Fakten (kompakt)
- Die Familie wird taxonomisch in vier Unterfamilien unterteilt: Sciadocerinae, Chonocephalinae, Metopininae und Phorinae. - Molekulargenetische Untersuchungen datieren die evolutionäre Abspaltung der Gruppe in die frühe Kreidezeit vor etwa 120,8 Millionen Jahren. - In der forensischen Entomologie spielt die „Sargfliege“ (*Conicera tibialis*) eine wichtige Rolle zur Bestimmung der Leichenliegezeit (Post-Mortem-Intervall), da sie in der Lage ist, vergrabene Überreste zu besiedeln. - Zur biologischen Bekämpfung invasiver Feuerameisen werden spezifische parasitische Arten der Gattung *Pseudacteon* eingesetzt. - Die Ernährung der adulten Fliegen besteht primär aus Flüssigkeiten wie Nektar, Honigtau oder der Hämolymphe anderer Insekten. - Ein spezifisches anatomisches Merkmal sind Stridulationsorgane, die unter anderem aus schuppenartigen Mikrotrichien am Vorderoberschenkel (Femur) bestehen. - Den Flügeln der Buckelfliegen fehlen die Queradern, und die Radialadern enden bereits auf halber Länge der Costa. - Die Larven unterscheiden sich von anderen Fliegenlarven durch das Fehlen einer ausgeprägten Kopfkapsel und das häufige Vorhandensein abdominaler Fortsätze.[8] - Bei der Bestimmung besteht Verwechslungsgefahr mit anderen synanthropen Arten wie der Käsefliege (*Piophila casei*), der Kleinen Stubenfliege (*Fannia canicularis*) oder der Clusterfliege (*Pollenia rudis*).[7]
Die *Phoridae* sind eine weltweit verbreitete Familie der Zweiflügler (Diptera), die taxonomisch der Unterordnung Brachycera und der Überfamilie Platypezoidea zugeordnet wird.[1][2] Im deutschen Sprachraum ist die Bezeichnung „Buckelfliegen“ etabliert, die sich auf die charakteristische, buckelförmige Aufwölbung des mittleren Körperabschnitts (Thorax), speziell des Mesonotums, bezieht. International sind sie aufgrund ihres ruckartigen Laufverhaltens als „scuttle flies“ oder wegen ihrer Körperform als „humpbacked flies“ bekannt. Die Familie umfasst etwa 4.500 beschriebene Arten in rund 280 Gattungen, wobei die tatsächliche Diversität deutlich höher eingeschätzt wird.[1] Molekularphylogenetische Untersuchungen bestätigen die Monophylie der *Phoridae* und weisen die Unterfamilie Sciadocerinae als Schwestergruppe aller anderen Phoriden aus, mit einer evolutionären Trennung in der Unterkreide vor etwa 120,8 Millionen Jahren.[2] Der Fossilbericht reicht bis in das Albium (ca. 105–110 Millionen Jahre) zurück, wobei frühe Vertreter wie die Gattung *Prioriphora* in Bernsteinvorkommen aus Kanada und Spanien nachgewiesen wurden. Historische taxonomische Diskussionen konzentrierten sich oft auf die Abgrenzung zu den Familien Sciadoceridae und Ironomyiidae, deren phylogenetische Nähe durch moderne Analysen präzisiert wurde. Die interne Systematik gliedert die Familie heute in fünf primäre Unterfamilien, darunter Sciadocerinae, Metopininae und Phorinae. Ein prominenter Vertreter ist die Art *Megaselia scalaris* (Loew, 1866), die als Kulturfolger weltweit verbreitet ist.[1]
Adulte Buckelfliegen (*Phoridae*) sind winzige Insekten mit einer Körperlänge von meist 0,5 bis 6 mm, wobei die Art *Euryplatea nanaknihali* mit nur 0,4 mm als kleinste Fliege gilt. Ihr auffälligstes Merkmal ist der buckelig aufgewölbte Thorax (Mesonotum), der im Seitenprofil deutlich erkennbar ist und ihnen ihren deutschen Namen gab. Die Grundfärbung der Tiere reicht von Schwarz über Braun bis hin zu gelblichen Tönen.[1] Der Kopf ist klein, rundlich und tief angesetzt, oft dominiert von im Verhältnis großen Komplexaugen. Die dreigliedrigen Antennen tragen eine Arista (Fühlerborste), die meist kurz behaart ist.[1][2] Ein wichtiges diagnostisches Merkmal zur Abgrenzung von anderen Familien ist das Fehlen von Vibrissen (Genalborsten) am unteren Wangenrand.[2] Die Flügel zeigen eine charakteristisch reduzierte Aderung, bei der die Costalader vor der Flügelspitze endet und keine Queradern vorhanden sind.[1][2] Die kräftigen Radialadern (R1 und die verschmolzene R4+5) enden etwa in der Mitte des Flügelvorderrands, während die übrigen Adern oft unvollständig sind.[2] Die Beine sind für eine laufende Fortbewegung angepasst, wobei die hinteren Femora (Schenkel) oft abgeflacht und vergrößert sind.[1][2] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich häufig in der Körpergröße, wobei Weibchen meist größer sind, oder in der Reduktion der Flügel bei bestimmten weiblichen Tieren. Männchen besitzen komplexere Genitalien, deren mikroskopische Untersuchung oft für die Artbestimmung notwendig ist.[1] Die Eier sind klein, länglich-oval und besitzen meist ein glattes, weißes Chorion, das bei Arten wie *Megaselia scalaris* jedoch Oberflächenstrukturen aufweisen kann. Die Larven sind beinlose Maden mit 12 Segmenten, Mundhaken und einer hinteren röhrenförmigen Verlängerung mit Atemöffnungen. Die Puppenruhe erfolgt in einem verhärteten, oft kahnförmigen Puparium, an dem prothorakale Atemhörnchen sichtbar sind. Aufgrund ihrer geringen Größe können sie mit Halmfliegen (*Chloropidae*) verwechselt werden, unterscheiden sich jedoch durch das Flügelgeäder und die Beborstung.[2]
Die Familie der Buckelfliegen (*Phoridae*) umfasst eine diverse Gruppe kleiner Zweiflügler, die sich durch ihren charakteristisch aufgewölbten Thorax und ihre ruckartige Fortbewegungsweise auszeichnen. Adulte Tiere erreichen typischerweise eine Körperlänge von 0,5 bis 6 mm, wobei die Art *Euryplatea nanaknihali* mit nur 0,4 mm als kleinste Fliege der Welt gilt. Das markanteste Merkmal ist das buckelige Profil, das durch das stark gewölbte Mesonotum entsteht, während der Kopf im Vergleich dazu klein und tief angesetzt wirkt. Mikroskopisch lässt sich die Familie gut anhand der reduzierten Flügeladerung identifizieren, bei der die kräftigen Radialadern etwa in der Flügelmitte enden und Queradern weitgehend fehlen. Statt bei Störungen sofort aufzufliegen, zeigen die Tiere ein typisches Fluchtverhalten, indem sie schnell und unberechenbar über Oberflächen laufen ("scuttling"), was ihnen im Englischen den Namen "scuttle flies" einbrachte. Die Eier sind klein, länglich-oval und werden meist einzeln oder in kleinen Gruppen in der Nähe der Nahrungsquelle abgelegt. Die daraus schlüpfenden Larven sind beinlose, madenartige Organismen mit 12 Segmenten, die am Hinterende oft eine röhrenförmige Verlängerung mit Atemöffnungen (Spirakeln) aufweisen. Sie besitzen keine ausgeprägte Kopfkapsel, sind jedoch mit Mundhaken ausgestattet, die je nach Ernährungsweise zum Raspeln von organischem Material oder zum Eindringen in Wirtsgewebe dienen. Morphologisch variieren die Larvenstadien von robusten, beborsteten Formen bei Aasfressern bis hin zu schlankeren Körpern bei räuberischen Arten. Die Verpuppung erfolgt in einem verhärteten Puparium, das oft eine abgeflachte, bootartige Form besitzt und am zweiten Thoraxsegment charakteristische Atemschläuche (Prothorakalhörner) trägt. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus ist häufig zu beobachten; Weibchen sind oft größer als Männchen und in einigen spezialisierten Gattungen flügellos oder kurzflügelig.[1] Männchen hingegen zeichnen sich oft durch komplexere Genitalien aus und verfügen teilweise über Stridulationsorgane an den Vorderbeinen zur akustischen Kommunikation.[1][3] Die Familie ist weltweit verbreitet und besiedelt nahezu alle terrestrischen Ökosysteme, wobei die Larvenentwicklung von saprophager Ernährung in Tierkadavern bis hin zu hochspezialisiertem Parasitismus bei Ameisen reicht. Bei parasitären Gattungen wie *Pseudacteon* ist der Ovipositor der Weibchen speziell angepasst, um Eier direkt in den Wirt zu injizieren.[1] Fossile Belege in Bernstein dokumentieren die Existenz der Buckelfliegen bis in die frühe Kreidezeit vor über 100 Millionen Jahren, wobei grundlegende morphologische Merkmale wie der gewölbte Thorax bereits früh ausgeprägt waren.[2]
Ein charakteristisches Merkmal der *Phoridae* ist ihr Fluchtverhalten, bei dem sie bei Störung eher ruckartig über Oberflächen laufen („scuttling“), anstatt sofort aufzufliegen. Die Ausbreitung erfolgt meist über kurze Distanzen durch niedrige Flüge in unmittelbarer Nähe der Brutstätten, wobei sie oft durch kleine Öffnungen in Gebäude eindringen. Männchen bestimmter Gattungen wie *Megaselia* bilden oft dichte Schwärme über Pilzkörpern oder Rasenflächen, um Weibchen anzulocken. Das Balzverhalten beinhaltet häufig einen Konkurrenzkampf der Männchen („scramble competition“) unter Nutzung visueller Reize sowie kurzes Flügelfächeln. Zur Kommunikation verfügen beide Geschlechter mancher Arten über Stridulationsorgane an Vorderschenkel und -hüfte, die Vibrations- oder akustische Signale erzeugen.[1] Adulte Tiere zeigen eine starke Chemotaxis hin zu verwesendem organischen Material und werden beispielsweise von Pyridin-Verbindungen angezogen, die den Geruch von rohem Fleisch imitieren.[4] Parasitische Vertreter wie die Gattung *Pseudacteon* attackieren Ameisen durch gezielte Sturzflüge, bei denen sie kurzzeitig landen, um ein Ei in den Thorax oder Nacken des Wirts zu injizieren.[1] Die Art *Apocephalus borealis* induziert bei Honigbienen ein „zombieartiges“ Verhalten, das durch Desorientierung und das nächtliche Verlassen des Bienenstocks gekennzeichnet ist.[2]
Die Vertreter der Familie *Phoridae* besetzen vielfältige ökologische Nischen, die von freilebenden Saprophyten bis zu hochspezialisierten Parasitoiden reichen, und besiedeln nahezu jedes terrestrische Ökosystem. Larven vieler Arten, wie etwa *Megaselia scalaris*, ernähren sich saprophag von zersetzendem organischen Material, Aas oder Fäkalien und fungieren somit als bedeutende Destruenten.[1] Andere Spezies sind auf pilzliche Substrate spezialisiert und fressen als Larven das Myzel von Wildpilzen oder Kulturchampignons, wie beispielsweise *Megaselia halterata*. Eine bemerkenswerte ökologische Spezialisierung ist die Myrmekophilie, bei der Gattungen wie *Pseudacteon* Feuerameisen (*Solenopsis* spp.) parasitieren, indem sie ihre Eier in die Arbeiterinnen legen, was letztlich zur Enthauptung des Wirts führt.[2][1] Auch Bienen werden befallen; so attackiert *Apocephalus borealis* Honigbienen und Hummeln, was bei den infizierten Tieren zu Desorientierung und dem Verlassen des Stocks führt.[2] Adulte Buckelfliegen nehmen primär flüssige Nahrung auf, darunter Nektar, Honigtau sowie Exsudate aus Aas oder Dung. Hinsichtlich des Mikroklimas zeigen die Tiere eine ausgeprägte Präferenz für feuchte, schattige Habitate in Bodennähe, um Austrocknung zu vermeiden. Da sie in der Lage sind, vergrabene oder versteckte organische Überreste zu besiedeln, die für andere Insekten unzugänglich sind, nehmen sie eine spezifische Rolle in der Sukzession der Zersetzung ein.[1]
Buckelfliegen (*Phoridae*) treten je nach Kontext als Hygieneschädlinge, Lästlinge oder Nützlinge auf.[1] Wirtschaftlich bedeutsam sind sie als Schädlinge in der Pilzzucht, wo Larven von Arten wie *Megaselia halterata* das Myzel fressen und Ertragsverluste von bis zu 40 % verursachen können.[4] Als Hygieneschädlinge besiedeln sie organische Abfälle und können auf Lebensmitteln wie Käse, Trockenfisch oder Sojamehl gefunden werden.[1] Medizinisch ist insbesondere *Megaselia scalaris* relevant, da sie fakultativ Myiasis (Madenbefall) in offenen Wunden, im Darm oder Harntrakt des Menschen auslösen kann.[2] Forensisch werden Buckelfliegen zur Bestimmung der Leichenliegezeit genutzt, da sie auch vergrabene oder in Behältnissen verschlossene Körper besiedeln können.[1] Eine ökologische Besonderheit ist der Parasitismus der Art *Apocephalus borealis* bei Honigbienen, der zu abnormalem Verhalten und dem Verlassen des Stocks führt.[2] Im Gegensatz dazu werden Arten der Gattung *Pseudacteon* gezielt zur biologischen Bekämpfung invasiver Feuerameisen (*Solenopsis invicta*) eingesetzt.[1] Die Prävention erfordert primär die Lokalisierung und Beseitigung der Brutstätten, bei denen es sich oft um feuchte organische Rückstände handelt. Zur Überwachung und Reduktion der Populationen wurden Fallen entwickelt, die Lockstoffe auf Pyridin-Basis nutzen, um den Geruch von verwesendem Fleisch zu imitieren. Neben physikalischen Methoden existieren biologische Bekämpfungsansätze unter Verwendung spezifischer Stämme von *Bacillus thuringiensis*, die eine insektizide Wirkung gegen die Larven zeigen.[4]
Buckelfliegen (*Phoridae*) verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft, insbesondere im kommerziellen Pilzanbau, wo Larven das Myzel und die Fruchtkörper zerstören. Die Art *Megaselia halterata* gilt als Hauptschädling in der Austernpilzproduktion (*Pleurotus* spp.) und kann Ernteverluste von 10 bis 40 Prozent verursachen.[1] In betroffenen Regionen wie Pennsylvania führen solche Befälle zu jährlichen Schäden in sechsstelliger Höhe pro Betrieb, was im Jahr 2025 sogar zu staatlichen Quarantäneanordnungen führte.[5][6] Als Hygieneschädlinge befallen die Larven zudem gelagerte Lebensmittel wie Käse, Trockenfisch, Sojamehl oder Teigwaren, was in lebensmittelverarbeitenden Betrieben intensivierte Reinigungsmaßnahmen und den Einsatz von Insektiziden erfordert.[4][1] In der Imkerei stellt der Parasitoid *Apocephalus borealis* eine Bedrohung für Honigbienenvölker (*Apis mellifera*) dar und wird mit dem Völkerkollaps (Colony Collapse Disorder) in Verbindung gebracht. In kommerziellen Imkereien wurden Parasitierungsraten von bis zu 17 Prozent dokumentiert, was die Sammel-Effizienz und Gesundheit der Kolonien signifikant beeinträchtigt.[2] Demgegenüber stehen positive wirtschaftliche Aspekte durch den Einsatz von Buckelfliegen der Gattung *Pseudacteon*, die seit den 1990er Jahren erfolgreich zur biologischen Bekämpfung invasiver Feuerameisen (*Solenopsis invicta*) genutzt werden.[1] Die kommerzielle Relevanz zeigt sich auch in der Patentierung spezifischer Bekämpfungsmittel, darunter Fallenkonstruktionen und biologische Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis*.[4]