Wer im Frühjahr oder Spätsommer welkende Salatsetzlinge, durchlöcherte Kartoffeln oder absterbende Maiskeimlinge auf seinen Feldern entdeckt, hat es oft mit einem der hartnäckigsten Schädlinge im Acker- und Gemüsebau zu tun: dem Drahtwurm. Doch der Drahtwurm ist kein eigenständiges Tier, sondern das Larvenstadium des Schnellkäfers (Familie: Elateridae). Während der erwachsene Käfer oberirdisch lebt und kaum nennenswerte Schäden anrichtet, wütet seine Larve über Jahre hinweg im Verborgenen des Bodens. Der Wegfall vieler chemischer Bodeninsektizide und veränderte klimatische Bedingungen haben in den letzten Jahren zu einer massiven Zunahme von Drahtwurmschäden geführt. Um diesen Schädling erfolgreich zu regulieren, ist ein tiefes Verständnis der komplexen Biologie, des artspezifischen Verhaltens und der neuesten Forschungsergebnisse zu alternativen Bekämpfungsmethoden unerlässlich.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwei Lebenswelten: Drahtwürmer sind die Larven von Schnellkäfern. Die Larvenentwicklung im Boden dauert je nach Art 3 bis 5 Jahre.
- Artspezifische Gefahr: Neben heimischen Arten wie Agriotes lineatus breiten sich wärmeliebende Arten wie Agriotes sordidus in Mitteleuropa aus, die einen kürzeren, aber aggressiveren Lebenszyklus aufweisen.
- Aktivitätsphasen: Drahtwürmer wandern im Bodenprofil. Hauptfraßphasen sind das feuchte Frühjahr und der Spätsommer.
- Bekämpfungsdilemma: Direkte chemische Kurativmaßnahmen sind weitgehend verboten oder wirkungslos. Der Fokus liegt auf Fruchtfolge, gezielter Bodenbearbeitung und biologischen Gegenspielern (z.B. Metarhizium-Pilze).

Vom Schnellkäfer zum Drahtwurm: Ein tückischer Lebenszyklus
Die Familie der Schnellkäfer verdankt ihren Namen einem einzigartigen Sprungapparat. Liegt der Käfer auf dem Rücken, kann er sich durch eine plötzliche Entspannung eines Dorn-Gruben-Gelenks an der Brust mit einem hörbaren "Klick" in die Luft katapultieren, um wieder auf den Beinen zu landen [3]. In Mitteleuropa existieren über 150 verschiedene Schnellkäferarten. Für die Landwirtschaft sind jedoch nur etwa 15 bis 20 Arten als pflanzenschädigend relevant, wobei die Gattung Agriotes die Hauptrolle spielt [1].
Die verborgene Gefahr: Bis zu 15 Larvenstadien im Untergrund
Der Lebenszyklus beginnt im Frühsommer. Die flugträgen Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in dichte, feuchte und ungestörte Pflanzenbestände ab – klassischerweise in mehrjährige Kunstwiesen, Weiden oder stark verunkrautete Ackerflächen [2, 3]. Nach etwa vier bis sechs Wochen schlüpfen die zunächst winzigen (1,5 mm), unpigmentierten Larven [3, 6].
Was folgt, ist eine extrem lange Entwicklungszeit im Boden. Die Larven der wirtschaftlich bedeutendsten Arten (wie der Saatschnellkäfer Agriotes lineatus, der Humusschnellkäfer A. obscurus und der Salatschnellkäfer A. sputator) benötigen 3 bis 5 Jahre, bis sie sich verpuppen [1, 3]. In dieser Zeit durchlaufen sie bis zu 15 Larvenstadien. Mit jeder Häutung wird ihr Chitinpanzer härter und nimmt die charakteristische gold-braune bis gelbe Färbung an, die ihnen den Namen "Drahtwurm" eingebracht hat [2]. Erst im letzten Entwicklungsjahr, wenn die Larven eine Größe von bis zu 3 cm erreicht haben, ist ihr Nahrungsbedarf so hoch, dass sie die massivsten wirtschaftlichen Schäden anrichten [3].
Klimawandel und Artenverschiebung: Der Vormarsch von Agriotes sordidus
Ein zunehmendes Problem in der landwirtschaftlichen Praxis ist die Verschiebung der Artenspektren. Während die klassischen mitteleuropäischen Arten kühle und feuchte Standorte bevorzugen, profitieren wärmeliebende Arten von den veränderten klimatischen Bedingungen. Ein Paradebeispiel ist Agriotes sordidus. Ursprünglich im westmediterranen Raum beheimatet, hat sich diese Art in den letzten Jahrzehnten massiv nach Norden ausgebreitet [4].
Ein bundesweites Schnellkäfer-Monitoring in Deutschland zeigte, dass A. sordidus mittlerweile nicht nur den Oberrheingraben besiedelt hat, sondern auch in nördlicheren Regionen wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein (sogar in Küstennähe) nachgewiesen wurde [4]. Die Gefahr dieser Art liegt in ihrer Biologie: A. sordidus hat einen deutlich kürzeren Lebenszyklus von nur 2 bis 3 Jahren [4]. Diese schnellere Entwicklung führt zu einem höheren Schadpotenzial, insbesondere im Kartoffel- und Gemüseanbau, da die gefräßigen Spätstadien schneller erreicht werden und die Art besser mit Trockenheit zurechtkommt [4].
Achtung: Schadschwellen sind artspezifisch!
Allgemeine Schadschwellen (z.B. 6 Drahtwürmer/m² bei Kartoffeln) greifen oft zu kurz. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die Drahtwurmart das Ausmaß der Schädigung diktiert. Arten wie A. sordidus oder A. brevis haben ein wesentlich höheres Schadpotenzial als beispielsweise A. ustulatus. Bei A. sordidus kann bereits eine geringe Populationsdichte zu massiven Ernteausfällen führen [1].
Fraßphasen und Wanderungsverhalten im Bodenprofil
Drahtwürmer sind nicht permanent in der obersten Bodenschicht aktiv. Ihr Verhalten wird stark von Bodenfeuchtigkeit und Bodentemperatur gesteuert. Bei ungünstigen Bedingungen (tiefe Wintertemperaturen, starke Sommerhitze oder extreme Trockenheit) ziehen sie sich in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie problemlos ein halbes Jahr ohne Nahrungsaufnahme überdauern können [2, 6].
Daraus ergeben sich in der Regel zwei Hauptaktivitätsphasen, in denen die Larven in die oberflächennahen Schichten (Wurzelhorizont) aufsteigen und Schäden verursachen:
- Frühjahrsphase (März bis Mai): Sobald sich der Boden erwärmt und die Winterfeuchtigkeit noch vorhanden ist, beginnen die Drahtwürmer intensiv zu fressen. Dies trifft Keimlinge (Mais, Rüben) und frisch gesetzte Jungpflanzen (Salat) besonders hart [1, 2].
- Spätsommerphase (September bis Oktober): Wenn nach ergiebigen Niederschlägen der Wassergehalt in den trockenen Böden wieder ansteigt, kommen die Drahtwürmer erneut an die Oberfläche. Diese Phase fällt fatalerweise oft mit der Abreife und Erntezeit von Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln zusammen [2].
Eine Ausnahme bildet der bewässerte Gemüsebau: Durch die künstliche Beregnung wird ein gleichmäßig hohes Bodenfeuchteniveau aufrechterhalten, was die Fraßaktivität der Drahtwürmer auch im Hochsommer begünstigt [1].

Schadbilder richtig deuten: Verwechslungsgefahren ausschließen
Drahtwürmer sind extrem polyphag, das heißt, sie fressen an den unterirdischen Teilen fast aller Kultur- und Zierpflanzen sowie an Unkräutern [1]. Die Art des Schadens variiert jedoch je nach Kultur:
- Kartoffeln und Wurzelgemüse: Hier fressen die Larven typischerweise runde Löcher mit einem Durchmesser von 2 bis 4 mm in die abreifenden Knollen oder Rüben. Die Fraßgänge reichen oft tief in das Gewebe und enthalten braune Exkremente [2].
- Salat und Jungpflanzen: Der Fraß am Wurzelhals führt zum plötzlichen Welken und Absterben der gesamten Pflanze. Zieht man die Pflanze aus der Erde, findet man oft den Drahtwurm direkt an der Fraßstelle [1, 3].
- Mais und Getreide: Hier werden die Keimlinge oder die jungen Wurzeln durchtrennt, was zu Fehlstellen im Bestand führt [6].
Verwechslungsgefahr: Besonders bei Kartoffeln können die Schäden leicht mit anderen Erregern verwechselt werden. Löcher können auch durch Schneckenfraß (z.B. genetzte Ackerschnecke) oder durch den Pilz Rhizoctonia solani (Drycore-Symptome) entstehen. Ein Aufschneiden der Knolle ist oft unerlässlich, um den tiefen, tunnelartigen Fraßgang des Drahtwurms eindeutig zu identifizieren [2]. Zudem fördern die Verletzungen durch den Drahtwurm Sekundärinfektionen, da Pilze und Bakterien leichter in die Knolle eindringen können.

Monitoring-Strategien: Pheromonfallen vs. Köderfallen
Um das Risiko eines Drahtwurmbefalls abzuschätzen, stehen der Praxis zwei primäre Monitoring-Methoden zur Verfügung, die jedoch unterschiedliche Lebensstadien ins Visier nehmen und deren Aussagekraft oft überschätzt wird.
Pheromonfallen: Den Käferflug überwachen
Pheromonfallen werden eingesetzt, um die männlichen Schnellkäfer während ihrer Flugzeit (Mitte April bis Ende Juni) anzulocken [3]. Diese Methode ist hervorragend geeignet, um festzustellen, welche Arten in einer Region vorkommen (z.B. zur Detektion des einwandernden A. sordidus) [4].
Das Problem: Pheromonfallen eignen sich nicht zur direkten Befallsprognose für das aktuelle Jahr und auch nicht zur Bekämpfung (Massenfang). Der Grund dafür ist simpel: Die Eiablage der begatteten Weibchen findet nicht zwingend am Standort der Falle statt. Zudem ist der Befall der Kultur durch die Larven zeitlich um Jahre zum Flug der adulten Käfer verschoben [3]. Auch die Verwirrtechnik, die bei anderen Schädlingen funktioniert, scheitert bei Schnellkäfern meist am gleichzeitigen Vorkommen verschiedener Arten auf einer Parzelle [3].
Köderfallen: Die Larven im Boden aufspüren
Um die tatsächliche Drahtwurmpopulation im Boden zu ermitteln, werden Köderfallen (z.B. eingegrabene Becher mit gequollenen Getreidekörnern oder Kartoffelhälften) eingesetzt. Dies geschieht idealerweise im Frühling oder Herbst bei Bodentemperaturen von über 15 °C [3].
Das Problem: Auch diese Methode ist für den Kartoffel- und Gemüseanbau oft zu unzuverlässig. Einerseits können bereits sehr geringe Populationen (die in den Fallen kaum auffallen) hohe wirtschaftliche Schäden verursachen. Andererseits gibt es Jahre mit hohen Fangzahlen, in denen die Kulturen kaum geschädigt werden, weil die Umweltbedingungen (z.B. extreme Trockenheit) ein Eindringen der Drahtwürmer in die Knollen verhindern [2]. Dennoch gilt: Werden in den Fallen regelmäßig Drahtwürmer gefunden, sollte auf den Anbau hoch anfälliger Kulturen verzichtet werden.
Integrierte und alternative Bekämpfungsansätze
Da reguläre chemische Bodeninsektizide zur direkten Bekämpfung der Drahtwurmlarven in den meisten europäischen Ländern nicht mehr zugelassen sind, erfordert das Management ein Umdenken. Die Strategie muss auf Prävention, Kulturführung und biologische Gegenspieler abzielen.
Fruchtfolge und Standortwahl
Das Risiko für Drahtwurmschäden ist in den ersten drei Jahren nach einem Wiesenumbruch (insbesondere nach mehrjährigen Kunstwiesen) am höchsten, da die Käferweibchen hier bevorzugt ihre Eier ablegen [2]. In gefährdeten Parzellen sollte in diesem Zeitraum auf den Anbau von Kartoffeln oder anfälligem Wurzelgemüse verzichtet werden. Als günstige Vorfrüchte gelten Eiweißerbsen, Ackerbohnen oder Brassicaceen (z.B. Gelbsenf als Gründüngung) [2]. Da Drahtwürmer humus- und tonreiche, schwere Böden bevorzugen, ist das Befallsrisiko auf leichten, sandigen Böden generell geringer [2].
Mechanische Bodenbearbeitung: Das Timing ist alles
Die Bodenbearbeitung ist eines der effektivsten Werkzeuge, muss aber exakt auf die Biologie des Schädlings abgestimmt sein. Ziel ist es, die empfindlichen Entwicklungsstadien (Eier, Junglarven und Puppen) an die Bodenoberfläche zu befördern, wo sie vertrocknen oder von Vögeln gefressen werden [4, 6].
Eine flache Stoppelbearbeitung (mit Scheibenegge, Fräse oder Mulcher) im Spätsommer (August/September), idealerweise einige Tage nach Niederschlägen, ist am effektivsten [2, 4]. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Larven in ihrer zweiten Hauptaktivitätsphase nahe der Oberfläche, und auch die empfindlichen Puppen des letzten Entwicklungsjahres liegen im Boden. Bei Trockenheit ist diese Maßnahme jedoch wirkungslos, da die Tiere zu tief abgewandert sind [4].
Entomopathogene Pilze: Metarhizium und Beauveria
Ein großer Hoffnungsträger in der biologischen Bekämpfung sind insektenpathogene Pilze, insbesondere aus den Gattungen Metarhizium und Beauveria. Diese Pilze befallen die Drahtwürmer im Boden; die Sporen haften an der Cuticula, das Myzel dringt in das Insekt ein und tötet es ab. Anschließend bildet der Pilz neue Sporen auf dem toten Wirt [3].
In Versuchen zeigte der Stamm Metarhizium anisopliae ART-2825 vielversprechende Ergebnisse. Wurde dieser als pilzbewachsenes Getreide in die Pflanzreihen eingearbeitet, konnte bei Agriotes ustulatus ein Wirkungsgrad von 65 % erreicht werden [1]. Allerdings zeigte sich auch hier eine starke Artspezifität: Bei Flächen mit vorwiegend A. sputator lag die Reduktion der Schäden nur bei 21 % [1].
Um die Effizienz zu steigern, wird aktuell an "Attract-and-Kill"-Verfahren geforscht. Dabei werden die Pilzsporen mit pflanzlichen Duftstoffen oder CO2-Quellen (z.B. in Alginat-Kapseln wie beim Produkt Attracap) kombiniert, um die Drahtwürmer gezielt anzulocken und zu infizieren [2, 3]. Die Herausforderung bleibt jedoch die langsame Wirkungsweise der Pilze: Bis die Population zusammenbricht, können Monate vergehen, in denen die verbleibenden Larven weiterhin Schäden anrichten [3].
Repellents: Kalkstickstoff und Niem-Produkte
Können Drahtwürmer vertrieben werden, wenn man sie schon nicht töten kann? Versuche mit Kalkstickstoff (CaCN2) zeigten in Laborversuchen eine repellente (abschreckende), aber keine toxische Wirkung auf ältere Drahtwurmstadien. Bei einer Aufwandmenge von 750 kg/ha reichte die abschreckende Wirkung bis zu einer Distanz von 25-40 cm [1]. In der Praxis bietet dies jedoch oft keinen ausreichenden Schutz für die gesamte Kultur [2].
Auch Niem-Produkte wurden intensiv getestet. Während flüssige Formulierungen (NeemAzal-T/S) im Gewächshaus kaum Wirkung zeigten, konnte in Präferenzversuchen mit Niempresskuchen (NPK) bei sehr hohen Konzentrationen (10-fache Standardmenge) eine signifikant repellente Wirkung nachgewiesen werden. Interessanterweise beruht dieser Effekt nicht auf dem bekannten Wirkstoff Azadirachtin A, sondern auf noch unbekannten Komponenten im Presskuchen. Im Freilandversuch (bei 40 kg NPK/ha) blieb der erhoffte Effekt zur Reduktion des Fraßschadens an Salat jedoch aus [1].
Das Dilemma der chemischen Kurativmaßnahmen
Die Suche nach kurativen (heilenden) chemischen Maßnahmen gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Ein umfassendes Forschungsprojekt von Agroscope (2015-2019) untersuchte die Wirksamkeit verschiedener Wirkstoffe (Chlorpyrifos, Spinosad, Spirotetramat, Tefluthrin, Fipronil) sowie biologischer Präparate zur Verhinderung von Knollenschäden bei Kartoffeln [7].
Das ernüchternde Ergebnis: Fast keines der getesteten Produkte konnte den Schaden signifikant reduzieren. Die einzige Ausnahme bildete das Referenzprodukt mit dem Wirkstoff Fipronil. Hier zeigte sich zudem, dass das Timing entscheidend ist: Wurde Fipronil bereits im Herbst in die Zwischenfrucht vor den Kartoffeln ausgebracht, war der Anteil geschädigter Knollen deutlich geringer als bei einer Anwendung direkt zur Pflanzung [7]. Das große Problem für die Praxis: Fipronil ist aufgrund seiner hohen Toxizität (insbesondere für Bienen) in der Schweiz und der EU längst nicht mehr zugelassen [7]. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, ganzheitliche Fruchtfolgekonzepte zu etablieren, anstatt auf eine "schnelle chemische Lösung" zu hoffen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum richten Drahtwürmer erst nach mehreren Jahren die größten Schäden an?
Drahtwürmer durchlaufen eine extrem lange Larvenentwicklung von 3 bis 5 Jahren. In den ersten Jahren sind sie klein und ihr Nahrungsbedarf ist gering. Erst im letzten Entwicklungsjahr erreichen sie eine Größe von bis zu 3 cm und fressen massiv an Wurzeln und Knollen, um Energie für die Verpuppung zu sammeln.
Helfen Pheromonfallen dabei, den Drahtwurmbefall auf dem Feld zu reduzieren?
Nein. Pheromonfallen locken nur die männlichen Schnellkäfer an und eignen sich hervorragend zum Monitoring der vorkommenden Arten. Sie verhindern jedoch nicht die Eiablage der Weibchen und reduzieren somit nicht die Larvenpopulation (Drahtwürmer) im Boden.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine mechanische Bodenbearbeitung gegen Drahtwürmer?
Der effektivste Zeitpunkt ist der Spätsommer (August/September), idealerweise kurz nach Niederschlägen. Zu dieser Zeit befinden sich die Larven und empfindlichen Puppen in den obersten Bodenschichten und können durch flache Bodenbearbeitung an die Oberfläche befördert werden, wo sie vertrocknen.
Wie unterscheidet sich der Schaden von Drahtwürmern von dem durch Schnecken an Kartoffeln?
Drahtwürmer fressen meist kreisrunde, 2 bis 4 mm große Löcher, die als tiefe, tunnelartige Gänge weit in das Innere der Knolle reichen und oft braune Exkremente enthalten. Schneckenfraß ist meist oberflächlicher, unregelmäßiger und höhlt die Knolle eher von außen aus.
Was ist das "Attract-and-Kill"-Verfahren bei der Drahtwurmbekämpfung?
Bei diesem biologischen Verfahren werden insektenpathogene Pilze (wie Metarhizium) mit Lockstoffen (z.B. CO2 aus Hefepräparaten) kombiniert. Die Drahtwürmer werden angelockt, kommen mit den Pilzsporen in Kontakt, infizieren sich und sterben ab.
Fazit
Der Kampf gegen den Drahtwurm ist ein Marathon, kein Sprint. Da die Larven des Schnellkäfers über Jahre hinweg im Boden überdauern und sich bei ungünstigen Bedingungen in tiefe Schichten zurückziehen, gibt es keine einfache "Spritz-Lösung" mehr. Der Wegfall hochtoxischer Wirkstoffe zwingt die Landwirtschaft zu einem intelligenten, integrierten Ansatz. Wer die Biologie der spezifischen Agriotes-Arten auf seinen Flächen kennt, kann durch angepasste Fruchtfolgen (Vermeidung von Wiesenumbruch vor Kartoffeln) und präzise getimte Bodenbearbeitung im Spätsommer den Befallsdruck deutlich senken. Biologische Verfahren wie der Einsatz von Metarhizium-Pilzen zeigen Potenzial, erfordern aber Geduld und eine Anwendung über die gesamte Fruchtfolge hinweg. Nur durch die Kombination dieser präventiven und indirekten Maßnahmen lassen sich Drahtwurmschäden langfristig auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß reduzieren.
Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
- Ritter, C. & Katroschan, K.-U. (2011). Möglichkeiten der Bekämpfung von Drahtwürmern (Agriotes spp.) im Gemüsebau. Info-Blatt 4/2011, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV.
- swisspatat (2022). Qualitätsmerkblatt: Drahtwürmer. Arbeitsgruppe Anbau & Qualität swisspatat, Agroscope.
- Guyer, A., Baur, B. & Grabenweger, G. (2020). Drahtwürmer – Möglichkeiten der Regulierung. Agroscope Merkblatt Nr. 118/2020.
- Lehmhus, J. & Niepold, F. (2013). New finds of the click beetle Agriotes sordidus (Illiger, 1807) and an overview on its current distribution in Germany. Journal für Kulturpflanzen, 65 (8).
- Lerche, S. et al. (2013). Untersuchungen zum Auftreten von Strauzia longipennis Wied. in Berlin und im Bundesland Brandenburg. Journal für Kulturpflanzen, 65 (8).
- AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Drahtwürmer - Schnellkäfer (Agriotes sp.).
- Agrarforschung Schweiz (2024). Kurative Massnahmen gegen Drahtwürmer (Agriotes spp.) in Kartoffelkulturen.