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KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Wissenschaftlicher Name Tapinoma magnum Mayr, 1861
Überblick
Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum), in Medien oft „Super-Ameise" genannt, ist eine gebietsfremde Ameisenart aus dem Mittelmeerraum, die in Deutschland riesige Superkolonien bildet.1 Sie wird vor allem mit den Erdballen mediterraner Pflanzen eingeschleppt und ist inzwischen aus mindestens 92 Kommunen bekannt, mit Schwerpunkt in der Oberrheinebene.1 Die vollständig schwarzen Arbeiterinnen untergraben Pflaster, dringen in Häuser ein und können Störungen an Elektroanlagen verursachen.12 Das Bundesamt für Naturschutz führt die Art seit 2023 als potenziell invasive Art auf einer Beobachtungsliste.1
Auf einen Blick
Erkennen
Die Arbeiterinnen sind vollständig schwarz und 2 bis 5 mm groß; typisch ist, dass in einer Kolonie deutlich unterschiedlich große Tiere nebeneinander laufen.12 Die Puppen sind „nackt", also ohne Kokon.1 Unter Vergrößerung erkennen Fachleute eine Einkerbung am unteren Rand des Kopfschildes (Clypeus) und einen flachen Hinterleibsstiel-Knoten, der vom Hinterleib verdeckt wird.1
Ein einfacher erster Hinweis ist der Geruch: Zerriebene Tiere riechen intensiv aromatisch-chemisch, oft beschrieben als Lösungsmittel, Glasreiniger oder Kleber.12 Der Geruch ist allerdings subjektiv und kein sicherer Nachweis.1 Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der heimischen Schwarzgrauen Wegameise (Lasius niger), deren Arbeiterinnen etwa gleich groß sind. Merkmale, Vergleichstabelle und Fototipps: Tapinoma magnum erkennen: Merkmale, Geruch und Verwechslung.
Porträt
Die Große Drüsenameise ist eine kleine, schwarze Ameise mit großer Wirkung: Ihre Kolonien haben viele Königinnen (polygyn) und viele Niststandorte (polydom), zwischen denen es keine Aggression gibt. So entstehen Superkolonien, die sich über mehrere Grundstücke erstrecken.1 Typische Verdachtsmomente sind unzählige Ameisen im Siedlungsraum, breite Ameisenstraßen, viele Nesteingänge mit Sand- und Erdauswurf und Tiere, die bei Störung massenhaft herausströmen und sich festbeißen.1
Die Art ernährt sich omnivor: Sie nutzt Insekten, Süßes und Aas und pflegt Blatt-, Schild- und Wurzelläuse, deren Honigtau sie aufnimmt.12 Gegen andere Ameisenarten setzt sie sich mit dem Zwei-Komponenten-Sekret ihrer Analdrüse durch.1
Systematik
Tapinoma magnum wurde 1861 von Gustav Mayr beschrieben und gehört zur Unterfamilie der Drüsenameisen (Dolichoderinae) innerhalb der Ameisen (Formicidae).5 Der deutsche Name bezieht sich auf die Analdrüse, deren Abwehrsekret den typischen chemischen Geruch verursacht.1
Die Art gehört zum Tapinoma-nigerrimum-Komplex. Dieser wurde 2017 und 2024 taxonomisch überarbeitet und umfasst heute fünf sehr ähnliche Arten, darunter T. magnum, T. ibericum und T. darioi.14 Eine sichere Artbestimmung ist deshalb oft nur durch Fachleute möglich; bei vielen Funden in Deutschland wird vorsichtig von Tapinoma cf. magnum gesprochen.1 Nicht zu verwechseln ist sie mit der tropischen Geisterameise (Tapinoma melanocephalum), die einen hellen Hinterleib hat und bei uns nur in beheizten Gebäuden vorkommt.
Lebensweise
Bei Tapinoma magnum findet die Begattung bereits im oder am Nest statt, und die Kolonien nehmen laufend neue begattete Jungköniginnen auf.1 Verschleppt wird die Art durch die Abspaltung kleiner Teilkolonien, etwa im Erdballen einer Pflanze; eine Ausbreitung durch geflügelte Jungköniginnen ist bisher nicht nachgewiesen, aber denkbar.1 Weil jede Teilkolonie eigene Königinnen hat, kann aus wenigen eingeschleppten Tieren eine schnell wachsende Kolonie mit hohen Individuenzahlen werden.12
Wie bei allen Ameisen durchläuft die Brut die Stadien Ei, Larve und Puppe; bei Tapinoma magnum sind die Puppen nicht von einem Kokon umgeben.1 Die tiefen Nester schützen die Kolonie im Winter, sodass sie Frostperioden übersteht und im Frühjahr früh wieder aktiv wird.12
Lebensweise
Auffällig ist das Massenverhalten: Die Tiere laufen in breiten Kolonnen, bei Störung strömen sie in großer Zahl heraus und beißen sich fest.1 Die Arbeiterinnen gelten als aggressiv und bissig.2 Auf der Suche nach Nahrung dringen sie durch kleinste Öffnungen in Häuser ein.2
Im Boden legen die Ameisen weit verzweigte Nestsysteme an und tragen dabei Sand aus den Fugen von Pflasterflächen.12 Welche Schäden daraus entstehen und wie gefährlich die Bisse sind, erklärt der Ratgeber Ist Tapinoma magnum gefährlich?
Lebensweise
Mit dem Sekret ihrer Analdrüse ist Tapinoma magnum anderen Ameisenarten gegenüber dominant.1 Aus ökologischer Sicht gilt sie deshalb in vielen Gebieten als invasiv, auch wenn sie rechtlich nicht auf der EU-Liste invasiver Arten steht.1 Seit 2025 gibt es eine Initiative der Bundesländer für eine nationale Liste invasiver Arten.1
Indem sie Blatt-, Schild- und Wurzelläuse pflegt, fördert die Art an Kulturpflanzen schädliche Pflanzensauger; zudem können die Ameisen Pflanzen direkt anbeißen.2 Wichtig für jede Bekämpfung: Heimische Ameisenarten sollen nicht getötet werden, deshalb sollte ein Verdacht vorab von Fachleuten bestätigt werden.2
Verbreitung
Die Arten des Tapinoma-nigerrimum-Komplexes stammen aus dem Mittelmeerraum.1 Nach Deutschland gelangt Tapinoma magnum vor allem mit den Erdballen mediterraner Topf- und Kübelpflanzen.1 Der Erstnachweis in Deutschland gelang 2009 in Rheinland-Pfalz in einer Baumschule und in Gartencentern; seitdem hat sich die Art vor allem in der Rheinebene ausgebreitet, etwa in Freiburg, Kehl, Karlsruhe und Köln.1 Nach Stand September 2025 sind mindestens 92 Kommunen in Deutschland betroffen.1
Besiedelt werden vor allem gepflasterte Flächen mit Fugen und sandigem Unterbau, also Gehwege, Terrassen, Hofflächen und Parkplätze im Siedlungsraum.2 Eine Übersicht nach Bundesländern und Städten bietet der Ratgeber Tapinoma magnum in Deutschland: Verbreitung.
Verbreitung
Jahresverlauf
Weil die Nester bis in etwa einen Meter Tiefe reichen, übersteht Tapinoma magnum Frostperioden bis unter minus 10 °C.1 Die Art hat eine lange Jahresaktivität und ist auch bei niedrigen Temperaturen unterwegs.2 Für die Bekämpfung ist das Frühjahr entscheidend: Die Stadt Kehl beginnt das Monitoring bekannter Gebiete im Februar und die Bekämpfungssaison im März, um die Kernnester möglichst früh zu schwächen.3
Wie ein Saisonplan mit Heißwasser aussieht, beschreibt der Ratgeber Tapinoma magnum mit Heißwasser und Heißschaum bekämpfen.
Jahresverlauf
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Praxiswissen
Rechtlich besteht für Privatpersonen keine allgemeine Meldepflicht. Trotzdem ist es sinnvoll, einen Verdacht mit Fotos und Maßstab an das Forschungsprojekt TAPINOMA der Naturkundemuseen Karlsruhe und Stuttgart und an die eigene Gemeinde zu melden.12 Eine Bekämpfung ist nur sinnvoll, wenn alle angrenzenden Grundstücke mitmachen.2 Als wirksamste Methode nennt die Stadt Karlsruhe kochend heißes Wasser (mindestens 80 °C), das mit einer Sprühlanze zweimal pro Woche in den Bau eingebracht wird.2 Vergiftete Fraßköder und Kontaktinsektizide sind für Privatpersonen nicht frei käuflich und gehören in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer; vom privaten Einsatz von Insektiziden wird abgeraten.2
Vorbeugend helfen: neu gekaufte mediterrane Topfpflanzen kontrollieren, keinen Erdaushub aus Befallsgebieten transportieren, Pflaster auf Splitt oder im Mörtelbett verlegen, Futterquellen wie Mülltonnen und Blattläuse reduzieren sowie Hauszugänge mit Barrieren aus Kieselgur sichern.12
Ratgeber zur Großen Drüsenameise:
Praxiswissen
Für Kommunen und Eigentümer entstehen Kosten vor allem durch untergrabene Pflasterflächen und den hohen Bekämpfungsaufwand. Die Stadt Karlsruhe nennt außerdem Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln.2 Die Bekämpfung gilt als aufwändig, langwierig und kostenintensiv, mit ungewissem Ausgang.1
Wie teuer Fehlversuche sein können, zeigt das Beispiel Kehl: Acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze durch ein externes Unternehmen kosteten dort rund 20.000 Euro bei geringem Erfolg; erst das regelmäßige unterirdische Ausspülen der Nester mit Heißwasser brachte eine deutlich wahrnehmbare Reduzierung.3
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Nachweise