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Lexikon-Eintrag

Hopfen Humulus lupulus

Hopfen

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Rosales (Rosales)
Familie Cannabaceae
Gattung Humulus
Art Humulus lupulus
Wissenschaftlicher Name Humulus lupulus L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Hopfen** (*Humulus lupulus*) ist eine zweihäusige, ausdauernde Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), die in den gemäßigten Regionen Eurasiens und Nordamerikas verbreitet ist. Die Art wird vorwiegend für ihre weiblichen Blütenzapfen angebaut, deren Lupulindrüsen Harze und ätherische Öle enthalten, die in der Brauindustrie zur Aromatisierung und Konservierung von Bier essenziell sind.[1] Taxonomisch wurde die Spezies 1753 von Carl von Linné erstbeschrieben und grenzt sich molekularbiologisch von verwandten ostasiatischen Arten wie dem Japanischen Hopfen (*Humulus japonicus*) ab.[2][3]

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Fakten (kompakt)

- Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Wuchshöhe, wobei weibliche Pflanzen im zweiten Wachstumsjahr mit bis zu 4,8 Metern oft höher werden als männliche Exemplare mit etwa 4,2 Metern.[11] - Morphologisch differenzieren sich die Unterarten deutlich: Der europäische *H. lupulus* subsp. *lupulus* besitzt flachere Blattlappen und ist weniger behaart, während nordamerikanische Wildformen (z. B. subsp. *lupuloides*) tiefere Lappen und teils gestreifte Blätter aufweisen. - Die Blattstiele können eine Länge von bis zu 7 cm erreichen, wobei die Blattunterseiten (abaxial) dicht behaart sind und mehr als 20 Haare pro Zentimeter auf der Mittelrippe aufweisen. - In der traditionellen Medizin wird der Pflanze aufgrund von Verbindungen wie Xanthohumol eine beruhigende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. - Neben der landwirtschaftlichen Nutzung dient der Hopfen im Gartenbau als Zierpflanze zur Begrünung von Lauben und zieht Bestäuber wie Schmetterlinge an. - Im kommerziellen Anbau werden Sorten bevorzugt, die samenlose Zapfen produzieren, um sowohl den Ertrag als auch die Qualität des Endprodukts zu maximieren. - Die Ernte der für die Brauindustrie relevanten weiblichen Blütenstände findet im Spätsommer bis zum frühen Herbst statt. - Die männlichen Blütenstände sind gelb-grün gefärbt und bilden lockere Rispen, die sich optisch stark von den zapfenartigen weiblichen Strobili unterscheiden.[11]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Humulus lupulus* wurde erstmals im Jahr 1753 von Carl von Linné in seinem fundamentalen Werk *Species Plantarum* veröffentlicht.[1][2] Der Gattungsname *Humulus* ist eine latinisierte Form, die vermutlich auf das niederdeutsche Wort „hoppe“ oder das slawische „chmele“ zurückgeht, wobei alternative Deutungen auch eine Verbindung zum lateinischen *humus* (Erde) ziehen, was den Nährstoffbedarf der Pflanze reflektiert. Das Art-Epitheton *lupulus* ist die Verkleinerungsform des lateinischen *lupus* (Wolf). Dieser historische Bezug, der bereits vom römischen Naturforscher Plinius dem Älteren notiert wurde, vergleicht das aggressive, umschlingende Wuchsverhalten der Pflanze mit einem Wolf, der ein Schaf oder Weidengehölz attackiert. Der deutsche Trivialname „Hopfen“ sowie das englische „hop“ leiten sich vom altenglischen oder angelsächsischen *hoppan* (klettern) ab.[1] Taxonomisch gehört die Art zur Familie der Cannabaceae (Hanfgewächse) und bildet phylogenetisch eine Schwestergruppe zur Gattung *Cannabis*, von der sie sich vor etwa 27,8 Millionen Jahren trennte.[3] Historisch wurde die Gattung aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten oft den Urticaceae (Brennnesselgewächse) oder Moraceae (Maulbeergewächse) zugeordnet, bevor molekulare Analysen die heutige Einordnung in die Ordnung Rosales bestätigten. Ein relevantes Synonym ist *Lupulus humulus* Mill., wobei das linnéische Binomen der international akzeptierte Standard bleibt.[1] Innerhalb der Art werden verschiedene Unterarten unterschieden, darunter die europäische Nominatform *H. lupulus* subsp. *lupulus* und die nordamerikanische *H. lupulus* subsp. *americanus* (ehemals var. *lupuloides*).[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

*Humulus lupulus* ist eine ausdauernde, krautige Kletterpflanze, deren rechtswindende Triebe (Reben) in einer Saison Höhen von 6 bis 10 Metern erreichen können. Im Gegensatz zu vielen anderen Kletterpflanzen bildet sie keine Ranken, sondern nutzt hakenförmige Trichome an den rauen, grünen Stängeln, um sich im Uhrzeigersinn an Stützen emporzuwinden. Die Stängel (Reben) sind robust, grün gefärbt und weisen an den Knoten eine Behaarung auf, wobei sie Längen von 100 bis 700 cm erreichen. Die gegenständig oder wechselständig angeordneten Blätter sind einfach und handförmig gelappt, wobei meist drei bis fünf, seltener sieben tiefe Lappen ein ahornartiges Erscheinungsbild erzeugen. Die Blattspreite ist an der Basis herzförmig, misst 3 bis 15 cm in Länge sowie Breite und weist gesägte Ränder auf. Charakteristisch sind die Drüsenpunkte auf der grünen Blattoberfläche sowie die bis zu 7 cm langen Blattstiele.[1] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich deutlich in der Wuchshöhe und Dichte: Weibliche Pflanzen werden mit bis zu 4,8 Metern oft höher als männliche Exemplare (ca. 4,2 Meter) und bilden längere Seitentriebe aus. Die Art ist diözisch getrenntgeschlechtlich, wobei männliche Blütenstände lockere Rispen bilden, während sich die weiblichen Blüten zu zapfenartigen, papierartigen Strobili (Hopfendolden) von 1 bis 10 cm Länge entwickeln. Diese Dolden enthalten die für die Nutzung essenziellen Lupulindrüsen, die als klebriges, gelbes Sekret sichtbar werden und reich an Harzen sind. Als Früchte entstehen kleine, eiförmige Achänen, die innerhalb der Dolden eingeschlossen sind.[1] Morphologische Variationen zeigen sich je nach Unterart: Während die europäische Nominatform (*H. lupulus* ssp. *lupulus*) flachere Lappen und eine geringere Behaarung aufweist, besitzen nordamerikanische Wildformen oft tiefer gelappte Blätter und eine dichtere Pubeszenz.[1][2] Das Wurzelsystem besteht aus einem ausdauernden Rhizom, das horizontal im Boden wächst und Adventivwurzeln sowie neue Triebe bildet.[1] Zur Unterscheidung von verwandten Arten wie dem Japanischen Hopfen (*Humulus japonicus*) dienen neben genetischen Merkmalen vor allem die spezifische Blattmorphologie und die Dichte der Behaarung.[2][6]

Beschreibung

*Humulus lupulus* ist eine ausdauernde, diözische Kletterpflanze aus der Familie der Cannabaceae, die sich durch ihr enormes saisonales Wachstum und ihre chemische Spezialisierung auszeichnet. Im Gegensatz zu verholzenden Lianen bildet die Art einjährige, krautige Triebe (Reben), die im Frühjahr aus einem überdauernden Rhizomsystem austreiben und im Herbst oberirdisch vollständig absterben. Ein charakteristisches Merkmal ist der Klettermechanismus: Die Reben winden sich im Uhrzeigersinn und verankern sich mittels steifer, hakenförmiger Trichome am Stängel, statt Ranken oder Haftwurzeln zu nutzen.[1] Diese anatomische Anpassung ermöglicht ein rasantes Höhenwachstum von bis zu 30 Zentimetern pro Tag, wodurch die Pflanze in einer Saison Höhen von 6 bis 10 Metern erreichen kann.[4] In natürlichen Lebensräumen, bevorzugt in Auwäldern und an Flussufern der gemäßigten Nordhalbkugel, bildet der Hopfen oft dichte Vegetationsvorhänge, die andere Sträucher überwuchern können. Das Wurzelsystem besteht aus einem horizontal kriechenden Rhizom, das über viele Jahre produktiv bleibt und vegetative Ausläufer bildet, um das Überleben während der Winterruhe zu sichern.[1] Der Sexualdimorphismus ist bei dieser Art stark ausgeprägt; weibliche Pflanzen sind tendenziell wüchsiger und bilden die zapfenartigen Fruchtstände (Strobili), während männliche Pflanzen lockere Rispenblüten entwickeln.[3] Eine mikroskopische Besonderheit sind die Lupulindrüsen im Inneren der weiblichen Zapfen, die als klebriges gelbes Pulver erscheinen und die für die Art spezifischen Bittersäuren und ätherischen Öle enthalten.[6] Diese sekundären Pflanzenstoffe dienen in der Natur vermutlich der Abwehr von Herbivoren und Mikroorganismen.[4] Der Lebenszyklus wird stark durch die Photoperiode gesteuert; das Längenwachstum erfolgt an langen Sommertagen (14–16 Stunden Licht), während die Blüteninduktion erst bei einer Tageslänge von unter 15 Stunden einsetzt.[7] Phylogenetisch bildet die Gattung *Humulus* die Schwestergruppe zu *Cannabis*, von der sie sich vor etwa 27,8 Millionen Jahren trennte, wobei beide Gattungen ein konserviertes Geschlechtschromosomensystem teilen.[1] Im Vergleich zur ostasiatischen Schwesterart *Humulus japonicus* (Japanischer Hopfen) unterscheidet sich *H. lupulus* durch seinen ausdauernden Lebenszyklus und spezifische genetische Marker.[6] Historisch wurde das aggressive Wachstumsverhalten bereits von Plinius dem Älteren beschrieben, der die Art mit einem Wolf (*lupulus*) verglich, der Weidenbüsche wie Schafe umschlingt und erstickt. Die Erstbeschreibung durch Carl von Linné im Jahr 1753 etablierte den Namen, wobei der Gattungsname *Humulus* wahrscheinlich auf die Vorliebe der Pflanze für nährstoffreiche Humusböden anspielt. Während Wildbestände eine hohe genetische Diversität aufweisen, werden Kulturformen gezielt auf hohe Alpha-Säure-Werte oder Aromaprofile selektiert und vegetativ vermehrt.[1]

Verhalten

Das Verhalten von *Humulus lupulus* ist durch ein ausgeprägtes Kletterwachstum geprägt, bei dem sich die Reben im Uhrzeigersinn um Stützen winden. Anstelle von Ranken nutzt die Pflanze hakenförmige Trichome (Klimmhaare), um sich an Trägerstrukturen oder anderen Pflanzen zu verankern. Unter optimalen Bedingungen zeigt der Hopfen eine extrem hohe Wachstumsgeschwindigkeit und kann vertikal über 30 cm pro Tag zurücklegen.[1] Die pflanzliche Orientierung wird stark durch Photoperiodismus gesteuert: Während langer Sommertage (14–16 Stunden Licht) dominiert das Längenwachstum, wohingegen verkürzte Tage (unter 15 Stunden) die Blütenbildung induzieren.[4] In der Interaktion mit anderen Arten verhält sich *Humulus lupulus* als aggressiver Konkurrent, der Trägerpflanzen wie Weiden überwuchert und durch sein Schlingverhalten stark einschränken kann. Historische Beobachtungen verglichen dieses Verhalten mit einem Wolf, der ein Schaf reißt, da die kräftigen Reben ihre natürlichen Stützen regelrecht einschnüren können.[3] Zur chemischen Abwehr und Kommunikation produziert die Pflanze in den Lupulindrüsen Harze und Bitterstoffe, die antimikrobielle Eigenschaften besitzen und spezifisch das Wachstum grampositiver Bakterien hemmen.[1][4] Als Anpassung an saisonale Zyklen zieht sich der Organismus im Herbst in das unterirdische Rhizom zurück (Dormanz), um im Frühjahr nach einer Kälteperiode erneut auszutreiben. Zudem interagiert die Art ökologisch mit der Fauna, indem sie Bestäuber wie Schmetterlinge anzieht und als Wirtspflanze fungiert.[1]

Ökologie

Humulus lupulus besiedelt bevorzugt feuchte, nährstoffreiche und gut durchlässige Böden in Auwäldern, an Flussufern sowie auf gestörten Flächen. Als Kletterpflanze nutzt sie Hakenhaare, um im Uhrzeigersinn an Stützpflanzen wie Weiden (*Salix* spp.), Eschen (*Fraxinus* spp.), Pappeln (*Populus* spp.) oder Eichen (*Quercus macrocarpa*) emporzuwachsen.[1] Durch ihr starkes Wachstum kann die Art dichte Bestände bilden, die in natürlichen Habitaten teilweise die einheimische Vegetation verdrängen oder Stützgehölze überwuchern.[8][2] Die Pflanze ist an gemäßigte Klimazonen zwischen dem 35. und 55. Breitengrad angepasst und toleriert Boden-pH-Werte von 4,5 bis 8,2, wobei sie tiefgründige Lehmböden bevorzugt.[1] Zu den bedeutendsten natürlichen Feinden zählen pilzliche Pathogene wie der Falsche Mehltau (*Pseudoperonospora humuli*) und der Echte Mehltau (*Podosphaera macularis*), die besonders in feuchten Umgebungen gedeihen. Herbivore Insekten wie die Hopfenblattlaus (*Phorodon humuli*) schädigen die Pflanze durch Saftentzug und fungieren zudem als Vektoren für Viruserkrankungen. Weitere Schädlinge umfassen die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*), die Blattzellen punktiert, sowie Käferarten wie *Popillia japonica*, welche die Blätter skelettieren. Das Wurzelsystem kann durch Larven des Käfers *Prionus californicus* angegriffen werden, was zum Welken der Reben führt.[6] Ökologisch interagiert *Humulus lupulus* zudem mit Bestäubern wie Schmetterlingen, die von der Pflanze angezogen werden.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Obwohl *Humulus lupulus* primär eine ökonomisch bedeutende Nutzpflanze ist, kann sie in naturalisierten Beständen als invasives Unkraut auftreten und native Vegetation verdrängen.[8] Für den Menschen gilt die Pflanze als sicher, doch kann beruflicher Kontakt bei Erntearbeitern zu Dermatitis oder durch Hopfenstaub verursachten Atemwegsbeschwerden führen.[9][6] Eine gravierende Gefahr besteht für Hunde, bei denen der Verzehr von frischen oder getrockneten Dolden eine oft tödliche maligne Hyperthermie auslösen kann.[1] Im Anbau verursachen Pilzkrankheiten wie der Falsche Mehltau (*Pseudoperonospora humuli*) und Echter Mehltau (*Podosphaera macularis*) erhebliche Schäden durch Triebstauchungen und Blattläsionen.[6] Schädlingsbefall durch die Hopfenblattlaus (*Phorodon humuli*) oder die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) führt zu Blattschäden, Welke und Qualitätsverlusten der Dolden.[10][6] Vektoren wie Blattläuse übertragen zudem Viren, darunter das Hopfen-Mosaik-Virus, was Ertragseinbußen von bis zu 62 % verursachen kann. Integrierte Pflanzenschutzmaßnahmen (IPM) priorisieren den Einsatz resistenter Sorten sowie kulturtechnische Eingriffe zur Verbesserung der Luftzirkulation und Drainage.[4] Ein regelmäßiges Monitoring auf Befallsanzeichen ist essenziell, um bei Bedarf gezielt Fungizide oder Insektizide einzusetzen und wirtschaftliche Verluste zu minimieren.[6][1] Medizinisch relevant ist die antimikrobielle Wirkung der Inhaltsstoffe, die patentrechtlich sogar zur Bekämpfung von *Clostridium difficile* beschrieben wird.[4] Zudem finden Extrakte aufgrund ihrer sedierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften Anwendung in der Phytotherapie.[6]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Humulus lupulus* konzentriert sich primär auf die globale Brauindustrie, in die etwa 98 % der weltweiten Ernte fließen.[1] Der Anbau ist jedoch erheblichen ökonomischen Risiken durch Phytopathogene ausgesetzt, wobei der Falsche Mehltau (*Pseudoperonospora humuli*) als eine der zerstörerischsten Krankheiten gilt und ohne Gegenmaßnahmen zu Ernteverlusten von bis zu 100 % führen kann.[6] Virusinfektionen, wie der Hopfen-Mosaik-Virus-Komplex, verursachen je nach Sorte und Infektionsschwere Ertragseinbußen zwischen 15 % und 62 %.[1] Unter den tierischen Schädlingen verursacht die Hopfenblattlaus (*Phorodon humuli*) signifikante Schäden durch Saftentzug und Virenübertragung, während ihre Ausscheidungen Rußtau begünstigen, der die Qualität der Dolden mindert. Auch die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) führt durch Zellschäden an den Blättern zu Qualitätsverlusten und Vertrocknung, was besonders in heißen, trockenen Perioden wirtschaftlich relevant ist. Marktanpassungen und ökonomischer Druck führten 2024 zu einem Rückgang der weltweiten Anbaufläche um 7,7 % auf 55.715 Hektar, wobei die USA und Deutschland die dominierenden Produzenten bleiben. Die Produktion erfordert hohe Kapitalinvestitionen, wobei die Kosten für kommerzielle Erntemaschinen zwischen 14.000 und 200.000 US-Dollar liegen. Jenseits der Brauwirtschaft besitzt die Pflanze ökonomisches Potenzial im pharmazeutischen Sektor, etwa durch patentierte Anwendungen von Hopfenextrakten als Antibiotikum gegen *Clostridium difficile*.[4]

Biologie & Lebenszyklus

*Humulus lupulus* ist eine ausdauernde, krautige Kletterpflanze, die jährliche Triebe (Reben) aus einem überwinternden, unterirdischen Rhizom bildet. Die rechtswindenden Reben nutzen hakenförmige Trichome statt Ranken zum Klettern und können unter optimalen Bedingungen über 30 cm pro Tag wachsen, wobei sie Gesamthöhen von 6 bis 10 Metern erreichen. Der Lebenszyklus ist stark saisonal geprägt: Der Austrieb erfolgt im zeitigen Frühjahr nach einer obligatorischen Kälte-Dormanz (Vernalisation), die Temperaturen unter 4 °C erfordert. Das vegetative Wachstum wird durch lange Sommertage (14–16 Stunden Licht) gefördert, während die Blüteninduktion photoperiodisch durch verkürzte Tage (<15 Stunden) im Spätsommer ausgelöst wird. Die Art ist diözisch (zweihäusig), wobei männliche Pflanzen lose Rispen und weibliche Pflanzen zapfenartige Strobili (Dolden) mit harzreichen Lupulindrüsen ausbilden. Nach der Befruchtung entwickeln sich in den weiblichen Zapfen kleine, eiförmige Achänen als Früchte, wobei die Reifung etwa 30 bis 50 Tage nach der Blüte erfolgt. Während die oberirdischen Triebe im Herbst absterben, kann das unterirdische Wurzelsystem über 25 Jahre produktiv bleiben und regeneriert sich jeden Frühling neu. Für die Nährstoffaufnahme bevorzugt die Pflanze tiefgründige, gut drainierte sandige Lehmböden mit einem pH-Wert von 6,0 bis 7,0 und weist einen hohen Bedarf an Stickstoff auf. In natürlichen Habitaten wächst *Humulus lupulus* oft in Auwäldern und nutzt begleitende Gehölze wie Weiden (*Salix* spp.) oder Pappeln (*Populus* spp.) als natürliche Stützstrukturen. Zu den bedeutendsten tierischen Schädlingen zählen die Hopfenblattlaus (*Phorodon humuli*), die als Vektor für Viren fungiert, sowie die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*), die das Blattgewebe punktiert. Pilzliche Pathogene wie der Falsche Mehltau (*Pseudoperonospora humuli*) und der Echte Mehltau (*Podosphaera macularis*) stellen wesentliche Mortalitätsfaktoren dar, die durch feuchte Bedingungen und mangelnde Luftzirkulation begünstigt werden. Physiologisch zeichnen sich die Rhizome durch eine hohe Kältetoleranz bis -20 °C aus, während die Pflanze in der Wachstumsphase empfindlich auf Staunässe reagiert, die zu Wurzelfäule führen kann.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Humulus lupulus* erstreckt sich über die gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel und umfasst weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas.[2][4] Die Art gedeiht vorwiegend in Breitengraden zwischen etwa 35° und 55° Nord.[1] In Europa ist die Nominatform *H. lupulus* subsp. *lupulus* heimisch, deren Areal von Portugal und Marokko im Südwesten bis nach Sibirien, in den Iran und den Kaukasus im Osten reicht. Auch in Deutschland und dem gesamten DACH-Raum ist der Hopfen wild in Auenlandschaften und an Waldrändern anzutreffen.[2] In Nordamerika besiedeln indigene Unterarten wie *H. lupulus* subsp. *americanus* (Osten) und *H. lupulus* subsp. *neomexicanus* (Westen) Flussufer und Wälder.[4][1] Das asiatische Verbreitungsgebiet wird durch die Varietät *H. lupulus* var. *cordifolius* abgedeckt, die in Japan, China und dem russischen Fernen Osten vorkommt.[2] Als typischer Lebensraum gelten stickstoffreiche, feuchte und tiefgründige Böden, wobei die Pflanze oft in Auwäldern und Uferzonen zu finden ist.[1][5] *Humulus lupulus* bevorzugt gut durchlässige Lehmböden mit einem pH-Wert zwischen 4,5 und 8,2 und meidet trotz hohen Feuchtigkeitsbedarfs staunasse Standorte. Als Kletterpflanze nutzt der Hopfen in natürlichen Habitaten Bäume und Sträucher wie Weiden (*Salix* spp.), Eschen (*Fraxinus* spp.) oder Pappeln (*Populus* spp.) als Stütze. Die Art besiedelt sonnige bis halbschattige Standorte und tritt häufig in Hecken, an Waldrändern sowie auf gestörten Ruderalflächen auf.[1] In vielen Regionen außerhalb des ursprünglichen Areals wurde der Hopfen eingeschleppt und hat sich dort eingebürgert, wo er teilweise dichte Bestände bildet, die native Vegetation verdrängen können.[5] Für ein optimales Wachstum benötigt die Pflanze kühle Winter für die Dormanz sowie warme Sommer mit Durchschnittstemperaturen von 16–18 °C. Beobachtungsdaten bestätigen das Vorkommen in diversen Habitaten, von natürlichen Flussläufen bis hin zu anthropogen beeinflussten Standorten.[1]

Saisonalität & Aktivität

Humulus lupulus ist eine ausdauernde, rhizombildende Kletterpflanze, deren oberirdische Biomasse im Herbst abstirbt, während das Wurzelsystem im Boden überwintert und im zeitigen Frühjahr erneut austreibt.[4][1] Für eine erfolgreiche Dormanz und den vitalen Wiederaustrieb benötigt die Pflanze eine winterliche Kälteperiode mit Temperaturen unter 4 °C. In der vegetativen Phase im Frühsommer reagieren die Reben auf lange Tage (14 bis 16 Lichtstunden) mit einem rasanten Höhenwachstum, das unter optimalen Bedingungen bis zu 30 cm pro Tag betragen kann. Die Induktion der Blüte ist photoperiodisch gesteuert und setzt ein, sobald die Tageslänge unter 15 Stunden fällt. Folglich reifen die weiblichen Zapfen (Strobili) im Spätsommer, wobei die Erntezeit auf der Nordhalbkugel typischerweise zwischen Ende August und Anfang Oktober liegt. Die physiologische Aktivität ist stark temperaturabhängig; das Optimum für die Entwicklung liegt bei durchschnittlichen Sommertemperaturen von 16–18 °C, während Hitze über 40 °C Stresssymptome verursacht.[4] Die Art gilt als winterhart bis etwa -20 °C, benötigt jedoch für einen vollständigen Zyklus mindestens 120 frostfreie Tage.[4][1] Das öffentliche Interesse an der Pflanze korreliert stark mit dieser phänologischen Entwicklung und erreicht in den Erntemonaten August und September seinen jährlichen Höhepunkt.[4]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Koblenz, Rheinland-Pfalz, Deutschland

    16.01.2026

  • Deutschland

    27.12.2025

  • Am Latumer See, Meerbusch, North Rhine-Westphalia, Deutschland

    23.12.2025

  • Berlin, Kruppstraße, 10557 Berlin, Germany

    14.12.2025

  • Deutschland

    08.12.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-19846432-B4 Biological Erteilt

Verwendung von Hopfenextrakt als Antibiotikum

Steiner Inc. S S (1998)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt die medizinische Verwendung von Hopfenextrakt (*Humulus lupulus*) oder dessen isolierten Bestandteilen als Antibiotikum. Die Kerninnovation liegt in der spezifischen Hemmung des Wachstums des Bakteriums *Clostridium difficile*. Die Methode nutzt die natuerlichen bioaktiven Substanzen des Hopfens, um diesen pathogenen Keim effektiv zu bekaempfen. Dies ist besonders relevant, da es eine alternative, pflanzliche Behandlungsoption gegen bakterielle Infektionen aufzeigt und den Anwendungsbereich von Hopfen ueber die Brauwirtschaft hinaus erweitert.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.missouribotanicalgarden.org/PlantFinder/PlantFinderDetails.aspx?kempercode=f191
  2. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:303502-2
  3. https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2019.01438/full
  4. https://extension.psu.edu/hop-production
  5. http://floranorthamerica.org/Humulus_lupulus
  6. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jse.12920
  7. https://courses.washington.edu/esrm412/protocols/2012/HULU.pdf
  8. https://ssisc.ca/common-hops
  9. http://www.cir-safety.org/sites/default/files/HumLup062016SLR.pdf
  10. https://cropsandsoils.extension.wisc.edu/hops/
  11. Literaturzusammenfassung: Humulus lupulus