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Lexikon-Eintrag

Schwarzblauer Ölkäfer Meloe proscarabaeus

Schwarzblauer Ölkäfer

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Meloidae
Gattung Meloe
Art Meloe proscarabaeus
Wissenschaftlicher Name Meloe proscarabaeus Linnaeus, 1758
Akzeptierter Name

Einleitung

*Meloe proscarabaeus*, bekannt als Schwarzblauer Ölkäfer, ist eine Art flugunfähiger Käfer aus der Familie der Meloidae (Ölkäfer). Die Käfer zeichnen sich durch ihre Größe von bis zu 30 mm und ihren glänzend schwarzen Exoskelett aus, das bei manchen Individuen einen dezenten violettblauen Schimmer aufweisen kann. *Meloe atratus* Meyer, 1793, und *Meloe brunsvicensis* Meyer, 1793 sind bekannte Synonyme.[1]

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Fakten (kompakt)

- *Meloe proscarabaeus* wurde 2020 von der deutschen Naturschutzorganisation Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Insekt des Jahres ernannt, um auf seine Notlage aufmerksam zu machen. - Die Art ist im Vereinigten Königreich weniger verbreitet, insbesondere in den nördlichen Regionen.[4] - *M. proscarabaeus* ist im Rahmen des UK Biodiversity Action Plan als national seltene Art eingestuft. - Die Populationen sind aufgrund von Habitatverlusten durch intensive Landwirtschaft, Überweidung und Fragmentierung sowie durch den Rückgang der Populationen solitärer Bienen stark zurückgegangen. - Männchen lassen sich durch ihre stärker geknickten Antennen im Vergleich zu Weibchen identifizieren. - Die Art spielt eine Rolle bei der Bestäubung und dem Nährstoffkreislauf. - Zu den Schutzmaßnahmen gehören die Erhaltung artenreicher Wildblumenwiesen durch kontrollierte Beweidung, der Verzicht auf chemische Pestizide und die Verbesserung von Lebensräumen für Bienen.[4] - *Meloe proscarabaeus* gehört zum Tierreich (Animalia), Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda), Klasse der Insekten (Insecta), Ordnung der Käfer (Coleoptera), Familie der Ölkäfer (Meloidae), Gattung *Meloe* und Art *M. proscarabaeus*.[4] - Innerhalb der Gattung *Meloe*, die über 150 Ölkäferarten umfasst, wird *M. proscarabaeus* der Unterfamilie Meloinae der Familie Meloidae zugeordnet. - Diese Gruppe ist phylogenetisch durch die Produktion von Cantharidin gekennzeichnet, einem blasenbildenden Abwehrstoff, der vom Körper abgesondert wird. - Die Flügeldecken sind reduziert.[4]

Name & Einordnung

Der Schwarzblaue Ölkäfer, wissenschaftlich *Meloe proscarabaeus*, wurde erstmals 1758 von Carl Linnaeus in seinem Werk Systema Naturae beschrieben. Die Art gehört zur Familie Meloidae (Ölkäfer) und zur Gattung *Meloe*. Synonyme für *Meloe proscarabaeus* sind *Meloe atratus* Meyer, 1793, und *Meloe brunsvicensis* Meyer, 1793.[2] Es existieren mehrere anerkannte Unterarten, darunter *M. p. proscarabaeus* (die Nominatform, weit verbreitet in Europa), *M. p. aegyptius* (Nordafrika und Mittlerer Osten), *M. p. cyanellus* (Balkan), *M. p. exaratus* (Anatolien und Kaukasus), *M. p. punctatus* (Iberische Halbinsel), *M. p. rathjensi* (Jemen), *M. p. sericeorugosus* und *M. p. afghanistanicus*. Im Englischen ist *Meloe proscarabaeus* als 'black oil beetle' bekannt. Der Gattungsname *Meloe* leitet sich vom griechischen Wort für Käfer ab.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte Schwarzblaue Ölkäfer (*Meloe proscarabaeus*) erreichen eine Körperlänge von 10 bis 30 mm, wobei die Weibchen tendenziell größer sind als die Männchen. Der Körper ist zylindrisch und länglich geformt. Die Grundfärbung der Käfer ist meist schwarz oder blauschwarz, oft mit einem metallischen Glanz. Variationen in der Färbung umfassen dunkle Blau- bis Blauazurtöne, abhängig von der Unterart. Einige Individuen weisen subtile rötliche Schimmer oder violettblaue Irisierungen auf den Flügeldecken und ventralen Oberflächen auf. Der Kopf ist posterior leicht verbreitert, wobei die Schläfen etwa 2,5 bis 3 Mal den Augendurchmesser betragen. Die Flügeldecken sind reduziert und bedecken das Abdomen nicht vollständig, was ein charakteristisches Merkmal der Gattung *Meloe* ist. Die Käfer sind flugunfähig und besitzen keine Hinterflügel. Das Pronotum ist etwas breiter als lang, mit geschwungenen Hinterrändern und dichter Punktierung. Die Beine sind robust und für die Fortbewegung an Land angepasst. Die Flügeldecken weisen eine feine Vermikulierung mit einer deutlichen Humerusgrube auf. Männchen unterscheiden sich von Weibchen durch ihre Antennenstruktur und Körperproportionen. Die männlichen Antennen sind geknickt, wobei die mittleren Segmente (V–VII) stark verlängert und modifiziert sind und das vordere Drittel der Flügeldecken erreichen. Die Antennen der Weibchen sind kürzer und weniger stark modifiziert, apikal verbreitert und reichen nur bis zum basalen Drittel. Das vorletzte abdominale Ventrit ist bei Männchen gebogen und bei Weibchen abgerundet. Die Metatarsomere der Weibchen sind kleiner. Männchen weisen leicht geschwollene Hinterbeine auf, die das Festhalten während der Paarung erleichtern. Bei Bedrohung sondern die Käfer aus ihren Beingelenken und Antennen eine ölige, Cantharidin-haltige Hämolymphe ab, die als chemischer Schutz dient. Männchen produzieren höhere Cantharidin-Konzentrationen als Weibchen.[1] Die Larven von *M. proscarabaeus* durchlaufen eine Hypermetamorphose. Das erste Larvenstadium, die Triungulinus-Larve, ist etwa 2 mm lang, gelb bis orange gefärbt, länglich und parallelseitig. Sie besitzt einen querliegenden Kopf, der 1,5 Mal breiter als lang ist, lange Antennen und komprimierte Klauen mit dreizackigen basalen Borsten zur Phoresie auf Bienen. Nachfolgende Stadien sind im Gegensatz zur aktiven Triungulinus-Form sesshaft und madenartig.[1]

Beschreibung

*Meloe proscarabaeus*, bekannt als Schwarzblauer Ölkäfer, ist eine Art flugunfähiger Blasenkäfer aus der Familie Meloidae. Die Art zeichnet sich durch ihre Größe aus, wobei die adulten Tiere bis zu 30 mm lang werden können. Ein weiteres Merkmal ist ihr glänzendes, schwarzes Exoskelett, das bei manchen Individuen einen violett-blauen Schimmer aufweisen kann. Die Käfer sind in weiten Teilen Europas und Westasiens beheimatet.[2] Typisch für *M. proscarabaeus* sind die kurzen Flügeldecken (Elytren), die den Hinterleib nicht vollständig bedecken. Bei Bedrohung sondern die Käfer ausBeingelenken Cantharidin ab, eine ölige Substanz, die Blasen verursacht. Die Art bewohnt warme, offene Gebiete wie blumenreiche Wiesen, extensiv genutztes Grünland im Tiefland, Feldränder, Küstenklippen und gelegentlich auch Wälder. Ihre Verbreitung war historisch gesehen weitläufig, ist aber deutlich zurückgegangen, wobei sich die verbliebenen Vorkommen hauptsächlich auf Südengland und Wales konzentrieren. Im hohen Norden Europas und in Amerika kommt die Art nicht vor.[2] Der Lebenszyklus von *M. proscarabaeus* ist hypermetamorph und parasitär. Die adulten Käfer erscheinen im Frühjahr (Februar bis Juni), um sich an warmen, sonnigen Tagen von Blüten wie Löwenzahn, Scharbockskraut und Hahnenfuß zu ernähren. Die Weibchen legen bis zu 40.000 Eier in Erdhöhlen. Die schlüpfenden Triungulin-Larven – mobile, campodeiforme Erstlarven – klettern auf Blüten, um sich an Solitärbienen (wie Arten der Gattungen *Andrena* und *Anthophora*) anzuheften und sich zu deren Nestern transportieren zu lassen. Dort ernähren sie sich von Vorräten und Eiern, bevor sie sich über mehrere Larvenstadien entwickeln, sich verpuppen und als adulte Tiere überwintern. Die Larven durchlaufen eine Hypermetamorphose, wobei das erste Larvenstadium als Triungulin bezeichnet wird. Diese Larven sind etwa 2 mm lang, gelb bis orange gefärbt und besitzen lange Antennen sowie Klauen mit zahnartigen Borsten, die ihnen die Fortbewegung auf Bienen ermöglichen. Die folgenden Larvenstadien sind im Gegensatz zum aktiven Triungulin-Stadium eher unbeweglich und madenartig. Männchen lassen sich durch ihre stärker geknickten Antennen von den Weibchen unterscheiden. Die Antennen der Männchen sind genikulat und weisen stark modifizierte, verlängerte mittlere Segmente (V–VII) auf, die das vordere Drittel der Flügeldecken erreichen, während die Antennen der Weibchen kürzer und weniger stark modifiziert sind und sich nur bis zum basalen Drittel erstrecken. Das vorletzte abdominale Ventrit ist bei Männchen bogenförmig und bei Weibchen abgerundet. Die Metatarsomeren der Weibchen sind kleiner. Die Hinterbeine der Männchen sind leicht angeschwollen, was das Festhalten während der Paarung erleichtert. Die Art ist im Rahmen des UK Biodiversity Action Plan als prioritäre Art eingestuft und gilt aufgrund des starken Populationsrückgangs als national selten. Dieser Rückgang ist auf den Verlust von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, Überweidung und Fragmentierung sowie auf den Rückgang der Populationen solitärer Bienen zurückzuführen.[2]

Verhalten

Die Fortbewegung von *Meloe proscarabaeus* erfolgt hauptsächlich über den Boden, da die Käfer flugunfähig sind. Bei Bedrohung sondern die Käfer aus ihren Beingelenken und Fühlern eine ölige Substanz ab, die Cantharidin enthält und Blasen verursacht, was als chemische Abwehr dient. Männchen übertragen während der Paarung Cantharidin als "Brautgeschenk" über Spermatophoren, um das Weibchen und ihre Eier zu schützen.[1] Die Larven von *M. proscarabaeus* aggregieren sich auf Blüten, um weibliche Solitärbienen zu imitieren und männliche Bienen anzulocken. Die Triungulin-Larven nutzen ihre Haken an den Tarsen, um sich an Bienen festzuklammern und sich zu deren Nestern transportieren zu lassen. Die Fortpflanzung von *Meloe proscarabaeus* beinhaltet chemische Signale, bei denen Weibchen Sex-Pheromone aussenden, um Männchen anzulocken. Männchen reagieren darauf, indem sie sich schnell von der Dorsalseite auf das Weibchen stürzen und sich während der Balz mit ihren Hakenantennen an ihren Antennen festhalten. Die Balz kann etwa 30 Minuten dauern, gefolgt von einer einstündigen Kopulation während des Tages.[1]

Ökologie

*Meloe proscarabaeus*, auch bekannt als Schwarzblauer Ölkäfer, bewohnt offene, sonnige Umgebungen wie naturbelassene Graslandschaften, Wiesen, Feldränder und blütenreiche Küstenklippen in seinem europäischen Verbreitungsgebiet. Diese Standorte bieten die warmen, exponierten Bedingungen, die für die Aktivität der adulten Käfer und die Entwicklung der Larven unerlässlich sind. Gelegentlich kommt die Art auch an Waldrändern vor, meidet jedoch dichte, schattige Wälder. Die Käfer bevorzugen sandige, lehmige, kalkhaltige oder kalksteinreiche Böden, die das Graben ermöglichen und oft gestört oder spärlich bewachsen sind, was den Zugang zu den Nistplätzen der Wirtsbienen erleichtert. Die Vegetation in diesen Lebensräumen umfasst reichlich Frühlingsblüher wie Löwenzahn (*Taraxacum* spp.), Hahnenfuß (*Ranunculus* spp.) und Scharbockskraut (*Ficaria verna*), die den adulten Käfern als Nektarquelle und den Triungulinus-Larven als Ansatzpunkte dienen, sowie weiche Gräser als Unterschlupf in Grasbüscheln. Die adulten Käfer sind in Europa von März bis Juni aktiv und kommen an warmen, sonnigen Tagen zum Fressen und zur Paarung hervor, während die Larven in Erdlöchern überwintern. Die Art parasitiert an bodennistenden Solitärbienen der Gattungen *Andrena*, *Anthophora*, *Eucera*, *Halictus*, *Colletes* und *Lasioglossum*. Die Larven fungieren als Kleptoparasiten, indem sie die Nestvorräte und Entwicklungsstadien der Bienen aufzehren, was oft zum Tod der Wirtsnachkommen führt, ohne dass die adulte Biene direkt gefressen wird.[2] Die adulten *M. proscarabaeus* ernähren sich vegetarisch und nehmen hauptsächlich Pollen und Nektar von Blüten zu sich, können aber auch weiche Gräser und Laub fressen. Sowohl Männchen als auch Weibchen setzen bei Bedrohung Cantharidin aus Bein- und Antennengelenken frei, was bei Fressfeinden Blasenbildung verursacht und als starkes Abschreckungsmittel dient.[2] Ökologisch gesehen kann *M. proscarabaeus* die Populationen seiner Solitärbienenwirte lokal unterdrücken, indem er Nestressourcen ausbeutet und so zum Rückgang der Bienendiversität beiträgt, wenn die Käferdichte hoch ist. In Agrarlandschaften, wie beispielsweise in der El-Farafra-Oase in Ägypten, schädigen Schwärme von adulten Käfern gelegentlich Weizenkulturen, indem sie Keimlinge und Ähren entlauben, was die Erträge auf Tausenden von Feddans gefährdet und das Futter mit giftigem Cantharidin kontaminiert, was das Vieh gefährdet.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

*Meloe proscarabaeus*, auch bekannt als Schwarzblauer Ölkäfer, kann sowohl ökologische Vorteile als auch Nachteile haben.[2] In landwirtschaftlichen Umgebungen, wie beispielsweise in der El-Farafra-Oase in Ägypten, können Schwärme von adulten Käfern Getreidekulturen schädigen, indem sie Keimlinge und Ähren entlauben, was zu Ernteverlusten führt. Darüber hinaus kann das Cantharidin, eine giftige Substanz, die von den Käfern abgesondert wird, das Futter verunreinigen und somit eine Gefahr für das Vieh darstellen.[3] Ökologisch gesehen können *M. proscarabaeus*-Larven lokal Populationen ihrer Wirtsbienen unterdrücken, indem sie Nestressourcen ausbeuten, was zu einem Rückgang der Bienendiversität führen kann, wenn die Käferdichte hoch ist. Aufgrund des Cantharidins, das *Meloe proscarabaeus* bei Bedrohung absondern kann, ist bei der Handhabung Vorsicht geboten. Dieses Wehrsekret kann bei Kontakt mit der Haut Blasen verursachen.[2] Es gibt keine Hinweise darauf, dass *M. proscarabaeus* Krankheiten überträgt oder Allergien auslöst, abgesehen von der direkten Hautreizung durch Cantharidin. Da *Meloe proscarabaeus* in erster Linie ein Problem für den Naturschutz und weniger für die Landwirtschaft oder die menschliche Gesundheit darstellt, konzentrieren sich die Präventionsmaßnahmen auf den Erhalt des Lebensraums und den Schutz der Wirtsbienen. Der Schutz von blütenreichen Wiesen und die Vermeidung von Pestiziden sind entscheidend.[2] Landwirtschaftliche Praktiken, die die Lebensräume von Wildbienen fördern, wie z. B. die Anlage von Blühstreifen, können ebenfalls dazu beitragen, die Populationen der Schwarzblauen Ölkäfer zu erhalten.[2] Es gibt keine spezifischen Monitoring-Methoden für *M. proscarabaeus* außer der Erfassung von Sichtungen im Rahmen von Citizen-Science-Projekten.[2] Die Bekämpfung von *M. proscarabaeus* ist in der Regel nicht erforderlich, es sei denn, es treten in landwirtschaftlichen Gebieten schwere Schäden auf.[3] In solchen Fällen sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen auf Nichtzielorganismen zu minimieren. Da die Art in Großbritannien Priorität für den Naturschutz hat, sollten chemische Bekämpfungsmaßnahmen vermieden werden. Stattdessen sollten Lebensraummanagement und der Schutz von Wildbienen im Vordergrund stehen. Es gibt keine rechtlichen Aspekte im Sinne von Quarantäne- oder Meldepflichten.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

In landwirtschaftlichen Gebieten, wie beispielsweise in der El-Farafra-Oase in Ägypten, können Schwärme von adulten *Meloe proscarabaeus* gelegentlich Schäden an Weizenkulturen verursachen, indem sie Keimlinge und Ähren entlauben. Dies kann ein Risiko für die Erträge auf Tausenden von Feddans darstellen. Darüber hinaus kann das in den Käfern enthaltene Cantharidin das Futter verunreinigen, was eine Gefahr für das Vieh darstellt. Die Larven von *Meloe proscarabaeus* können lokal Populationen ihrer solitären Bienenwirte unterdrücken, indem sie Nestressourcen ausbeuten. Dies kann zu einem Rückgang der Bienendiversität führen, wenn die Käferdichte hoch ist.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Der Schwarzblaue Ölkäfer (*Meloe proscarabaeus*) durchläuft eine Hypermetamorphose, einen komplexen Entwicklungszyklus mit unterschiedlichen Larvenstadien, die an eine parasitische Lebensweise angepasst sind [2, 24]. Der Lebenszyklus ist univoltin, das heißt, es gibt eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt meist als Larve im späten Stadium oder als Puppe im Boden. Die Weibchen legen im Frühjahr (Februar bis Juni) bis zu 40.000 Eier in selbstgegrabene Erdhöhlen [2, 15]. Die Eier haben eine Inkubationszeit von 1 bis 3 Wochen und eine hohe Schlupfrate.[1] Das erste Larvenstadium ist eine bewegliche, campodeiforme Triungulinus-Larve mit Beinen zur Verbreitung und Phorese auf Wirtsbienen [2, 24]. Nachfolgende Stadien entwickeln sich zu Maden, die aktiv die Vorräte in den Nestern der Bienen fressen.[1] Darauf folgen inaktive Stadien, die mehrere Monate im Boden in Diapause verbringen [2, 24]. Die Larvenentwicklung vom Schlüpfen bis zur Diapause dauert mehrere Monate, in denen die Larven die Bienennester parasitieren. Die Verpuppung findet nach der Diapause im Boden statt und dauert vom Spätsommer bis zum Herbst 1 bis 2 Monate. Die Imagines schlüpfen im zeitigen Frühjahr (Februar bis Juni) und haben eine Lebensdauer von 1 bis 3 Monaten, wobei die Weibchen in der Regel länger leben als die Männchen und sich vor dem Sterben auf die Fortpflanzung konzentrieren.[1] Das Fortpflanzungsverhalten von *M. proscarabaeus* umfasst chemische Signale und schnelle Interaktionen zwischen den Geschlechtern. Die Weibchen sondern Sexuallockstoffe ab, die die Männchen anlocken, woraufhin sich die Männchen schnell von der Dorsalseite auf das Weibchen stürzen und sich während der Balz oft mit ihren hakenförmigen Antennen an ihren Antennen festhalten. Diese Balzphase dauert in der Regel etwa 30 Minuten, gefolgt von einer Kopulation, die bis zu einer Stunde dauern kann und tagsüber stattfindet. Die Weibchen, die größer sind als die Männchen, paaren sich möglicherweise mehrmals, wobei die Männchen Cantharidin – ein giftiges Terpen – als Brautgeschenk über in ihren akzessorischen Drüsen produzierte Spermatophoren übertragen, um das Weibchen und ihre Eier zu schützen.[2] Der Parasitismus von *M. proscarabaeus* beruht auf dem Triungulinus-Stadium seiner Larven, die sich in Klumpen auf Blüten ansammeln, um weibliche Solitärbienen nachzuahmen und Männchen anzulocken. Diese beweglichen, läuseartigen Triungulinen nutzen ihre Hakentarsen, um sich an den Bienen festzuklammern und sich phoretisch zum Bodennest des Wirts zurücktragen zu lassen. Im Nest angekommen, lösen sich die Triungulinen, häuten sich zu einer madenartigen Form und fressen die Eier, Larven oder gespeicherten Pollen- und Nektarvorräte der Biene. Diese hypermetamorphe Strategie gewährleistet den Transport in eine nährstoffreiche Umgebung, wobei die Triungulinus-Aktivität in gemäßigten Regionen von Mitte April bis Juli ihren Höhepunkt erreicht.[2] *M. proscarabaeus* zeigt eine Wirtsspezifität gegenüber bodennistenden Solitärbienen der Gattungen *Andrena*, *Anthophora*, *Eucera*, *Halictus*, *Colletes* und *Lasioglossum*, wobei die genauen Paarungen jedoch noch nicht vollständig geklärt sind [2, 24]. Anstatt echte Parasiten zu sein, die sich von Wirtsgewebe ernähren, fungieren die Larven als Kleptoparasiten, indem sie die Nestvorräte und Entwicklungsstadien aufbrauchen, was oft zum Tod der Wirtstiere führt, ohne dass die erwachsene Biene direkt gefressen wird.[2] Triungulinus-Ansammlungen kommen häufig auf Blüten wie Scharbockskraut (*Ranunculus ficaria*), Löwenzahn (*Taraxacum officinale*) und Hahnenfußgewächsen vor, wo sie auf Bienenbesucher warten [2, 24]. Adulte *M. proscarabaeus* zeigen vegetarische Gewohnheiten und ernähren sich hauptsächlich von Pollen und Nektar von Blüten, obwohl sie in bestimmten Kontexten auch weiche Gräser und Laub fressen können [2, 24]. Zur Verteidigung setzen beide Geschlechter bei Bedrohung Cantharidin aus Bein- und Antennengelenken durch Reflexbluten frei, was bei Raubtieren Blasenbildung verursacht und als starkes Abschreckungsmittel dient [2, 1]. Diese Verbindung, die in den akzessorischen Drüsen der Männchen konzentriert ist, unterstreicht ihre doppelte Rolle beim Schutz und bei der Fortpflanzung [1, 24].

Vorkommen & Lebensraum

*Meloe proscarabaeus*, auch bekannt als Schwarzblauer Ölkäfer, ist in der Paläarktis heimisch und weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, von der Iberischen Halbinsel und den Balearen im Westen bis nach Mitteleuropa und dem Balkan im Osten. Südlich reicht das Areal bis nach Nordafrika, einschließlich Algerien und Ägypten (Sinai-Halbinsel und Westliche Wüste). Östlich kommt die Art bis nach Westasien, Kleinasien und Zentralasien bis nach Kasachstan, Afghanistan und Tadschikistan vor. In Europa ist die Art in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Ungarn und der Türkei verbreitet, fehlt aber in Skandinavien.[2] In Großbritannien ist *M. proscarabaeus* weniger häufig in den nördlichen Regionen. In Schottland galt die Art lange als verschollen, bis neuere Untersuchungen im Jahr 2023 ihre Anwesenheit bestätigten. Der Schwarzblaue Ölkäfer bewohnt offene, sonnige Umgebungen wie naturbelassene Graslandschaften, Wiesen, Feldränder und blütenreiche Küstenklippen. Gelegentlich findet man ihn auch an Waldrändern, dichte, schattige Wälder werden jedoch gemieden. Die Art bevorzugt sandige, lehmige, kalkhaltige oder kalksteinreiche Böden, die das Graben ermöglichen und oft gestört oder spärlich bewachsen sind, was den Zugang zu den Nistplätzen der Wirtsbienen erleichtert. Die Art kommt hauptsächlich im Tiefland vor, erreicht aber in Europa Höhen von bis zu 1.300 Metern, gelegentlich auch 1.600 Meter. In asiatischen Gebirgszügen kommt sie in Höhen über 3.000 Metern vor. Die Käfer leben in gemäßigten Klimazonen. Die Vegetation in diesen Habitaten umfasst viele Frühlingsblüher wie Löwenzahn (*Taraxacum* spp.), Hahnenfuß (*Ranunculus* spp.) und Scharbockskraut (*Ficaria verna*), die den Käfern als Nektarquelle dienen. Außerdem nutzen die Larven diese Pflanzen als Ansatzpunkt, um sich an Bienen anzuheften. Die Käfer nutzen auch weiche Gräser als Unterschlupf in Grashorsten.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die Imagines des Schwarzblauen Ölkäfers (*Meloe proscarabaeus*) sind von Februar bis Juni aktiv. Sie sind an warmen, sonnigen Tagen anzutreffen, wenn sie sich von Blüten wie Löwenzahn, Hahnenfuß und Scharbockskraut ernähren und sich paaren.[2] *M. proscarabaeus* hat einen univoltinen Lebenszyklus, das heißt, es gibt eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt typischerweise als Larve im späten Stadium oder als Puppe im Boden. Die Weibchen legen im Frühjahr (Februar bis Juni) bis zu 40.000 Eier in selbstgegrabenen Erdhöhlen. Die Larven schlüpfen nach etwa 1–3 Wochen. Die Triungulinus-Larven sind von Mitte April bis Juli aktiv. Die Larven durchlaufen eine Hypermetamorphose, wobei das erste Larvenstadium ein beweglicher Triungulinus ist. Nachfolgende Stadien entwickeln sich zu Maden, die sich von den Vorräten in Bienennestern ernähren. Die Verpuppung findet nach der Larvaldiapause im Boden statt und dauert etwa 1–2 Monate.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Glückstadt, 25348 Glückstadt, Deutschland

    26.09.2025

  • Deutschland

    26.09.2025

  • Deutschland

    11.07.2025

  • Gägelow

    09.07.2026

  • Germany

    30.05.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9848862/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/Taxonomy/Browser/wwwtax.cgi?mode=Info&id=34751
  3. http://www.ejppri.eg.net/pdf/v3n1/7.pdf
  4. Literaturzusammenfassung: Meloe proscarabaeus