Fakten (kompakt)
- Die Kohleule (*Mamestra brassicae*) ist ein nachtaktiver Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). - Die Art ist in Eurasien und Nordafrika beheimatet.[1] - *M. brassicae* ist ein polyphager Schädling, dessen Larven sich von über 70 Pflanzenarten aus 22 Familien ernähren. - Besonders betroffen sind Kreuzblütler wie Kohl, was zu Entlaubung und Ernteverlusten führt. - Die Flügelspannweite der Falter beträgt 34–50 mm. - Die Vorderflügel sind graubraun bis schwarz und weisen eine weiß umrandete Nierenmarkierung auf. - Die Art bildet zwei bis drei Generationen pro Jahr.[1] - *M. brassicae* ist in Europa, Nordafrika, Russland und Asien verbreitet. - Die Larven können bis zu 40 mm lang werden. - Jüngere Larven sind hellgrün bis gelblich, während ältere Larven dunkler grün, braun oder fast schwarz sind. - Die Eier sind halbkugelförmig und haben einen Durchmesser von 0,5–0,6 mm. - Die Eier sind anfangs durchscheinend weiß oder gelblich-weiß und werden mit der Zeit purpurbraun. - Die [Raupen](/pages/lexikon/raupen) verursachen Schaden durch nächtlichen Fraß an den Blättern der Wirtspflanzen. - Die Puppen sind 15–20 mm lang und rötlich-braun gefärbt. - Die Überwinterung erfolgt als Puppe im Boden. - Die Falter sind nachtaktiv und [fliegen](/pages/lexikon/fliegen) in der Dämmerung. - Die Art ist regional wandernd, wobei saisonale Wanderungen stattfinden. - Die Begattung wird durch von den Weibchen freigesetzte Sexuallockstoffe initiiert. - Ein Weibchen kann etwa 1000 Eier legen. - Die Raupen bevorzugen *[Brassica](/pages/lexikon/pak-choi)*-Arten, können aber auch [Tomaten](/pages/lexikon/tomaten), Tabak, [Sonnenblumen](/pages/lexikon/sonnenblumen), Rüben und [Salat](/pages/lexikon/salat) befallen.[1]
Die Art wurde ursprünglich im Jahr 1758 von Carl von Linné in der 10. Auflage der *Systema Naturae* unter dem Namen *Phalaena brassicae* erstbeschrieben. Heute wird sie als *Mamestra brassicae* (Linnaeus, 1758) innerhalb der Familie der Eulenfalter (Noctuidae) geführt. Zu den relevanten Synonymen zählen die historische Kombination *Barathra brassicae* sowie die selteneren Bezeichnungen *Noctua albidilinea* (Haworth) und *Hypobarathra unicolor* (Marumo).[1] Im deutschsprachigen Raum ist der Falter vorwiegend als „Kohleule“ bekannt, während die Bezeichnung „Herzwurm“ oft spezifisch für die im Kohlherz fressende Larve verwendet wird.[2] Internationale Trivialnamen wie das englische „Cabbage moth“ oder „Cabbage armyworm“, das französische „La Brassicaire“ sowie das niederländische „Kooluil“ verweisen ebenfalls auf die primäre Wirtspflanze. Das Art-Epitheton *brassicae* leitet sich von der Gattung *[Brassica](/pages/lexikon/pak-choi)* (Kohl) ab, obwohl die Bezeichnung als reine „Kohl“-Art aufgrund der ausgeprägten Polyphagie als ungenau gilt. Taxonomisch wird die Spezies der Unterfamilie Noctuinae (sensu lato) zugeordnet, womit sie in einer Reihe mit anderen agrarwirtschaftlich bedeutenden Eulenfaltern steht. Die Überführung aus der ursprünglichen Sammelgattung *Phalaena* in die moderne Gattung *Mamestra* basierte auf späteren morphologischen und phylogenetischen Revisionen.[1]
Die Falter von *Mamestra brassicae* erreichen eine Flügelspannweite von 34 bis 50 Millimetern. Die Vorderflügel weisen eine graubraune bis schwarze Grundfärbung auf, die oft mit dunkleren Braun- und Weißtönen marmoriert ist. Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal ist der nierenförmige Fleck (Nierenmakel), der weiß umrandet ist. Die Hinterflügel sind hellbraun gefärbt und besitzen einen unauffälligen dunklen Fleck.[2] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Antennenstruktur: Männchen besitzen kammartige (pektinate) Antennen, während die der Weibchen keulenförmig (clavat) sind. Zudem sind die Weibchen meist etwas größer als die Männchen. Die halbkugeligen Eier haben einen Durchmesser von 0,5 bis 0,6 Millimetern und besitzen eine gerippte Oberfläche mit 32 bis 38 radialen Rippen. Frisch abgelegt erscheinen sie durchscheinend weiß oder gelblich-weiß, verfärben sich jedoch im Verlauf der Embryonalentwicklung purpurbraun bis schwarz. Die Larven werden bis zu 40 Millimeter lang und haben einen glatten Körper mit drei Brustbeinpaaren sowie fünf Bauchbeinpaaren. Die Färbung variiert stark je nach Larvenstadium und Wirtspflanze, von blassgrün oder transparent gelb bei jungen [Raupen](/pages/lexikon/raupen) bis zu dunkelgrün, braun oder fast schwarz bei älteren Tieren. Spätere Stadien zeigen oft dorsale Chevrons, schwache orangefarbene oder gelbe Bänder zwischen den Segmenten sowie eine dünne dunkle Querlinie auf dem achten Abdominalsegment. Die Kopfkapsel ist bei jungen Larven kupferfarben bis braunschwarz, wird aber bei älteren Tieren im Verhältnis zum Körper unauffälliger. Die Puppe ist 15 bis 20 Millimeter lang, rotbraun gefärbt und besitzt am achten Abdominalsegment einen Kremaster mit zwei kurzen Dornen.[1]
Die Kohleule (*Mamestra brassicae*) ist ein zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae) gehörender Nachtfalter, der ursprünglich von Carl von Linné im Jahr 1758 unter dem Namen *Phalaena brassicae* wissenschaftlich erstbeschrieben wurde. Als typischer Vertreter der Unterfamilie Noctuinae ist die Art in der gesamten Paläarktis verbreitet und zeichnet sich durch eine ausgeprägte Polyphagie aus, wobei die Larven an über 70 Pflanzenarten aus 22 Familien fressen. Im natürlichen Lebensraum sind die dämmerungs- und nachtaktiven Falter tagsüber meist ruhend an Zäunen, in offener Vegetation oder an geschützten Oberflächen zu finden, wo ihre grau-braune bis schwarze Vorderflügelfärbung eine effektive Tarnung bietet. Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal im Feld ist der weiß umrandete, nierenförmige Fleck (Nierenmakel) auf den Vorderflügeln, während die Hinterflügel hellbraun mit einem oft unauffälligen dunklen Fleck erscheinen. Unter dem Mikroskop offenbart sich ein deutlicher Sexualdimorphismus: Männchen besitzen kammartige (pektinate) Antennen, die auf die Detektion weiblicher Sexualpheromone spezialisiert sind, während Weibchen keulenförmige (clavate) Antennen aufweisen und generell etwas größer sind. Der Lebenszyklus beginnt mit halbkugeligen, gerippten Eiern, die ihre Farbe während der Embryogenese von weißlich-gelb zu violett-schwarz ändern.[1] Die daraus schlüpfenden Larven durchlaufen sechs Stadien, wobei Jungraupen zunächst gesellig leben und eine blassgrüne Färbung zeigen, bevor sie sich zu einzelgängerischen Tieren entwickeln.[3] Ältere [Raupen](/pages/lexikon/raupen) variieren stark in der Färbung von grün bis braun-schwarz, oft markiert durch dorsale Chevrons und einen hellen Seitenstreifen, und zeigen bei Störung ein typisches Einrollen.[1][3] Der Trivialname „Herzwurm“ bezieht sich auf das Verhalten reifer Larven, sich tief in das [Herz](/pages/lexikon/traenendes-herz) von Kohlpflanzen zu bohren, was sie von rein blattfressenden Verwandten unterscheidet.[3] Zur Verpuppung graben sich die Larven 3 bis 10 cm tief in den Boden ein, wo die rotbraune Puppe in einem losen Kokon ruht; der Kremaster ist dabei mit zwei apikalen Haken versehen. Diese unterirdische Phase dient in gemäßigten Breiten oft der Überwinterung mittels Diapause, die durch kurze Tageslängen induziert wird.[1] *Mamestra brassicae* gilt als wanderfreudige Art, die saisonale Migrationen über Distanzen von mehr als 60 km unternehmen kann, um neue Brutgebiete zu erschließen oder klimatisch ungünstigen Bedingungen auszuweichen. Obwohl der Name eine Bindung an Kohl suggeriert, wird die Art aufgrund ihrer Nutzung von Ampfer (*Rumex* spp.) in manchen entomologischen Kreisen historisch auch als „Sorrel Moth“ bezeichnet.[1]
Die adulten Falter von *Mamestra brassicae* sind primär nachtaktiv, beginnen ihre Flugaktivität in der Dämmerung und ruhen tagsüber an geschützten Stellen wie niedriger Vegetation. Während der nächtlichen Nahrungssuche besuchen sie Blüten verschiedener Pflanzenfamilien zur Nektaraufnahme und werden dabei stark von künstlichen Lichtquellen angezogen.[1] Die Art zeigt ein ausgeprägtes Wanderverhalten mit saisonalen Flügen in Höhen von mehreren hundert Metern, wobei Distanzen von über 60 km mit einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von etwa 4,8 km/h zurückgelegt werden.[1][3] Zur Paarungsanbahnung nehmen unbegattete Weibchen eine Lockhaltung ein, bei der sie die Flügel horizontal spreizen, das Abdomen anheben und Sexualpheromone wie (Z)-11-Hexadecenylacetat freisetzen.[2] Männchen detektieren diese chemischen Signale über ihre kammartigen Antennen und [fliegen](/pages/lexikon/fliegen) gegen den Wind zur Quelle, wo sie im Nahbereich eigene Duftstoffe über Haarpinsel (Hair-pencils) verströmen, um das Weibchen paarungsbereit zu machen.[1] Vor der Eiablage prüfen die Weibchen die Eignung der Wirtspflanze, indem sie mit den Vorderbeinen auf die Blattoberfläche trommeln, um chemische Reize über tarsale Chemorezeptoren wahrzunehmen.[3] Die Larven zeigen in frühen Stadien ein geselliges Fressverhalten (gregäres Verhalten), bevor sie sich in späteren Stadien vereinzeln.[1] Ältere [Raupen](/pages/lexikon/raupen) bewegen sich oft spannerartig fort und zeigen ein Bohrverhalten, bei dem sie tief in das Kopfinnere von Kohlpflanzen eindringen.[1][3]
Die Larven von *Mamestra brassicae* sind ausgeprägt polyphag und nutzen über 70 Pflanzenarten aus 22 Familien als Nahrungsquelle, wobei Kreuzblütler (*Brassicaceae*) wie Kohl (*[Brassica](/pages/lexikon/pak-choi) oleracea*) für eine optimale Entwicklung bevorzugt werden. Neben diesen Primärwirten besiedelt die Art auch Sekundärwirte wie Tomate (*[Solanum lycopersicum](/pages/lexikon/tomaten)*), Erbse (*[Pisum sativum](/pages/lexikon/erbsen)*) oder Salat (*[Lactuca](/pages/lexikon/salat) sativa*), auf denen jedoch oft längere Entwicklungszeiten und höhere Mortalitätsraten zu beobachten sind. Als Habitat präferiert die Art offene Kulturlandschaften, Gärten und Brachflächen in gemäßigten Klimazonen, wobei die Puppen zur Überwinterung Bodentiefen von 3 bis 10 cm aufsuchen. Das Mikroklima spielt eine entscheidende Rolle, da Temperaturen zwischen 15 und 25 °C die Aktivität begünstigen und Photoperioden unter 12 bis 13 Stunden im letzten Larvenstadium die Diapause induzieren. Im Nahrungsnetz fungieren die Adulten als Blütenbesucher, die Nektar von verschiedenen [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze) wie Ölbaum (*[Olea europaea](/pages/lexikon/olivenbaum)*) oder Korbblütlern aufnehmen. Der Populationsdruck wird durch ein breites Spektrum natürlicher Feinde reguliert, zu denen Eiparasitoide der Gattung *Trichogramma* sowie Larvenparasitoide wie *Microplitis mediator* und *Cotesia*-Arten zählen. Zusätzlich üben generalistische Prädatoren wie Laufkäfer (*Carabidae*), Kurzflügler (*Staphylinidae*) und Vögel einen Fraßdruck auf Eier und Larven aus.[1] Dichteabhängige Mortalität wird zudem durch Pathogene verursacht, insbesondere durch das *Mamestra brassicae* Kernpolyedervirus (MbNPV) und den entomopathogenen Pilz *Beauveria bassiana*.[1][2] Die Larven treten in frühen Stadien oft gesellig auf und verursachen als Primärkonsumenten durch Skelettierfraß und Lochfraß erhebliche Schäden an der Assimilationsfläche der Wirtspflanzen.[1]
Die Kohleule (*Mamestra brassicae*) gilt als wirtschaftlich bedeutender Schädling im Gemüsebau, der durch seine Polyphagie über 70 Pflanzenarten befällt, jedoch bevorzugt Kohlarten (*[Brassica](/pages/lexikon/pak-choi)*), [Tomaten](/pages/lexikon/tomaten) und [Salat](/pages/lexikon/salat) schädigt.[1] Das Schadbild wird primär durch die Larven verursacht, die zunächst Lochfraß an den Blättern erzeugen und im späteren Stadium zur Skelettierung führen.[3] Besonders gravierend ist das Einbohren älterer [Raupen](/pages/lexikon/raupen) in die Kohlköpfe, was durch Kotverschmutzung (Frass) und sekundäre Fäulnisinfektionen bis zu 50 % der Ernte unverkäuflich machen kann.[1][3] Zur Früherkennung und Überwachung der Population werden Pheromonfallen mit (Z)-11-Hexadecenylacetat eingesetzt, um den Flug der männlichen Falter zu detektieren.[2][1] Präventive ackerbauliche Maßnahmen umfassen Fruchtwechsel und tiefes Pflügen im Herbst, um die im Boden überwinternden Puppen zu zerstören. Der Einsatz von Kulturschutznetzen oder Vliesabdeckungen verhindert effektiv die Eiablage durch die adulten Falter auf den Beständen. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) erfolgt die biologische Bekämpfung durch Eiparasitoide der Gattung *Trichogramma*, die Parasitierungsraten von bis zu 80 % erreichen können.[1] Zusätzlich werden Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis* subsp. *kurstaki* oder spezifische Nucleopolyhedroviren (MbNPV) verwendet, wobei neuere Formulierungen die UV-Stabilität der Viren verbessern.[3][2] Bei Überschreitung von Schadschwellen kommen selektive Insektizide wie Spinosad oder Indoxacarb gegen Junglarven zum Einsatz, um Nützlinge zu schonen. Obwohl die Art in Amerika nicht etabliert ist, besteht durch den internationalen Handel ein Invasionsrisiko, das Quarantäneüberwachungen erfordert.[1]
Die Kohleule (*Mamestra brassicae*) gilt in Europa und Asien als bedeutender landwirtschaftlicher Schädling, der an über 70 Pflanzenarten aus 22 Familien Schäden verursacht. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind besonders im Gemüsebau gravierend, wobei Kohlgewächse (*[Brassica](/pages/lexikon/pak-choi) oleracea*), [Brokkoli](/pages/lexikon/brokkoli), [Rosenkohl](/pages/lexikon/rosenkohl) und Grünkohl primär betroffen sind. Darüber hinaus erstreckt sich das Schadpotenzial auf weitere ökonomisch relevante Kulturen wie [Tomaten](/pages/lexikon/tomaten), [Paprika](/pages/lexikon/paprika), [Salat](/pages/lexikon/salat), [Spinat](/pages/lexikon/neuseelaender-spinat) und Rüben.[1] Die Larven verursachen durch Blattfraß eine Skelettierung der [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze), was deren Vitalität erheblich mindert.[3] In fortgeschrittenen Stadien bohren sich die [Raupen](/pages/lexikon/raupen) in die sich entwickelnden Köpfe von Kohl und Brokkoli, wodurch das Innere mit Kot verunreinigt wird.[1][3] Diese Fraßschäden schaffen Eintrittspforten für Sekundärinfektionen durch pathogene Pilze und Bakterien, die Fäulnisprozesse beschleunigen. Die Ansammlung von Exkrementen und die innere Zerstörung führen oft zur Unverkäuflichkeit der Ernte oder erfordern einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Reinigung.[3] Bei starkem Befall, der oft durch migrierende Schwärme begünstigt wird, sind Ertragsverluste von bis zu 50 % in Kohlkulturen möglich. Zur Begrenzung der ökonomischen Schäden kommen integrierte Pflanzenschutzstrategien zum Einsatz, die biologische Mittel wie *Bacillus thuringiensis* oder spezifische Nucleopolyhedroviren (MbNPV) nutzen.[1] Neuere biotechnologische Entwicklungen zielen darauf ab, die Wirksamkeit dieser Viren durch UV-Schutz oder die Kombination mit Nematodenvektoren zu steigern, um die Bekämpfungseffizienz zu erhöhen.[2] Zudem ermöglicht die 2023 erfolgte Sequenzierung des Genoms von *M. brassicae* die Züchtung resistenterer Pflanzensorten zur langfristigen Schadensminimierung.[5]