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Drahtwürmer schwarz: Identifikation, Arten & gezielte Bekämpfung
April 14, 2026 Patricia Titz

Drahtwürmer schwarz: Identifikation, Arten & gezielte Bekämpfung

Wer bei der Gartenarbeit oder bei der Feldkontrolle auf einen schwarzen, wurmartigen Schädling stößt, denkt oft sofort an den gefürchteten Drahtwurm. Die Schäden an Kartoffeln, Mais und Wurzelgemüse sind immens, und die Frustration bei Landwirten und Hobbygärtnern ist groß. Doch hier beginnt bereits das erste große Missverständnis in der Schädlingsdiagnostik: Echte Drahtwürmer sind in ihrem Larvenstadium fast niemals schwarz. Wenn Sie es mit einem schwarzen Schädling im Kontext der Drahtwurm-Problematik zu tun haben, handelt es sich entweder um das adulte Stadium (den Schnellkäfer), um eine völlig andere Tierart (Verwechslungsgefahr) oder um einen Drahtwurm, der bereits durch natürliche Gegenspieler abgetötet wurde. Um gezielte und vor allem wirksame Bekämpfungsmaßnahmen einzuleiten, ist es essenziell, die Biologie und die farblichen Ausprägungen der Gattung Agriotes exakt zu verstehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Farbmythos: Drahtwürmer (die Larven) sind goldbraun bis gelb. Die Bezeichnung "schwarz" trifft primär auf die ausgewachsenen Schnellkäfer (z. B. Agriotes obscurus) zu.
  • Der gefährliche Neuling: Agriotes sordidus ist eine stark schädigende, oft auffällig schwarz gefärbte Schnellkäferart, die sich durch den Klimawandel in Mitteleuropa ausbreitet.
  • Verwechslungsgefahr: Schwarze, wurmartige Tiere im Boden sind meist nützliche Tausendfüßler (Julidae) oder Schnakenlarven, keine Drahtwürmer.
  • Schwarze Larven als gutes Zeichen: Färbt sich ein echter Drahtwurm dunkel bis schwarz, ist er oft Opfer des insektenpathogenen Pilzes Metarhizium geworden – ein natürlicher Bekämpfungserfolg.
Unterschiede zwischen Drahtwurm, Tausendfüßler und Schnakenlarve.
Unterschiede zwischen Drahtwurm, Tausendfüßler und Schnakenlarve.

Sind Drahtwürmer wirklich schwarz? Die farbliche Identifikation

Um das Phänomen "Drahtwürmer schwarz" wissenschaftlich korrekt einzuordnen, müssen wir den Lebenszyklus der Insekten betrachten. Drahtwürmer sind keine Würmer, sondern die Larven der Schnellkäfer (Familie: Elateridae). In Mitteleuropa existieren über 150 Arten, von denen etwa 15 bis 20 als pflanzenschädigend gelten [1].

Die frisch geschlüpften Junglarven sind zunächst unpigmentiert, weißlich und nur etwa 1,5 mm lang. Im Laufe ihrer 3- bis 5-jährigen Entwicklung im Boden härten sie aus und nehmen ihre charakteristische gold-braune bis gelbe Färbung an [2]. Ihr Körper ist hart gepanzert, was ihnen den Namen "Drahtwurm" einbrachte. Eine schwarze Pigmentierung der lebenden, gesunden Larve kommt bei den landwirtschaftlich relevanten Agriotes-Arten (wie dem Saat-Schnellkäfer A. lineatus oder dem Salat-Schnellkäfer A. sputator) nicht vor.

Wenn in der landwirtschaftlichen Praxis von "schwarzen Drahtwürmern" gesprochen wird, ist fast immer das adulte Insekt gemeint. Die ausgewachsenen Käfer haben eine Größe von 0,7 bis 1,0 cm, sind langgestreckt und besitzen einen harten, abgeflachten Panzer mit feingestreiften, schwarzen oder dunkelbraunen Flügeldecken [3]. Sie fliegen von Mitte April bis Ende Juni und legen ihre Eier bevorzugt in dichte, feuchte Bestände wie Wiesen oder verunkrautete Ackerflächen ab.

Der schwarze Schnellkäfer im Fokus: Agriotes obscurus und Agriotes sordidus

Unter den wirtschaftlich bedeutenden Arten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stechen zwei Spezies hervor, die besonders häufig durch ihre dunkle bis schwarze Färbung im adulten Stadium auffallen und massive Schäden verursachen.

Agriotes obscurus (Der Humus-Schnellkäfer)

Der wissenschaftliche Name obscurus (lateinisch für dunkel, unklar, finster) verweist bereits auf die Optik dieses Käfers. Er ist einer der Hauptverursacher von Fraßschäden an Kartoffeln und Gemüse in Mitteleuropa. Die Käfer sind meist tief dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt. Sie bevorzugen kühle und feuchte Standorte sowie Böden mit einem Humusgehalt von über 5 % [3]. Die Larvenentwicklung dieser Art dauert 3 bis 5 Jahre, was bedeutet, dass sich die Populationen im Boden über lange Zeiträume aufbauen und erst spät durch massive Ernteausfälle (z. B. durchlöcherte Kartoffelknollen) bemerkbar machen.

Agriotes sordidus: Der gefährliche schwarze Neuling

Besondere Aufmerksamkeit in der aktuellen Agrarforschung erhält Agriotes sordidus. Ursprünglich im westlichen Mittelmeerraum beheimatet, breitet sich diese Art seit einigen Jahrzehnten massiv nach Norden aus. In Deutschland hat sie bereits ein geschlossenes Gebiet im Oberrheingraben besiedelt und breitet sich entlang der Flussläufe weiter aus [4].

Wissenschaftliche Monitorings zeigen, dass die adulten Exemplare von A. sordidus im süddeutschen Raum (z. B. am Oberrhein) als relativ große, schwarze Käfer in Erscheinung treten [4]. Diese Art ist aus zwei Gründen hochgradig problematisch:

  • Kürzerer Lebenszyklus: Im Gegensatz zu heimischen Arten benötigt A. sordidus für seine Entwicklung oft nur 2 bis 3 Jahre [4]. Dies führt zu einem viel schnelleren Populationsaufbau.
  • Höheres Schadpotenzial: Durch die schnellere Entwicklung fressen die Larven aggressiver. Neuste Erkenntnisse zeigen, dass bereits eine Dichte von 2 Drahtwürmern pro Falle bei A. sordidus ein höheres Schadpotenzial aufweist als 5 Drahtwürmer pro Falle bei anderen Arten (wie A. ustulatus) [1].

Achtung: Klimawandel begünstigt schwarze Schnellkäfer

Die Ausbreitung des wärmeliebenden Agriotes sordidus bis in nördliche Regionen (Funde sogar in Küstennähe in Niedersachsen und Schleswig-Holstein) zeigt, dass sich Landwirte auf neue, aggressivere Drahtwurmpopulationen einstellen müssen. Die morphologische Bestimmung dieser schwarzen Käfer wird oft durch PCR-Analysen (DNA-Tests) verifiziert, um sie von heimischen Arten zu unterscheiden [4].

Infektion eines Drahtwurms durch den Metarhizium-Pilz.
Infektion eines Drahtwurms durch den Metarhizium-Pilz.

Verwechslungsgefahr: Was kriecht da Schwarzes in der Erde?

Wenn Sie beim Umgraben schwarze, wurmartige Tiere finden, können Sie in den meisten Fällen aufatmen. Es handelt sich dabei fast nie um Drahtwürmer. Die häufigsten Verwechslungen betreffen:

1. Tausendfüßler (Julidae / Schnurfüßer)

Diese Tiere sind dunkelbraun bis tiefschwarz, zylindrisch und rollen sich bei Gefahr oft spiralförmig zusammen. Der entscheidende Unterschied zum Drahtwurm: Tausendfüßler haben an fast jedem Körpersegment zwei Beinpaare. Ein echter Drahtwurm hat ausschließlich drei Beinpaare, die sich ganz vorne am Brustbereich direkt hinter dem Kopf befinden [3]. Tausendfüßler sind wichtige Zersetzer von totem Pflanzenmaterial und gelten als Nützlinge für die Humusbildung.

2. Schnakenlarven (Tipulidae)

Die Larven der Wiesenschnake (oft "Leatherjackets" genannt) sind erdfarben, gräulich bis schwärzlich und haben eine weiche, lederartige Haut. Ihnen fehlen die Beine komplett. Drahtwürmer hingegen haben einen harten, chitinisierten Panzer. Schnakenlarven können zwar an Graswurzeln Schäden verursachen, das Schadbild an Kartoffeln (tiefe, runde 2-4 mm große Löcher) ist jedoch typisch für den Drahtwurm [2].

Infektionszyklus insektenpathogener Pilze beim Drahtwurm.
Infektionszyklus insektenpathogener Pilze beim Drahtwurm.

Wenn der Drahtwurm schwarz wird: Die Rolle von insektenpathogenen Pilzen

Es gibt ein Szenario, in dem ein echter Drahtwurm tatsächlich schwarz wird – und das ist für den Landwirt eine hervorragende Nachricht. Insektenpathogene Pilze, insbesondere aus den Gattungen Metarhizium (z. B. Metarhizium brunneum oder M. anisopliae) und Beauveria, sind die wichtigsten natürlichen Gegenspieler der Drahtwürmer [3].

Der Infektionsprozess verläuft wie folgt: Die Pilzsporen haften an der harten Haut (Cuticula) des Drahtwurms. Unter geeigneten Feuchtigkeitsbedingungen keimen die Sporen aus und das Pilzmyzel dringt mechanisch und enzymatisch in das Körperinnere des Insekts ein. Der Pilz durchwächst den Drahtwurm von innen und tötet ihn ab. Während dieses Absterbeprozesses verfärbt sich der Drahtwurm oft dunkel bis schwärzlich (Nekrose). Nach dem Tod des Wirtstieres bricht der Pilz durch die Hülle nach außen und bildet neue Sporen (oft als weißer oder grünlicher Flaum auf dem schwarzen Kadaver sichtbar), die wiederum andere Larven infizieren können [3].

Forschung und Praxis: Pilze als biologische Waffe

Da chemische Insektizide zur direkten Bekämpfung von Drahtwürmern (wie Fipronil, Chlorpyrifos oder Spinosad) in der EU und der Schweiz entweder keine ausreichende Wirkung zeigten oder aus Umweltschutzgründen verboten wurden [5], ruht die Hoffnung auf diesen Pilzen.

In Versuchen der Agroscope und des Julius Kühn-Instituts wurden Präparate auf Basis von Metarhizium getestet. Ein vielversprechender Ansatz ist die "Attract-and-Kill"-Methode (z. B. das Produkt Attracap). Hierbei werden Hefepräparate oder pflanzliche Duftstoffe (die CO2 ausstoßen und so wachsende Wurzeln simulieren) mit Pilzsporen kombiniert. Die Drahtwürmer werden angelockt, kommen mit den Sporen in Kontakt, infizieren sich, werden schwarz und sterben [2] [3]. In Feldversuchen konnte mit dem Stamm ART-2825 bei A. ustulatus ein Wirkungsgrad von 65 % erreicht werden [1].

Gezielte Bekämpfung: Was hilft gegen die Brut der schwarzen Schnellkäfer?

Da die direkte Bekämpfung der Larven im Boden extrem schwierig ist, muss ein integriertes Pflanzenschutzmanagement (IPM) angewendet werden, das auf die Biologie der Käfer und Larven abgestimmt ist.

1. Kulturtechnische Maßnahmen (Bodenbearbeitung)

Die effektivste Methode, um die Population der schwarzen Schnellkäfer zu dezimieren, ist die Störung ihrer empfindlichsten Entwicklungsstadien. Die Käfer legen ihre Eier im Frühsommer ab. Im Spätsommer (August und September) befinden sich Eier, Junglarven und Puppen in den obersten Bodenschichten. Eine flache Stoppelbearbeitung oder Fräsen in dieser Zeit befördert diese Stadien an die Oberfläche, wo sie durch UV-Strahlung und Trockenheit absterben [2] [3].

2. Fruchtfolge und Standortwahl

Schwarze Schnellkäferweibchen fliegen nur ungern weite Strecken und legen ihre Eier bevorzugt in dichte Bestände (Kunstwiesen, Kleegras) ab. Das Risiko für Drahtwurmschäden ist in den ersten drei Jahren nach einem Wiesenumbruch am höchsten (über 50 % Risiko bei Kartoffeln). Auf gefährdeten Parzellen sollte in den ersten 2 bis 3 Jahren nach dem Umbruch auf den Anbau von Kartoffeln verzichtet werden [2]. Günstige Vorfrüchte sind Eiweißerbsen oder Ackerbohnen.

3. Repellente Substanzen: Kalkstickstoff und Neem

Forschungsprojekte haben untersucht, ob bestimmte Dünger oder Pflanzenextrakte die Drahtwürmer vertreiben können (repellente Wirkung):

  • Kalkstickstoff (CaCN2): In Laborversuchen erwies sich Kalkstickstoff als nicht toxisch, aber stark repellent gegenüber älteren Drahtwurmstadien. Bei einer Aufwandmenge von 750 kg/ha reichte die vertreibende Wirkung bis zu einer Distanz von 25-40 cm [1].
  • Neem-Produkte: Während flüssige Neem-Präparate (NeemAzal-T/S) kaum Wirkung zeigten, konnte in Präferenzversuchen nachgewiesen werden, dass Neempresskuchen (NPK) in sehr hoher Konzentration (10-fach über Standard) eine signifikant repellente Wirkung auf Drahtwürmer hat. Die Larven mieden die behandelte Erde und fraßen weniger [1].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es schwarze Drahtwürmer?

Nein, gesunde Drahtwürmer sind goldgelb bis bräunlich. Wenn von "schwarzen Drahtwürmern" gesprochen wird, sind meist die ausgewachsenen schwarzen Schnellkäfer (z.B. Agriotes obscurus oder Agriotes sordidus) gemeint oder es handelt sich um eine Verwechslung mit Tausendfüßlern.

Was ist ein schwarzer, wurmartiger Käfer im Boden?

Meistens handelt es sich dabei um nützliche Tausendfüßler (Schnurfüßer). Diese haben an jedem Körpersegment Beine, während echte Drahtwürmer nur drei Beinpaare direkt hinter dem Kopf besitzen.

Warum verfärbt sich ein Drahtwurm schwarz und stirbt?

Eine dunkle bis schwarze Verfärbung (Nekrose) bei einer toten Drahtwurmlarve ist ein sicheres Zeichen für eine Infektion mit insektenpathogenen Pilzen wie Metarhizium brunneum. Der Pilz tötet den Schädling auf natürliche Weise ab.

Wie bekämpfe ich den schwarzen Humus-Schnellkäfer?

Da chemische Mittel weitgehend verboten oder wirkungslos sind, hilft am besten eine intensive, flache Bodenbearbeitung im Spätsommer (August/September). Dadurch werden Eier und Puppen an die Oberfläche geholt und vertrocknen.

Welche Pflanzen werden von Drahtwürmern verschont?

Kohlarten gelten als relativ robust gegenüber Drahtwurmfraß. Auch Leguminosen wie Eiweißerbsen oder Ackerbohnen eignen sich gut als Vorfrüchte in der Fruchtfolge, um den Befallsdruck für anfällige Kulturen wie Kartoffeln zu senken.

Fazit

Das Rätsel um den "schwarzen Drahtwurm" lässt sich biologisch klar auflösen: Die gefährlichen Larven im Boden leuchten goldgelb, während die adulten Verursacher – die Schnellkäfer – oft in dunklem Schwarz oder Braun in Erscheinung treten. Besonders die Ausbreitung des schwarzen Agriotes sordidus stellt die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Da die chemische Keule ausgedient hat, liegt die Zukunft der Bekämpfung in einem intelligenten Mix aus angepasster Bodenbearbeitung im Spätsommer, strikter Fruchtfolge und dem gezielten Einsatz von insektenpathogenen Pilzen, die den Drahtwurm im Boden infizieren und ihn schließlich selbst schwarz und unschädlich machen. Kontrollieren Sie Ihre Böden genau und lernen Sie, Nützlinge wie den schwarzen Tausendfüßler von den echten Schädlingen zu unterscheiden.

Wissenschaftliche Quellen & Referenzen

  1. Ritter, C. & Katroschan, K.-U. (2011). Möglichkeiten der Bekämpfung von Drahtwürmern (Agriotes spp.) im Gemüsebau. Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV, Info-Blatt 4/2011.
  2. swisspatat (2022). Qualitätsmerkblatt Drahtwürmer. Arbeitsgruppe Anbau & Qualität swisspatat, Agroscope.
  3. Guyer, A., Baur, B. & Grabenweger, G. (2020). Drahtwürmer – Möglichkeiten der Regulierung. Agroscope Merkblatt Nr. 118/2020.
  4. Lehmhus, J. & Niepold, F. (2013). New finds of the click beetle Agriotes sordidus (Illiger, 1807) and an overview on its current distribution in Germany. Journal für Kulturpflanzen, 65 (8), S. 309–314.
  5. Bussereau, F. (2024). Kurative Massnahmen gegen Drahtwürmer (Agriotes spp.) in Kartoffelkulturen. Agrarforschung Schweiz.

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