Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Art erfolgte 1782 durch Molina unter dem heute akzeptierten Namen *Myocastor coypus*.[2] In der Fachliteratur und älteren Quellen findet sich häufig das Synonym *Myocaster coypus*.[2][1] Im deutschsprachigen Raum sind die Trivialnamen Nutria sowie die deskriptive Bezeichnung Biberratte gebräuchlich.[1] International und im historischen Kontext des Pelzhandels wird das Tier oft als Coypu referenziert. Taxonomisch wird die Spezies der Familie Myocastoridae innerhalb der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) zugeordnet. Ursprünglich stammt der große, semi-aquatische Nager aus Südamerika, mit einem Verbreitungsgebiet, das Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay umfasst.[2] Die heutigen Populationen in Europa und Nordamerika gehen auf Tiere zurück, die ursprünglich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Pelzzucht eingeführt wurden und aus Farmen entkamen oder ausgesetzt wurden.[1][2]
Die Nutria (*Myocastor coypus*), auch als Biberratte bekannt, ist ein großer, rattenartiger Nager mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 45 bis 65 cm. Das Körpergewicht adulter Tiere variiert üblicherweise zwischen 4 und 8 kg, kann jedoch maximal bis zu 12 kg erreichen. Der Schwanz ist drehrund, beschuppt sowie spärlich behaart und mit 30 bis 45 cm Länge kürzer als der Rumpf.[1] Das Fell setzt sich aus einer dichten, meist gräulichen Unterwolle zusammen, die von groben, glänzenden Grannenhaaren überdeckt wird.[2] Diese Deckhaare können bis zu drei Zoll lang sein und variieren farblich von Gelbgrau bis fast Schwarz, sind jedoch meist sattbraun gefärbt.[1][2] Auffällig am Kopf sind die großen Nagezähne, die eine charakteristische gelbe bis orange Färbung aufweisen. Die Hinterfüße sind partiell mit Schwimmhäuten ausgestattet, was eine Anpassung an die semi-aquatische Lebensweise darstellt. Es besteht ein Sexualdimorphismus, bei dem die Männchen generell größer als die Weibchen sind.[2] Jungtiere sind Nestflüchter, kommen voll behaart und mit offenen Augen zur Welt und wiegen bei der Geburt etwa 225 g. Im Vergleich zur Bisamratte (*Ondatra zibethicus*) ist die Nutria deutlich größer und unterscheidet sich durch den runden Schwanzquerschnitt.[1][2]
Die Nutria (*Myocaster coypus*), auch als Biberratte bekannt, ist ein großes, semi-aquatisches Nagetier, das ursprünglich in den subtropischen und gemäßigten Zonen Südamerikas beheimatet ist.[1][2] Charakteristisch für die Art ist der robuste, rattenartige Habitus, der funktionell stark an eine amphibische Lebensweise angepasst ist.[1] Das Fell setzt sich aus einer dichten, grauen Unterwolle zur Thermoregulation und langen, glänzenden Grannenhaaren zusammen, die wasserabweisende Eigenschaften besitzen.[2] Diese groben Grannenhaare sind meist gelbgraubraun bis fast schwarz gefärbt und schützen die isolierende Unterwolle effektiv vor Nässe.[1][2] Ein markantes anatomisches Merkmal sind die auffälligen, gelb bis orange gefärbten Schneidezähne, die zum Nagen an harter Ufervegetation und Wurzeln dienen.[2] Im Gegensatz zum abgeflachten Schwanz des Bibers verfügt die Nutria über einen drehrunden, beschuppten und nur spärlich behaarten Schwanz, der mit einer Länge von 30 bis 45 cm kürzer als der Rumpf ist.[1] Die Hinterfüße sind teilweise mit Schwimmhäuten ausgestattet, was den Tieren im Wasser starken Vortrieb verleiht, während die Vorderpfoten geschickt zum Greifen und Graben eingesetzt werden.[2] An Land bewegen sich die Tiere im typischen Watschelgang fort, im Wasser hingegen sind sie agile Schwimmer, die bis zu fünf Minuten tauchen können. Die Nutria legt ihre Baue bevorzugt in Uferböschungen und Dämmen an, wobei die Wohnkessel stets oberhalb der Wasserlinie liegen, um Trockenheit zu gewährleisten.[1] Jungtiere kommen als weit entwickelte Nestflüchter (precocial) zur Welt; sie sind bereits voll behaart, haben geöffnete Augen und sind kurz nach der Geburt schwimmfähig.[1][2] Diese schnelle Entwicklungsfähigkeit begünstigt in Kombination mit fehlenden natürlichen Fressfeinden in Einwanderungsgebieten eine rasche Populationsausbreitung.[2] Ein Geschlechtsdimorphismus zeigt sich in der Körpermasse, wobei Männchen tendenziell größer sind und Gewichte von bis zu 12 kg erreichen können, während das Durchschnittsgewicht bei 4 bis 8 kg liegt.[1][2] Historisch wurde die Art aufgrund ihres Fells intensiv bejagt und in Farmen gehalten, wobei das geschorene Unterfell oft als Imitat für Nerz oder Biber verarbeitet wurde. Verwechslungen treten im Feld häufig mit der Bisamratte oder dem Biber auf, von denen sich die Nutria jedoch durch ihre beträchtliche Größe beziehungsweise die spezifische runde Schwanzform unterscheidet.[2]
Die Fortbewegung an Land erfolgt in einem charakteristischen Watschelgang, während die Tiere im Wasser schwimmen und bis zu fünf Minuten tauchen können.[1] Für die aquatische Lebensweise besitzen sie teilweise Schwimmhäute an den Hinterfüßen, die dem Antrieb dienen.[2] *Myocastor coypus* ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei das Aktivitätsmaximum in den Dämmerungsstunden liegt. In Uferböschungen und Dämmen graben die Nager einfache Röhrensysteme mit Wohnkesseln, deren Ausgänge meist über der Wasserlinie liegen.[1] Diese Baue können bis zu sechs Meter tief und 50 Meter seitlich in das Erdreich reichen, wobei auch bestehende Bisambaue erweitert oder oberirdische Schilfnester errichtet werden.[1][2] Das Fressverhalten ist durch intensives Weiden an Wasser- und Sumpfpflanzen geprägt, wobei die Tiere täglich etwa 25 % ihres eigenen Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Im Winter passen sie ihr Verhalten an und entrinden Weichhölzer in Gewässernähe bis in eine Höhe von 50 cm oder weichen auf Feldfrüchte aus. Die Paarung findet jahreszeitlich ungebunden sowohl im Wasser als auch an Land statt.[1] Durch ihre Körpergröße und aggressives Fressverhalten verdrängen sie in invasiven Verbreitungsgebieten heimische Arten und Konkurrenten wie die Bisamratte (*Ondatra zibethicus*).[2]
Nutrias (*Myocastor coypus*) besiedeln vorzugsweise ruhige Altarme, Lagunen und grabenreiche Sumpfgebiete, die über ausgeprägte Rohr- und Binsengürtel verfügen. Die Tiere legen ihre Baue in Uferböschungen und Dämmen an, wobei sie oft bestehende Röhrensysteme nutzen oder Schilfnester errichten.[1] Als Herbivoren verzehren sie täglich etwa 25 % ihres eigenen Körpergewichts an Wasser- und Sumpfpflanzen, wobei sie Blätter, Stängel und Wurzeln fressen.[1][3] Dieser intensive Fraß an Wurzelsystemen destabilisiert den Boden und fördert Erosion, was vegetationsreiche Flächen durch den Verlust der Haltefunktion in offene Gewässer umwandeln kann.[2] Im Winter entrinden Nutrias Weichhölzer in Gewässernähe bis zu einer Höhe von 50 cm oder weichen auf landwirtschaftliche Kulturen wie Mais und Rüben aus.[1] In der ökologischen Nische konkurriert die Art stark mit der kleineren Bisamratte (*Ondatra zibethicus*), die aufgrund der aggressiveren Nahrungsaufnahme und Körpergröße der Nutria oft verdrängt wird.[2] Während im ursprünglichen Verbreitungsgebiet Jaguare und Greifvögel als Regulatoren wirken, fehlen diese Fressfeinde in eingeführten Habitaten weitgehend. Eingebürgerte Populationen unterliegen lediglich einem geringeren Prädatorendruck durch Alligatoren oder Kojoten.[3] Die Art ist jedoch kälteempfindlich, sodass strenge Winter zu einer erhöhten Sterblichkeit führen können. Zudem fungieren sie als Vektoren für Krankheitserreger wie *Leptospira* spp., was ein Risiko für die heimische Fauna darstellt.[2]
Die Nutria (*Myocastor coypus*) wird als Pflanzenschädling klassifiziert und gilt als invasive Art, die erhebliche ökologische und ökonomische Schäden verursacht.[1][5] Ein Hauptproblem stellt die Zerstörung von Deichen und Dämmen durch das Graben von Röhrensystemen dar, was die Stabilität von Uferböschungen gefährdet und Hochwasserrisiken erhöht.[1][2] In der Landwirtschaft entstehen Verluste durch den Fraß an Feldfrüchten wie Kartoffeln, Rüben, Mais und Klee, während in Gewässernähe Weichhölzer bis in eine Höhe von 50 cm entrindet werden.[1] Durch die hohe Nahrungsaufnahme von täglich etwa 25 % des eigenen Körpergewichts kommt es in Feuchtgebieten zu einem Kahlfraß, der Erosion und Habitatverluste für heimische Arten beschleunigt.[1][5] Zudem verdrängt die Nutria durch ihre Größe und aggressive Nahrungssuche heimische Konkurrenten wie die Bisamratte (*Ondatra zibethicus*).[5] Gesundheitlich ist die Art als Vektor für zoonotische Erreger relevant, darunter *Leptospira* spp. und das Bakterium *Necropsobacter rosorum*.[1] In der Europäischen Union ist die Nutria gemäß Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung gelistet, was die Mitgliedsstaaten zu Bekämpfungsmaßnahmen verpflichtet.[1] Das Management erfolgt primär durch den Einsatz von Fallen (Lebend- und Schlagfallen) sowie den gezielten Abschuss.[2] Erfolgreiche Ausrottungskampagnen konnten die Art in Großbritannien (1989) und Maryland (2022) vollständig entfernen.[6] Zur Unterstützung der Bestandsregulierung werden in einigen Regionen Prämiensysteme (Schwanzprämie) eingesetzt und die Verwertung von Fell und Fleisch gefördert.[2]
Die wirtschaftliche Bedeutung von *Myocastor coypus* ist heute primär durch die massiven Schäden definiert, die die Art als invasiver Schädling verursacht. In der Landwirtschaft entstehen Verluste durch den Fraß an Kulturen wie Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben, Möhren, Mais und Klee. Zudem werden Weichhölzer in Gewässernähe bis in eine Höhe von 50 cm entrindet, was forstwirtschaftliche Einbußen zur Folge hat. Besonders kritisch ist die Zerstörung von Deichen und Dämmen durch die Wühltätigkeit der Tiere, was die Stabilität von Hochwasserschutzanlagen gefährdet.[1] In den USA werden die jährlichen direkten Schäden und Verluste an Ökosystemdienstleistungen auf Milliardenbeträge geschätzt. Historisch war die Nutria ein bedeutender Lieferant für die Pelzindustrie, wobei die Erntezahlen in Louisiana 1976 mit 1,8 Millionen Fellen ihren Höhepunkt erreichten. Der Markt brach jedoch in den 1980er Jahren aufgrund synthetischer Alternativen und Tierschutzkampagnen zusammen, was die kommerzielle Nutzung stark reduzierte. Zur Schadensbegrenzung setzen Behörden heute auf Prämiensysteme, wie etwa in Louisiana, wo aktuell 6 US-Dollar pro abgeliefertem Nutria-Schwanz gezahlt werden. Nischeninitiativen versuchen, das Fell als ökologisch sinnvolles Produkt („Righteous Fur“) zu vermarkten, um Anreize für die Bejagung zu schaffen. Ergänzend wird teilweise das Fleisch verwertet, um die ökonomische Effizienz der Bestandskontrolle zu steigern.[2]