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Lexikon-Eintrag

Netz- und Gitterwanzen Tingidae

Netz- und Gitterwanzen
Mittleres Risiko Allergen Physische Gefahr Nützling Kann beißen

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Schnabelkerfe (Hemiptera)
Familie Tingidae
Art Tingidae
Wissenschaftlicher Name Tingidae
Akzeptierter Name

Einleitung

Die **Netz- und Gitterwanzen** (*Tingidae*) sind eine artenreiche Familie kleiner [Insekten](/pages/lexikon/insekten) innerhalb der Unterordnung der [Wanzen](/pages/lexikon/wanzen) (*[Heteroptera](/pages/lexikon/wanzen)*), die sich durch eine auffällige, spitzenartige Netzstruktur auf den Vorderflügeln und dem Halsschild auszeichnen.[1][2] Diese weltweit verbreiteten Tiere ernähren sich ausschließlich phytophag, indem sie Pflanzensäfte meist von der Blattunterseite saugen, wobei sie oft eine enge Wirtsspezifität aufweisen. Während einige Arten als Schädlinge an Ziergehölzen und Nutzpflanzen wirtschaftliche Schäden verursachen, werden andere Vertreter erfolgreich in der biologischen Bekämpfung invasiver Unkräuter eingesetzt.[1]

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Zuletzt am 11.06.2026
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Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über Netz- und Gitterwanzen (*Tingidae*): - *Tingidae*, auch bekannt als Netzwanzen, sind eine Familie kleiner [Insekten](/pages/lexikon/insekten) in der Ordnung der Schnabelkerfe (*Hemiptera*). - Sie gehören zur Unterordnung *[Heteroptera](/pages/lexikon/wanzen)* und zur Überfamilie Miroidea. - Charakteristisch für *Tingidae* sind ihre zarten, netzartigen Muster auf den Flügeln und dem Pronotum, die durch komplizierte Adernetze und Retikulationen entstehen. - Adulte *Tingidae* messen typischerweise 1,5–10 mm in der Länge. - Ihre Antennen sind viergliedrig, leicht keulenförmig und ohne Ocellen. - Nymphen sind dunkel gefärbt und mit dorsalen Stacheln versehen. - Die Familie umfasst etwa 2.613 beschriebene Arten in 318 Gattungen und 3 Unterfamilien (Cantacaderinae, Tinginae und Vianaidinae). - *Tingidae* sind weltweit in terrestrischen Habitaten verbreitet, jedoch nicht in aquatischen Umgebungen. - Sie sind hauptsächlich phytophag und nutzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, um Pflanzensaft von der Blattunterseite zu saugen. - Viele Arten zeigen ein geselliges Verhalten, wobei sich Nymphen auf Wirtspflanzen ansammeln. - Einige Arten sondern Honigtau ab, der [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) anlockt. - Bestimmte Gattungen zeigen mütterliche Fürsorge, bei der Weibchen Eier und frühe Nymphenstadien bewachen. - Einige *Tingidae*-Arten sind bedeutende Schädlinge von Zierbäumen, Obststräuchern und Nutzpflanzen wie [Auberginen](/pages/lexikon/aubergine) und Kartoffeln. - Sie verursachen durch ihre Saugtätigkeit gesprenkelte Blätter, Verfärbungen und verminderte Vitalität. - Die frühesten bekannten Fossilien der *Tingidae* stammen aus der Mittleren Trias vor etwa 240 Millionen Jahren.[1]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Familie *Tingidae* wird im deutschsprachigen Raum als Netzwanzen oder Gitterwanzen bezeichnet.[2][1] Systematisch gehört die Gruppe zur Überfamilie Miroidea innerhalb der Teilordnung Cimicomorpha und steht phylogenetisch den Weichwanzen (*Miridae*) nahe. Die interne Klassifikation unterteilt die Familie in die drei rezenten Unterfamilien Cantacaderinae, Tinginae und Vianaidinae sowie die ausgestorbene Gruppe Tingiometrinae.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Tiere der Familie *Tingidae* sind kleine, abgeflachte [Insekten](/pages/lexikon/insekten), die typischerweise eine Körperlänge von 1,5 bis 10 mm erreichen.[2][1] Ihr auffälligstes Merkmal ist die spitzenartige Netzstruktur auf dem Halsschild und den Vorderflügeln, die durch ein Geflecht erhabener Adern gebildet wird.[2] Der Kopf ist klein, nach unten geneigt und trägt viergliedrige Antennen, deren drittes Glied oft am längsten und leicht keulenförmig verdickt ist.[1] Die Färbung variiert meist zwischen blassbraunen, gräulichen oder schwarzen Tönen, die auf Pflanzenoberflächen als Tarnung dienen.[1][2] Bei der Andromeda-Netzwanze (*Stephanitis takeyai*) zeigen sich beispielsweise eine pechschwarze Halsblase sowie transparente Deckflügel mit zwei breiten, dunklen Querbinden.[2] Die Larven unterscheiden sich morphologisch deutlich von den Adulten, sind oft dunkler gefärbt und weisen dornige Fortsätze oder Tuberkel auf Thorax und Abdomen auf. Frühe Entwicklungsstadien sind flügellos, während in späteren Stadien (ab dem dritten Stadium) Flügelscheiden sichtbar werden.[1] Larven von *Stephanitis takeyai* sind spezifisch gelblich mit dunklen Flecken und besitzen einen spindelförmigen Körper mit langen Spornen.[2] Die Eier sind oft tonnen- oder nierenförmig und werden meist direkt in das Pflanzengewebe entlang der Blattadern versenkt.[1][2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Netz- und Gitterwanzen (*Tingidae*) gelten primär als Pflanzenschädlinge, die in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Zierpflanzenbau relevant sind. Die Tiere ernähren sich phytophag und saugen mit ihren Stechborsten den Zellsaft aus dem Mesophyll der Blätter, wobei sie meist an der Blattunterseite leben.[2][1] Typische Schadbilder umfassen anfänglich helle Punkte (Sprenkelung) durch das Aussaugen einzelner Pflanzenzellen. Bei starkem Befall kommt es zu einer Vergilbung (Chlorose), Blattfall und Verkahlung, was bis zum Totalausfall der [Pflanze](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze) führen kann. Zusätzlich scheiden Larven und Adulte Honigtau aus, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln, was die Photosynthese weiter beeinträchtigt und den Zierwert mindert.[2] Wirtschaftlich bedeutende Arten sind beispielsweise die Platanengitterwanze (*Corythucha ciliata*) oder die Andromeda-Netzwanze (*Stephanitis takeyai*).[2][4] In städtischen Gebieten wurde beobachtet, dass *Corythucha ciliata* gelegentlich Menschen sticht und leichte Dermatitis verursacht.[4] Zur Prävention und Bekämpfung werden kulturtechnische Maßnahmen wie der Rückschnitt befallener Zweige und die Sicherstellung einer ausreichenden Bewässerung zur Stärkung der Pflanzentoleranz empfohlen.[2] Chemische Bekämpfungsstrategien umfassen den Einsatz systemischer Insektizide, wobei auch biologische Gegenspieler wie [Marienkäfer](/pages/lexikon/asiatischer-marienkaefer) eine regulierende Rolle spielen können.[1][2]

Biologie & Lebenszyklus

Die Entwicklung der Netz- und Gitterwanzen (*Tingidae*) verläuft hemimetabol über fünf Nymphenstadien direkt zum adulten Insekt, ohne ein Puppenstadium zu durchlaufen. Die Eiablage erfolgt meist endophytisch, indem die Weibchen ihre nierenförmigen Eier mittels eines Legebohrers in das Pflanzengewebe entlang der Blattadern versenken. Bei Arten wie der Andromeda-Netzwanze (*Stephanitis takeyai*) wird die Einstichstelle zusätzlich mit einem schwarzen Kottropfen versiegelt. Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zur Imago ist stark temperaturabhängig und reicht von etwa 27 Tagen unter optimalen Bedingungen bis zu 70 Tagen bei kühlerer Witterung. In Mitteleuropa bilden viele Arten zwei Generationen pro Jahr aus, während in wärmeren Regionen auch drei Generationen möglich sind. Die Überwinterung erfolgt häufig im Eistadium, wobei der Schlupf der Larven im späten April oder Mai beginnt. Die Ernährung ist rein phytophag; die Tiere stechen mit ihren Mundwerkzeugen Pflanzenzellen des Mesophylls an und saugen diese aus. Dies verursacht auf der Blattoberseite charakteristische helle Sprenkelungen, die bei starkem Befall in eine Vergilbung und vorzeitigen Blattfall übergehen können. Das Wirtsspektrum reicht von Bäumen und Sträuchern bis hin zu krautigen [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze), wobei viele Arten eine enge Bindung an spezifische Wirtsgattungen wie *[Rhododendron](/pages/lexikon/rhododendron)* oder *Platanus* aufweisen.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Die Familie der *Tingidae* ist weltweit verbreitet und besiedelt tropische, subtropische sowie gemäßigte Zonen, wobei die größte Artenvielfalt in den Tropen liegt. Als primär baumbewohnende [Insekten](/pages/lexikon/insekten) leben sie vorwiegend auf verholzenden [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze), die vom Unterholz bis zu den Baumkronen in Wäldern oder Gärten reichen.[1] Die Tiere halten sich dabei überwiegend auf den Blattunterseiten auf, wo sie Pflanzensaft saugen und Schutz vor Witterungseinflüssen finden.[1][2] In anthropogen geprägten Lebensräumen wie Parklandschaften und Friedhöfen treten sie häufig an Wirtspflanzen wie [Lavendelheide](/pages/lexikon/lavendelheide), Rhododendren und [Azaleen](/pages/lexikon/azalee) auf. Einige Arten, wie die ursprünglich aus Japan stammende Andromeda-Netzwanze (*Stephanitis takeyai*), wurden durch den Pflanzenhandel nach Europa und Deutschland eingeschleppt.[2] Während die meisten Vertreter an Blättern leben, gibt es auch bodenbewohnende Arten der Unterfamilie Cantacaderinae, die in Laubstreu oder Moos vorkommen.[1] In Mitteleuropa erfolgt die Überwinterung oft im Eistadium oder als Imago, wobei die Aktivität der Larven typischerweise ab Ende April beginnt.[2]

Saisonalität & Aktivität

In gemäßigten Klimazonen wie Europa bilden *Tingidae* in der Regel ein bis drei Generationen pro Jahr aus, wobei die Entwicklung stark temperaturabhängig ist.[1][2] Für die Andromeda-Netzwanze (*Stephanitis takeyai*) ist in Norddeutschland mit zwei, in Süddeutschland eventuell mit drei Generationen zu rechnen. Die aktive Phase dieser [Insekten](/pages/lexikon/insekten) erstreckt sich meist von Ende April bis in den Oktober oder November.[2] Die Überwinterung erfolgt häufig im Eistadium, wobei Wintereier teils bereits ab August abgelegt werden, oder als adulte Tiere in Diapause.[1][2] Das digitale Suchinteresse in Deutschland spiegelt diesen saisonalen Verlauf wider und zeigt deutliche Spitzenwerte im Spätsommer. Die höchsten Abrufzahlen werden dabei in den Monaten August und September verzeichnet. In den Wintermonaten Januar und Februar sinkt das Interesse hingegen auf den Nullpunkt, was mit der Inaktivität der Tiere korrespondiert.[3]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Bad Sobernheim, Bahnhofstraße, 55566 Bad Sobernheim, Deutschland

    17.01.2026

  • MyEmail, 72525 Münsingen, Deutschland

    14.01.2026

  • München-Sendling, Deutschland

    14.01.2026

  • Frankfurt-Süd, Deutschland

    06.01.2026

  • Frankfurt-Süd, Deutschland

    06.01.2026

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://www.sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/tingidae
  2. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_03_10_04_01/print
  3. Aggregierte Suchanfragedaten (Deutschland), Keyword: Netz- und Gitterwanzen, 2026.
  4. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/fullarticle/2293164