch fungiert der Siebenschläfer zudem als Wirt für zahlreiche Parasiten und kann Krankheitserreger wie *Borrelia*-Spirochäten übertragen.[3] Die Reproduktionszyklen sind eng an die Mastjahre der Wirtsbäume gekoppelt, sodass Populationen in samenarmen Jahren oft komplett auf die Fortpflanzung verzichten, um Energiereserven zu schonen.[4][3] Die Überwinterung erfolgt in frostfreien Refugien wie unterirdischen Erdbauen oder tiefen Baumhöhlen, wobei der Winterschlaf bis zu acht Monate andauern kann.[3][1]
Der Siebenschläfer (*Glis glis*) gilt in seinem nativen Verbreitungsgebiet als geschützte Art, tritt jedoch lokal als Lästling und in eingeführten Gebieten als invasiver Schädling auf.[3][1] Wirtschaftliche Schäden entstehen vor allem im Forst durch das plätzeweise Abnagen der Rinde an Stangenhölzern und in Wipfelregionen sowie im Obst- und Weinbau durch erhebliche Verluste an Früchten.[3] In Gebäuden nisten sich die Tiere bevorzugt in Dachböden ein, wo sie durch das Annagen von Elektrokabeln Brandgefahren verursachen und Dämmmaterialien zerstören. Hygienische Probleme resultieren aus der Kontamination von Wassertanks und Wohnbereichen durch Kot und Urin.[1] Medizinisch ist *Glis glis* als Wirt für Parasiten und Vektor für Krankheitserreger wie Hantaviren und *Borrelia*-Spirochäten relevant.[3] Ein Befall lässt sich durch nächtliche Lärmbelästigung und spezifische Kotspuren identifizieren.[1] Zur Prävention werden bauliche Maßnahmen empfohlen, darunter mechanische Kletterschutzvorrichtungen an Fallrohren, die den Zugang zum Dach verhindern. Auch elektrische Barrieren an Fassaden können als Abwehr gegen kletterfähige Kleinsäuger eingesetzt werden.[2] Das Management erfordert aufgrund des Schutzstatus oft behördliche Genehmigungen; in Großbritannien erfolgt die Bestandsregulierung teils durch Lebendfang mit anschließender humaner Tötung oder Umsiedlung. In der Forstwirtschaft kommen Nistkästen zum Monitoring und zur Reduktion der Populationsdichte zum Einsatz.[1]
Der Siebenschläfer (*Glis glis*) verursacht als Kulturfolger und Forstschädling signifikante ökonomische Schäden in seinem Verbreitungsgebiet.[3][2] In der Forstwirtschaft entstehen Verluste primär durch das plätzeweise Abnagen der Rinde an Stangenhölzern und in den Wipfelregionen, was die Holzqualität mindert. Spezifische Daten aus Italien belegen einen Verlust von 1.550 Tonnen Pinienkernen zwischen 1969 und 1975 durch den Fraß an Zapfen, was einem damaligen Wert von 110 Millionen Lira entsprach. In britischen Weichholzplantagen werden Kosten durch Rindenschäden auf bis zu 2.000 Pfund pro Hektar beziffert.[2] Im Obst- und Weinbau führt die Art durch den Verzehr von Früchten und Samen zu erheblichen Ernteeinbußen.[3] Zudem dringt *Glis glis* in Gebäude ein, wo er Isolierungen zerstört, Wassertanks verunreinigt und durch das Annagen von Elektrokabeln Brandgefahren verursacht. Zur Vermeidung dieser Gebäudeschäden existieren patentierte Abwehrsysteme wie mechanische Klettersperren für Fallrohre oder elektrische Barrieren an Fassaden. Die Bekämpfung ist aufwendig; so wurden im Vereinigten Königreich zwischen 2002 und 2007 über 3.000 Tiere im häuslichen Umfeld getötet.[2] Historisch besaß der Siebenschläfer hingegen eine positive wirtschaftliche Bedeutung als Delikatesse im Römischen Reich, wo er in speziellen *gliraria* gemästet wurde.[1] Heute ist die kommerzielle Nutzung weitgehend verschwunden, da die Art in vielen Regionen unter strengem Artenschutz steht.[3]